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  • Fine Art versus Digitale Kunst

  • kontur
    kontur
    Nun das Theman "Original" ist bei digitaler Kunst tatsächlich Auslegungssache. Letztendlich ist ja auch das, was die Herrschaften Publikum im Webbrowser zu sehen bekommen kein Original, sondern eine verkleinerte Jpg-Version. Nichts desto trotz, digitale Kunst lässt sich via mittlerweile etablierter Methoden als "Fine Art" (ei, da ist der Begriff) Prints in limitierter Serie auflegen - und viola, wie sind zurück beim konventionellen Begriff des Originals.
    Aber gerade auch was du in Richtung Nutzungsrechte und Vervielfältigung ansprichst wird wohl noch so manche neue Ansicht zu Tage fördern und entwickeln helfen.

    k.
  • atnima
    ich kenne mit digitale Kunst nicht aus, sowie mit Sculpturen, andere Werkzeuge andere Materialen andere Endobjekte. Wir stehen vielleicht von andere Art der Kunst?
  • iracsa
    Ich finde die Technik (analog, digital) eigentlich nebensächlich wenn es um Kunst geht. Man kann mit beidem Kunst machen und mit beidem Nicht-Kunst. Wie heißt es so schön, "Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht". Selbiges gilt auch für Eitempera und Photoshop, um nur zwei Beispiele zu nennen.
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  • Hardy69
    Hardy69
    Eine lichtveränderung an der quelle des virtuellen 3d raumes ist fundamentaler und gründlicher als jeder farbfilter und pinsel jemals sein kann. Ein dreh des kameraauges um einge grad ergibt bei gleichen lichtbedingungen einen anderen blickwinkel den man in einem bildbearbeitungsprogramm so nicht kopieren kann.


    Der Fotografie ging es, wie auch Neo schon eingangs dieses Themas schrieb, vor 100 Jahren ganz ähnlich; damals bestanden noch erhebliche Zweifel, ob diese als Kunst anerkennbar sei, weil nicht Pinsel und Farben als Werkzeug dienten, sondern mit Blende, Verschlußzeit, Brennweite und Formatwahl eine Momentaufnahme geschaffen wurde, die dann erst durch Ausentwicklung und den Handabzug auf Papier zum vollendeten Werk wurde - und vor über 100 Jahren kam dann meist noch der Retuschierstift zum Einsatz.

    Wenn ich ein Kleinbild-Negativ, dessen Bildabzug vor ein paar Wochen für 9 Cent über eine Drogeriekette bestellt wurde, von Hand ausbelichten und abziehen lasse, erhalte ich sicherlich ein anderes Ergebnis.

    Verhält es sich aber mit Digitalaufnahmen nicht ebenso ? Nur wenn ich jede Einstellung und jede Schrittfolge der programmierten Nachbearbeitung übernehme und jeden einzelnen Pixelpunkt vorgabegleich reproduziere, erhalte ich auch exakt dasselbe Ergebnis.
    Ein Kunstfälscher, der ein berühmtes Ölgemälde dupliziert, braucht umfangreiche Vorkenntnisse und 3 Wochen Zeit, während der digitale Fälscher in 3 Minuten fertig sein kann.
    Aber hier spiegelt sich auch die Bewertung von Werken als Kunst wieder: Wird nicht der Kunstcharakter genau dann eher angezweifelt bei "monochromes gelb in Acryl, Format 30x40", weil es den Eindruck erweckt, von jedem Schulkind in einer viertel Stunde bewerkstelligbar zu sein ?
    Aber ein Picasso ist eben ein Picasso, auch wenn der große Meister in 10 Minuten fertig damit war.
    Aber kann der Zeiteinsatz wirklich ein Kriterium sein ? Wenn ein Kunstschüler 3 Stunden an einem Kupferblech herumkratzt, während sein Nachbar 2 Stunden Zeitung liest und dann in einer halben Stunde eine wunderbar gelungene, schön anzuschauende Radierung erschafft, dann hat dieses hervorragend gelungene Werk auch eine gute Bewertung verdient.

    Ist die Wahl der Werkzeuge vom "elitären" Schaffen mit dem "simplen" Pinsel zum "populären" Computergebrauch hochkomplizierter Programme maßgeblich ? Zerbricht der Pinsel, kann mich das zwar inspirieren, mit den Fingern weiterzumalen - aber das Fingerfarbenbild wird ein anderes Werk sein als es bei einer Vollendung mit dem ursprünglich vorgesehenen Werkzeug gewesen wäre.

    Kontur hat noch einen ganz wichtigen Aspekt genannt :

    Viel Interessanter finde ich hierbei die Frage in wie weit das Medium die Kunst tatsächlich erweitert, ihr mehr Macht verleiht.
    Mag mancher Künstler es konservativ verteufeln, wenn der Kollege am PC einen geführten Strich schlichtweg rückgängig macht, ist es nicht eine genauso legitime Art und Weise zum Endprodukt?


    Menschen, die nie einen Pinsel in die Hand nehmen würden, haben so ein neues, anderes Medium, mittels dessen sie ihre Schöpfungskraft umsetzen und zum Ausdruck bringen können. Schaden kann es der Kunst doch nicht, sie dadurch präsenter zu machen. Auch das Internet erweitert den Interessentenkreis und läßt Kunst ankommen, wo sonst kein Weg hingeführt hätte.
    Schöne Pfingsten !
    Hardy
  • tsinogyloP_ehT
    Ich muß dazu sagen das ich vorher mindestens acht jahre mit pinsel und auch dem airbrush gearbeitet habe bis ich auf grund der tatsache das ich beruflich mit dem computer zu tun bekam automatisch diese werkzeuge bei seite legte

    Ich finde die Technik (analog, digital) eigentlich nebensächlich wenn es um Kunst geht. Man kann mit beidem Kunst machen und mit beidem Nicht-Kunst. Wie heißt es so schön, "Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht". Selbiges gilt auch für Eitempera und Photoshop, um nur zwei Beispiele zu nennen


    Finde ich im prinzip auch. Aber darum geht es mir nicht, sondern die frage warum damit hantieren und nicht hiermit - also doch wieder die unterschiede zu markieren.
    Auch wenn es übertrieben klingt, aber kreativität ist ein schöpferischer also auch gottgleicher akt. Der mensch strebt automatisch in seinem tun danach es gott gleich zu tun. Das ergebnis war also bis dato gottgleich, der prozess selbst war bis zu dem ergebnis hin eher menschlich, will meinen: Man quält sich bis zum ergebnis (jeder kennt vielleicht das hadern mit sich und der leinwand ) wie der mensch sich durchs leben quält.

    Der prozess der mich im virtuellen raum eines 3-d programmes fasziniert ist das auch nun der prozess an sich gottgleicher wird. Hier bin ich herrscher über licht und objekt, über alles was kreucht und fleucht. Nichts kann hier weglaufen. Die sonne kann ewig an dem flecken stehen wo ich sie haben will.
    Bin ich nun gott oder doch nur ein diktator ?
  • iracsa
    Ich muß dazu sagen das ich vorher mindestens acht jahre mit pinsel und auch dem airbrush gearbeitet habe bis ich auf grund der tatsache das ich beruflich mit dem computer zu tun bekam automatisch diese werkzeuge bei seite legte

    Ich finde die Technik (analog, digital) eigentlich nebensächlich wenn es um Kunst geht. Man kann mit beidem Kunst machen und mit beidem Nicht-Kunst. Wie heißt es so schön, "Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht". Selbiges gilt auch für Eitempera und Photoshop, um nur zwei Beispiele zu nennen


    Finde ich im prinzip auch. Aber darum geht es mir nicht, sondern die frage warum damit hantieren und nicht hiermit - also doch wieder die unterschiede zu markieren.
    Auch wenn es übertrieben klingt, aber kreativität ist ein schöpferischer also auch gottgleicher akt. Der mensch strebt automatisch in seinem tun danach es gott gleich zu tun. Das ergebnis war also bis dato gottgleich, der prozess selbst war bis zu dem ergebnis hin eher menschlich, will meinen: Man quält sich bis zum ergebnis (jeder kennt vielleicht das hadern mit sich und der leinwand ) wie der mensch sich durchs leben quält.

    Der prozess der mich im virtuellen raum eines 3-d programmes fasziniert ist das auch nun der prozess an sich gottgleicher wird. Hier bin ich herrscher über licht und objekt, über alles was kreucht und fleucht. Nichts kann hier weglaufen. Die sonne kann ewig an dem flecken stehen wo ich sie haben will.
    Bin ich nun gott oder doch nur ein diktator ?


    naja, ich hab bisher analoge Kunst gemacht (Materialbilder auf Holz), sehe aber Detail Photos davon als eigene Sache (digital). Im Moment versuche ich grade meinen gestern erworbenen Camcorder an meine Linux Kiste zu bringen. (Nebenher mache ich noch Musik (analog, wobei ich eigentlich auch gerne mal mehr digitales Zeug machen will). Ich sehe wirklich nicht der Unterschied in Sachen kreativer Akt.

    Dich faziniert im Moment 3D Bildbearbeitung, evtl. in drei Monaten wieder was ganz anderes. Aber der Unterschied zu einem Bild ist nicht das das eine ein schöpferischer Akt wäre und das andere nicht, der Unterschied ist "nur" technisch. Da gibt es natürlich Unterschiede. Klar, eröfnet es andere Perspektiven, mit 3D Programmen rumzuexperimentieren als analoge Malerei. Aber ich finde nicht, dass diese 3D Sachen gottgleicher machen. Nur ungewohnter weil neuer. Eine Frage der Gewöhnung, mehr nicht. Es gibt ja auch Perspektiven, die analoge Kunst bieter, die digital nicht hat. Ein phyisches Bild ist z.B. tatsächlich 3D (hat mehr oder weniger Struktur) ein digitales Bild im Ergebnis nicht.

    Ist Gott nicht auch ein Diktator, in gewisser Weise?
  • Hardy69
    Hardy69
    Ein Vorteil des Digitalen wurde mir gerade bei einer Bildkommentierung bewußt :
    Bei einem Gemälde hat jeder Pinselstrich auch etwas Irreversibles; beim Digitalbild kann ich den erreichten Bearbeitungsstatus speichern und dann weiterexperimentieren, ohne daß mir das Erreichte verlorengehen kann. Denn ich weiß ja nicht, ob eine weitere Veränderung auch zu einer Verbesserung führen wird. Genau dieses "Hadern mit der Leinwand" ist es, was dem Digitalkünstler erspart bleibt, denn da kann eben nichts weglaufen !
    Aber stellt sich in der Kunstschöpfung wirklich die Frage, Gott oder Diktator zu sein ?
    Wenn jemand diese Rolle übernimmt, dann doch eher das Publikum, ein Museumsdirektor, ein Galerist oder ein Kritiker, die das geschaffene Werk bewerten und beurteilen: Der Künstler selbst kann nur hinnehmen, ob es überhaupt einen Erfolg und welche Wirkung es erzielt.
    Statuieren kann ein Künstler natürlich schon - das Werk selbst und die Aussage, die er selbst damit verbindet. Aber diktiert wir doch am ehesten durch das Auswählen, Präsentieren und Veröffentlichen - indem das Werk eine Platz bekommt und eine Chance, wahrgenommen zu werden. Unzählige schöpferische Werke sind spurlos untergegangen im Lauf der Jahrhunderte, von denen niemand so Notiz genommen und dann weitere Schritte unternommen hat, daß sie der Nachwelt erhalten geblieben wären.
  • kontur
    kontur
    Letztendlich ist für mich aber auch Kunst mit einem vermeindlichem, irreversiblem Fehler weiter zu arbeiten, ihn in das Bild aufzunehmen und ihn einzubinden, so dass er nicht länger Fehler ist. Dies habe ich auch in Anbetracht digitalem Arbeitens nur bestätigt gesehen.
    Entweder man fühlt das Bild, oder man lässt es. Rückgängig machen zu Können ist vielleicht nur auf den ersten blick ein Vorteil. Genauer betrachtet beinhaltet es doch die Obsession, jeden Schritt rekonstruieren zu können, und Entscheidungen immer wieder neu in Frage stellen zu Können. Dementsprechend könnte man auch sagen, eben diese Reversibilität im digitalen Medium erfordere erhöhte Entschlossenheit.
    Gleiches gilt für die Beschaffenheit der 'Mittel'. Digital erfordert es nichts als einen Klick eine neue Leinwand anzufangen. Es kostet nichts 100 mal anzufangen, und es kostet nichts, 100 mal größer zu arbeiten. Somit reduziert es sich auf eigentümliche Weise auch auf das Wesentliche: den Inhalt, das Herzblut, den Willen und das Können.


    k.
  • rep
    zitat kontur....:
    Es kostet nichts 100 mal anzufangen, und es kostet nichts, 100 mal größer zu arbeiten. Somit reduziert es sich auf eigentümliche Weise auch auf das Wesentliche: den Inhalt, das Herzblut, den Willen und das Können.
    zitat ende.

    hmm...?
    "was heisst hier es kostet nichts" ?
    geld, oder was?
    es "kostet" eine ganze menge mehr. nämlich arbeit (=energie) und lebenszeit.
    oder nicht?

    @hardy69...
    man kann auch mit pixeln, den (un)möglichkeiten eines programms und der hardware hadern.

    und..zitat:
    ...Unzählige schöpferische Werke sind spurlos untergegangen im Lauf der Jahrhunderte, von denen niemand so Notiz genommen und dann weitere Schritte unternommen hat, daß sie der Nachwelt erhalten geblieben wären...
    zitat ende.

    na und?
    das passiert (vermeintlich) schon seit ewigkeit, oder besser -immer-
    (wenn du den begriff "kunst" nicht nur auf die sogenannte bildende kunst anwendest.)
    alles ist und bleibt im kollektiven bewusstsein enthalten.
    mit anderen worten: wenn ich jetzt schreie, kommt der dadurch entstandene druck, egal wann, irgendwo anders an und bewirkt etwas. und im umkehrschluss: wenn ich jetzt schreien würde oder hier auf das gelesene so oder so reflektiere, ist das auf die derzeitige "erkenntnis" deines bewusstseins und deines textes zurückzuführen.
    und woher hast du deine "erkenntnis"? nichts geht wirklich "unter" es sei denn, du glaubst an nichts anderes, als an das, was du siehst oder in der lage bist, bewusst wahrzunehmen.


    meine "erkenntnis" besteht darin, dass der zweck die mittel heiligt. es ist für mich völlig egal ob ich nen comp oder nen pinsel, töne oder was anderes benutze.

    ich finde den begriff fine art übrigens nur manipulativ und commercial. aber alles soll ja schliesslich unter irgendeinem möglichst geilen label versemmelt werden, nicht wahr?
    die machwerker, die agents und die kunden fühlen sich dann sehr viel besser

    :)))
  • Pierre Menard
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