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  • Erfahrungen als Künstler.

  • eva schmidt
    eva schmidt Erfahrungen als Künstler.
    Habe mich bisschen hier umgesehen. Bin begeistert, das ist mein ernste Kunstforum, und meine Gratulation für Konstantin.
    Nach meiner Meinung sind hier wesentlich jüngere Künstler-innen, wie ich bin. Oft lese ich die Fragen, wie ein jüngerer Künstler sich in Kunstleben etablieren kann. Ich möchte mit Rat helfen, vielleicht ist mein Rat nicht gerade Zeitlich, trotzdem versuche ich es.
    Alleine arbeiten ist gut. Beim ausstellen aber kann ein Künstler Schwierigkeiten bekommen. Deswegen empfehle ich eine KunstOrganisation, wo ganz leicht geht es in einer Gruppenausstellung. Bei der Vernissage sind etliche Leute da, von Kulturamt, von d. Presse, der Vorsitzende organisiert alles, und eine Organisation ist unterstützt mit Spendegelder.
    Ein separat arbeitender Künstler bekommt sehr selten Spende, in letzte Zeiten fast gar nichts.
    Ich spreche jetzt über junge Künstler-innen, aber muss nicht gerade ganz jung sein. In Bildende Künste arbeitende. Das kostet jährlich einen kleinen Preis, dafür aber sind die Möglichkeiten zu den Ausstellungen immer da.
    Es ist ganz spannend, wie sich die Ausstellungen häufen, in verschiedene Städte / voriges Jahr in Cagnes sür Meer/, und ohne anstrengende Arbeit, alles ist organisiert.
    Bin in einige Kunstvereine, das Beste finde ich das BBK, / Berufsverband der Bildende Künstler/ es ist in ganze Deutschland vernetzt.
    Wie mehr Kunstvereine, so mehrere Möglichkeiten bieten sich, und wirklich gute Bekanntschaften auch. Die Presse ist auch sehr wichtig. Da s sind die kleine Schritte, wenn ein Künstler kein Millionär ist, und nicht d. Glück hat, mit einem Spaßmachender Galerist entdeckt worden. /Meine ich die International bekannte Galerien, wo alle Künstler hin streben, natürlich./
    In diesem Moment, wo ein Künstler ohne Jury sich einkaufen muss, rate ich Finger weg, bringt nichts. In Vita kann ein abenteuerlich veranlagte „Künstler“ schreiben was er auch will. Keiner wird das überprüfen, „ wo keine Klage…… :O))).
    Aber ich kenne Fälle, wo die Klage schon da war, es endete sehr böse für der „Künstler“. Die „echte“, und hart arbeitende schlagen zu.:O)))))

    Grüsst

    Dodja

    /Sorry, bin keine deutsche/
  • reteP
    Hallo, Dodja,

    ja, eine Organisation ist wirklich das beste, was man für sich als Künstler tun kann. Aber es ist nicht leicht, in eine solche hineinzukommen. Dort werden sehr strenge Maßstäbe gesetzt, die man durch Zeigen eigener Werke erstmal erfüllen muß. Und die Hürde ist sehr hoch! Dennoch: Man sollte es versuchen, finde ich. Ich werde es im nächsten Jahr beim Herbstaufnahmetermin in der Oberpfalz versuchen.

    Liebe Grüße

    Peter
  • lleiret
    Hallo zusammen,

    ich bin noch recht neu hier und habe gerade mal hier und da in die Forenthemen geschnuppert.

    Offengesagt bin ich doch überrascht, wie oft die finanziellen und strategischen (Organisation - ja, nein etc.) Aspekte im diskutablen Vordergrund stehen.

    Zunächst soll das aber selbstverständlich nicht heissen, dass ich solche Aspekte oder Fragestellungen im Kontext der Kunst nicht verstehen kann. Existentielle Fragen und Bedürfnisse sind natürlich mehr als legitim.

    Nur die Vordergründigkeit dieser Aspekte verwirrt mich doch. Ich habe bspw. in einem anderen thread gelesen, dass diese oder jene Kunst eine "Verarschung" der Leute, Rezipienten, Käufer sei... Ist denn Kunst allgemeinhin in materiellem Gegenwert oder der Erfüllung mancher Erwartungen aufzuwiegen?
    Stellenweise vermisse ich hier die persönliche Intention, die ausschlaggebend dafür ist, dass man gar nicht erst anders kann, als die Realität in Frage zu stellen, sie zu transportieren oder sie sinnästhetisch umzuwandeln.

    Was Kunst ist oder was sie kann bzw. nicht vermag, drückt sich doch schliesslich nicht in existentiellen Strategien oder eine finanziellen Bestrebungen aus. Kunst ansich ist doch eine existentielle Frage, zuallererst auch eine sehr intime und subjektive (egal mit welchem gesellschaftlichen Bezug).

    Ich möchte nun aber keinesfalls gegen den Erfahrungsaustausch wettern, im Gegenteil. Aber ich meine oft in den verschiedenen Forumsbeiträgen das Bestreben nach "finanzieller Sicherung durch Kunstschaffen" oder "dem Ansehen im Kreise des Kulturapparates" wiederzuerkennen. Ansich ist dies wohl auch kaum verwerflich, aber in meinen Augen erst eine Frage die sich wenn, weit am Ende stellen könnte.

    Subjektiv gesprochen ist die Kunst für mich ein Prozess, der nicht enden wird. Sie unter den Scheffel des Kulturbetriebs zu stellen oder sie gar als berufliche Zielsetzung zu betrachten, fällt mir persönlich sehr schwer. Wie schlimm wäre es denn, wenn ich plötzlich vorrangig die Dinge malen (oder dementsprechend denken ) müsste, die den Kulturbürokraten besonders gefallen oder mit denen ich mich "am einfachsten" über die nächste Miete retten könnte...
    Es ist doch gleichsam eine grosse Freiheit, sich nicht in irgendeiner Weise beugen zu müssen und nicht im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Um ehrlich zu sein, würde mich dies sehr einengen, da ich plötzlich begründen müsste.... aufzeigen und erläutern müsste.... Ich male bspw. in keinster Weise "für die Menschen", da muss ich mir schon einen enormen Egoismus einräumen... es geht mir beim Malen um einen subjektiven Prozess. Sogar das Ergebnis ist mir recht egal, die Arbeit selbst gab eventuell Aufluss und schaffte neuen Dialog mit der Realität.

    Natürlich, es ist völlig paradox unter diesen Beweggründen doch etwas ins "Netz" zu stellen und somit in gewisser Weise doch den öffentlichen Raum zu betreten. Dies dient allerdings eher der eventuellen Debatte und sicherlich einer gewissen neugierbehafteten Auslieferung.

    Ich hoffe, dass ich hiermit keinem auf die Füsse getreten habe... wollte jedoch wirklich mal loswerden, dass ich diese strategischen oder finanziellen Aspekte verstehe, aber nur in sehr weit hinten angereihter Relevanz sehen kann und somit nur überrascht war, dass der "Wert" und die "Wertsteigerung" von "Kunst" so oft zum debattierten Vorschein kommt...


    Viele Grüße, der Sebastian
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  • reteP
    Hallo, Sebastian,

    ich kann Dir zustimmen und widersprechen zugleich :-)

    Einerseits ist der finanzielle Aspekt natürlich wichtig, wenn man von der Kunst leben muß. Ich muß das nicht, und fühle mich dadurch sehr sehr frei. Aber ich kenne einige Kolleginnen und Kollegen, die existentiell darauf angewiesen sind, ihre Sachen zu verkaufen, ja, die sogar hungern (!) müssen, um sich ihr Material zu kaufen. Sie haben keinen "Brotberuf", der sie nährt, und versuchen dennoch, so frei und unabhängig wie möglich zu arbeiten, einige sogar so kompromißlos, daß sie lieber frieren und auf eine oder zwei Mahlzeiten am Tag verzichten als "im Auftrag" zu arbeiten.

    Andererseits aber macht man sich Illusion, wenn man meint, seine Sachen so frei wie möglich zu schaffen und davon gut und in Luxus leben zu können. Wie ich schon mehrfach auf die Zeitschrift "Das Atelier" hinwies, so kann man dort manchmal Zahlen und Fakten lesen, die eher dem Bild des "hungernden Künstlers" als des Schickimicki-Künstlers entsprechen.

    Warum allerdings manche Künstler unbedingt in die Szene wollen, kann ich auch nicht so ganz verstehen. Daß man ausstellen möchte, ist klar. Möchte ich auch. Aber der ganze Szene-Kram ist mir derart zuwider!!! Ich ziehe da meine Atelierklause vor, besonders die in Bayern, wo ich ein zweites Atelier habe, in einem Winzig-Dorf, wo man in Ruhe gelassen wird, wo ich in der Natur arbeiten kann, und einfach nur das machen kann, wozu es mich innerlich drängt.

    Aber ich weiß, daß ich ein Glückspilz bin.

    Gruss

    Peter
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Ich halte mich ja eigentlich nicht für sonderlich naiv, aber nun muss ich doch mal rundäugig nachfragen, Peter:

    "...Kolleginnen und Kollegen, die existentiell darauf angewiesen sind, ihre Sachen zu verkaufen, ja, die sogar hungern (!) müssen, um sich ihr Material zu kaufen... "

    Ernsthaft? Ich gestehe, dass ich das nicht bis in diese Konsequenz nachvollziehen kann.

    Wenn man vom einen nicht leben kann, warum dann nicht einen Job für ein paar Stunden pro Woche annehmen? Wenn mir nichts anderes übrigbliebe, würde ich eher bei McDonalds jobben oder putzen gehen oder für ein paar Monate Zeitarbeit im Büro annehmen oder auch Malunterricht geben - egal was. Alles besser als mich so sehr unter den Druck des Verkaufserfolgs meiner Kunst zu begeben.

    Es gibt sicherlich Arten von Kompromisslosigkeit, die als subjektive Notwendigkeit gelebt wird. Meine Empathie hält sich dabei jedoch in Grenzen, auch wenn die "Lilien-auf-dem-Feld-Variante" durchaus einen romantischen Reiz haben mag.

    Bin lieber pragmatisch. Und halt´s natürlich wieder mal mit Krishnamurti, der da so weise sprach: "Man muss nicht VON dieser Welt sein, um IN dieser Welt leben zu können."

    So! Wort zum Sonntag beendet. Krimi fängt an!
    Signature
  • reteP
    Hallo, Brooklyn,

    doch, wirklich, ich kenne mehrere Künstler, die arg am Rande dessen leben, was möglich (bzw. unmöglich) ist. Inwiefern diese versuchen, jobmäßig etwas dazuzuverdienen, kann ich nur von einem sagen: er fährt pro Woche 8 Stunden Taxi, um die Miete zahlen zu können und einen Aldibesuch pro Monat zu schaffen. Bei den anderen weiß ich es nicht.

    Und im Übrigen: Die Leute, die ich kenne, wohnen fast alle in sehr einsamen Gegenden. Finde mal in Altenschneeberg (Oberpfalz) oder so einen Job. Da gibt es nichts. Auch (bzw. vor allem ;-)) kein McDoof.

    Aber wie dem auch sei: Ich wollte gar nicht diese Menschen thematisieren, sie haben sich für ihren Weg entschieden (und ich muß wirklich sagen: Sie jammern nicht darüber, sondern sorgen sich nur hin und wieder), sondern das manchmal doch sehr naive und unbedachte Empörtsein darüber, daß man den Verkauf überhaupt "im Blick" hat...

    Schönen Gruss und allen einen guten Morgen

    Peter
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Hallo Peter (frühaufstehender Glückspilz),

    stimmt!

    Das kommt davon, wenn man schon so lange in der Stadt wohnt. Die Infrastruktur von Altenschneeberg in der Oberpfalz hab ich natürlich nicht bedacht! Obwohl ich doch selber in einem 500-Seelen-Dorf aufgewachsen bin...

    Nun - um das Thema "Verkauf" aber noch mal aufzugreifen:

    Du hattest ja bereits in Deinem ersten Beitrag Zustimmung und Widerspruch zu teriells Darlegung geäussert. Es gibt eben viele Aspekte, die sowohl aus subjektiver als auch aus objektiver Notwendigkeit heraus dabei eine Rolle spielen.

    Ich denke aber, dass in der von teriell angesprochenen Haltung nicht nur der Wunsch nach finanziellem Erfolg, sondern auch der nach Beachtung und Anerkennung eine Rolle spielt. In der Regel ist der finanzielle Erfolg nur ein Gradmesser für das zweite und folgt diesem in der zeitlichen Reihenfolge.

    Man kann natürlich seine Kunst auf den selbstbezogenen Prozess beschränken und darin die für sich maximale Freiheit erleben und geniessen. Die "existentielle Sicherung" lässt sich dabei aber schwerlich als Anspruch ableiten, sondern bleibt der Eigeninitiative und -verantwortung überlassen.

    Wer sich jedoch mit seiner Kunst in den Dialog begeben will, der wird nicht umhin kommen, seine künstlerische Aussage im kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhang zu diskutieren. Wenn ich eine Sichtweise vermitteln will, dann muss ich mit meiner Zielgruppe eben auch ernsthaft auseinandersetzen. Da werden "Strategien" (Marketing, Ausstellungen) etc. natürlich eine wesentliche Rolle spielen.
    Signature
  • lleiret
    Hallo brooklyn und Peter...

    Also ich finde, eine grundlegende Fragestellung ist doch, ob man unbedingt mit seiner "Leidenschaft" (so nenn' ich's einfach mal) einen Beruf zur existentiellen Absicherung betreiben muss.

    Ich halte es durchaus nicht für unwahrscheinlich, sich die Freiheit und Autentizität als Künstler dadurch zu erhalten, indem man sich in diesem Punkt nicht der Arbeitsteilung unterwirft (oder aber für sich individuell eine zweite einführt). Die gesellschaft sieht soetwas vielleicht nicht unbedingt vor, Strukturen für "Doppelauslebung" werden in dem Sinne nicht gefördert... Hinzu kommt, dass es nicht für jeden leicht zu verantworten ist, zwei persönliche Bereiche mit hohem Zeitaufwand zu deklarieren, wenn man auch noch die persönlichen, familiären etc. Bindungen und Ansprüche hinzunimmt.

    Ein Versuch solches auszuprobieren ist in meinen Augen aber mehr als logisch. Und irgendwo auch notwendig, so finde ich. Die Kunst ist ein System, welches natürlich Einflüsse aus der gesellschaftlichen Realität bezieht, aber welches nicht darin untergehen sollte. Wenn Kunst tendenziell oder normiert nur Gefahr läuft Beruf zu werden, dann wird sie schlicht degradiert. Dies muss dann passieren, da sie ihr eigenes "autonomes" System stellenweise aufgibt.

    Insofern finde ich, dass der Kulturbetrieb in der Relevanz für die eigentlichen Künstler zu hoch eingeschätzt wird. Der Kulturbetrieb ist nicht mehr als die gesellschaftliche Aufgabe zur Aus- und Bewertung sowie der Archivierung und Verwaltung von Kunst. Er ist aber nicht das System der Kunst!

    Und so leuchtet mir zuweilen nicht ein, warum offenbar ein so grosser und weit verbreiteter Wunsch besteht, die Systeme zu vermischen
    ...Kunst finanzierbar werden zu lassen, Status durch Kunst zu erlangen, Existenzabsicherung durch Kunst etc.

    Die Frage müsste doch eher sein, wie man es sich zumal existenziell leisten könnte in einem gesellschaftlich losgelösten System arbeiten zu können und gleichzeitig aber einen Teil der Gesellschaft (als Individuum) auszumachen.

    Ich bin bspw. alles andere als betucht, da ich Student bin... man wird lachen : Student der Informatik! Mein gesellschaftliches Leben hat nichts mit meinen künstlerischen Ambitionen gemein, ausser natürlich der Überschneidungspunkte, welche aus meiner Person entstehen...
    Zudem habe ich einen Sohn, was meine existenzielle Situation nicht einfacher macht. Aber es ist so und es macht auch wenig aus... Deswegen anzufangen, Bilder zuallervörderst verkaufen zu wollen oder "einfach das Talent zu Gold machen", leuchtet mir persönlich nicht ein. Es sind fremde Welten, die da vermischt werden...

    Wenn man allerdings den öffentlichen Dialog sucht, ist dies etwas anderes. Jedoch führt auch hier der Weg nicht zwangsläufig über eine Gallerie... es ist eine Option aber kein Muss. Öffentlichkeit ist da, wo nicht nur Sachverständige verkehren. Insofern wäre ein öffentlicher Platz in dem Sinne auch wirklich ein öffentlicher Platz, nicht unbedingt die Gallerie. Dort gehen Menschen ein und aus, die vielleicht nicht verbriefte Sachverständige sein müssen, aber trotzdem wegen der Kunst dort sind. So erwarten sie auch Kunst. Der Dialog, der ja immer erwünscht wird, ist ja nicht durch eine Erwartung gegeben. Eigentlich doch eher durch das Nicht-Erwarten. Dann passiert Affekt, dann passiert Dynamik und wirklicher Dialog.

    (Allerdings möchte ich letzteres ein wenig abmildern - ich habe nichts gegen das Ausstellen in Gallerien... halte es nur nicht für den einzigen Weg für diese oder jene Ambition.)
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    Hi der Sebastian *g,

    ich glaube, drauf antworte ich morgen (oder so), weil ich Deinen Text bestimmt noch 3mal lesen muss, bevor ich ihn so erfasst habe, wie Du es erwarten darfst...
    Signature
  • reteP
    Hallo, Sebastian,

    >Und so leuchtet mir zuweilen nicht ein,
    >warum offenbar ein so grosser und weit
    >verbreiteter Wunsch besteht, die Systeme
    >zu vermischen
    >...Kunst finanzierbar werden zu lassen,
    >Status durch Kunst zu erlangen,
    >Existenzabsicherung durch Kunst etc.

    Du scheinst einen sehr idealistischen Standpunkt zu haben (wobei ich gestehen muß, daß ich ihn nicht ganz verstehe, da Du sehr ausführlich schreibst, und ein alter Mann wie ich das nicht so schnell verstehen kann ;-)). Aber: Warum wird dies so oft bei der KUNST apostrophiert?! Bei einem Musiker oder einem Autor käme kaum einer auf die Idee, solche Dinge wie "Geldverdienen" infrage zu stellen. Obwohl ich selbst mit meiner Kunst kaum verdiene, kann ich sehr gut verstehen, daß es zahllose Künstler gibt, die damit Geld verdienen wollen (und müssen). Warum wird von einem Künstler gefordert, er solle gefälligst taxifahren, und ein arbeitsloser Orchestermusiker wird bemitleidet...?!

    >Ich bin bspw. alles andere als betucht,
    >da ich Student bin... man wird lachen :
    >Student der Informatik!

    Na, dann lachen wir mal zusammen, ich habe in meinem früheren Leben neben Pädagogik und "Ästhetischer Kommunikation" auch mal Mathematik studiert ;-)

    >Deswegen anzufangen, Bilder
    >zuallervörderst verkaufen zu wollen oder
    >"einfach das Talent zu Gold machen",

    Weder noch. Sondern mit dem Beruf, den man GELERNT hat (viele Künstler haben das ja gelernt, studiert), auch existentiell über die Runden zu kommen. Ist das etwa anrüchtig? ;-)

    Was Du zu den Galerien schriebst, dem kann ich zustimmen. Nicht nur Galerien sind Orte der künstlerischen Begegnung. Ich finde es übrigens sehr schön, Kollegen in ihren Ateliers zu besuchen. Das bringt mir meistens mehr als irgendwelche Vernissagen. Und so mag ich es auch, wenn Künstler und Nichtkünstler mich besuchen, allerdings immer nur per Voranmeldung, weil ich, wenn ich gestört werde, recht brummig sein kann :-)

    Schönen Gruss

    Peter
  • emarap
    :roll: Man ist das spannend die verschiedenen Standpunkte zu erfahren! Ich gebe jedoch zu, vieles, was in der Vergangenheit geschrieben wurde, nur überflogen zu haben. Es dauert Stunden, bis man durch ist. Für mich ist so ein Forum übrigens auch Kunst. So eine Art Gemeinschaftsprojekt. Hier kommen die vielen Sichtweisen wie in einem Kaleidoskop zusammen und fast alle Charactere sind vertreten.
    Liebe Grüße
    Antje
  • lleiret
    Hallo Peter,

    leider habe ich scheinbar nicht gut genug beschrieben, wie ich das mit dem Geld und der Kunst meine...

    Gegen das Geldverdienen mit Kunst habe ich rein gar nichts. Ob man nun gutes Kunstschaffen gelernt hat oder nicht, ist in meinen Augen nicht der wichtigste Aspekt. Es gibt auch Mathematiker, denen bleiben manche Zusammenhänge verschlossen und jene, die den Zusammenhängen auch als Ungelehrter auf die Schliche kommen. Insofern finde ich dann in Bereichen wie Musik, der Malerei oder auch sogar der Philosophie usw. die Verbriefung dieser Tätigkeit für wenig aussagekräftig. Damit möchte ich jedoch keine Ausbildung oder kein Studium relativieren... Ansich finde ich es gut, dass die Leute solchem nachgehen.

    Kernaussage war mir zuvor, um dies vielleicht noch mal zu präzisieren (so es mir gelingt ;), dass ich schlicht der Meinung bin, dass der Kunstbetrieb nicht von der Doktrin des Verdienes und der Hochachtung bestimmt sein sollte. Das autonome System der Kunst wird hiermit in den Hintergrund gedrängt.
    Wenn man so möchte, sehe ich das vielleicht ein wenig ideell... Aber wäre das schlimm?

    Ich habe definitiv nichts gegen die existenzielle Absicherung (sozial wie finanziell etc.) von Künstlern... wie könnte ich was dagegen haben? Mir persönlich gefällt nur nicht, wenn sich die ersten oder die meisten Gedanken oder Intentionen von Kunstschaffenden um soetwas Feldfremdes wie Geld und Ansehen drehen.

    Und dies wollte ich ja auch nur mal als Antwort ins Forum posten, da sich hier sehr viele Beiträge um Geld oder "Wie komme ich in eine Galerie" oder "Wie bringt ich die Bilder an den Mann/Frau" etc. drehten.
    Das heisst aber nicht, dass ich damit jemandem auf den Schlips treten wollte - im Gegenteil.
    Nur wenn Du's so möchtest - dann stelle ich eben den zu idealistischen part dar.
  • reteP
    Hallo, Sebastian,

    jetzt wir es mir schon etwas klarer.


    Kernaussage war mir zuvor, um dies vielleicht noch mal zu präzisieren (so es mir gelingt ;), dass ich schlicht der Meinung bin, dass der Kunstbetrieb nicht von der Doktrin des Verdienes und der Hochachtung bestimmt sein sollte.


    Da sind wir einer Meinung. Ich male seit 30 Jahren, habe erst 2003 meine erste Ausstellung gehabt. Und wenn ich in meinem Leben nichts verkauft hätte und verkaufen würde, so würde ich dennoch weiter malen und skulptieren. Das ist für mich ein "Muß", wie das Atmen. Aber es schließt für mich keinesfalls aus, zu hoffen, daß jemand meine Sachen so gut findet, daß er sie mir abkauft. Und ein paar Leutchen haben das ja auch schon getan :-)

    Wenn man so möchte, sehe ich das vielleicht ein wenig ideell... Aber wäre das schlimm?


    Keinesfalls! Ich hoffe, ich habe nicht den Eindruck erweckt, als ob ich Idealisten nicht mag :-)

    Mir persönlich gefällt nur nicht, wenn sich die ersten oder die meisten Gedanken oder Intentionen von Kunstschaffenden um soetwas Feldfremdes wie Geld und Ansehen drehen.


    Freust Du Dich denn nicht, wenn jemand Deine Bilder gut findet und sie schätzt? Auch das hat etwas mit Ansehen zu tun. Mich jedenfalls freut es jedes Mal, wenn einer der Kollegen oder der Kolleginnen hier ein Bild von mir schätzt. Daran finde ich nichts Ehrenrühriges.

    Allerdings: Das ist NICHT die Ambition, weswegen ich male. Wie gesagt: Selbst wenn niemand meine Bilder sähe, und sie alle in der Schubläde verschwänden, so würde ich weiterhin Pinsel, Meissel, Schmirgel und Hammer schwingen :-)

    Schönen Gruss

    Peter
  • uaetcoc
    hallo zusammen, hallo teriell,
    mit grossem interesse habe ich diese "aktion" hier verfolgt und erwartete mit spannung die antworten und reaktionen. die frage der ideologie findet sich vermutlich in jedem betätigungsfeld und jedem menschen - irgendwo. jedoch hat sich bei mir nun doch eine vergleich aufgezwängt. wenn jemand nach abschluss seines informatikstudiums in einer firma vorstellig wird und vom chef zu hören bekommt "sie dürfen selbstverständlich am dienstag und samstag abend bei uns etwas mitarbeiten, leider natürlich ohne bezahlung. aber sie haben ja sicherlich diesen beruf aus ideologischen gründen ergriffen und nicht aus dem bestreben schnöden mammon zu verdienen". das gesicht des informatikers, nach jahren von studium, möchte ich sehen....
    dies nach vier jahren kunstakedemie einem künstler zu erläutern scheint jedoch oppurtun zu sein.... ebenso ihm im nächsten satz einen job als raumpfleger zu offerieren, damit er seinen idealismus finanzieren kann.
    ich hoffe es ist jedem hier klar, es geht mir in keinster art und weise um kunststudium oder nicht, greift hier wirklich nur als beispiel für idealismus.
    es ist mir klar, dass ich ein (ganz) böser bin, wenn ich sage - idealismus ist ein luxus, den man sich leisten müssen kann. dies definiert einfach die eigene "schmerzgrenze"(in absolut jeder hinsicht - was ist mir wieviel wert), idividuell und persönlich.
    gruss, cocteau
  • verena
    verena
    Hallo zusammen !
    es ist nun ein langer Dialog geworden, dennoch möchte ich auch etwas dazu sagen .
    Vielleicht wissen einige meinen bisherigen werdegang, aber für all jene die mich noch nicht kennen schweife ich da mal etwas weiter aus.

    Ich habe eine Schulische Ausbildung gemacht, weil ich diese (aus ideellen Werten ) auch machen wollte. Klar hätte ich auch in einen Betrieb gehen können und ein Gehalt bekommen können, aber das wollte ich nicht, daher habe ich neben der Ausbildung gekellner und Promotion gemacht um zu überleben.
    Dann nach einem Festen Job den ich nach 8 Monaten so gehasst habe , bin ich nach London gegangen und habe mich dort mit kellnern durchgeschlagen.

    Nch meinem Aufenthalt in London (10 Monate ) habe ich wieder mit Promotion und gelegenhetsjobs mein Geld verdient weil ich nicht einfach was machen wollte was mir nicht liegt, oder nicht gefällt ( kellnern und Promotion macht mir echt Spaß )

    Dann habe ich diesen Job hier, im Medienbereich angenommen und werde ihn bald kündigen weil er mir keinen Spaß macht und mich so sehr in meiner Freiheit beschneidet, das ich so nicht mein Leben verbringen möchte.

    Ich möchte mich mit Kunst selbständig machen und wenn es sein soll, auch mit Kellner noch etwas Geld verdienen.

    Denke dort sollte man keinem etwas vorschreiben. Kunst ist ein ehrenwerter Beruf und hat es verdient auch so anerkannt zu werden.

    Das ich für mich entscheide das es mir mehr Spaß macht nebenbei zu kellner falls das Geld nicht reicht, als mich auf dem Arbeits oder sozialamt demütigen zu lassen, ist allein meine Entscheidung und die kann und will ich niemanden aufdrengen... da dies auch nachteile mit sich bringt ( weniger Zeit um im Künstlerischen wieder weiter zu kommen )

    Ich denke das da jeder für sich die Verantwortung übernehmen sollte...

    Zum Glück bin ich ein sehr Kontaktfreudiger Mensch und habe die Mentalität das mir Kellnern und Promotion Spaß macht.
    Aber es fällt nicht jedem leicht auf leute zuzugehen und mit anderen Jobs wüste ich auch nicht so auf die Schnelle mal ein paar Euro zu machen.

    Jeder hat aber das Recht den beruf zu wählen den er für sich als richtig empfindet und da sollte auch das Kunsthandwerk zu gehören.

    In diesem Sinne,

    liebe Grüße

    Verena
    Signature
  • Dana
    Dana
    Hallo Sebastian und Peter,
    ich meine, dass die öftere Fragen bezüglich: " wie komme ich in eine Galerie?" oder " wie komme ich dazu meine Bilder zu verkaufen? oder ausstellen?( wobei viele meinen durch die Ausstellung auch berümt zu werden,endeckt zu sein, oder wenigstens die Werke zu verkaufen)" kommt oft von der Unwissenheit den jenigen. Es gibt unheimlich viele Kunstakademien,Fehrnkunststudien, Kunstschulen, Kunstzentren, Kunstinstituten die, die zukunftigen Künstler ausbilden, auch viele Kunstvereine, die die interessierten,Gelernten oder Autodidakten vereinen, und Kunstworkshops, die die Möglichkeiten bitten das Können in dem oder jenigem Bereich zu vertiefen. Es werden Massen von Künstlern sagen wir " produziert"( abgesehen davon, dass auch viele Menschen gibt`s, die auch selber zuhause, als Hobby Malerei, oder ander Art von Kuns betreiben). Viele von den Menschen sind auch mit Ilusionen gefüttert, dass die Künstler immer die Chance haben berümt zu werden, man braucht nur z.B. malen können und ausstellen. Ohne Erfahrung in der wirklichen Kunstszene, meinen
    meinen sie sein Können auch zum Beruf zu machen zu schaffen, morgens aufstehen, wenn sie ausgeschlafen haben, dann, keinen Zwängen untergeordnet, zu malen, dann einfach ausstellen,ein Glas Seckt trinken, ein wenig mit den Interesenten plaudern, das Geld kasieren,usw...ich kenne leider viele, die so sich in der Unwissenheit das Lenen eines Künstlers vorstellen. Die Akademien und andere Organisationen nicht immer nehmen sich als Ziel,den Menschen die Augen auf die Realiät aufzumachen. Sie haben auch schließlich als Aufgabe, dier Menschen zu vordern. Nur wenige wissen,was das bedeutet,hauptberüflich Künstler zu sein. Finanzamt, Sozialkasse,unmengen von Papierkram, Ausstellungen, Transport, Versicherung,semtliche Regelungen,und wieder unmengen von Papierkram, Ämter, und kaum Geld. Immer auf dem Trapp zu sein, Kontakte knöpfen, immer sich durchboxen, Bekanntschaften, ununterbrochen Netze aufbauen, das ist die begerte Kunstszene. UND WO BLEIBT DIE ZEIT FÜR DIE KUNST?
    Dana.
    Signature
  • lleiret
    Ich müsste nun allem Anschein wirklich noch länger ausholen, um klar zu machen, dass ich nichts gegen DEN BERUF des Künstlers habe. Manchen Reaktionen zufolge, scheint jedoch in diesem Punkt ein hoher Rechtfertigungswille zu bestehen... wieso? Ich habe nicht den Beruf angegriffen.

    @cocteau ...
    "idealismus ist ein luxus, den man sich leisten müssen kann."

    Stimmt. Offenbar kann sich dies aber auch ein alles andere als betuchter Student leisten ;)

    Hierzu übrigens mal eine kurze Erläuterung...
    Ich studiere nunmal vorsätzlich etwas, was nie meine Leidenschaft sein könnte. In einem Beruf suche ich auch keine Selbstverwirklichung. Sondern wenn - dann in der Gesamtheit meines Lebens. Und da ist soetwas wie Informatik oder der Beruf nur ein sehr kleines Fragment. Eher ein kleines Kontrastprogramm, wenn man so will.

    Ich freue mich zudem auch, wenn jemandem ein Bild von mir gefällt und würde auch sicherlich das ein oder andere gegen Geld abgeben wollen. Aber das ist für mich nicht der Punkt...
    Für mich ist es persönlich sehr viel Wert, wenn ich nicht malen muss, um meine Miete zu bezahlen oder dergleichen. Dadurch bin ich nunmal im Malen selbst freier, wenigen Zugzwängen unterworfen. So muss man bspw. ja auch nicht auf die "trends" auf Stimmungen und den Markt achten... nur mal als Beispiel. Und das schafft mir selbst Freiraum.
    Ich bin ganz einfach nicht bereit in diesem Bereich viele wahrscheinliche Kompromisse einzugehen, das ist alles.

    Es ist vielleicht unmodern (oder ähnliches), jenes, was einen am intensivsten antreibt, nicht zum Beruf zu machen und stattdessen etwas, womit man weitaus weniger anfangen kann. Aber für mich (ganz subjektiv gesprochen!) ist es der konzequenteste Weg, um im Bereich der Kunst von vielen Randbedingungen frei zu bleiben.

    Ob das nun verständlich ist, weiss ich nicht. Aber wenn ich diese Sichtweise noch klarer schildern müsste, müsste ich sehr weit ausholen und andere Aspekte in die Überlegung hinzuziehen, wofür mir leider heute die Zeit fehlt....
  • lleiret
    Noch kurz zu Dana....

    Na also, endlich wird auch mal geschildert, dass der BERUF romantischer betrachtet wird, als er in Wirklichkeit ist / sein muss.
    Und gut finde ich, dass Du es auch beim Namen nennst... Viele träumen nunmal von einem romantischen Zerrbild. Ich glaube, dass man eher die Chance hat, auch so romantisch der Kunst nachzugehen, wenn man es einfach macht und nicht drumherum die Zwänge des Berufs (ansich) zu etablieren sucht...

    Und nochmal: Dies ist keine Abwertung oder Bewertung des Berufs ansich!
  • uaetcoc
    @teriell,
    glaube schon dich richtig verstanden zu haben. ich empfinde es für mich als einen riesen luxus, dies machen zu können was ich tue (....bin übrigens auch student), weil ich so will - und nur ich. wenn ich dann wieder einen auftrag ablehne, weil er mir einfach keinen spass macht oder weil ich ihn ethisch nicht vertretbar finde ist dies meine endscheidung. ebenso wie die konsequenz daraus resultiert in der nacht als tankwart zu arbeiten....
    gruss, cocteau
  • reteP
    Hallo, Dana,

    es ist schon so viel gesagt worden, aber einen Aspekt aus Deinem Beitrag finde ich bemerkenswert und wichtig:

    [quote="Dana"]

    ... einfach ausstellen,ein Glas Seckt trinken, ein wenig mit den Interesenten plaudern, das Geld kasieren,usw...

    ich kenne leider viele, die so sich in der Unwissenheit das Lenen eines Künstlers vorstellen.

    [...]

    Nur wenige wissen,was das bedeutet,hauptberüflich Künstler zu sein. Finanzamt, Sozialkasse,unmengen von Papierkram, Ausstellungen, Transport, Versicherung,semtliche Regelungen,und wieder unmengen von Papierkram, Ämter, und kaum Geld.

    [...]

    Genau diese Illusionen versuche ich immer, hier zu dämpfen. Lange schlafen und nur dann "Kunst machen", wenn man "inspiriert" ist, ist eine Illusion, genährt von solchen Idealen wie das Privatfernsehen *ironie-off* Ich habe das große Glück, mich um all das, was Du oben schriebst, nicht kümmern zu müssen, aber die allermeisten Künstler, die ich kenne, arbeiten hart und schwer und mühsam und manchmal sehr sehr erfolglos, obwohl sie hervorragende Arbeiten machen. Das Künstlerleben á la Hollywoodfilm findet nur in den Köpfen von Träumern statt.

    Liebe Grüße

    Peter
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