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  • "Menschenscheue" Künstler

  • kcuDemadaM
    Hallo zusammen,

    jetzt habe ich mich hier durch drei Seiten Thread hindurchgearbeitet und fühle mich nun animiert, auch meinen Senf hinzuzugeben.

    Es ist hier einige male die meinung aufgetaucht, Kreativität im stillen Kämmerchen könne keine kunst sein. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschliessen. Kunst hat für mich etwas mit Offenbarung des eigenen Ichs zu tun, nur wer seine Seele in seine Werke miteinbringen kann, erfüllt diese auch mit Leben. Es mag jemand noch so gut malen, bildhauern oder was auch immer können, schafft er es nicht, seinem Werk Leben einzuhauchen, dann ist er in meinen Augen ein Handwerker, kein Künstler.
    Und wenn ein Künstler mit seinen Werken nie an die Öffentlichkeit geht, so kann es trotzdem Kunst sein, sie wird halt nicht wahrgenommen, was dann oft sehr schade ist.

    Angefangen hat dieser thread allerdings mit dem Thema "Menschenscheue Künstler". Zu denen würde ich mich zähle ich mich uneingeschränkt dazu.
    Ich war bis vor drei Jahren Jurist im Staatsdienst mit guten karriereaussichten, habe dann, auch aufgrund meiner Kindheit einen psychischen Crash hingelegt, es gab für mich nur zwei Alternativen, Suizid oder Therapie. Ich habe es meiner Frau zu verdanken, dass ich mich für Möglichkeit zwei entschieden habe. Ich war einige Monate in einer psychosomatischen Klinik und hatte das Glück, dort an einen Therapeuten zu geraten, bei dem nicht nur die Chemie stimmte, sondern dessen Spezialgebiet das "katatymes Bilderleben" ist.
    Gezeichnet habe ich immer schon gerne (tusche) doch bin ich durch die Therapie erst auf die Möglichkeit für mich gestossen, - he, man kann ja auch mit Farbe malen.
    Über Pastellkreiden bin ich dann recht schnell beim Öl gelandet. Meine Frau war es dann, die mit meinen Werken an die Öffentlichkeit gegangen ist und dass mit ziemlichem Erfolg.
    Ich bezeichne mich jetzt seit circa zwei Jahren als "Freischaffender Künstler", habe eine feste Galerie die eine dauerausstellung mit meinen Werken führt, habe bei mehreren jurierten Wettbewerben mit Erfolg teilgenommen, habe einen öffentlichen Ankauf durch das Umweltministerium Niedersachsen zu verzeichnen und habe bisher nur gute Presse (wenn auch nicht allzuviele) gehabt. Mein Verkauf ist zufriedenstellend. Ich bin bereits als Künstler mit sehr eigenwilligem und neuem Stil bezeichnet worden, auch der Titel "Genie" wurde mir von einer Galeristin auf einer Ausstellung "verliehen". Das klingt jetzt alles nach ziemlicher Selbstbeweihräucherung, aber ich muss dazu sagen, all der Erfolg wäre ohne meine Frau und deren Bemühungen nie eingetreten, vielmehr würde ich in meiner Wohnung in meinen Bildern zwischenzeitlich ersticken und nie hätte diese jemand zu Gesicht bekommen. So, un jetzt frage ich, was macht die Kunst in meinen Bildern aus, die Bilder selbst, oder erst, dass sie von anderen, kompetenten Leuten zur Kunst erhoben wurde. ( das ganze erinnert mich jetzt ein wenig an die Farge, über die ich schon seit jahren nachgrübele, "Macht ein Baum der im Wald umfällt Krach, wenn es niemand hört oder brauchts für den Krach erst einen Zuhörer") Ich denke, ersteres ist der Fall.
    Zuschreiben muss ich jetzt allerdings auch, dass mir der ganze Rummel eigentlich ein Graus ist. Ausstellungen finde ich furchtbar, bei meiner bisher grössten Ausstellung "durfte" ich bei der Vernisage vor fast 150 Leuten die Eröffnungsrede halten. Ich war tage voher völlig am Boden, fähig zu nichts und unfähig zu allem, vom Lampenfieber darniedergestreckt. Tagelang habe ich vor dem Spiegel geübt und ich fands furchtbar, albern und kitschig was ich da fabrizierte. Die Rede dann selbst kam total gut an, die Leute haben gelacht und applaudiert, ich wurde mit Lob überhäuft und ich kanns bis heute eigentlich nicht verstehen.
    Was ich damit jetzt sagen möchte, will man mit seinen Werken Erfolg haben, dann ist ein Gang an die Öffentlichkeit unausweichlich. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass die Selbsteinschätzung mit der Aussenwirkung, die man auf andere hat, gerade als Künstler überhaupt nicht übereinstimmt. Gerade Künstler werden von den Menschen oft als interessant und fazinierend wahrgenommen, vielleicht, weil sie etwas können, was der Grossteil der Menschen nicht kann. Man geniesst als Künstler auch einen grossen Vorschuss an "Narrenfreiheit", eigentlich ist es fast unmöglich, sich blöd zu benehmen.
    Anfangs habe ich mich bei Terminen und Ausstellungen immer in Schale geschmissen, so wie dass als Jurist unabdingbar ist, mittlerweile lass ich das und ziehe an, was mir passt und was bequem ist. Die Leute finden das toll und bezeichnen es als Ausdruck des eigenen Stils.
    Ich kann also nur allen raten, die sich nicht trauen, mit ihren Werken in eine Galerie oder sonst in die Öffentlichkeit zu gehen, versucht die Scham zu überwinden, wenn in euren Werken Leben und eigener Stil ist, dann wird er bemerkt werden.

    Noch ein Wort zu dem Verhältnis Autodidakt/Studierter.
    Am Anfang haben wir Kontakt zu einigen Kunststudierten aufgenommen, einfach, um diese ein zu interviewen. Einhellige Meinung war, ohne Studium kein Erfolg weil kein Künstler. Ich habe sie alle Lügen gestraft und mitlerweile ist mein "Ich bin Autodidakt und alles was ich kann kommt von mir selbst" mein Aushängeschild und die Leute sind immer sehr beeindruckt.
    Ich verlasse mich auch nicht auf irgendwelche Techniken, ich male grösstenteils ohne Werkzeug, sprich Pinsel und dergleichen, mache nie Skizzen oder Vorstudien, benütze keine Vorlagen.
    Wenn es mich überkommt, dann "rotze" ich meinen Frust, meinen Zorn oder manchmal auch meine Freude A prima von links oben nach rechts unten auf die Leinwand, begleitet von viel Lärm und meist recht lauter und schneller Musik. Das ist mein Stil, er kommt gut an und irgendwelche ausgefeiten Techniken lehne ich für mich als Stilverfremdend ab.
    Zuviel Verlass auf Technik oder Vorbilder bedeutet nämlich auch, schon dagewesenes nur zu reproduzieren, das ist nach meiner Erfahrung Erfogshemmend.

    Noch ein tip zum Schluss: Wenn jemand eine Galerie aufsucht, sucht euch nicht die kleinste und bescheidenste für den Anfang aus, sondern marschiert ruhig in die Grossen und renomierten, eine solche wenn euch nimmt, dann wird euch der Galerist/in auch fördern und unterstützen und kann zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit führen. Die Galerie ist ja auch an einem Verkauf interessiert, und viele Galeristen, besonders jüngere haben oft auch gerne mal einen jungen und unbekannten Künstler im Programm, (vorallem wenn sie sich davon ein Geschäft versprechen),es empfiehlt sich aber, vorher mal telephonisch einen Termin zu machen.
    Hinter kleinen Galerien verstecken sich oft Steuerabschreibungsobjekte oder ein Hobby, die wenig Interesse an Künstlern haben und diese auch nicht fördern werden. Das trifft sicher nicht für alle zu, aber doch für einige.
    Sucht euch eine Galerie, die ungefähr eure Stilrichtung ist.
    Wenn euch eine Galerie nicht nimmt, dann nehmt dass nicht persönlich, vielleicht entsprecht ihr nicht dem Stil der Galerie, vielleicht stimmt die Chemie einfach nicht oder es besteht in der galerie zur Zeit einfach kein Bedarf an neuen Künstlern
    Ein Künstler betritt die Galerie auch nicht als Bittsteller, sondern als potentieller Geschäftspartner, ohne Künstler hätten die Galerien auch nix zu verkaufen.
    Ich habe Galeristen bisher immer als freundlich und interessiert erlebt, auch bei Ablehnungen.

    Oh, jetzt bin ich aber weit vom Thema abgekommen, man möge mir dies bitte verzeihen.

    Gruss
    Alex
  • peter schnaak
    peter schnaak
    danke für deinen ehrlichen und symphatischen beitrag alex.
    herzliche grüsse peter schnaak
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