KunstNet uses Cookies. Details.
  • Ohorn. Carl Spitzweg.Der arme Poet. 5.2.2007

  • relamlznerP Ohorn. Carl Spitzweg.Der arme Poet. 5.2.2007
    Der arme Poet.Carl Spitzweg.Ohorn.Science of Art.Kunst-Interesse wecken. Prenzlmaler

    Carl Spitzweg : " Der arme Poet "

    Aus Anlass des Geburtstages des berühmten deutschen Malers, der heute Geburtstag hat, am 5. Februar 1808 in München geboren wurde, möchte ich eines der bekanntesten Gemälde deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts vorstellen: "Der arme Poet".

    Auf eine kunstwissenschaftliche Erörterung des bekannten Gemäldes möchte ich verzichten. Bis zum heutigen Tag hat Carl Spitzweg mit seinen gekonnten Werken an Popularität nur wenig einbüßen können, da er für die kunstliebenden Deutschen eine Art künstlerischer Nestor war. Zwar ist die Zeit länst vorbei, als fast in jedem deutschen Haushalt ein Zeugnis des Malers in den häuslichen Gefilden hing, doch liegt mir daran, der jüngeren Generation Maler ins Bewusstsein zu rufen, über die es sich lohnt zu sprechen. Sein Können, sein Humor, seine Ironie und Selbstironie, machten ihn wohl zu dem beliebtesten Maler in Deutschland damaliger Zeit.

    Vom Motiv des armen Poeten gibt es drei Varianten, einen Vorläufer, danach das Hauptwerk und anschließend noch eine weitere Variante des Motives. Als er es in München in einer Ausstellung erstmals zeigte, verstand man seinen Humor nicht und das Werk erntete heftige Kritiken. Waren bisher hauptsächlich mehrere Personen in den Gemälden eingefügt, so sah man nun einen jungen Dichter in einer extravaganten Dachkammer. Die Poeten von damals meinten, von Spitzweg verspottet zu werden. Doch Spitzwegs Humor konnte in seiner Kunst nicht aufgehalten werden.

    Betrachtet man das Bild, empfindet man ein regelrechtes Glücksgefühl, obwohl es sich um einen ganz armen Menschen handelt. Es ist ein "Geschichten-Gemälde", gestaltet wie eine Theater - Szenerie, ein Einakter. Nimmt man sich die Zeit der eingehenden Betrachtung, können mannigfaltige Attribute entdeckt werden, die von Spitzweg wohldurchdacht Eingang in die Komposition fanden. Und das Auffinden derer macht Laune !

    Da liegt ein junger Mann im Bett und interessiert sich grundsätzlich nur für sein Faible, der Rest der Welt ist für ihn uninteressant. An den denkt er gar nicht. Betrachte ich ihn, komme ich mir wie in einem Kabarett vor, wo soeben geräuschlos der Vorhang geöffnet wurde. Was habe ich schon über dieses Motiv gelacht ! Der Vorhang öffnet sich und der Dichter hat gerade erfolgreich einen Floh erwischt, dem er genussvoll den Gar ausmacht. Zwischen den Zähnen seine Schreibfeder, die offenbar lange keine Tinte mehr sah, da ihm nichts Verwendbares einfiel. Und wenn ihm etwas einfällt, stammt das aus den mordsdicken Büchern, hinter denen er sich verschanzt. Das benötigte Versmaß hat er sich in einer horizontalen Schriftreihe an die Wand fixiert, wie ein Komponist, der sich aller paar Momente von den benötigten Takten überzeugen muss. Seine deutsche Michel-Mütze schützt ihn vor klimatischen Unbilden im Zimmer und der Zipfel hat sich zu einer plappernden Ente gestaltet. Jedenfalls habe ich das gestern entdecken können. Die gesamte Umwelt, sämtliche Utensilien, sind Requisiten einer theatralischen Inszenierung unter der Regie von Carl Spitzweg.

    Seine Dachkammer ist eiskalt. Auf den Dächern, die man durch das Fenster sehen kann, liegt Schnee. Und seine Bude kann er nicht mehr heizen, da das ulkig - eckige Ofenrohr verstopft ist. Fehlgeschlagene Feuerungsversuche kann man über der Ofenklappe ausmachen, sämtliche Kacheln sind total verrußt. Betrachtet man die Zimmerdecke rechts oben, so fehlt dort eine gehörige Anzahl Bretter, die er wahrscheinlich beim Wintereintritt gut gebrauchen konnte. Und da er nicht das gesamte Dach für die benötigte Wärme verwerten wollte, versuchte er es mit seinen Werken, die vor dem Ofen noch auf ihre Verwendung warten und somit einem guten Zweck dienen. Das undichte Dach scheint nicht zu stören, schließlich har er ein verwendungsfähiges Gegenmittel gefunden: seinen bereits halbverschimmelten kaputten Regenschirm, der ihm vor dem schlimmsten Absaufen bewahren soll. Falls er sich mal wäscht, hat er sogar ein Handtuch parat. Das hängt natürlich nicht über dem unwilligen Ofen, denn da würde es auch nicht trocknen können. Es hängt in der Sonne vor dem Ofen und scheint gefroren zu sein.

    Irgendwann ist er nach Hause gekommen, hat so schnell wie nur möglich sich seiner Kleidung entledigt und ab in die Falle ! Der Stiefelknecht und sein ausgeleierter Stiefel liegen einfach so rum und am ungeheizten Ofenrohr hängt sein Zylinder. Dick in Decken gehüllt kann ihn nichts von seinem Tun abhalten. Das Tintenfass steht schräg, um die letzte Flüssigkeit besser nutzen zu können. Doch wie es scheint, hat sich die Tinte inzwischen längst in Blaueis verwandelt. Ihm gegenüber hängen seine Klamotten an der Wand. Und wenn man diese genau betrachtet, haben die sich in die Gestalt seiner Muse verwandelt. Sein Schal bedeckt den imaginären Kopf seiner hohlen , erstarrten Muse. Köstlich ! Was ich hier schreibe, steht zwar in keinem meiner Bücher, ab an dieser Deutung führt bei mir kein Weg vorbei.

    Eigentlich hat dieses Genrebild einen impressionistischen Einschlag mit holländischen Zügen des 17. Jahrhunderts und einen Schuss Eleganz von Antoine Watteau, den er sehr verehrte. 1835 war unser Maler Mitglied des Münchener Kunstvereins geworden und dieses Meisterstück humoristischen Malerei tauchte 1839 dort auf. Lassen wir den Text einfach mal so stehn.

    Der arme Poet
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Carl_Spitzweg_017.jpg

    Ich danke für das Interesse.

    Quelle : Die Bildbetrachtung stammt von mir und die benötigten wenigen Daten entnahm ich dem Malerei-Lexikon.

    Dieter Raedel, Prenzlmaler, Berlin.
    prenzlmaler.de
  • sumixorp
    ohh. find ich aber echt schön, dass du hier solch ein themen ansprichst.

    carl spitzweg ist wirklich ein toller maler gewesen.
    wie ironisch er immer diese "spießbürgerlichen, alten leute " darstellte, bringt mich immer zum schmunzeln. :)

    man muss auch bedenken, dass der spitzweg nie kunst studierte und trotzdem weltberühmt wurde, als so manch andere malerei-studierte. :))))))
  • relamlznerP
    Stimmt " Er war Autodidakt.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • hcieshcim
    heyho!

    ich wollte nur sagen, das ich morgen in der schule eine bildinterpretation (9 klasse)über "Der arme Poet" schreiben muss. das bild hab ich mir selbst gewählt, da es von den vorgegebenen das einzige war was mir bekannt war...und deswegen wollt ich jetzt mal schnell dankeschöön sagen! diese ausführliche interpretation hat mir beim verständnis des bildes sehr geholfen, ich bin da nicht so der profi drin...=]

    die sache mit den zugeschneiten dächern im fenster wär mir wahrscheinlich erst gar nicht aufgefallen, das wär natürlich ganz doof gekommen, denn daraus schließt sich ja der rest...

    leider hab ich nichts zur bildkomposition und farbauftrag gefunden..aber das muss ich dann wohl sehen...zum mindestens hab ich jetzt das bild verstanden

    danke trotzdem für die gedankenanstöße!
  • Page 1 of 1 [ 4 Posts ]

  • Sign in to respond or to ask a question.

Related topics and pictures