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  • Auftragsarbeiten - seelische Prostitution?

  • Margit Gieszer
    Margit Gieszer Auftragsarbeiten - seelische Prostitution?
    Ich habe ein Angebot von einer Galeristin bekommen, bei ihr Bilder zu verkaufen. Allerdings möchte sie, dass ich Kommerz und Kitsch fabriziere, sie meinte, das lässt sich verkaufen.
    Obwohl ich dringend Geld brauche, komme ich mir vor als müsste ich mein Selbst verleugnen, was mir total zuwieder ist.
    Ich müsste das malen, was ein anderer von mir verlangt. Das haben zwar schon die alten Meister gemacht, aber die haben sich auch dagegen aufgelehnt. Auch bei Porträts ist das so, die Menschen wollen kein gutes wahres Bild von sich, sondern ein schöngeschminktes.
    Was würdet ihr machen? Es unter einem Pseudonym malen? Oder ablehnen?
    LG Margit
    Signature
  • NIWREW
    Margit,wenn du Überleben möchtest ,dann
    nehme den Auftrag an.
    So werden unter Umständen viele andere wichtigere
    Leute auf deine wahre Kunst aufmerksam!
  • s_anna
    ich würds machen.solange es keine herzchenbilder sind :D
    das ist keine prostitution, du lernst bei jedem nild das du malst und wenns der größte kitsch ist
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  • musrednar
    hab ich auch schon gemacht. bilder auf auftrag. aber zum glück wollten die auftraggeber immer etwas, das meinen bereits gemalten arbeiten ähnlich ist.

    ach ja, ich musste mal ein portrait malen, das zart in die karikatur übergeht. ich mag/mochte das so gut wie gar nicht, aber die freude des käufers hat das aufgewogen.

    bei dir hier klingt es aber eher nach massenproduktion von dekorativen sachen ... ich würde das nicht machen, habe allerdings auch nicht dein geldproblem.

    das mit dem pseudonym ist vielleicht gar keine so schlechte idee ...
    an deiner stelle würde ich die sache wohl angehen, schlussendlich kommst du dadurch zu einer mehr oder weniger regelmäßigen und notwendigen einnahmequelle und es arbeiten auch viele andere hauptberufliche so.

    nachdem du von deiner malerei leben willst/musst, denke ich, dass zumindest eine zeitlang auch "ins gras gebissen" bzw. die leinwand malträtiert werden muss ;-)

    "deine" arbeiten laufen dann eben nebenher und später mal kannst dann vielleicht nur noch malen, was DU willst ... aber das dauert wohl ...

    ich hoffe, du findest den für dich richtigen weg!
  • Ralf Lukas
    Ralf Lukas
    Auftragsarbeiten warum nicht? Es ist doch eine gute Art an Geld zu kommen.Wenn ich die nicht hätte, währe ich bestimmt schon Harz 4 Empfänger.Ist doch cool zuhause arbeiten und sich die Zeit selber einteilen.Du darfst nur nicht den Fehler machen in Masse zu produzieren.Ich habe selbst für einen Verleger 100te von Bildern gemalt.Als die Mode vorbei war,und meine anderen Arbeiten ihm zu teuer waren,ließ er mich fallen wie eine heiße Kartoffel.Immer gut einschätzen mit wehm du zusammen arbeitest.

    Gruß Ralf
  • camo
    camo
    Ich würde es nur machen, wenn kurzfristig das Überleben davon abhängt.
    Wenn die Bilder ein "Erfolg" werden und immer mehr Arbeit auf dich zukommt, besteht die Gefahr, daß deine richtigen Bilder dadurch auf die lange Bank geschoben werden.
    Rechtzeitigen Absprung planen.

    Ich mache selbst gar keine Aufträge mehr und Anfragen nach Kitsch oder Dekokunst schmettere ich besonders deutlich ab. Ich muß allerdings auch nicht von meinen Bildern leben.
    Signature
  • musrednar
    "Ich muß allerdings auch nicht von meinen Bildern leben."

    Das ist eben auch ein nicht zu vernachlässigender Umstand! Bzw. das Gegenteil davon bei Ma-Gie.
  • gabriele hitrik
    gabriele hitrik
    ich habe ein einziges mal einen auftrag gemacht, und muss sagen nie wieder. ich war sehr unzufrieden und konnte nur schlechten gewissens die arbeit abgeben, obwohl der kunde zufrieden war. das war einfach nicht ich.
    meine sachen sind zu unplanbar um vorher schon sagen zu können was es wird, leider, denn die möglichkeit nach auftrag zu arbeiten, eröffnet ja auch eine weitere geldquellen. moralisch gesehen, ist es nicht verwerflich. ich bewundere leute die das können und machen. mein ding ist es nicht.
  • siku
    .
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    Die Frage scheint mir m. E. völlig überflüssig angesichts der ordentlich gearbeiteten Stilleben - und es werden unnötig alle Maler, die von ihren Arbeiten leben vors Schienbein getreten.

    Warum wird der Verkauf von Bildern über Galerien immer wieder abgewertet? Ist das schick? Immendorff, Rauch oder Richter malen auch nicht nur für ihre eigene Wohnzimmerwand.

    Verkaufserfolge lassen sich doch auch auf andere Weise verkünden: lieber jubeln statt (ver-)zweifeln :-).

    Solch eine Gelegenheit kommt vielleicht so schnell nicht wieder - und weshalb sollten andere Menschen nicht mit diesen Arbeiten glücklich werden?

    lg.
    siku
  • suomynonA
    beim mir war das sowas: ich hatte damals mal nem bekannten, der toningenieur war, n demotape zugesteckt. der fand das so gut, dass er sich überlegt hat, mit mir ein "danceproject" zu machen und stellte ne studiosängerin (anja krabbe, die ist heute ziemlich erfolgreich) und das studio selbst zu verfügung. ich hatte damals aus gag mal nen popsong komponiert, doch ernst hatte ich das nicht genommen.

    nun sass ich da also, hatte alles angeschlossen, lud in den atari die songs rein und wir schraubten an den sounds rum (da stand ein riesiges total recall mischpult mit 48 spuren). bei mir zuhause klangen die songs viel rauher, hier klang alles wie aus ner kinderdiskothek. mir ging auf, dass ich ÜBERHAUPT KEINE LUST auf die produktion hatte. ich zog das zwar durch, aber ich kam mir auch irgendwie prostituiert vor. das gefühl, dass ich KUNST machste, war gänzlich verschwunden. und daanach: fotosession, geschminkt wie ne tunte, furchtbare posen, alles bunt, quietschbunt. ich wusste ganz genau: das ganze wird nix!!!

    die DATs kamen zum glück von den labels zurück, wollte keiner haben. das fand ich sogar erfreulich ;-) heute würd ich da natürlich anders rangehen, doch mit 25 da war man noch authentisch und liess sich nix gefallen
  • NIWREW
    @siku:Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!
  • camo
    camo
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    Die Frage scheint mir m. E. völlig überflüssig angesichts der ordentlich gearbeiteten Stilleben - und es werden unnötig alle Maler, die von ihren Arbeiten leben vors Schienbein getreten.
    Warum wird der Verkauf von Bildern über Galerien immer wieder abgewertet? Ist das schick? Immendorff, Rauch oder Richter malen auch nicht nur für ihre eigene Wohnzimmerwand.
    Verkaufserfolge lassen sich doch auch auf andere Weise verkünden: lieber jubeln statt (ver-)zweifeln :-).
    Solch eine Gelegenheit kommt vielleicht so schnell nicht wieder - und weshalb sollten andere Menschen nicht mit diesen Arbeiten glücklich werden?
    lg.
    siku


    Es geht nicht um den schlichten Verkauf ihrer bisherigen Bilder sondern um das gesonderte Anfertigen von Kitsch (vermutlich am Fließband) nach den Vorgaben eines Galeristen.
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  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Geld zum Leben braucht der Mensch nun einmal, also
    würde ich es zumindest einmal ausprobieren. Wenn es dich dann doch zu sehr nervt, Kitsch zu produzieren, kannst du immer noch aussteigen bzw. dir andere Auftraggeber suchen.

    Die Prostitution ist allgemein nur eine Frage der Höhe des Honorars ;)
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  • flow_thgin
    Denk' daran, dass Du Dir mit diesem "Job" Deine Kunst finanzieren kannst, die DIR am Herzen liegt.
    Sieh' es als Brotjob.
    Ich glaube nicht, dass Du Dir dadurch den Ruf versaust.
    Kannst Du mit der Galeristin einen Mittelweg finden, der Dich nicht gar so unglücklich macht?

    Ich mache als Grafikerin auch öfter mal Sachen, die alles andere als kreativ sind und ganz und gar nicht meine Handschrift. Was solls?! Dafür habe ich gerade 50 Arbeitsstunden abgerechnet.

    Nimm das Geld! Mit leerem Magen malt es sich schei...
    Weiss ich aus eigener Erfahrung. Es gab Zeiten, da konnte ich mir nicht mal mehr Schnürsenkel kaufen. Das war kurz nach meinem Studium. Ich hatte ein Hemd und eine Hose. Nee, so Zeiten will ich nicht nochmal durchmachen!!!
  • mnaive
    Ich finde, dass man da abgrenzen muss.
    Auftragsarbeiten dienen zum Gelderwerb und zur Lebensunterhaltung. Das hat für mich zunächst einmal wenig oder eigentlich garnichts mit seelischer Prostitution zu tun. Im Gegentum. Man richtet sich nach den Vorstellungen des Kunden. Dieser "prostituiert" sich ja dann eigentlich. Und wenn Du mit seinem Auftrag leben und ihn umsetzen kannst, ist das doch prima. Das nennt man heute "Dienstleistung";-)

    Als seelische Prostitution sehe ich dann sogar eher das Anbieten von nach eigenem Gusto gefertigten Bildern an.
    Der berühmte Satz: "Was will uns der Künstler damit sagen?" besagt dann schon alles und damit fängt (für mich) schon die seelische Prostitution an.

    Muss allerdings zugeben, dass ich bei meinem Statement hier das Wort Prostitution nicht im gewöhnlichen Sprachgebrauch verwende oder verstehe.

    Ich wünsche Dir auf alle Fälle, dass Du auch Spaß bei der Erfüllung des Auftrages hast@ Ma_Gie
    Und natürlich auch viel Erfolg und zufriedene Kunden:-)

    LG Evian
  • spmet-rus-spmet
    Kitsch, und wenn schon, Pseudo drunter und ab unter die Leute.
    Dann kommst du der Handwerklichen Sache der Kunst auf die Spur und kannst deine Rechnungen bezahlen.
    Sehe da kein Problem drin.
    Prostituieren? verkaufst du deinen Körper? wohl nicht, eher deine Handfertigkeit. Und die ist dein Werkzeug mit der du auch Kunst erschaffen kannst.

    Dieses Dünnschissgelaber mit unter meiner Würde und Prostitution ist doch wirklich Lächerlich.
    Das können sich Leute leisten die nicht darauf angewiesen sind, weil sie eh schon fett im Geschäft sind, oder die, deren technische Reife nicht fürs Handwerk reicht.
  • Andrea Zahradnik
    Andrea Zahradnik
    Wenn du's unbedingt zum Überleben brauchst mach es. Aber wenn es dir gar keine Freude macht, wirst du das nicht lange durchhalten. Wie schon jemand erwähnte - auch kann's passieren, dass du dann wenig Zeit für deine dir Freude machende Kunst hast... ich lehne manche Auftragsarbeiten ab, wenn es mir ganz gegen den Strich geht, manchmal - wenn ich's als nicht zu "unangenehm" einschätze und man mir viel freien gestaltungsraum lässt, mach ich es (abgesehen davon, dass meine arbeiten sowieso oft in richtung kitsch tendieren, grins, gefällt mir halt so). kürzlich hab ich ein eine auftragsarbeit angenommen, die mir nicht wirklich gefühlsmässig lag... ist auch nicht extrem toll dann geworden... das ist glaub ich dann meist so, wenn man nicht wirklich dahintersteht, wird's auch nicht so besonders. zumindest aus eigener sicht. aber bekanntlich sind geschmäcker verschieden, und den käufern mag's gefallen...
    andrea
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  • musrednar
    naja, guini, es ist aber sehr wohl auch möglich, "schöne" bilder zu schaffen, ohne sein herzblut mit drin haben zu müssen. für solche zwecke eben.
    ist nur eine frage des wollens ...
  • Andrea Zahradnik
    Andrea Zahradnik
    kann sein, barbara, wahrscheinlich ist man nur mit dem, was man eigentlich gar nicht so gerne macht, noch kritischer, oder vielleicht ist's auch, weil ich sowieso meist unzufrieden bin... (muss ja auch noch viel lernen).
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  • Zfues
    ich sag nur: annehmen und mach dein ding!!!
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