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  • Von der Thyranei der Kunst:

  • spmet-rus-spmet Von der Thyranei der Kunst:
    Kunstbetrachtung und Kunstkommentar befinden sich seit langen in einer Sackgase, als Kommentator wird es einem von der Kunst in der heutigen Zeit schwer gemacht.
    Die Leistungsfähigkeit einer Bildbesprechung beschränkt sich darauf den Kommentator in eine Art Geiselhaft mit dem zugehörigen Stockholmsyndrom zu nehmen.
    Er sieht sich nicht mehr als Beschreiber eines Kunstwerks, dessen Aufgabe darin besteht eine Zuordnung der Stilmittel Epoche oder gar Vorurteilsfreie Bildbetrachtung anzustellen.
    Anstatt ein vielleicht schwer Verständliches Werk zu erklären, oder den Intresierten mit Hintergrundinformationen zu versorgen, sieht sich der heutige Kommentator veranlasst die Kunst in Schutz vor der Unwissenden und ignoranten Masse zu nehmen.
    Die allgemeine Aufforderung einem Werk mit gebührender Ehrfurcht entgegenzutreten und dann zu warten bist das Bild zu einem spricht ist eines dieser Stilblüten. Im allgemeinen ist diese Art der Betrachtung ein eingeübtes Mittel das sich seit Jahrhunderten eingeprägt und die Kunst auf einen Sockel gehoben hat. Die Philosophen der Vergangenheit hatten dadurch die Beweispflicht der Kunst umgedreht. Mittlerweile ist eine andere, unvoreingenommene Art der Annäherung an Kunst als die Ehrfürchtige, ein Stilbruch und Beweis eines Makels in Form des Unterstellens eines Nichtverstehens.
    Die Künstler selbst nähren dieses Ritual insofern das sie es nicht nur zulasen, sondern einfordern. Eine Abweichung von den üblichen Konventionen der Werkbeschreibung wird durch die Künstler nicht hingenommen. Stellt dies doch eine Gefahr für die Legitimation seiner Arbeit und en hinterfragen der Kunst dar.
    Ein Museumsbesuch kommt einer Wallfahrt gleich in dem die Exerzitien der Kunstbetrachtung eine außergewöhnliche Qualität annimmt. Die den Betrachter zu einem neuen Menschen macht sollte er, die überlieferten Rituale nur einhalten und die notwendige Ehrfurcht entgegenbringen. Dabei ist die Arroganz der Künstler hierbei nicht zu unterschätzen die, wenn der Betrachter ausbricht aus dieser Betrachtungskonvention ihn zur Ordnung rufend, Phasenweise sogar verunglimpft scheinbar Legitimiert durch sonderbare Allmachtsphantasien.

    Hier möchte ich einen Philosophenspruch aufführen.
    Arthur Schopenhauer schrieb: Vor einem Bild hat ein Jeder sich hnzustellen wie vor einen Fürsten, abwartend ob und was es zu einem Sprechen würde.

    Das ist eine Konditionierung die äußerst erfolgreich eingesetzt den Betrachter zum Pöbel und die Kunst zur Hoheit, und damit auch den Künstler auf einen Sockel stellt den dieser entsprechend nutzt.
    Eine Abwendung des Künstlers aus diesem Bannkreis ist genauso unmöglich wie ein Sachlicher Umgang. Die Wahrnehmung der Werke als etwas anderes als Kunst käme einer Nichtwahrnehmung gleich.
    In den Akademien wird gerade das Beharren auf dem überlieferten Kunstbegriff eine erhöhte Wertschätzung und Sorgfalt gelegt, dadurch resultiert aber auch die Angst der Studierten Künstler die diese gerne als freie und unabhängige Kunst begreifen möchte.
    Der Künstler aber, will er diese Paradoxie der Kunstbetrachtung entkommen, wird nicht, will er ernstgenommen werden, nur seine besetzte Kunstnische zu bedienen, sondern diese auch wesentlich mitgestalten zu wollen.
  • Herr Lehmann
    Herr Lehmann
    eieiei
    nun habe ich deinen text 4 mal aufmerksam gelesen. und spüre unterbewusst eine zustimmung wobei er doch sehr emotional wirkt oder genau deshalb?! wobei ich nicht unbedingt finde, das es was mit dem wechselspiel kunst und kommentator zutun hat, sondern eher etwas mit dem zwischenmenschlichen - der kommunikation - ein ersticken in der beliebigkeit. korregiere mich wenn ich da falsch liege.
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  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Es gibt keine einheitlichen Vorschriften, wie ein Kunstwerk zu betrachten, oder allgemein wahrzunehmen ist. Jeder Mensch, gleichgültig, ob Betrachter oder Künstler, hat die freie Wahl, sich an Regeln zu halten oder eben nicht.
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  • spmet-rus-spmet
    @ ratzekater
    Das Ausbrechen aus dem Bewertungssystem Kunst funktioniert nicht, wie du erwähnt hast ist das, unter anderem ein Kommunikatives Problem.
    Was passiert mit Leuten die bewusst eine Andere Sichtweise ihrer Kunst zulassen wollen.
    Sie müssen sich vom Status des Künstlers trennen, um eine Andere Art des Umgangs herbeizurufen.
    Erstens ist das nichts anderes als eine Flucht vor dem Wort Kunst und zum anderen laufen sie Gefahr nicht mehr wahrgenommen zu werden.

    @RoWo, du hast recht, und auch wieder nicht.
    Bei der heutigen Bildbeschreibung wird mit Metaphern gearbeitet. Wie: Der Betrachter wird in einen Ruhezustand versetzt, die Arbeit des "so und so" nimmt uns in den Bann und ermöglicht es zwingende Wahrheiten zu erfassen. Die Komposition erschließt sich aus einer Anreihung von Notwendigkeiten die dem Künstler folglich durch das Werk selbst aufgezwungen wird.
    Kunst soll nicht schön sein sie muss verstörend wirken und Innenwelten offen legen.
    Nur einige so gern verwendete Sätze. Die wiederum auch auf jeder X-beliebigen Vernissage in der Laudatio anklingen. Und folglich vom Künstler selbst gefordert werden, um seinen Status des Unantastbaren zu zementieren und seine Selbstlegitimation zu sichern.

    Du schreibst schließlich zu Recht selbst: Kunst ist was Künstler als Kunst definieren.
    Damit aber heben sie sich in die Position des Allmächtigen der dies per Edikt bestimmt. Und keine andere Beschreibungsform zulässt.

    Nichts fürchten Künstler mehr als das ihre Werke als schön und dekorativ angesehen werden. Rückt es sie doch allein durch diese Titulierung aus der Annahme von Kunst, die wir heutzutage entwickelt haben.
    Es geht soweit, das Künstler den Betrachter direkt angreifen, mit dem Argument das dieser nicht den Wert oder Sinn eines Werkes begreift und dadurch das Kunstwerk als solches herabsetzt.
  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    @temps-sur-temps:
    Damit aber heben sie sich in die Position des Allmächtigen der dies per Edikt bestimmt. Und keine andere Beschreibungsform zulässt.


    Ich empfinde es nicht als "allmächtig", wenn jemand etwas als Kunst erklärt. Ich muß es als Betrachter für mich selbst ja nicht akzeptieren, ich habe die freie Wahl, dieses Edikt anzunehmen oder abzulehnen.


    Nichts fürchten Künstler mehr als das ihre Werke als schön und dekorativ angesehen werden. Rückt es sie doch allein durch diese Titulierung aus der Annahme von Kunst, die wir heutzutage entwickelt haben.


    Auch hier gibt es viele Gegenbeispiele, schau dir nur die unterschiedlichen Werke hier im kunstnet an. Einige machen mit Absicht rein dekorative Kunst, wollen gar nicht aufwühlen oder verstören und sind mit Reaktionen wie "schön", "nett" usw. zufrieden.

    Ich kann zwar "im Prinzip" nachvollziehen, daß es viele Künstler gibt, die mit diktatorischen Mitteln ihre Betrachter manipulieren wollen, es liegt jedoch am Betrachter selbst, ob er das mit sich machen läßt und ob er das als problematisch empfindet. Viele Betrachter lassen sich geradezu willfährig manipulieren und sind damit einverstanden. Andererseits gibt es genügend Künstler, die nur anregen, aber nicht manipulieren wollen.
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  • noinub
    @Temps
    dein Argument erinnert mich irgendwie an ein Kapitel aus einem Wolfgang Ullrich Buch.
    Es gibt durchaus Spielvarianten in der Kunst bei denen Interaktionen mit dem Rezipienten stattfinden.
    Zuerst müsste man wohl die Frage klären was Kunst bewirken soll oder welche Erwartungen man an Kunst stellt. Abgesehen davon war schon lange Hintergrundwissen vonnöten um die Bilder zu verstehen und nicht nur mit Ehrfurcht zu betrachten, aber die alten Meister bieten wohl noch genug "Futter für das Auge" um auch ohne dieses Wissen "genossen" werden zu können. Fällt dieses Futter weg, sind die Rezipienten ahnungslos. Fast genauso häufig wie auf die stummen Bewunderer trifft man übrigens auf die Gegenfraktion, "das soll Kunst sein? Das kann ich auch." Zudem glaube ich übrigens das Künstler das kleinste Rädchen bei der Bestimmung "Was ist Kunst" sind.
  • spmet-rus-spmet
    @ bunion, ja habe vor einem Jahr ein Buch von ihm gelesen. Der Grundanstoß wird auch daher rühren. Er ist mir persönlich aber etwas zu Fremdwort und Zitatenlastig. Und weit entfernt von dem was ich ein gutes Buch zu nennen pflege.

    "Tiefer hängen" heisst das Buch soweit ich mich erinnere.
    Habe dadurch einige noch schönere Thesen zur Kunstbetrachtung für mich erarbeitet.
  • spmet-rus-spmet
    Die Kunst hat mehrere Seiten die, des Betrachters, die des Künstlers, des Konsumenten, des Geschäftsmannes und die ihrer wirklichen Legitimation.

    Ich möchte anmerken das in den heutigen Zeiten eine wahre Bilderschwemme zu erleben ist. Nichts ist daran verwerflich Bilder zu produzieren. Durch heutige mediale Fülle der visuellen Reize verschwimmt der Begriff Kunst, und das was dieser beinhaltet immer mehr, und wird einfach nur zu einem beliebigen Element des Zeitgeistes und unseres Konsumverhaltens.

    Da ist es doch Überlebenswichtig Abgrenzungen zu schaffen. Diese Abgrenzungen entstehen beim Kunstkommentar in Komplizenschaft so das Interpretationen geschaffen werden die Intellektuell möglicherweise und fadenscheinig etwas hermachen aber in keiner Weise mehr mit dem tatsächlich, besprochenem Kunstwerk in Übereinstimmung zu bringen ist.
    In der neuen Ausgabe von ART ist ein Ähnliches Thema mit dem provokanten Tenor angeschnitten worden.

    Kunstkritik. Hans-Joachim Müller über den Niedergang einer entkräfteten Gattung.

    Dieser Artikel ist sehr intresant und bringt es auf den Punkt. Durch das jahrelange Kumpanische Geklüngel zwischen Kritik und Kunst hat die Kritik einen historischen Tiefpunkt erreicht und wird nicht mehr als das Wahrgenommen was sie ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Kunst. Sie verliert ebenso ihre Funktion wie die Künstlerischen Arbeiten unserer heutigen Protagonisten in einem Strom von Beliebigkeit unterzugehen drohen.
    "Und wahrlich ich sage euch das Ende ist nahe."
    Nun gut das war ein Häufchen zu viel Polemik,
    und ist natürlich nicht meine Meinung.
    Dafür liebe ich die Kunst zu sehr.

    Ich plädiere allerdings dazu stärkere und kritischere Hinterfragungen der Künstler und ihren Arbeiten zu betreiben.
    Nach dem Enttäuschenden Besuch der Kunstmesse "fine art fair frankfurt" ist es mir immer deutlicher vor die Augen geführt.
    Der Markt regelt die Kunstauffassung im speziellen wie im allgemeinen. Das ist nichts neues, aber es hat eine neue Qualität erreicht.
    Die Schere Kunst öffnet sich immer mehr und droht auch die Qualitativ hochwertig arbeitenden Künstler auf einen immer niedrigeren Status Q herunterzuholen.
    Im Grunde ist das wohl das gleiche was gesellschaftlich gerade passiert. Aber das ist eine andere Baustelle.
    Im Gegenzug dazu ist eine umgekehrte Entwicklung in Asien und speziell in China zu sehen. Die Entwicklung findet aber ohne den Einbezug der europäischen oder Amerikanischen Kunstszene statt. Dies scheint mir indes auch nicht verwunderlich, stehen dem doch massive nationale Interessen gegenüber.
    Aber degradiert uns selbst, zum staunenden Zuschauer ohne eine Einwirkungsmöglichkeit.
    Dies gilt auch für den Kunstmarkt selbst und seine Umsatzzahlen.
  • noinub
    @Temps,

    ja,ist "Tiefer hängen", finde es persönlich nicht schlecht.
    Die Schere Kunst öffnet sich immer mehr und droht auch die Qualitativ hochwertig arbeitenden Künstler auf einen immer niedrigeren Status Q herunterzuholen

    Diese Befürchtung teile ich nicht mit dir.
    Messen laufen natürlich unter ökonomischen Gesichtspunkten ab, finde ich nicht unbedingt verwerflich. Eventuell würde dir die Bienale in Berlin mehr zusagen.
  • spmet-rus-spmet
    @buinon
    Möglicherweise, doch scheitert dies am Zeitmangel.
    Aber ich verfolge es mit Intresse.
  • siku
    .
    Da ist es doch Überlebenswichtig Abgrenzungen zu schaffen. Diese Abgrenzungen entstehen beim Kunstkommentar in Komplizenschaft so das Interpretationen geschaffen werden die Intellektuell möglicherweise und fadenscheinig etwas hermachen aber in keiner Weise mehr mit dem tatsächlich, besprochenem Kunstwerk in Übereinstimmung zu bringen ist.
    In der neuen Ausgabe von ART ist ein Ähnliches Thema mit dem provokanten Tenor angeschnitten worden.

    Kunstkritik. Hans-Joachim Müller über den Niedergang einer entkräfteten Gattung.


    Die Ansprüche an die Kunstkritik auf eine positive Bewertung scheinen immer größer zu werden, während die Entwicklung der Kunst dem nicht standhält.

    In der Märzausgabe der Kunstzeitung schreibt Karheinz Schmid unter dem Titel „Unter die Haut“ von der Harmlosigkeit heutiger Kunst und wirft einen Blick zurück auf die Radikalkunst in den 60er und 70er Jahren des 20. Jhs. “Damals implizierte Kunst revolutionäre Sprengkraft, gesellschaftliche Veränderung, allemal Konfrontation mit Haltung, heute dagegen dominieren die Weicheier, die Durchhänger, die bestenfalls so tun, als wollten sie die Welt erobern.“

    Dieser Drang scheint heute nicht aktuell zu sein( ich sehe da durchaus Parallelen bei studentischen Protestaktionen – im Vergleich zu den 68ern sind Protestaktionen heutiger Studenten ebenfalls um vieles harmloser, aber das nur nebenbei).

    Wir haben uns an künstlerische Harmlosigkeit gewöhnt. Jeder, der einen Strich zu Papier bring oder Sperrmüll drapiert, fühlt sich legitimiert von „wahrer“ Kunst zu sprechen. Die primäre Bewertung künstlerischer Arbeit scheint nicht mehr bei den Kunstkritikern zu liegen, vielmehr bewertet der Kunstschaffende zuerst selbst seine Arbeit: sehen es die Rezipienten anders, werden sie eben nicht dem Kreis der Kunstexperten zugeordnet.
    Es ist durchaus legitim, wenn Kritiker eine Kunstpräsentation wohlwollend besprechen – nur Pflicht ist es eben nicht. Nur scheint eine positive Bewertung mittlerweile selbstverständlich zu sein, ja sie wird erwartet(anderenfalls schreibt man erst lieber garnicht). Und welcher Kritiker wünscht sich nicht, ein Talent mit aus der Taufe zu heben, einen Kunststar zu entdecken, das adelt auch den (selbstgefälligen) Schreiber. Eitelkeiten wohin man schaut? Wer möchte schon in Zeiten eines Positivismus als Miesmacher daher kommen, als einer der „ewig Gestrigen“?

    siku
  • spmet-rus-spmet
    Genau das ist der Punkt und der Allgemeintenor.

    Es geht sogar noch Besser.

    Frau Doktor hat in der Kreissparkasse ihre 2te Kunstausstellung eröffnet, die Honoratioren des örtlichen Gewerbevereins, dessen Mitglied auch Dr. der Zahnmedizin Karl Buck ist, sind gekommen um dem zu fröhnen was in der Kleinstadt allgemein als Kunstbetrachtung verstanden wird. Bei Häppchen und Kanapees des örtlichen Bäckermeisters und einer nebenbei veranstalteten Weinprobe eines angesehen Rheinhessischen Winzers wird philosophiert, gelobt und nichts gemerkt, nicht einmal das es eigentlich um Kunst zu gehen scheint.
    Die örtliche Presse, dessen Jahresbudget aus Anzeigen der, dem Gewerbeverein angeschlossenen Mitgliedern in Form von Anzeigen finanziert wird, schickt eine Journalistin, die im allgemeinen die vorgefertigten Texte einer mit der Künstlerin befreundeten Germanistin druckt und sich ansonsten darauf beschränkt eine aktuelle und treffende Überschrift nebst einem Foto für die Samstagsausgabe zu finden.
    Jeder kennt sich jeder mag sich und gut ist.

    Dieses Szenario spielt sich in dieser, oder etwas abgewandelter Form tausendemal jährlich ab.

    Wer möchte das verurteilen, hat Frau Dokter doch die Aufmerksamkeit ihrer Gemeinde verdient.
    Der Qualitätsanspruch weicht hier persönlichen Interessen und Eitelkeiten.

    Was hier im kleinen, Regionalen Kunstraum geschieht lässt sich beliebig erweitern. Die Ansprüche im überregionalem Raum steigen zwar qualitativ, das wäre ja auch noch schöner oder? aber auch die Macht der diese Ausstellung umgebende Honoraitiorenkreises dazu proportional.

    Entsprechendes Wohlwollen der Kritiker ist Usus, um den schönen und edlen Anlass nicht zu stören.
  • Herr Lehmann
    Herr Lehmann
    @temps-sur-temps (gedanken zum: "Was passiert mit Leuten die bewusst eine Andere Sichtweise ihrer Kunst zulassen wollen.
    Sie müssen sich vom Status des Künstlers trennen, um eine Andere Art des Umgangs herbeizurufen.
    Erstens ist das nichts anderes als eine Flucht vor dem Wort Kunst und zum anderen laufen sie Gefahr nicht mehr wahrgenommen zu werden. ")
    da ich in meinem leben schon viel und unterschiedliches studiert habe - bekam ich einblick in die denke der verschiedensten wissenschaften. schon in den frühen kinderjahren würde ich mit kultur und kunst überschemmt - damals fand ich es öde und absolut nicht meinem alter angepasst - aber irgendetwas blieb hänge - wie das ding mit dem faust - den man sich mit 15/16 reinzwängen muss und doch nur an der oberfläche kratzt - erst jahre später fängt man an (wenn man will) tiefer in das werk ein zutauchen. egal ich schweif ab.
    zurück zu einem meiner unibesuche. wie gesagt ich hab verschiedeneste wissenschaften kennengelernt - eins hatten sie alle gemein (ob es nun kunst, theoretische informatik, physik, medientechnologie, mathematik, philosophie, psychologie, vwl oder bwl waren) sie tragen in sich eine urst eigene betriebsblindheit. d.h. sie lehren bekanntes - sie leben für sich nebeneinader - benutzen gleich worte für leicht unterschiedliche ding - sie bewerten sich und andere, je nachdem was sie in sich tragen - ein mathematiker denkt irgendwann nur noch in mathematischer weisse - er "sieht" alles nur noch aus mathematischer sicht - ein philosph hängt bewusst oder unbewusst an jeden gedanken etwas philosphisches - ein informatiker (theorie) analysiert ständig seine umgeben usw (was im übrigen unbewusst fpr jeden gilt) - aus dieser denke heraus - sprang auch der spruch alles was ein künstler tut ist kunst - es gibt bestimmt ne menge künstler die dies teilen - sind es dann wirkliche künstler? ist der mathematiker wirkliche ein mathematiker und der philosph ein philosoph nur weil er an jeden gedanken etwas philosphisches "hängt"? ich sag hier nein und ja zugleich (fallbedingt).
    die aufklärung, die spezialisierung und die normierung in der europäischen kultur ist eine sackgasse - wieviel studenten glauben nach dem ersten semester an der bauhaus weimar - ich bin ein künslter - fast jeder es gehört zur normierung - zum rollenspiel - wieviel bwl im ersten semster rennen mit anzug und einem wallstreetjournal in die vorlesung - der stempel auf der stirn - die grosse liebe der normierung - ich behaupt der jenige der zwiefel in diesem fall ein künslter zusein - wird zum künslter - und dieser wird auch neue kunst schaffen - er wird verpöhnt und deformiert - das ist der lauf der dinge - da die lehre an sich das studium schon bewertetes lehrt aber es in ihrer normierung nicht schaft den gedanken des neuen zufassen und mundgerecht dem lehrling einzuflössen - worte sind wie schall und rauch - so wie meine gedanken die gerade entfliehen - sc.heisse - egal bin eh wieder abgeschweift -
    es geht ja um : "Was passiert mit Leuten die bewusst eine Andere Sichtweise ihrer Kunst zulassen wollen.
    Sie müssen sich vom Status des Künstlers trennen, um eine Andere Art des Umgangs herbeizurufen." warum? ich sag mal nein - von welchen begriff künslter gehen wir hier aus - dem landläufigen - dem kunsttheoretischen, dem beuysisch-schamanischen, etc?
    klar nun könnte man wieder das altbewerte "hund jagt sein schwanz spiel" spielen "was ist kunst" was soll kunst bewirken" was ist ein künstler" alles unentscheidbare fragen und damit so schön - man kann bis in die unendlichkeit diskutieren - ist es aber nicht viel schöne sich auf die suche zubegeben nach dem neuen in jedem - abgewandt von dem was man als altbewert empfindet - findet man dann nicht auch in dem neuen automatisch altbewertes - da sag ich ja. warum vorher deklarieren wenn ich es danach auch noch kann? warum vorher alles betonieren? was ich mit dem ganzen palaver eigenltich sagen will
    lasst die bücher los wenn ihr da drin stehen wollt. sie sind notwendige aber irgendwann sollte man sie loslassen oder man beleibt nur betrachter. wie will man das neue erkennen wenn man nur in die buecher schaut - wenn man sich selbst die lust des eigenen entdeckens raubt. und lieber sagt "aber im buch steht es so" etc.

    ...
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  • spmet-rus-spmet
    Denn die Statustrennung bewirkt keine neue Sichtweise eingefahrener Kunstsicht.
    Du hast recht ratzekater.

    Also gilt es die Waffen der herrschenden Kunstgemeinde zu kennen um ihr adequat entgegentreten zu können.
    Das wäre eine andere Herangehensweise, ähnlich asiatischer Kampfsportarten, nutze die Energie des Gegners.
    So Martialisch sollte es nicht sein.
    Es läuft darauf hinaus, will man was erreichen muss man Kompromisse eingehen. Hier heißt es das Maß zu finden. Schwer genug.

    Eine lebenslange Lernphase ist für mich nur bei wenigen Künstlern zu bemerken. Und gerade die scheinen mir die Beständigsten zu sein.
    Vielleicht verhüllt die äußerlich getragene Arroganz nur die Unsicherheit.

    Die angesprochene Betriebsblindheit ist ein Punkt dabei den ich genauso erfahre.
    Unter meinen Künstlerfreunden ist diese sehr verbreitet und es bedarf ab und zu einen anständigen Verbal-Arschtritt um die Denkrädchen wieder zum Laufen zu bringen.
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    ich finde ja die kunst nicht tyrannisch. sie ist doch ganz nett und bereitet einem viel freude.
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  • Herr Lehmann
    Herr Lehmann
    allgemein sollte es so sein, mit dem freude bereiten.
    doch die landläufige meinung/auffassung von kunst / künstler ist doch eine tyrannische - bitte schweigen und schauen und wenn ich das zeichen geben klatschen und dabei zustimmend nicken auch wenn man nix verstehet - wie wenn unser könig zu uns spricht.
    und ein könig hat was tyrannisches. stand gerade in meinem kaffee - aber selbst kaffee kann lügen.

    die lebenslange lernphase ist genau der punkt der unterscheidung. die leute denken mit einem schulabschluss/lehre/diplom etc. hat man genug im leben gelernt - das lernen wandelt sich in ein kosumieren und damit zu einem stilstand im denken um. dies ist nicht nur in der kunst so - der preis eines rollenspiels.
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  • eifachfilm
    eifachfilm
    ui ich hab mich jetzt durch all diese sätze gezwängt.. und euer leid angeghört und ehrlichgesagt finde ich es überhaupt nicht tragisch... aus zu viel entsteht sicherlich wieder das was wir uns wünschen. die kunst ist tod es lebe die kunst, wir müssen uns einfach bewusst sein das eine neue epoche in der kunstgeschichte herangebrochen ist eine in der es alles gibt und schon alles gegeben hat.. wie in allen anderen epochen wird es die zeit zeigen welche künstler beschrieben werden welche ich gut finden würde und welche nicht..dieser ehrfurchtvolle dinges vor dem künstler habe ich nicht auch nicht vor seinen werken ..jeder mensch verdient respekt...manchmal berührt ein bild ein text oder eine bewegung meine seele mein herz und dadurch fange ich an diesen menschen ja fast tatsächlich ein wenig zu lieben ...ich höre und sehe dann gerne..naja was ich sagen will es entsteht immer wieder etwas ob in japan china oder in europa machen wir doch alle weiter mal sehen evt. kommt das dabei heraus was wir subjektiv von der kunst erwarten...
    Signature
  • spmet-rus-spmet
    .. und euer leid angeghört


    Das finde ich lustig.
    Falls du das hier jetzt als Gejammer über die so Böse Kunstwelt aufgefasst hast, muss ich dich leider enttäuschen.

    Ich sehe dies eher als ein philosophieren über Kunst bei dem vieleicht neue Anregungen entstehen können.

    Das war wieder zu Polemisch von mir. Ich kann nicht aus meiner Haut.

    Ach was solls ich hab einfach die Schnauze voll von Ruslanas Befindlichkeiten, Meberts Unbefindlichkeiten, wasservermalbaren Polychromos mit Haltbarkeitsstempel, Tips zum Bildaufbau, irgendwelche Homepagebesprechungen und das siebenhundertste "mir reichts Protokoll" zu lesen.
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    Ach was solls ich hab einfach die Schnauze voll von Ruslanas Befindlichkeiten, Meberts Unbefindlichkeiten, wasservermalbaren Polychromos mit Haltbarkeitsstempel, Tips zum Bildaufbau, irgendwelche Homepagebesprechungen und das siebenhundertste "mir reichts Protokoll" zu lesen.

    das ehrt dich, aber lass dir gesagt sein, diese dinge werden sich nicht ändern, auch nicht bei wechselnden darstellern.
    das problem, dass du angesprochen hast, hängt sicher damit zusammen, das es letztendlich keine dogmen mehr gibt gegen die die revolte sich lohnen würde. die kunst ist mittlerweile so fragmentiert, das von "der" kunst zu sprechen fast schon falsch ist. auf der anderen seite sind natürlich die kritiker und betrachter zu nennen, die mittlerweile einen solchen respekt vor dem kreativen, schöpferisch individium entwickelt haben, dass sie es nicht sofort in den boden stampfen, sondern erstmal versuchen zu begreifen, was das ganze soll.
    abgesehen davon, ist es natürlich so, dass der markt und der aktuelle hype dessselben eine nicht zu unterschätzende rolle spielen. davon sollte man sich aber als produzent "von was auch immer", böswillige mögen es kunst nennen, nicht kirre machen lassen. es sei denn man produziert für den markt. was auch ok wäre, da im moment der markt das einzige regulativ zu sein vorgibt. das war in den letzten jahren noch nie so ausgeprägt wie im moment, ist aber eigentlich nichts neues, da sich im prinzip alles um den warentausch und die fetischbildung zu drehen scheint( diesem tausch, könnte man idealerweise so etwas wie eine gabe, geschenk entgegensetzen, führt hier aber zu weit). traurig, aber wohl wahr.
    man kann das nun verdammen und lauthals drüber klagen, aber entscheidend ist doch, dass es soviel geile kunst gibt, mit der sich zu beschäftigen einfach affentittenarschturbogeil ist. also, immer schön schauen und schauen lassen. ;-)
    Signature
  • spmet-rus-spmet
    aber entscheidend ist doch, dass es soviel geile kunst gibt, mit der sich zu beschäftigen einfach affentittenarschturbogeil ist. also, immer schön schauen und schauen lassen. ;-)

    Genau, aber das Lästern nicht vergessen. Was ist schöner als über Kollegen herzuziehen.
    Das ist doch auch irgendwie "affentittenarschturbogeil" oder nicht.
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