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  • Dieter Raedel: Han van Meegeren narrte Hermann Göring | Fälscher-Story

  • relamlznerP Dieter Raedel: Han van Meegeren narrte Hermann Göring | Fälscher-Story
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    Prenzlmaler: Meegeren narrte die Kunstwelt und verabschiedete sich ruhmreich in die Kunstgeschichte.


    Han von Meegeren auch " Hans " sowie " Henricus Antonius "


    geboren am 10. 10. 1889 in Deventer


    gestorben am 30. 12. 1947 in Amsterdam


    phänomenaler niederländischer Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts



    Eigentlich war Han van Meegeren eher ein unauffälliger, ein durchschnittlicher Maler. Er malte zwar nicht schlecht, aber Bäume konnte er mit seiner Malerei auch nicht rausreißen, kleine Sträucher wohl. Was will man machen, wenn man als Genie geboren wird und keiner merkt's? Das schien dem Han veränderungswürdig, dem verkannten Hans, wie wir ihn jetzt nennen wollen - schließlich wollte er auch mal ein " Hans im Glück " sein. Das ist verständlich. Zunächst malte er probehalber einen Christuskopf, der natürlich auch nicht auf seinem Mist gewachsen war, um zu testen, was sich denn danach so ereignen würde. Er flutschte sein Probeexponat in den Kunsthandel und wartete geduldig ab. Es blieb auffallend ruhig. Keiner der Kunstbeflissenen merkte, dass Hänschen einen falschen Christus auf die Startrampe legte und gezielt abschoss. Über einen Vermittler schickte er seinen " Alten Meister " unauffällig ins Rennen und die Kunstexperten bemühten sich, das Kuckucksei mit Bedacht und exzellenter Bettwärme auszubrüten. Kunstwissenschaftler brauchen stete Nahrung, ansonsten landen sie auf der Liste der Gebrüder Namenlos.

    Nun reifte in ihm die Idee, den großen Vermeer van Delft zu kopieren. Es sollte jedoch keine Kopie werden, nein, die hätte man ja überprüfen können, denn selbst der Dümmste unter den Experten hätte sofort den Braten gerochen, wenn plötzlich zwei ähnliche Werke auf dem Kunstmarkt rumhampeln würden. Hans hatte andere Pläne, die weitaus gerissener waren. Es sollte ein Baby "in der Art Vermeers" werden, sozusagen eine Neuschöpfung , genau, ein "echter" Vermeer, der bisher einfach unentdeckt irgendwo in einer Bodenkammer dahinschlummerte und auf den Tag der Befreiung lauerte. Nun war ein Thema gefragt, was sofort jeden braven Bürger aufwachen und die Ohren spitzen ließ. Han van Meegeren fühlte sich geneigt, das große Thema " Das letzte Abendmahl " in der Art Vermeers anzugehn. Eine geniale Idee, beim letzten Abendmahl knistert's bei jedem im Hirngebälk. Nun musste der Maler sich gewaltigen Überlegungen hingeben, wie er am besten so ein Gemälde der Kunstwelt unter die Weste jubeln könnte. Er beschäftigte sich eingehend mit der Malerei seines großen Vorbildes Vermeer van Delft und prüfte sogleich die Möglichkeiten , wie man am besten das Werk möglichst schnell altern lassen könnte.

    Hans arbeitete mit äußerster Konzentration und so kam es, dass "Jesus und die Jünger von Emmaus" 1937 das Licht der Welt erblickten. Er übergab das Werk aus seinem Kunstlabor einer Familie, die es einem Rechtsanwalt zur Betreuung übergab. Der Rechtsanwalt konnte natürlich seinen Schnabel nicht halten und behauptete nun, einen Klienten zu haben, der aus einem alten Familienbesitz ein unbekanntes Werk mit den Initialen " I.V.M. " besitze. Genau so hatte sich der Maler die Sache vorgestellt und genau so lief der geheimnisvolle Zirkus auch ab. Er hielt die Fäden in der Hand und ließ die Puppen tanzen.Vorhang auf, die Show beginnt.

    Sofort interessierte sich der damals bedeutendste Kunsthistoriker der Niederlande für den Fall, der große Abraham Bredius. Der Wissenschaftler fand heraus, dass es sich nur um einen bisher unbekannten Vermeer handeln könne, da er auch links auf dem Bild eindeutig einen Teil der Werkstatt des Künstlers entdecken könne. Da der Kunstexperte zu jener Zeit als "Papst der Kritik" galt, wurde die Sensation als glaubwürdig hingenommen und seine Kollegen rümpften die Nase, wieder einmal im falschen Zugabteil gesessen zu haben. Macht keinen Spaß, immer "Zweite Klasse" reisen zu müssen.

    Damit der Name Bredius auch gebührend mit der Sensation gefeiert wurde, schrieb Abraham Bredius sogleich einen langen Artikel in der Zeitschrift "die kunstbibel", zum Papst einwandfrei passend, wo er ein Feuerwerk an Huldigungen für das bisher unbekannte Werk abließ. Er begründete sogar verschiedene Elemente der Komposition, die angeblich durch die Denkweise des phänomenalen Künstlers Vermeer van Delft entstanden wären. Die anderen Kunstkritiker verkrochen sich in ihre bescheidenen Behausungen und mussten voller Argwohn gute Miene zum Spiel machen. Tja, so ist das im Leben, der hellste Kopf erntet nun mal auch die besten Trauben. Wie war das sogleich mit dem Fuchs und den Trauben ?

    Ende des 2. WK entdeckten die Alliierten einen an Hermann Göring verkauften "Vermeer", sie gingen der Sache nach und der ursprüngliche Verkäufer und Künsthändler wurde ausfindig gemacht : Han van Meegeren. Nun sollte es ganz schlimm kommen, denn der Kunsthändler wurde als Kollaborateur der Deutschen verhaftet. Ihm drohte die Todesstrafe.

    Es war im Mai 1945, als Han van Meegeren verhaftet wurde, denn man hatte akribisch die Spur vom Verkauf mit Unterschrift "Meegeren" bis zurück zum Verkäufer verfolgt. Und die Endstation seines Vermeer - Verschnitts war die Kunstsammlung eines Ober-Nazis. Noch war man vom echten Vermeer überzeugt. Ziel der Meegeren'schen Überlegungen war der europäische Kunstraubritter Nr. 1 gewesen : Hermann Göring. Dieser arische drogensüchtige Fettwanst konnte bekanntlich alles gebrauchen, was nach wertvoller Kunst roch. Vor Gericht drehte Han van Meegeren allerdings den Spieß um, er sei keinesfalls ein Mitarbeiter der Nazis gewesen, nein, das Gegenteil sei der Fall, er sei ein Nationalheld, weil er den Nazis bewusst hätte falsche Kunst andrehen wollen.

    Falsche Kunst ??? Das saß !!!

    Nur war Meegeren klar, wenn seine Aussage nicht funktionierte, dürfte sich kurz nach dem Prozess blitzartig sein weltliches Dasein ein wenig verändern und sein Leben für die Kunst hätte somit unerwartet seine Endstation gefunden. So ging ihm der Hintern auf Grundeis und er gestand dem Gericht, der Fälscher des Werkes zu sein. Im Gerichtssaal hob man die Augenbrauen und traute seinen Ohren nicht. Doch Hans legte sogleich noch ein paar Kohlen nach und gestand noch weitere Fälschungen: Bei dieser Gelegenheit fielen ihm noch fünf weitere "Vermeers" und zwei Gemälde von Pieter de Hoogh ein. Das Gericht staunte nicht schlecht, wollte es jedoch nicht für absolut glaubwürdig hinnehmen, dass ausgerechnet dieser angeklagte kleine Maler "sein Eigentum" auf diese Weise vermarktet hatte und als Künstler zu solchen phänomenalen Fähigkeiten in der Lage gewesen war.

    Um die Glaubwürdigkeit als Vermeer-Fälscher unter Beweis zu stellen, wurde 1947 Meegeren vom Gericht beauftragt, eine erneute Fälschung, die absolut geheim gehalten werden musste, aus der Taufe zu heben. Leichter gesagt als getan. Han van Meegeren gab dem Gericht auch bekannt, dass ein weiterer wichtiger Grund des Fälschens das totale Verkennen seiner Person als Künstler eine große Rolle gespielt habe. Eines der größten Probleme der Geheimhaltung waren die benötigten Modelle für die Komposition, denn die konnten bekanntlich reden und somit die Ausführung der Arbeit gefährden. Nun musste Meegeren gezwungenerweise auf seine Fantasie bauen. In 13 Fantasie-Porträts gelang es ihm erstaunlich gut, brauchbare Personen mit verschiedenen Haltungen aus der Vermeer-Zeit zu konzipieren, von einer Figur mal abgesehen, die tatsächlich von Vermeer geklaut wurde: Das Antlitz der Dame, die auf einem Vermeer-Bild eine gewichtige Rolle spielt: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring".

    Vier Jahre verbrachte nun Han van Meegeren damit, das neue Werk entstehen und zugleich altern zu lassen. Eines seiner größten Probleme war das Altern der Ölfarbe, denn bekanntlich benötigt Ölfarbe etwa 50 Jahre, um tatsächlich die feste Konsistenz zu erreichen. Diese Hürde nahm der Künstler, indem er die Ölfarbe nicht mit Leinöl versetzte, sondern die Pigmente mit einem synthetischen Harz vermengte. Danach ab in die Backröhre !

    Han van Meegeren hatte sich bei seinem kompositionellen Bildaufbau nicht etwa Veermer, sondern Caravaggio zum Vorbild genommen. Das war ein weiterer Streich eines Genies ! Daraufhin vermuteten die Wissenschaftler, Veermer sei nach Italien gereist, um dort Caravaggio zu studieren und für seine Arbeit zu verwenden.

    Die berühmten Fälschungen von Han van Meegeren hängen in verschiedenen Museen, beispielsweise auch im Rijksmuseum Amsterdam.



    Han van Meegeren studierte auf einer Fachhochschule Architektur, neigte jedoch zu Malerei und Zeichnung. Für die Zeichnung eines Kirchen-Interieurs nach der Art der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, erhielt er eine Goldmedaille. Hier zeigte sich bereits sein Talent für die Nachahmung.

    Einen bescheidenen Erfolg hatte er während einer Ausstellung in Den Haag.

    Er heiratete Anna de Voogt, mit der er zwei Kinder hatte: Jacques und Pauline. Die Ehe wurde 1923 geschieden, da er der Trunk-und Drogensucht verfallen war und sich längere Zeit zum Studium der Alten Meister des 17. Jahrhunderts in Italien aufhielt.

    1927 heiratete Han van Meegeren die Schauspielerin Jo Oerlemans.

    Für die Monatszeitschrift der Kunst "De Kemphaan", die 1928 gegründet wurde, verfasste er kunsttheoretische Artikel, in denen er sich mit den Kunstkritikern und unliebsamen Kollegen auseinandersetzte. Das konnte er auch, da die Zeitschrift ihm gehörte. Die Titelseite der Zeitschrift wurde ebenfalls von ihm gestaltet.

    Da Han van Meegeren meinte, sein Talent würde völlig verkannt werden, beschäftigte er sich mit Fälschungen der Meister des 17. Jahrhunderts. So in der Art Vermeers "Gitarrenspieler mit Frau", nach Frans Hals "Trinkende Frau" und nach Gerard ter Borch "Porträt eines Mannes". Seine Fälschung "Jesus und die Jünger von Emmaus" dürfte seine beste Arbeit gewesen sein.



    Bredius baute also auf die Theorie, dass sich Veermer von italienischen Meistern vor Ort habe beeinflussen lassen. So kam ihm das Gemälde sehr entgegen, diese Theorie nachhaltig zu untermauern, wobei er allerdings nicht ahnen konnte, dass der Maler Han van Meegeren genau um diesen Aspekt des Kunstkritikers wusste. Da so ein Gemälde Millionen Dollar wert war, stachelte Bredius die Museen an, das Werk zu kaufen. So wurde das Werk Han van Meegerens erster Anziehungspunkt und Kunstpapst Bredius saß wieder in der Tinte.

    Eine der Fälschungen Han van Meegerens wurde 1942 für 1,6 Millionen holländische Gulden verkauft !

    Insgesamt war Han van Meegeren sechs Wochen in Haft. Danach war er in einer von der Regierung bezahlten Villa tätig, wo er den Beweis der Fälschung erbrachte.

    Nach eingehenden Untersuchungen stellte man fest, dass die Gemälde nicht aus der "Goldenen Zeit" stammen konnten. Han van Meegeren wurde in der niederländischen Öffentlichkeit als "pfiffiger Gauner" gefeiert, die Kunstkritiker reingelegt und Hermann Göring gehörig veräppelt zu haben.

    Im November 1947 sollte er für ein Jahr ins Gefängnis überführt werden. Vom Gericht in Amsterdam bekam er also die einjährige Mindeststrafe. Die Haft wurde jedoch nicht angetreten, da der Künstler infolge einer Herzattacke am 26. 11. 1947, dem letzten Tag seiner Einspruchsfrist, in die Valerius-Klinik Amsterdam eingeliefert wurde, wo er am 30.12.1947 verstarb.



    Quelle: Internet und eigene Übersetzung

    Eine Glosse von
    Prenzlmaler Dieter Raedel, Berlin.
    prenzlmaler.de
  • martinicio
    martinicio
    siehe auch Buchtipp der Woche:
    🔗
    Signature
  • relamlznerP
    Danke für den Hinweis.

    Das interessiert mich.Ich werde mir das Doppelangebot zusammen mit Vermeer bestellen.Mal sehn, wie da die Geschichte ins Rennen geschickt wird.

    lg prenzl
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