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  • Auftragsarbeiten - seelische Prostitution?

  • orkeB
    Und wenn man einen Namen hat, dann kann man sich den sehr wohl wieder ruinieren, denn dann hat man Aufmerksamkeit und dann gibt es verdammt kritische Augen!
  • El-Meky
    El-Meky
    Wenn man noch keinen Namen hat und vielleicht vor hat sich einen zu erarbeiten, dann ist es eher nicht hilfreich so etwas anzunehemen. Ich verteufel ja auch nicht die Auftragsarbeit an sich, es ist nur wichtig sich selbst treu zu bleiben.:)


    noch vor ca. einem Jahr hab ich 's genauso stur gesehen.

    aaaber,
    dann sollte ich auf Wunsch neulich mal Sonnenblumen abmalen. und ich dachte damals noch , ich mal nie nix ab und schongarnix Biederes.

    aber erstaunlicher Weise hatte ich mächtig Spass am groben abmalen der Blumen und am rumprobieren und zu lernen und es tat mir gut , zu merken, dass ich auch meine 'liebe, und mein Herz in Sonnenblumen geben kann. und ich war mir beim malen treu . oh staun :o))

    nun bin ich natürlich auf den Geschmack gekommen.
    weil son Bild schnell gemalt ist .
    des öfteren werde ich agesprochen , ob ich ein Portrait von wem malen könne /würde.
    damals hab ich es immer abgelehnt , weil ich irgendwie keinen Sinn drinn sah und mich schon beim Gedanken daran , was von nem Foto abzumalen, langweilte.
    insgeheim hatte ich sicherlich auch Schiss, dass ich es garnicht gut genug könne.

    neuerdings reizt es mich aber , reale Gesichter malen lernen zu wollen. und ich werde in nächster Zeit Aufträge eher annehmen, zumal ich eine Urlaubskasse habe , die sehr hungrig ist :o))

    ich habe einen Auftrag angenommen , ein kleines Bild , eine Moschee oder irgendwas Dekoratives für ein Restaurant. ich werde es machen .hab Lust darauf auch mal ne Moschee zu malen,weiterhin Perspektiven , Licht und Schatten malen lernen, mich in verschiedenen Techniken weiter üben.
    und da sind doch Auftragsarbeiten eine gute Einnahmequelle für *Übungsbilder* egal ob die 'nur' dekorativ und gefällig sind.

    eine gute Galerie wird immer deine wahren Qualitäten erkennen. egal ob du zum Verkauf zum Überleben gefällige Dekomotive zwischendurch malst .

    Gruss Ella
    Signature
  • orkeB
    Eine gute Galerie würde einem Künstler nicht vorschreiben, was er zu malen hat! Ausserdem existieren die Werke meist schon.
    Gruß, Sarah!
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  • mnaive
    Also, ich bin nur Freizeitmalerin und nicht auf das Verkaufen von Bildern angewiesen. Äh, da wäre ich auch schon verhungert :-)

    Aber das, was Heliopo schreibt, finde ich 1. nachvollziehbar und 2. eine gesunde Einstellung zum Thema.

    Auftragsarbeiten können doch auch eine Herausforderung sein, mal etwas Neues auszuprobieren. Man bekommt die Aufträge ja ggf. schon aus dem Grund, dass man kein "no name" ist. Also besteht da doch schon ein Zusammenhang zwischen Künstlerimage und Auftragsvergabe. Oder sehe ich da was falsch?

    Und wenn man sich positiv mit dem Auftrag (also nicht: Würg, da kriege ich ja das Kötzen) auseinandersetzt, fließen da doch auch wieder die persönlichen Akzente in die Arbeit ein. Man bekommt ggf. Lust und Anregung zu "Neuem". Mal eine andere Richtung etc.pp.
    Dennoch ist bei der Umsetzung immer noch der eigene Touch dabei.

    Arroganz von wegen "Nee, das mach ich nicht. Ist nicht MEIN Stil" - hilft da wohl wenig weiter und beschränkt eher den Horizont für Neues.

    Wer es sich allerdings leisten kann, auf Auftragsarbeiten zu verzichten, dem sei es gegönnt.

    Im Falle eines Falles würde ich der Auftragsarbeit gegenüber "Putzen gehen" den Vorrang geben. Aber hallo...
  • Gerda
    Gerda
    hallo margit, da ich deine arbeiten schon in natura gesehen habe, kann ich mir vorstellen wie schwer das für dich ist nicht im stil alter meister zu malen. aber, ich denke wenn du einen kompromiss eingehst und dir sagst erstens lerne ich wieder dazu und dann mußt du ja keine bilder malen die dir persönlich nicht gefallen, es ist eben nur eine andere art zu malen, eine schnellere, buntere, eben was zu verkaufen!!
    deinen namen brauchst du nicht zu verstecken, auch diese bilder werden etwas von dir haben!! kann mich nicht so ausdrücken, ich hoffe du verstehst was ich meine! fang nur endlich an und mach was, umso schneller kannst du dich wieder deinen eigenen bildern widmen!!
    lg gerda
  • mirror
    Für mich trenne ich strikt. Einerseits arbeite ich für feste Kunden und erstelle Illustrationen nach deren Auftrag, andererseits arbeite ich an meinen persönlichen Arbeiten. (wobei ich diese auch auf Wunsch anfertige… bisher hatte ich aber immer jede Freiheit)

    Ich kann für mich persönlich sehr gut den »Schalter« umlegen.

    Meine Illustrationen sind ja nicht völlig gegen meine Art, sondern nur eine andere Facette.
  • flow_thgin
    Ich mache als Grafikerin auch Autoaufkleber, Aufbauanleitungen für Swimming Pools, Visitenkarten ...
    Sicher nicht das, was ich unter Design verstehe, aber es bringt Geld.

    Von wegen "lieber putzen gehen!". Schon mal probiert?
    Ich habe in etlichen Spätschichten im Büro die Putzfrauen schuften sehen und oft mit ihnen geredet. DAS will sicher keiner!!!

    Wie mirror sagt: man legt nen Schalter um.
    Meine Kunst und mein Brotjob sind zwei Paar Schuhe.

    Von wegen "Ruf ruinieren": Hört auf das Sprichwort: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich frei und ungeniert!"
    ;-)
    Niemand "versaut" sich mit Auftragsarbeiten den Ruf.
  • mirror
    Autoaufkleber, Aufbauanleitungen für Swimming Pools, Visitenkarten ...


    … davon mal ganz zu schweigen. Sowas ist eben mein Job um Brötchen zu verdienen. Alles andere ist sozusagen der Zucker obendrauf.

    Finde ich aber keineswegs problematisch.



    Schönes Zitat:

    »Nicht die Umstände sind es, die uns zu schaffen machen, sondern unsere Einstellungen.«, Heraklit
  • sonadora
    sonadora
    aus laien-sicht:
    margit, ich denke Du hast ein technisches können, mit dem Du auftragswerke mit sicherheit zur zufriedenheit des kunden abliefern kannst. und Du lernst dabei noch was, weil Du Dich mit motiven auseinandersetzen musst, die Du vielleicht sonst nie in betracht gezogen hättest. und geld gibt's auch noch dafür. mit Deinem altmeisterlichen stil kannst Du sicher eine menge kunden finden, und wenn's dreimal deko-kunst ist: am ende bist es ja trotzdem Du, die die bilder malt, man hat Dir den auftrag gegeben, und niemand anderem! is doch was, oder?!
    Signature
  • flow_thgin
    @ mirror: Sehe ich genauso und spätestens beim schreiben der Rechnung wird mein Grinsen wieder breiter.
  • Egon Miklavcic
    Egon Miklavcic
    Ich habe mein Brot immer in der Schwerindustrie verdient - wir haben im Bereich unserer Möglichkeiten immer das erzeugt was die Wirtschaft gefordert hat
    - und nicht das was Spaß gemacht hat
    wenn Du überleben willst mußt Du das machen was Du kannst und Dir abgekauft wird -

    um zur Prostitution zurückzukommen - das ist eine Form von Hilfe am nächsten
    Wenn eine Krankenschwester jemandem den Po auswischt - ist es auch eine Form von Hilfe - aber ihr machts sicher nicht sehr viel Spaß

    - was Du für Dich machst ???

    Nur derjenige der sooooo gut ist , daß man ihm alles abkauft ( der muß aber erst geboren werden)kann pinseln was er will -
    all die Anderen (auch die Großen Meister) müssen bis zu einem gewissen Grad auf ihre Kunden eingehen
  • Ungezifer
    Ungezifer
    Eigentlich kann ich nicht verstehen, dass die Dich nicht so malen lassen wollen wie Deine Bilder hier drinn, denn die sind sehr gut. jenachdem wie groß die Geldprobleme sind, und wie sehr die Situation durch den Job verändert wird würd ich es unter dem Pseudonym machen. Das gute daran kann sein, das man auch bei sowas lernt, viele der Großen sollen ja auch in Lehre gegangen sein obwohl ihnen diese Art von Bildern die sie dort machen mussten nicht grad erstrebenswert fanden...
    LG vom käferkind.
  • Brigitte Guhle
    Brigitte Guhle
    Ich male und zeichne seit Jahren Portraits in Auftrag. Allerdings habe ich auch schon viele Anfragen abgelehnt, weil ich mir meinen Namen nicht versauen wollte. Um dazu in der Lage zu sein, sollte man nicht dringend auf Geld angewiesen sein. Wenn man das aber braucht, sehe auch ich kein Problem darin, etwas zu fabrizieren, hinter dem man nicht hundertprozentig steht. Das mit dem Pseudonym ist sicher nicht die schlechteste Lösung. Prostitution ist es auf keinen Fall. Als ich mich früher noch mit anderen Jobs über Wasser halten musste, hatte ich viel stärker den Eindruck, dass ich mich und meine Arbeitskraft unter Wert verschleuderte und Dinge tat, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte. Fürs Überleben müssen wir uns alle irgendwie verkaufen. Im Zweifelsfall ist dann das, was man macht, eben nicht Kunst sondern Kunsthandwerk.
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  • trA-snamsjiulS
    Habe mir Deine Werke gerade mal angesehen. Du bist ausgesprochen gut und vor allem vielseitig. Grundsätzlich schliesse ich mich werwin an.Ausserdem sind die Geschmäcker zum Glück verschieden und man kann nicht an Dir vorbeilaufen. Deine wahren Werke bleiben! Ich wünsche Dir sehr viel Glück und Erfolg, egal wie Du Dich entscheiden wirst. LG Steffi
  • barics
    Grüße an ALLE !

    Also Auftragsarbeiten haben eine Tradition in der MAlerei.

    Wenn P.P.Rubens oder G.B.Tiepolo große Aufträge annehmen konnten, dann braucht Ihr bestimmt keine SORGEN machen.Ganz sicher nicht.
    Es ist nämlich ganz normal in der " Artbusiness " und deshalb keine " Seelische Prostitution ".

    Malt fleißig...:-))
    liebe Grüße

    Sandor
  • Art- mut
    Art- mut
    Mach es!
    Was Du auch tust, es wird immer nach Dir aussehen.
    Du bist es.
  • oicinitram
    Die Auftragsarbeit ist nicht erst seit Michelangelo Buonarotti und Papst Julius II. eine besondere Situation. Man erlebt dann etwas als Auftrag, wenn es der eigenen Intention eher nicht entspricht. Auftragsarbeit zu leisten hat deshalb meist etwas Negatives an sich. Dahinter steht ein eigenartiges Selbstverständnis. Jede Abhängigkeit von den Vorstellungen anderer Menschen erscheint als Angriff auf die eigene Person und die eigene Freiheit. Will man völlig "frei" sein, dann kann man auch in der Gesellschaft nicht wirksam werden. Die Anbindung an die Gesellschaft - und sei es über den Markt - erscheint also als äußerst wünschenswert und notwendig. Und ist es nicht so, dass der Kunde durch die Vergabe eines Auftrags Anerkennung für das bisher geleistete zollt? Also gewissermaßen erhält man nicht erst durch die Anzahlung einen gewissen Vorschuss, der einen dann selbst wieder unter Druck setzt. Kann ich dem gerecht werden? Aber darum drücken wird und kann sich eigentlich kein Künstler. Und das schönste ist es doch letztendlich wenn man in der glücklichen Situation ist (meist am Höhepunkt einer Laufbahn) den Auftrag frei gestalten zu können.
  • Margit Gieszer
    Margit Gieszer
    Vielen Dank,
    daran habe ich nicht gedacht, dass man das Kunsthandwerk des Malers auch so sehen kann und sich freuen kann, wenn man Aufträge bekommt. Es ist sicher alles eine Frage der Sichtweise. Ich habe jetzt eine andere Einstellung zu der Sache gefunden und das tut meiner Arbeit sehr gut. Ich betrachte von nun an die Malerei nicht als (nutzloses) Hobby sondern als Arbeit wie jede andere und somit habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich den ganzen Tag male und rund um mich herrscht Chaos. Denn für "Arbeit" wird ja das in unserer Gesellschaft toleriert. Und auch wenn es finanziell noch nicht so läuft so ist es trotzdem eine Arbeit und es macht mir ungeheuer Spaß mich als Malerin zu betrachten. Somit fällt ein Großteil der Hirnwich... einfach weg und ich denke, irgendwann wird sich auch ein finanzieller Ausgleich einstellen.
    Ich bin jetzt viel flotter unterwegs und nicht abgeneigt, auch neue Dinge zu probieren und die eventuellen Kunden damit zufrieden zu stellen.
    Es haben mich sogar zwei Leute angesprochen wegen Porträts, wenn ich meines fertig habe das gerade in Arbeit ist, werde ich sehen, was daraus wird.
    Auf alle Fälle mache ich mal jetzt einige Referenzporträts.
    Und - es macht mir Spaß. Und weil mir das so Spaß macht, mache ich sogar auch mehr Puppen als in den letzen Monaten.
    Vielen Dank, ihr habt mir alle sehr geholfen!
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