KunstNet uses Cookies. Details.
  • Vom schnöden Mammon und der "wahren" Kunst

  • siku Vom schnöden Mammon und der "wahren" Kunst
    Der Siegeszug der Avantgarde, welche die Ästhetisierung des Kunstwerks forcierte, hatte und hat bis heute zur Folge, dass künstlerische Arbeiten, die sich gut verkaufen lassen oder die gar in der Absicht kommerzieller Erfolge gefertigt wurden den Stempel der „Unredlichkeit“ aufgedrückt bekommen. Dem Profi ist das G wie Geld auf die Haut gebrannt. Will er verkaufen, sprich von seiner Arbeit leben, kommt gleich die Keule des unredlichen Verrats an der wahren Kunst, betitelt mit dem Prädikat „Kitschmaler“.

    Dabei ist der Gedanke vom freischaffenden unabhängigen Künstler, der nur zum Ziel hat, seine eigene Imagination in Kunst umzuwandeln relativ neu. Das Bild des einzig seinen eigenen künstlerischen Ambitionen verpflichteten Künstlers entstand anfangs erst im Fahrtwind der Philosophie, die den theoretischen Boden schuf. Der Weg für eine autonome Kunst wurde erst im 19. Jahrhundert bereitet. Wobei heutzutage oftmals der theoretische Rahmen die handwerklichen Fähigkeiten geradezu zu erschlagen scheint. Doch die revolutionäre Sprengkraft der 60er/70er Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich im Laufe der Zeit in eine zahnlose Minna verwandelt. Püppchen, Häschen, Hausrat, alte Vorlesungsaufzeichnungen und unzählige Alltagsgegenstände sind in den Augen ihrer „Verarbeiter“ geeignet, den künstlerischen Olymp zu erklimmen. Auf dem Weg dorthin wird schon mal streng aussortiert: gegenständliche Arbeiten oder alles, was irgendwie kommerzverdächtig erscheint, wird mit verächtlichen Blicken oder - noch schlimmer - mit abfälligen Kommentaren begleitet.

    Was müssen Künstler leisten, wenn sie dem heutzutage so ernstgenommenen Innovationsanspruch gerecht werden wollen? Der Künstler, der mit seinen Arbeiten die Sichtweise auf die Welt erneuern oder zumindest bereichern kann, gibt es den überhaupt und wenn das einer von sich glauben sollte, ist er dann nicht eher größenwahnsinnig?
    Dort wo der Mangel an handwerklicher Fähigkeit zutage tritt, lässt sich heute gut die theoretische Keule schwingen. Künstlerische Souveränität scheint nicht von Vorkenntnissen abzuhängen, vielmehr von der Fähigkeit einen guten Theoriecocktail zusammenzumixen und damit das „Kunstwerk“ gegen Angriffe von außen zu isolieren.

    Ich schicke diesen Text auf die Reise, wohlwissend, dass er kaum interessierte Leser finden wird. Man(n) wird mit den Schultern zucken und macht’s sich lieber in vermeintlich kitschfreien Künstlerzirkeln gemütlich.

    In diesem Sinne
    beste Grüße und viel Schaffensfreude allerorten
    siku
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    vermeintlich kitschfreien Künstlerzirkeln

    :-) der ist gut.

    insgesamt ein schöner text, der zu gefallen versteht. er ist sicher ein highlight, auch wenn man nicht alles so unterschreiben würde.
    Signature
  • spmet-rus-spmet
    Hat nicht erst die Avantgard ein Zirkel geschlagen von theoretisch kopflastig geprägter Kunst zur Gebrauchskunst und neue Innovationen in Architektur, Möbeldesign und Alltag hervorgebracht.
    Es gibt sie noch die Vertreter die die Kunst nicht nur als Selbstzweck sondern auch als Bereicherung unserer Alltagskultur ansehen.
    Die Amerikanische Kunst der fünfziger und Sechziger ist auch so ein Wegbereiter der Versöhnung heherer Kopfkunst und Niederer Gebrauchsgrafik. Vertreter und Richtungsgeber muss ich nicht aufzählen.

    Eine Gratwanderung zwischen Anspruch und Gefälligkeit ist durchaus schwer, doch würde ich es nicht unbedingt mit technischem und handwerklichem Anspruchs und Vergleichsdenken interpretieren dessen Tenor die technische Unbedarft- oder Fähigkeit damit zu kompenseiren versuchend, ein Kunsttheoretisches Gebilde aufzubauen.
    Diese Kunsttheoretischen Gebilde sind nicht unbedingt Erfindungen der Künstler, sondern können abgeleitet werden in die Sparte der Kunstkritik und Beschreibung, die sich sozusagend schützend vor dieselbige stellt und in der Vergangenheit und Gegenwart als Vermittler und Erklärer dienbar ist.

    Die Gratwanderung zwischen Kunst und Komerz ist gerade in der heutigen Zeit längst nicht mehr so schwer wie es, sagen wir mal , noch in den Siebzigern war. Mitlerweile verbucht der Kunstmarkt Zuwachsraten von denen andere Branchen nur träumen können. Wenn du dich einmal auf den Einschlägigen Kunstmessen umschaust wirst du sehen das in der Zeitgenössischen Aktuellen Kunst das dekorative Element längst die Oberhand gegenüber kritisch geprägter Kunst erlangt hat.
    Gebrauchskunst in ist. Es ist halt alles eine Sache der Blickwinkels und der finanziellen Situation.
    Wie sonnst kann man sich den betenden Gartenzwerg oder die Geheimnisträger eines Ottmar Hörl erklären, um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen. Ich nenne das Kitschkultur vom feinsten.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • nehczteakimak
    ich kann noch nicht lesen, wer liest mir vor ?
  • Nanni
    Das klingt jetzt so als ob ein Maler der sich missachtet fühlt auf die bösen Nichtskönner schimpft, die nicht malen können. Mal abgesehen von einigen inhaltlichen Fragwürdigkeiten. Falscher Fuß und so?
  • Claudia A. G. Harrer
    Claudia A. G. Harrer
    Das Klischee des verarmten Künstlers der Schulden macht um seiner Kunst nachzugehen ist doch schon lange out. Natürlich (das ist auch besser so) kann nicht jeder von seiner Kunst leben, sonst könnten wir nichtmehr von einem gesunden deutschen Kunstmarkt sprechen.
    Was allerdings das von siku zitierte "Prädikat Kitschmaler" angeht, stelle ich mir die Frage von welcher Art Kunst wir sprechen. Ist jemand der versucht sich und seine Arbeiten zu vermarkten denn ein "Kitschmaler" und der verarmte nur der "einzig wahre Künstler"? Ich denke nein. Die Kunst liegt, besonderes im Profisektor doch darin, seine Kunst zu verkaufen, nicht als "Kitschmaler" der seine "Decoart" auf Hobbymärkten anbietet, sondern als Freischaffender, der versucht seine eigene Sprache zu finden und diese dann auch zu verbreiten.
    Oder würde irgendwer auf die Idee kommen die Vertreter der im Moment zurecht so hochgelobten Leipziger Schule als Verräter der eigenen Arbeit zu tadeln?
    Wenn es hochkommt würdigt man das Werk, die Arbeit hinter solch einem Leben aber nie.

    Aber was kann man über die heutige Kunst sagen? Abstrakte Darstellung ist nicht mehr mutig und am Computer viel leichter zu erzeugen, der Fotorealismus und die figürliche Darstellung wird bei einigen (inzwischen kann man nach 50 Jahren "konservativen" sagen) noch als "Nazikunst" bezeichnet und genauso diskriminiert wie einst die Abstrakte.
    Junge Künstler sind verwirrt - oder vielleicht nicht??
    Denn ist nicht gerade diese Zerrissenheit besonders gesund für einen kreativen Kopf???

    Fragen über Fragen und am Besten sind diese durch jedes einzelnen künstlerische Werk zu beantworten, zwar mit der Einschränkung das jede beantwortet Frage mindestens zwei neu aufwirft, aber was solls.

    Auch von mir frohes Schaffen
    Claudia
  • noinub
    Das klingt jetzt so als ob ein Maler der sich missachtet fühlt auf die bösen Nichtskönner schimpft, die nicht malen können. Mal abgesehen von einigen inhaltlichen Fragwürdigkeiten. Falscher Fuß und so?


    Hierzu etwas von Klaus Honnef: Im Vertrauen auf die Ideologie des unaufhaltsamen Fortschritts glauben viele Künstler auf handwerkliche Ausbildung verzichten zu können. Und in dem Masse (Tastatur hat kein scharfes S), wie sie diese ignorieren, büssen sie die künstlerische Souveränität ein. Häufig reicht ihr künstlerisches Gedächtnis mal eben 20 Jahre zurück. Stümperhafte Anspielungen auf populäre Comics oder Toilettengraffitis genügen ihnen als Traditionsbezug. Zweifellos ist die verbreitete Dürftigkeit gegenwärtiger Kunstproduktion das Resultat eines Verlustes handwerklicher Fähigkeiten und damit des Vermögens, eigenständige künstlerische Wirklichkeiten zu schaffen...
  • spmet-rus-spmet
    @bunion, das ist etwas das ich nicht unbedingt unterstreichen würde, spätestens beim Eintritt in den Profitablen Kunstmarkt ist gerade das zu wenig um wirklich suverän agieren zu können.
    Was wohl wahr ist, ist das das Ego eines Kunststudenten oft seiner Fähigkeit voraus ist. Auf die Menscheit losgelassen wird es sich irgendwann egalisieren.
    Über Klaus Honnef sollte man wissen da seine Oft provokaten Thesen eine gewollte Realitätsüberspitzung darstellen um eingefahrene Denkmuster überwinden zu können.
    Das Gejammer um die Qualität ist in, ich selbst bin auch so einer, aber es scheint verbal schlimmer als die Realität vor Ort.
    Man sollte nicht vergessen das wir in einer medialen Gesellschaft leben in der selbst Müslipackungen durchgestylt sein müssen um Anerkennung und Käuferschichten zu finden. Um wieviel mehr ist das Drumherum (Assotiation mit der Verpackung) bei der kunst gefragt. Wen interessiert denn schon das Genie das in seinem Atelier sitzt und mit einem Regeschirm sein aktuelles Werk vor den Regentropfen die durch das undichte Dach eindringen, zu schützen sucht.
    Medienpräsenz ist eine der Verkaufsargumente die auch die Leipziger Schule gerne nutzt.
    In Zeiten des Terrorismus, ded Überall auf der Welt verfügbaren Bilder und des Internets mit seinen überaus starken Bildern ist die Manipulation des Kunstgeschmacks die Kunst der Zukunft.
  • nehczteakimak
    ich tunke meine pfötchen in bunte farben und laufe über die leinwand !
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    zu klaus honnef nur: ich hab bei der polke eröffnung nur gedacht "oh gott wann hält er endlich die fresse, der ist senil".
    Signature
  • siku
    Uff, ich bin gerade heimgekommen, und wie es ausschaut lauert Arbeit auf mich. Zu einzelnen Beiträgen schreibe ich noch, jedoch nicht chronologisch, sondern die (vermeintlich?) leichten Antworten kommen zuerst. :-)

    @ Hanni, vielen Dank für deine wohl nicht ganz süffisiantfreie Belobigung. :-)


    @ kamikaetzchen, ich hoffe, du fühlst dich hier wohl - und lauf mit deinen farbgetränkten Füßchen lieber nicht über Frauchens guten Teppich.

    Das klingt jetzt so als ob ein Maler der sich missachtet fühlt auf die bösen Nichtskönner schimpft, die nicht malen können. Mal abgesehen von einigen inhaltlichen Fragwürdigkeiten. Falscher Fuß und so?


    Nanni, so einfach gestrickt, wie du glaubst ist der Text nun auch wieder nicht. Nein, ich bin kein sich mißachtet fühlender Maler, sondern ein Kunstliebhaber ;-), weder vom alten Schlag der ewig Gestrigen noch ein bedingungsloser Anhänger der "Nichtkunst". Gerade so eine starre und pauschale Bewertung(Abwertung) einer anderen Meinung, wie du sie hier abgefasst hast, könnte es u.a. vielleicht gewesen sein, was mich indirekt zu meinem Text veranlasst hat. Zu deinem Satz, Zitat: "Mal abgesehen von einigen inhaltlichen Fragwürdigkeiten". Was sind denn deiner Meinung nach die inhaltlichen Fragwürdigkeiten? Oder stehst du da schon drüber, diese hier zu erklären?

    Gruß
    siku
  • peter schnaak
    peter schnaak
    Das ist sicher alles nicht falsch, es mag kompliziertsein heute was wirklich relevantes zu machen.
    Glaubt man wenn alle wieder brav ihr irgendwie althergebrachtes Handwerk perfektionieren wäre alles wieder schön, machte man es sich wohl zu einfach.
    Mir ist in letzter Zeit wieder klargeworden das mir das Künstlerbild der Renaissance um einiges symphatischer ist als das des 19. Jhd.
    Den Künstler als Forschenden und Erkenntnis Suchenden zu beschreiben ist produktiver als in ihm einen zu sehen, der an seiner virtuosen Beherrschung des Handwerklichen bastelt,sich formaler Meditation widmet, -Genialität, was auch immer das sei- zelebriert.
    Das ist ein bisschen wenig.Eigentlich ist auch der Begriffinhalt: "Künstler" mit seinem Bedeutungsgedöhns eine Missgeburt der Zeit nach der französischen Revolution und eigentlich überflüssig geworden.
    Der Kernpunkt ist für mich der selbstständig denkende Mensch.
    Wer mit Installationen fürs Grosskapital den Hofnarren macht, die's fördern weil sie ja auch eine innovatives Unternehmen sind, oder ob wer für den Mahagonischreibtisch des örtlichen Immobilienhais
    was "schönes"fummelt. Ist eigentlich egal wies aussieht.
    Wichtig bei all dem finde ich dass man sich wenigstens bemüht trotz all dem sich und seine Umwelt zu transzendieren.
    In Zusammenhänge zu stellen.
    Klar,Handwerk ist toll , aber es "rechnet" sich nicht
    und irgend ein Plastekram kann ja auch schön sein...
    UND
    die Hand ist die Dienerin des Kopfes und da gehen wohl auch die entscheidenden Dinge vor sich.
    gruß peter
    Signature
  • siku
    Vielen Dank für Eure bisherigen Beiträge.
    Bevor ich noch einen eigenen Text nachschiebe, möchte ich zwei Beiträge erwähnen, die wie ich finde, die Situation des Künstlers besonders einfühlsam beschreiben.

    ...Und aus dem, Beitrag von ClaudiaHarrer zwei Sätze zitieren:


    Wenn es hochkommt würdigt man das Werk, die Arbeit hinter solch einem Leben aber nie.
    [...]
    Junge Künstler sind verwirrt - oder vielleicht nicht??
    Denn ist nicht gerade diese Zerrissenheit besonders gesund für einen kreativen Kopf???



    Zum ersten Satz: das Thema wäre einen eigenen Thread wert. Vor allem betrifft das die Künstler, deren Biografien nicht von Kustoden aufgearbeitet werden.

    Zu Satz zwei: Das Zerrissenheit für einen kreativen Kopf besonders gesund ist, wage ich zumindest in Zweifel zu stellen.

    Gruß
    siku
  • siku

    "Wichtig bei all dem finde ich dass man sich wenigstens bemüht trotz all dem sich und seine Umwelt zu transzendieren."
    [...]
    "UND die Hand ist die Dienerin des Kopfes und da gehen wohl auch die entscheidenden Dinge vor sich."


    Diese Sätze fand ich besonders anschaulich.
    Gruß
    siku
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    @ Hanni, vielen Dank für deine wohl nicht ganz süffisiantfreie Belobigung. :-)


    welch unterstellung.

    ich finde den text wirklich bedenkenswert. und teile einige einschätzungen und feststellungen , aber wie gesagt halt nicht alle. aber er ist eine wesentliche bereicherung, da er reflektiert einige sehr aktuelle punkte anspricht.

    wie zum beispiel die kommerzialisierung, trivilaisierung der mittel(mitschriften, häschen, puppen usw) bei gleichzeitigen anspruch, die sicht auf die welt zu erneuern usw.
    kitschverdacht ist auch ein gutes stichwort.

    jedenfalls glaub ich, um das mal in zwei, drei sätzen kurz anzureißen, dass durchaus das kleine, alltägliche seine berechtigung hat. aber eher in dem sinne, wie robert walser in der monatsschrift der bäckerinnung seine goßen kleinen erzählungen über das gewöhnliche, das spazierengehen und soweiter getätigt hat. so ähnlich ist es meiner meinung auch in der kunst, es braucht nicht immer die "großen" meta erzählungen, themen oder diskurse. das heißt auch, dass man mal dieses ganze schielen auf den markt und die quote vergessen sollte. ich finde es viel spannender einfach das zu machen, was man will, zu versuchen dies umzusetzen. ob mit theorie oder ohne ist nahezu egal. sich selbst bei laune halten ist wichtig.
    und dann kommt da halt noch etwas zu, was ich mal so beschreiben will, man macht etwas und ist davon überzeugt, man weiß das es nie eine chance haben wird die quote von pokemon zu erreichen, aber man läßt es nicht fallen sondern macht weiter. man arbeitet über einen längeren zeitraum daran, dadurch gewinnt es an "ernst" und fängt an der beliebigkeit zu entgehen. es wird ev. das, was kunst ist(nicht unbedingt das, was in venedig, kassel und eigen+art gezeigt wird)und betätigt selbstständig seinen kopf und seine sinne. man fängt an sinnliche und andere wahrnehmungen zu erfahren, die *gott behüte mich vor dem wort* authentisch und originell sind. und dann versucht man eventuell fallengelassene fäden auzunehmen und weiter zu spinnen, das was war, weiter zu entwickeln, zu antworten, man beginnt sich mögliche antworten vorzustellen, formuliert diese. by the way, hochgradig pathetisches gelabber. ;-)


    aber ich mein, warum macht man kunst? doch nur weil die, die man haben möchte nicht da ist und man sie deshalb selber herstellen muß. mimesis führt schnell zu kitsch. egal ob puppen, häschen, gegenständlich oder abstrakt. ich bekenne mich da zu 100% des kitsches schuldig.

    handwerk zu beherrschen ist nicht alles, aber auch nicht verwerflich. das gleiche gilt für theorie. jeder muß den weg finden, der für ihn paßt. eine schöne platitüde und um sie noch mal zu steigern: der weg, und nicht der markt, ist das ziel.

    und das man fettes steak auf den teller will, dazu einen guten bourdaux ist auch nicht verwerflich.

    achja, siku du bist schuld an diesem posting. eigentlich wollte ich mich nicht zu einem solchem hinreißen lassen, aber ich hab irgendwie das gefühl, es war nötig. und ich es dir schuldig. nun hoffe ich wenigstens, das du damit etwas anfangen kannst.
    Signature
  • siku
    Bunion, du hast gut getroffen mit dem Zitat von Klaus Honnef, aus dem Artikel „Überfällige Wende“ Kunstzeitung Febr. 2006. Der Text hat meinen Beitrag schon mitinspiriert. Aber es ist nicht nur der wie Hanni meint „senile“ Klaus Honnef, der Überlegungen zu Vorbedingungen (z. B. handwerkliche Fähigkeiten der Künstler) anstellt. Die Frage nach den Vorbedingungen für Kunstwerke kreuzt in der Kunstkritik gelegentlich immer wieder auf (wie ich meine durchaus berechtigt). Und ich gebe es hier auch offen zu, würde dies nicht der Fall sein, wer weiß, vielleicht wäre mein Beitrag dann nicht erschienen. Ich hatte ihn eigentlich auch nicht bierernst gemeint, etwas Polemik ist schon dabei.

    Mein Text zielt eigentlich auch nicht auf die etablierten Künstler ab, sondern auf (bitte nicht angesprochen fühlen, Anwesende sind doch immer ausgeschlossen) den Durchschnitt, auf die vielen Künstler, die ihr Geld mehr oder weniger mit Kunst verdienen.
    @ Temps-sur-temps: Design lasse ich jetzt einmal außen vor, das ist ja noch eine relativ neue, anerkannte und nicht zu unterschätzende Disziplin der Künste.

    Dadurch, dass wir einen ziemlich durchlässigen Kunstbegriff haben, ist es auch schwierig Qualitätskategorien zu bilden. Der Kunstmarkt ist unübersichtlicher geworden und er hält sich bedeckt, aber die Kriterien auf Profibasis zu arbeiten sind deshalb nicht lasch. – Und hier schlage ich mal wirklich eine Bresche für die, die den Kunstmarkt bewusst bedienen, deren Können, Malqualitäten oder Innovationsvermögen sind nicht zwangsläufig schlechter als die künstlerischen Fähigkeiten, der sich dem Markt bewusst (oder aus der Realität ergebend) verweigernden Künstler. Noch eine persönliche Einlage: wenn z. B. Arbeiten von Künstlern wie Friedrich, Dali oder auch die Mona von Leonardo von heutigen „nachkonzeptuellen“ Kunstschaffenden als Kitsch abgetan werden, dann stelle ich mir schon die Frage, ob besagte Kunstschaffende, die nicht unvoreingenommen Kunst anderer betrachten und bewerten können, in der Lage sind, selbst qualitative Arbeiten zu liefern. Unter dem Begriff „Konzeptkunst“ wird heute ähnlich viel Zeug produziert wie unter dem Begriff „Informel“.

    Ein Problem des Informel war es u. a., dass sich die Arbeiten so gut nachempfinden ließen, bei der Konzeptkunst scheint mir das ähnlich zu sein. Die Künstler, die zum Entstehen der Konzeptart beigetragen haben waren aber keine Künstler, die zufällig etwas Neues erfunden haben, vielmehr waren es wohl überwiegend Kunsthistoriker und Kritiker, die hellsichtig neue Wege erkannt und beschritten haben und (zum Teil auch mit eigenen Werken) zum Ausdruck brachten. Monochrome Malerei, Informel, Concept Art bedurften der theoretischen Begleitung von „Kunstexperten“, die nicht, wie gern pauschal festgestellt wird, in erster Linie die Vermarkter bedienten.
    Nur heute (und jetzt werde ich vielleicht doch etwas polemisch) scheinen sich Kunstschaffende der „Nichtkunst“, ähnlich wie die Maler beim Informel zum Malen, schnell befähigt zu fühlen, einen theoretischen Diskurs zu führen. Und ob sie damit die Qualität ihrer Arbeiten steigern, bleibt offen.

    Viele Grüße
    siku
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    die polemik gefällt mir. wirklich.
    Signature
  • siku
    @ hanni,

    Hanni ich habe deinen Text gerade ausgedruckt, aber
    ich brauche jetzt erstmal ein Abendessen, wenn auch kein fettes Steak :-). Deinen Text lese ich wahrscheinlich erst morgen, falls es etwas zu beantworten gibt, dann schreibe ich möglicherweise erst morgen abend.

    Gruß
    siku
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    hallo siku,
    ich fühle mich nun doch genötigt, dein vorletztes schreiben noch einmal zu kommentieren und mein vorletztes um den einen oder anderen punkt zu ergänzen.

    vorab, zum lockermachen, folgendes: "was sagt ein künstler der keine arbeit hat zu einem künstler der arbeit hat?
    einmal pommes rot weiß bitte".

    so, zur sache,
    als erstes will ich mal auf den punkt:

    "Noch eine persönliche Einlage: wenn z. B. Arbeiten von Künstlern wie Friedrich, Dali oder auch die Mona von Leonardo von heutigen „nachkonzeptuellen“ Kunstschaffenden als Kitsch abgetan werden, dann stelle ich mir schon die Frage, ob besagte Kunstschaffende, die nicht unvoreingenommen Kunst anderer betrachten und bewerten können, in der Lage sind, selbst qualitative Arbeiten zu liefern. Unter dem Begriff „Konzeptkunst“ wird heute ähnlich viel Zeug produziert wie unter dem Begriff „Informel“. "

    dazu passend aus obigen honnef text: "Häufig reicht ihr künstlerisches Gedächtnis mal eben 20 Jahre zurück."

    sicherlich ist es falsch, wenn man meint, das nur die kunst der letzten 20 jahre relevant sei. auch kunst, die längst zurück liegt hat ihre bedeutung. als beispiel sei hier nur die "schule von athen" des raffael angeführt, aber an diesem beispiel zeigt sich eben auch schon das theorie ev. nicht ganz schlecht ist. aber zeitnahe kunst ist uns meistens rein formal näher und leichter zugänglich.
    ein starker pluspunkt der kunst ist ihr archivcharakter. ähnlich wie das geschriebene wort ermöglicht sie eine externe gedächtnis funktion. sie hält fest, zeichnet auf und macht sichtbar. und dies nicht nur für den augenblick, im gegensatz zum internet und diesem forum, wo das meiste nur für den schnellen konsum gedacht ist. schon in den "klassischen" werken werden ja unter anderem auch mythen und philosophische überlegungen dargestellt, somit auch ein wenig theorie betrieben. das nun oft solche themen mit prominenten zeitgenossen besetzt waren, ist sicherlich auch eine kommerzielle frage gewesen, hoffte man dadurch doch auch wohl den einen oder anderen der dargestellten zum kauf oder spende zu bewegen.
    aber eben dieses auf dauer, nicht auf den event und die quote, den markt ausgerichtet sein, unterscheidet vieles von der heutigen popkultur. in den popkultur ist nur das existent, was am markt erfolgreich ist. der markt ist das schinbar das einzige regulativ. "was die welt im innersten zusammenhält" scheint die warenzirkulation und die damit verbundene fetischbildung zu sein.
    man kann sich nun in diese bunte, "superflache" popwelt mit ihren scheinbaren heilsversprechen begeben, was durchaus legetim ist, oder man kann sich dessen bewußt sein, dass man nur für einige wenige produziert, die wirklich interessiert, was man tut.
    das nun so ein internetforum wie dieses, aber auch im grunde alle anderen, da nicht die optimale kommuniktionspalttform ist, ist ein anderer punkt.

    wenn man sich nun entschließt, sein bestreben nicht darauf zu richten sich in den stars und sternchenrummel der celebrity gesellschaftzu begegebn oder einfach nur zum erwerb für das eine oder andere schicke handtäschen möglichst kommerziell erfolgreich zu sein, egal welches thema oder welche form, dann hat das was mit künstlerischer ernsthaftigkeit und aufrichtigkeit zu tun. mag sein, dass dies erst ein relativ neues denken ist, aber selbstbestimmheit ist etwas was man nicht aufgeben sollte. denn es geht auch um selbstbestimmtheit beim künstlerischen handeln. dazu gehört auch, dass man nicht wie eine filpperkugel von den neusten modetrends hin und her geschossen wird. ernsthafte kunst, egal auf welchem niveau, fängt für mich da an, wo es widerstände gibt, sich mit diesen auseinander gesetzt wird und diese überwunden oder auch gescheitert wird. vangogh ist grandios in seinem scheitern. gleiches gilt für cezanne und wahrscheinlich noch für tausende von unbekannten meistern.
    kunst ist eben nicht beliebig. sie entsteht durtch auseinandersetzung und widerstände. auch das das handwerk sei , ist nicht das non plus ultra, sonst nehme ich mir einen plakatmaler und sage zu ihm: "lieber maler male mir".
    wie nanni schon ausgeführt hat, ist das aüßere erscheinungsbild heute fast schon nebensächlich. jeder gegenstand hat das potential kunst zu sein. dazu ist aber oft eben auch theorie nötig. warum sonst ist eine suppendose einmal kunst und einmal einfache ware? natürlich ist das eine subjektive einschätzung, aber ich verlange von kunst heute mehr als trendy zu sein oder schick auszusehen.
    kunst kann auch wenn sie ungekonnt und scheiße aussieht, gekonnt und gut sein. die, ich schäme mich fast, dieses wort zu gebrauchen, authentische ästhetik ist ein wichtiger punkt bei künstlerischer praxis. dieses salbungsvoller gerede von meisterlichkeit und können ist doch eher schnee von gestern. wichtig ist das, und auch hier greift wieder der warencharacter und der fetischbegriff von marx, eigene stil. dieser ist aber nicht nur zu verdammen, da er jenseits von branding und trademarks eingentlich ein zeichen dafür ist, dass jemand sich eben nicht wie eine flipperkugel hin und herschießen läßt. das soll jetzt nicht heißen, das jedem therapeutischen gepinsele einfach bedingungslos die tür geöffnet werden sollte.
    nicht jedes konzept oder informelle geschmiere ist kunst. aber auch nicht jedes photorealistische oder klassizistische bild.
    und selbst ein herr rauch, gegen den man haben kann, was man will, ist jemand, der nicht eine beliebige ästhetik bedient, sondern auch wahrscheinlich durch widerstände, seine eigene ästhetik gefunden hat. die kann man mögen oder nicht. das hat aber auch bei ihm gedauert. was hingegen bei vielen seiner epigonen nicht unbedingt der fall zu sein scheint. da kommt schnell der verdacht auf, es gehe um die schnellen mark.

    kunst ist heute fragmentiert. auch der markt.
    egal. das ganze hier sind nur gedankenfragmente und es erhebt keinen wahrheitsanspruch, sondern dient nur der sichtbarmachung von gedanken zu deinem text.
    ich geh nun mal spazieren und hoffe ev. heute abend oder in den nächsten tagen eine kleine antwort zu finden.

    PS. um noch mal kurz auf friederich oder dali zu kommen, diese sind kein kitsch. aber heute einfach eins zu eins dieses zu übernehmen ohne theorie setzt sich zumindest dem kischverdacht aus.
    Signature
  • noinub

    ernsthafte kunst, egal auf welchem niveau, fängt für mich da an, wo es widerstände gibt, sich mit diesen auseinander gesetzt wird und diese überwunden oder auch gescheitert wird. vangogh ist grandios in seinem scheitern. gleiches gilt für cezanne und wahrscheinlich noch für tausende von unbekannten meistern.
    kunst ist eben nicht beliebig. sie entsteht durtch auseinandersetzung und widerstände.


    Das hat starke Anklänge an die "Authentizität". Der ernsthafte Künstler hat gegen Widerstände usw. zu kämpfen, das macht ihn zum "wahren" Künstler. Also doch der Besessene, für den Geld ein Fremdwort ist und sich und sein Leben ganz der Kunst widmet. Wer sagt das Erfolg, Selbstbestimmtheit und Ernsthaftigkeit nicht Hand in Hand gehen können. Du malst mir ein zu schwarz-weisses Bild von der Kunst; zudem bin ich überrascht wie gnädig du auf einmal mit Herrn Rauch umgehst.
  • Page 1 of 2 [ 32 Posts ]

  • Sign in to respond or to ask a question.

Related topics and pictures