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  • SELFPORTRAIT PROJECT 2007

  • Friedrich
    Friedrich SELFPORTRAIT PROJECT 2007
    ūüĒó
  • girekleu
    Du beh√§ltst, wenn du ein Selbstportrait bei Artou hochl√§dst, das Eigentum an deinem Bild. Du erkl√§rst dich aber damit einverstanden, dass Artou dein Bild auf seinen Seiten zeigen darf und damit der √Ėffentlichkeit zug√§nglich macht. Dar√ľber hinaus erlaubst du, dass der Maler dein Bild als Vorlage f√ľr ein Gem√§lde verwendet. Du hast allerdings kein Recht darauf, dass ein Bild, das du hochgeladen hast, auch gezeigt wird. Dezidiert pornografische Bilder werden unter Umst√§nden nicht gezeigt.

    Geh√∂rt dein Selbstportrait zu den ausgew√§hlten 25 besten und wird dein Bild gemalt und ausgestellt, so besitzt du w√§hrend der Ausstellungser√∂ffnung einerseits das Vorkaufsrecht f√ľr das betreffende Gem√§lde, andererseits steht dir ein Rabatt von 20 Prozent des Verkaufspreises zu. Nimmst du dieses Recht nicht in Anspruch, steht dir bei Verkauf des Bildes an eine andere Person oder Institution ein Anteil von 10 Prozent des Verkaufspreises zu. Nach dem Tag der Ausstellungser√∂ffnung verf√§llt dein Vorkaufsrecht. Dein Anteil an den Verkaufsertr√§gen bleibt aber bis zum Verkauf erhalten. Der Preis eines Gem√§ldes mit den Ma√üen 120x80 cm wird mindestens 2400 Euro betragen. Du m√ľsstest f√ľr das Gem√§lde, das nach deinem Selbstportrait angefertigt wurde, 1920 Euro bezahlen. Im Falle eines Verkaufs an andere st√ľnden dir demgegen√ľber 240 Euro als Gewinnanteil zu. Gibst du dein Bild zur Auktion frei, k√∂nnen die Betr√§ge h√∂her liegen.

    Ohne Messerset? Das ist ja povert.
  • martinicio
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  • z-m
    Ich sag's ja immer: Man muss mit der Zeit gehen!
    Fr√ľher beschr√§nkte man sich darauf, im stillen K√§mmerlein die Umfrageergebnisse zu frisieren, um sie dann mit vor Stolz geschwollener Brust zu pr√§sentieren, aber heutzutage macht man das nat√ľrlich ganz anders: Man gestaltet schlicht den Fragebogen seinen W√ľnschen entsprechend und, wie b√∂se Zungen dann und wann zu behaupten wagen, beantwortet Beschwerden oft mit dem Verweis darauf, dass ja keine Abstimmungspflicht besteht; das Verh√§ltnis der W√§hler zu den gezwungenermassenen Nichtw√§hlern wird in den Ergebnissen freilich vornehm verschwiegen, denn dieses bringt nur all zu oft so manches Kreisdiagramm aus dem Gleichgewicht - der Betrachter soll ja die Daten gut ablesen k√∂nnen.
    Als Fazit bleibt mir nur festzustellen: Wer souverän genug und sich seiner Sache sicher ist, sowie hinter ihr stehen kann, braucht sich nicht zu scheuen etwsa altmodisch zu wirken, nur weil er dem Abstimmenden eine Wahlmöglichkeit einräumt. Oder wie sagte eine deutsche Sozialdemokratin einmal: "Eine Mehrheit muss nicht unbedingt quantitativ sein.". In diesem Fall 1 : 6000000000 oder so...
  • Andr√© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007

    Gerne reden wir √ľber unser heutiges Zeitalter als eines der virtuellen R√§ume und Realit√§ten. Selbst die mediale Vermittlung von wirklicher Wirklichkeit in den Nachrichten, Fernsehberichten und News-Tickern popul√§rer Websites enth√ľllt sich bei genauerer und kritischer Betrachtung als Teil einer totalen ‚Äď und zuweilen auch totalit√§r gewordenen ‚Äď Fiktion, die nur dort j√§h zerbricht, wo die scheinbar willk√ľrliche und erbarmungslose wirkliche Wirklichkeit physisch und existentiell ein individuelles Leben ‚Äď unser eigenes oder das eines uns nahe stehenden Menschen - sp√ľrbar deformiert.

    Der Pixel-Wirklichkeit auf den Bildschirmen und den subjektiven Wirklichkeiten in unseren K√∂pfen stehen aber auch ganz reale Menschen aus Fleisch und Blut gegen√ľber. Ganz so, als wollten sie unabl√§ssig und nachhaltig den Beweis f√ľr McLuhans These erbringen, nach der das Medium selbst die Message ist, verwandeln sie sich als Besucher der virtuellen Welten, als Nutzer virtueller R√§ume und Informationspools in markante Exemplare einer neuen, doppelgesichtigen Spezies: Sie sind verwoben in ein multiples Netz aus Kommunikationen, im dauernden schriftlichen - aber kaum mehr schriftsprachlichen - Ausstausch mit k√∂rperlosen Anderen beispielsweise im Chat, √ľber ICQ oder Weblogs, aber zugleich als materielle Wesen oft einsam und isoliert vor ihren Bildschirmen und Webcams. So werden die objektiven virtuellen Welten der Programme und des Internet zu (Re-)Projektionsfl√§chen f√ľr die Fiktionen der ihnen gegen√ľber sitzenden Subjekte. Zum einen sucht das bis in die Sprache hinein passive Eintauchen in die audiovisuelle Scheinwelt sich in der Aktivit√§t subjektiver Fiktionalisierung ein Gegengewicht. Zum anderen bietet der virtuelle Kommunikationsraum eine willkommene Zuflucht vor den Zumutungen einer stumpfen, erm√ľdenden oder sogar deprimierenden wirklichen Wirklichkeit. W√§hrend wir auf B√ľrgersteigen, in Bussen und Bahnen unser Norm-Gesicht spazieren f√ľhren, das uns eine wenig kunstsinnige Natur beschied, und uns freiwillig in die Ma√üanz√ľge der allgemeinen Normen und einer nicht weniger allgemeinen Unvernunft zw√§ngen, k√∂nnen wir uns in der Einsamkeit vor unseren Bildschirmen, den mehrfach verg√ľteten Linsen unserer Digitalkameras und Foto-Handys zu neuen Menschen formen: Wo fr√ľher kein R√ľckzugsort f√ľr Selbstverwirklichung war, greift heute eine bizarre und scheinbar regellose, manchmal sogar immoralische Selbstinszenierungspraxis Raum, in der sich oft schamlos S√ľchte, Sehns√ľchte, alternative Lebens- und K√∂rperkonzepte offenbaren. Das Private und Intimste wird einer anonymen √Ėffentlichkeit preisgegeben oder sogar daf√ľr allererst erfunden. Selbstbilder in Worten, vor allem aber in Form von Fotos, die hinter verschlossenen T√ľren im Bad, im Bett und besonders vor Spiegeln geschossen werden. Auf ihnen sind K√∂rper, K√∂rperteile, sogar K√∂rperfl√ľssigkeiten zu sehen, Kinderpopos, aufreizende Posen, die ernsten Blicke der Alltagsphilosophen, Selbstverletzungen, Selbstdeformationen, Gl√ľck, Verz√ľckung und symbolisch vollzogener Suizid.

    Vergleichbar dem schnellen Zoom dieses Textes auf das in seiner Leiblichkeit isolierte und normativ stark eingeschr√§nkte Subjekt als User moderner Kommunikationsmedien richtet das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 seinen Fokus auf die subjektiven Versuche, mit Hilfe digitaler Aufzeichnungsger√§te den eigenen Leib als einen befreiten in den virtuellen Raum der erfundenen Wirklichkeit hin√ľber zu retten. Die ‚Äď meist antwortlose ‚Äď Selbstbefragung durch das Selbstportrait ist nicht neu. Zwar diente das Selbstportrait in der Geschichte der Kunst meist Studienzwecken ‚Äď und welches Modell ist schon so universell verf√ľgbar? ‚Äď aber schon im 15. Jahrhundert verbanden K√ľnstler, wie beispielsweise Memling in der Rolle des Heiligen Johannes oder D√ľrer in seinem ber√ľhmten Selbstportrait aus dem Jahre 1500, das Selbstportrait mit bewussten Selbstinszenierungen. So zahlreich in den letzten etwa 600 Jahren diese k√ľnstlerischen Selbstbefragungen und Rollenspiele gewesen sein m√∂gen ‚Äď heute, zumal seit der direkten √úbertragbarkeit der Bilddaten von Datentr√§ger zu Datentr√§ger ist das Selbstportrait ein Massenph√§nomen. Dabei reichen diese in die Milliarden gehenden Selbstportraits von naiven Versuchen der Selbstdokumentation als lebensgeschichtliche Fixpunkte in Raum und Zeit bis hin zu bewusster und √§sthetisch ausgekl√ľgelter Gestaltung des eigenen Abbilds in einem als blo√üe Form erkannten Umraum, der Cadrage.

    Gemeinsam ist allen diesen Selbstportraits die Inszenierung. So wie es unm√∂glich ist, in der Begegnung mit anderen nicht zu kommunizieren (Watzlawick), ist es dem Portraitisten unm√∂glich, sich selbst im Portrait nicht zu inszenieren: Das Selbstportrait ist immer unauthentisch, es enth√ľllt weniger das materiale Sein des Portraitierten als vielmehr seinen - immateriellen ‚Äď Wunsch, wie er gesehen werden will, oder auch, wie er nicht gesehen werden will. Dabei spielt der formale Aufbau der fotografischen Selbstportraits im Allgemeinen keine wesentliche Rolle, weil die gestalterischen Grenzen situationsbedingt eng begrenzt sind. Entweder richtet sich das Objektiv vom ausgestreckten Arm aus auf das eigene Gesicht oder andere K√∂rperbereiche oder aber die Kamera befindet sich auf einer Ablage, einem Tisch oder auf dem Boden und arbeitet mit zeitlicher Verz√∂gerung, w√§hrend der der Portraitist sich in seine Pose begibt. Immer mangelt es diesen Fotos an Kontrolle durch den Produzenten. Er sieht nicht, was er tut. Anders verh√§lt es sich bei der weit verbreiteten Gewohnheit, sich in einem Spiegel zu fotografieren. Aber auch hier ist gr√∂√ütm√∂gliche Kontrolle √ľber die Cadrage nur m√∂glich, wenn der kleine Monitor der Digitalkamera direkt in den Blick genommen werden kann. Dann aber wird das Gesicht des Portraitierten meist gerade durch die Kamera teilweise verdeckt. Die eigentliche √Ąsthetik dieser Form von Alltagsfotografie zeigt sich erst in der Auswahl der aus subjektiver Sicht gelungensten Exemplare aus einer meist langen Reihe von formal zuf√§lligen Selbstsch√ľssen. Auffallend ist aber, dass gerade diese Auswahl, also das Weglassen und L√∂schen des formal Bedeutungslosen in den meisten F√§llen ausbleibt: Die Selbstportraitisten ver√∂ffentlichen √ľber die einschl√§gigen Seiten, Blogs und vor allem digitale Fotoalben nicht selten alle oder fast alle Ergebnisse ihrer Portraitsitzungen, so als erg√§be sich das wahre Bild erst aus der ph√§nomenologischen Deutung der Vielzahl verschiedener Ansichten. Vor allem die Ansichten, die die Perspektive der Anderen simulieren, spielen eine bedeutende Rolle: Man fotografiert sich von schr√§g oben, vom Bauchnabel her und von den Seiten, das Gesicht im Profil.

    Wie ein Baum, eine Landschaft oder ein Interieur sich jeweils als in seiner komplexen Entstehungsgeschichte zuf√§llig Erscheinendes der √§sthetischen Festlegung durch den K√ľnstler anbietet, so stellt mittlerweile auch die Bilderwelt des Internet ein Naturreich neuer ‚Äď wenn auch vielleicht nicht h√∂herer ‚Äď Ordnung dar. In diesem Naturreich, in dem gleichg√ľltig sich Bild an Bild f√ľgt, herrscht eine Art √§sthetischer Naturzustand, in dem das Wohlgeordnete das Zufallsprodukt adelt und umgekehrt die desorientierenden Zufallsprodukte das Bild, das sich einmal bewusstem √§sthetischen Kalk√ľl verdankte, √§sthetisch nivellieren. Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 unternimmt den Versuch, eine g√ľltige √Ąsthetik innerhalb des modernen Selbstportraits in der Alltagsfotografie freizulegen. Zugleich kann auf inhaltlicher Ebene vielleicht fassbar werden, wie sich ‚Äď entsprechend McLuhans These ‚Äď Mentalit√§ten durch die Nutzung moderner Medien wandeln und wie sich als Massenph√§nomen wiederholt, was in der Romantik des 19. Jahrhunderts nur wenigen K√ľnstlern, Literaten (und Lesern) vorbehalten blieb: der R√ľckzug in eine subjektivistische Innerlichkeit zwischen zweiflerischer Selbstbefragung und d√ľster-pessimistischer Nekrophilie.

    Der k√ľnstlerische Akt der Auswahl bliebe unvollst√§ndig, wenn er das Ausgew√§hlte dem Medium seines Ursprungs nicht enth√∂be. Deshalb ist es f√ľr das Projekt wesentlich, dass die aus einer Vielzahl freiwillig √ľbertragener digitaler Selbstportraits ausgew√§hlten Bilder auf ein Medium √ľbertragen werden, das weitaus √§lter ist, das n√§mlich der Malerei. Der Prozess der Malerei unterwirft das Naturding ‚ÄěFoto‚Äú einer erneuten Deutung und vor allem einem leiblich vollzogenen Akt der Herstellung, der das einer virtuellen Sph√§re angeh√∂rende Bild in der uns vertrauten materiellen Parallelwelt neu erschafft und ihm so √§sthetische und inhaltliche Bedeutung verleiht, die ihm im virtuellen Raum der Gleichg√ľltigkeiten versagt blieb.

    André M. Kuhl, Juli 2007
  • Andr√© M. Kuhl
  • andreslama
    das konzept √ľbernehm ich doch glatt...
    ;-)
  • Sabine Minten
    Sabine Minten
    ich hatte eigentlich gerade √ľberlegt, mein konterfei selbst malerisch umzusetzen... aber so...hmmm...

    möglicherweise kann der andre das ja viel besser?
    :-)))
    Signature
  • Andr√© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Liebe Sabine,
    das Project ist ja - vielleicht gegen seinen Anschein durch den intellektuellen √úberbau (siehe Text oben) - durchaus POP. Du kannst ja mitmachen! Gr√ľnden wir eben eine POP-KUNST-BAND! Im Vergleich mit den alten Meistern sind wir wie Gitarristen, die gerade einmal ein paar Grundakkorde beherrschen. Bei Pop und Rock verlangt aber auch niemand mehr...

    Liebe Gr√ľ√üe


    André
  • ratslla
    "intellektuelles" (?) geschwalle als aneinanderreihung bedeutungsschwangerer wörterlis in mythologisch-soziologisch-moralisierendem kleidchen.
    der inhalt dieses x-fach geschwollenen geblubbers ist typisch f√ľr "seri√∂se k√ľnstler" , die letztendlich irgendsowas brauchen, um ihre eigenen produkte mit "beeindruckenden" offenbarungen zu dekorieren, damit das die rezipideppies f√ľr bedeutend halten.
    ähm...
    soweit ich das sehe, ist doch dein eigentliches anliegen, mit bildchen kohle zu machen, oder? das naiv-durchsichtige "strategiekonzept" finde ich genauso banal, wie diese megaoft benutzte thesenmixtur (siehe oben). wie sich das alles widerspricht, scheint auch kaum aufzufallen.
    wenn du portraits pinseln willst, hast du ca 6,5 millarden k√∂pfe zur verf√ľgung. so what?
    inhalt des geredes und ihre logik in diesem zusammenhang wird völlig flach bis unsinnig.
    ich zitiere dazu mal was schönes:
    √§sthetisieren: > menschlicher stoffwechsel ist bekannt. was beim mund als schinkenr√∂llchen mit topfenf√ľllung hineinkommt, verl√§√üt den k√∂rper als stinkendes, braunes etwas durch den after. wenn nun eine firma ein produkt verkaufen will, das der reinigung der letzteren √∂ffnung dient, wird nicht die stinkende realit√§t als informationsplattform bem√ľht, sondern ein sch√∂ner frauenpopo in ultrawei√üem h√∂schen.

    zum guten schluss: dein post an sabine an der letzten ausfahrt zur wirklichkeit kollidiert still und ohne grosses aufsehen zu erregen mit deiner trojanischen superthese an der leitplanke deines verstandes.

    :)))
  • heinrich
    Puh

    Thank you Thank you ThankyouThankyouThankyouThankyouThankyouTha…
    Signature
  • Andr√© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Lieber AllSTAR,

    ich wei√ü nicht recht, was falsch daran sein soll, mit Kunst Geld verdienen zu wollen. Womit verdienst du dein Geld? Warum sollte das finanzielle Ziel zugleich der Kern der Ideologie sein, aus der heraus das Produkt entsteht, das verkauft werden soll? Wenn das der einzige Widerspruch sein soll, den du in dem Vorhaben siehst, wei√ü ich nicht, was du willst. Wahrscheinlich blo√ü auf- und gefallen durch eine argumentativ kaum fundierte Polemik, die weit mehr aufs platte Ressentiment derer schielt, die mit der Sprache als Erkenntnismittel auf Kriegsfu√ü stehen, denn auf tats√§chliche Aufkl√§rung (√ľber was auch immer, das wurde ja in deiner Kritik nicht deutlich). Aber ein Klick aufs Profil macht hinl√§nglich deutlich, dass du aufs Wort angewiesen bist, um einigerma√üen Aufmerksamkeit zu gewinnen.

    Aber hast ja mit dem guten Heinrich einen ebenb√ľrtigen Mitstreiter gewonnen. Herzlichen Gl√ľckwunsch! Sprachlich vielleicht nicht ganz so gewitzt...
  • girekleu
    Ein hoher Anspruch auf Wahrheit,
    mein lieber art-amk, das muß ich
    mal erwähnen und mit einigen Zita-
    ten belgend festigen:

    Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007

    Gerne reden wir √ľber unser heutiges Zeitalter als eines der virtuellen R√§ume und Realit√§ten. Selbst die mediale Vermittlung von wirklicher Wirklichkeit in den Nachrichten, Fernsehberichten und News-Tickern popul√§rer Websites enth√ľllt sich bei genauerer und kritischer Betrachtung als Teil einer totalen ‚Äď und zuweilen auch totalit√§r gewordenen ‚Äď Fiktion, die nur dort j√§h zerbricht, wo die scheinbar willk√ľrliche und erbarmungslose wirkliche Wirklichkeit physisch und existentiell ein individuelles Leben ‚Äď unser eigenes oder das eines uns nahe stehenden Menschen - sp√ľrbar deformiert.

    Der Pixel-Wirklichkeit auf den Bildschirmen und den subjektiven Wirklichkeiten in unseren K√∂pfen stehen aber auch ganz reale Menschen aus Fleisch und Blut gegen√ľber. Ganz so, als wollten sie unabl√§ssig und nachhaltig den Beweis f√ľr McLuhans These erbringen, nach der das Medium selbst die Message ist, verwandeln sie sich als Besucher der virtuellen Welten, als Nutzer virtueller R√§ume und Informationspools in markante Exemplare einer neuen, doppelgesichtigen Spezies: Sie sind verwoben in ein multiples Netz aus Kommunikationen, im dauernden schriftlichen - aber kaum mehr schriftsprachlichen - Ausstausch mit k√∂rperlosen Anderen beispielsweise im Chat, √ľber ICQ oder Weblogs, aber zugleich als materielle Wesen oft einsam und isoliert vor ihren Bildschirmen und Webcams. So werden die objektiven virtuellen Welten der Programme und des Internet zu (Re-)Projektionsfl√§chen f√ľr die Fiktionen der ihnen gegen√ľber sitzenden Subjekte. Zum einen sucht das bis in die Sprache hinein passive Eintauchen in die audiovisuelle Scheinwelt sich in der Aktivit√§t subjektiver Fiktionalisierung ein Gegengewicht. Zum anderen bietet der virtuelle Kommunikationsraum eine willkommene Zuflucht vor den Zumutungen einer stumpfen, erm√ľdenden oder sogar deprimierenden wirklichen Wirklichkeit. W√§hrend wir auf B√ľrgersteigen, in Bussen und Bahnen unser Norm-Gesicht spazieren f√ľhren, das uns eine wenig kunstsinnige Natur beschied, und uns freiwillig in die Ma√üanz√ľge der allgemeinen Normen und einer nicht weniger allgemeinen Unvernunft zw√§ngen, k√∂nnen wir uns in der Einsamkeit vor unseren Bildschirmen, den mehrfach verg√ľteten Linsen unserer Digitalkameras und Foto-Handys zu neuen Menschen formen: Wo fr√ľher kein R√ľckzugsort f√ľr Selbstverwirklichung war, greift heute eine bizarre und scheinbar regellose, manchmal sogar immoralische Selbstinszenierungspraxis Raum, in der sich oft schamlos S√ľchte, Sehns√ľchte, alternative Lebens- und K√∂rperkonzepte offenbaren. Das Private und Intimste wird einer anonymen √Ėffentlichkeit preisgegeben oder sogar daf√ľr allererst erfunden. Selbstbilder in Worten, vor allem aber in Form von Fotos, die hinter verschlossenen T√ľren im Bad, im Bett und besonders vor Spiegeln geschossen werden. Auf ihnen sind K√∂rper, K√∂rperteile, sogar K√∂rperfl√ľssigkeiten zu sehen, Kinderpopos, aufreizende Posen, die ernsten Blicke der Alltagsphilosophen, Selbstverletzungen, Selbstdeformationen, Gl√ľck, Verz√ľckung und symbolisch vollzogener Suizid.

    Vergleichbar dem schnellen Zoom dieses Textes auf das in seiner Leiblichkeit isolierte und normativ stark eingeschr√§nkte Subjekt als User moderner Kommunikationsmedien richtet das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 seinen Fokus auf die subjektiven Versuche, mit Hilfe digitaler Aufzeichnungsger√§te den eigenen Leib als einen befreiten in den virtuellen Raum der erfundenen Wirklichkeit hin√ľber zu retten. Die ‚Äď meist antwortlose ‚Äď Selbstbefragung durch das Selbstportrait ist nicht neu. Zwar diente das Selbstportrait in der Geschichte der Kunst meist Studienzwecken ‚Äď und welches Modell ist schon so universell verf√ľgbar? ‚Äď aber schon im 15. Jahrhundert verbanden K√ľnstler, wie beispielsweise Memling in der Rolle des Heiligen Johannes oder D√ľrer in seinem ber√ľhmten Selbstportrait aus dem Jahre 1500, das Selbstportrait mit bewussten Selbstinszenierungen. So zahlreich in den letzten etwa 600 Jahren diese k√ľnstlerischen Selbstbefragungen und Rollenspiele gewesen sein m√∂gen ‚Äď heute, zumal seit der direkten √úbertragbarkeit der Bilddaten von Datentr√§ger zu Datentr√§ger ist das Selbstportrait ein Massenph√§nomen. Dabei reichen diese in die Milliarden gehenden Selbstportraits von naiven Versuchen der Selbstdokumentation als lebensgeschichtliche Fixpunkte in Raum und Zeit bis hin zu bewusster und √§sthetisch ausgekl√ľgelter Gestaltung des eigenen Abbilds in einem als blo√üe Form erkannten Umraum, der Cadrage.

    Gemeinsam ist allen diesen Selbstportraits die Inszenierung. So wie es unm√∂glich ist, in der Begegnung mit anderen nicht zu kommunizieren (Watzlawick), ist es dem Portraitisten unm√∂glich, sich selbst im Portrait nicht zu inszenieren: Das Selbstportrait ist immer unauthentisch, es enth√ľllt weniger das materiale Sein des Portraitierten als vielmehr seinen - immateriellen ‚Äď Wunsch, wie er gesehen werden will, oder auch, wie er nicht gesehen werden will. Dabei spielt der formale Aufbau der fotografischen Selbstportraits im Allgemeinen keine wesentliche Rolle, weil die gestalterischen Grenzen situationsbedingt eng begrenzt sind. Entweder richtet sich das Objektiv vom ausgestreckten Arm aus auf das eigene Gesicht oder andere K√∂rperbereiche oder aber die Kamera befindet sich auf einer Ablage, einem Tisch oder auf dem Boden und arbeitet mit zeitlicher Verz√∂gerung, w√§hrend der der Portraitist sich in seine Pose begibt. Immer mangelt es diesen Fotos an Kontrolle durch den Produzenten. Er sieht nicht, was er tut. Anders verh√§lt es sich bei der weit verbreiteten Gewohnheit, sich in einem Spiegel zu fotografieren. Aber auch hier ist gr√∂√ütm√∂gliche Kontrolle √ľber die Cadrage nur m√∂glich, wenn der kleine Monitor der Digitalkamera direkt in den Blick genommen werden kann. Dann aber wird das Gesicht des Portraitierten meist gerade durch die Kamera teilweise verdeckt. Die eigentliche √Ąsthetik dieser Form von Alltagsfotografie zeigt sich erst in der Auswahl der aus subjektiver Sicht gelungensten Exemplare aus einer meist langen Reihe von formal zuf√§lligen Selbstsch√ľssen. Auffallend ist aber, dass gerade diese Auswahl, also das Weglassen und L√∂schen des formal Bedeutungslosen in den meisten F√§llen ausbleibt: Die Selbstportraitisten ver√∂ffentlichen √ľber die einschl√§gigen Seiten, Blogs und vor allem digitale Fotoalben nicht selten alle oder fast alle Ergebnisse ihrer Portraitsitzungen, so als erg√§be sich das wahre Bild erst aus der ph√§nomenologischen Deutung der Vielzahl verschiedener Ansichten. Vor allem die Ansichten, die die Perspektive der Anderen simulieren, spielen eine bedeutende Rolle: Man fotografiert sich von schr√§g oben, vom Bauchnabel her und von den Seiten, das Gesicht im Profil.

    Wie ein Baum, eine Landschaft oder ein Interieur sich jeweils als in seiner komplexen Entstehungsgeschichte zuf√§llig Erscheinendes der √§sthetischen Festlegung durch den K√ľnstler anbietet, so stellt mittlerweile auch die Bilderwelt des Internet ein Naturreich neuer ‚Äď wenn auch vielleicht nicht h√∂herer ‚Äď Ordnung dar. In diesem Naturreich, in dem gleichg√ľltig sich Bild an Bild f√ľgt, herrscht eine Art √§sthetischer Naturzustand, in dem das Wohlgeordnete das Zufallsprodukt adelt und umgekehrt die desorientierenden Zufallsprodukte das Bild, das sich einmal bewusstem √§sthetischen Kalk√ľl verdankte, √§sthetisch nivellieren. Das SELFPORTRAIT-PROJECT 2007 unternimmt den Versuch, eine g√ľltige √Ąsthetik innerhalb des modernen Selbstportraits in der Alltagsfotografie freizulegen. Zugleich kann auf inhaltlicher Ebene vielleicht fassbar werden, wie sich ‚Äď entsprechend McLuhans These ‚Äď Mentalit√§ten durch die Nutzung moderner Medien wandeln und wie sich als Massenph√§nomen wiederholt, was in der Romantik des 19. Jahrhunderts nur wenigen K√ľnstlern, Literaten (und Lesern) vorbehalten blieb: der R√ľckzug in eine subjektivistische Innerlichkeit zwischen zweiflerischer Selbstbefragung und d√ľster-pessimistischer Nekrophilie.

    Der k√ľnstlerische Akt der Auswahl bliebe unvollst√§ndig, wenn er das Ausgew√§hlte dem Medium seines Ursprungs nicht enth√∂be. Deshalb ist es f√ľr das Projekt wesentlich, dass die aus einer Vielzahl freiwillig √ľbertragener digitaler Selbstportraits ausgew√§hlten Bilder auf ein Medium √ľbertragen werden, das weitaus √§lter ist, das n√§mlich der Malerei. Der Prozess der Malerei unterwirft das Naturding ‚ÄěFoto‚Äú einer erneuten Deutung und vor allem einem leiblich vollzogenen Akt der Herstellung, der das einer virtuellen Sph√§re angeh√∂rende Bild in der uns vertrauten materiellen Parallelwelt neu erschafft und ihm so √§sthetische und inhaltliche Bedeutung verleiht, die ihm im virtuellen Raum der Gleichg√ľltigkeiten versagt blieb.

    André M. Kuhl, Juli 2007

    Lieber AllSTAR,

    ich wei√ü nicht recht, was falsch daran sein soll, mit Kunst Geld verdienen zu wollen. Womit verdienst du dein Geld? Warum sollte das finanzielle Ziel zugleich der Kern der Ideologie sein, aus der heraus das Produkt entsteht, das verkauft werden soll? Wenn das der einzige Widerspruch sein soll, den du in dem Vorhaben siehst, wei√ü ich nicht, was du willst. Wahrscheinlich blo√ü auf- und gefallen durch eine argumentativ kaum fundierte Polemik, die weit mehr aufs platte Ressentiment derer schielt, die mit der Sprache als Erkenntnismittel auf Kriegsfu√ü stehen, denn auf tats√§chliche Aufkl√§rung (√ľber was auch immer, das wurde ja in deiner Kritik nicht deutlich). Aber ein Klick aufs Profil macht hinl√§nglich deutlich, dass du aufs Wort angewiesen bist, um einigerma√üen Aufmerksamkeit zu gewinnen.

    Aber hast ja mit dem guten Heinrich einen ebenb√ľrtigen Mitstreiter gewonnen. Herzlichen Gl√ľckwunsch! Sprachlich vielleicht nicht ganz so gewitzt...


    Aber wer soll das denn lesen?
    Es ist irgendwie... ja: schlecht.
    Tut mir leid, aber so ist es...

    Es fehlt ein Buchstabe, hier ist er: 'e'.
  • martinicio
    martinicio
    so viele Buchstaben auf einmal. das regt nat√ľrlich die fetischisten zur colorierung und vervielf√§ltigung an :)
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  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Und dann auch noch rosa, grauenhaft ;)
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  • ratslla
    Liebe Sabine,
    das Project ist ja - vielleicht gegen seinen Anschein durch den intellektuellen √úberbau (siehe Text oben) - durchaus POP. Du kannst ja mitmachen! Gr√ľnden wir eben eine POP-KUNST-BAND! Im Vergleich mit den alten Meistern sind wir wie Gitarristen, die gerade einmal ein paar Grundakkorde beherrschen. Bei Pop und Rock verlangt aber auch niemand mehr...

    Liebe Gr√ľ√üe
    André


    hm... das hatte ich fast vergessen. jedenfalls nicht explizit ber√ľcksichtigt.
    sieh mal, du softer donnerpinsler:
    die einen backen legga br√∂tchen, die andern schneiden ner kuh sauberst den kopf ab oder schaukeln unentwegt einen halben gedanken von der rechten in die linke hirnschale und zur√ľck, in der hoffnung, dass ihm irgendwie die andere h√§lfte bei solch schabernack begegnet, auf dass sie sich zu einem ganzen und somit funktionablen, verschmelzen k√∂nnen. si? no?
    bist du sicher, dass du weisst, was deine gedanken steuert? lies dir einfach 50 mal deine texte durch und versuch mal zu analysieren, was diese vermitteln sollen und unter umständen bewirken.
    ich bin nun mal so einer, der die ganze geniekagge nicht √ľberbewertet. du verstehst? ist eh wie in deinem fall - banall. bissken √∂de, aber nix ungew√∂hnliches.
    ich find¬īs¬īauch v√∂llig voraussehbar, was dir dazu als reaktion einfiel.
    du kapierst deine begrenzung nicht. das ist alles und nicht weiter schlimm.
    alles wird gut, wie ne doofe tv-tante st√§ndig und unersch√ľtterlich sowie treuherzigst dem zuschauer verzapfen will. dein sender heisst kn-tv und das solltest du weiterhin sehr ernst nehmen ! jawoll, ja...

    :)))
  • Stefan Arens
    Stefan Arens
    wasn das alles? (ich bin zu faul dem Link zu folgen, manchmal bricht mein computer bei komplizierten seiten sogar ab) - vielleicht in einem Satz?

    Sieht so aus, als w√§ren es Maler die unbedingt Studienmaterial brauchen... oder die nur Portraits malen und damit ihr Brot verdienen. Ist ja okay, aber find ich √∂hm, naj, ja. Ich bin ja keiner dieser Maler, wol, also ists irgendwie belanglos, √ľberhaupt meinen Mauszeiger zu bewegen diese Seite zu √∂ffnen, ist mir zu riskant.
    Nein, bin nat√ľrlich zu faul.
    #

    Es w√ľrde mich aber interessieren, wie organisiert dieser Kommerz ist, und tue es nun trotzdem. Aha. Kommerz ist mir dann zuwider, wenn er organisiert abl√§uft. Werden wir verarscht, oder die, oder wer verarscht hier wen? (wer beutet hier wen aus) Wo ist der Haken? Oder gibt es keinen? Naja, vielleicht ists ja eine echt gute Sache wo keiner einen Hinterhalken bereit h√§lt.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    ...wer glaubt denn daran, dass mit diesem Konzept wirklich Geld zu verdienen ist, au√üer es gibt G√∂nner und M√§zene die Mitleid haben. Sie w√ľrden eventuell das Geld auch ohne diesem Projekt investieren.

    Allein die Idee ist gut, wenn man sich die Portraits mal anschaut die bei artou hochgeladen sind, kommt man auf erstaunliche Bilder. Diese Portraitsammlung ist so wie sie ist ausstellungswert und sollte unver√§ndert ver√∂ffentlicht werden √ľber die Website hinaus.

    Ansonsten funktionieren kommerzielle Projekte im Internet mit Kunst von unbekannten Leuten kaum, was gut funktioniert sind gro√üe Gruppenprojekte f√ľr gemeinn√ľtzige Zwecke wie es Galerie Nordhof gezeigt hat mit "Vereinte Kunst gegen Not".

    gruß fluuu
    Signature
  • Andr√© M. Kuhl
    André M. Kuhl
    Allstar war ja ganz schön angepiekt!
    Intelligenz und (wenn auch bem√ľhter, aber durchaus trainierter) Wortwitz sind nicht zu leugnen. Fragt sich nur, weshalb jemand, der hinreichend Intelligenz besitzt, ein Projekt aufgrund seiner sprachlichen Darstellung attackiert, dabei jedoch unterl√§sst, eine fundierte Analyse des Kritisierten zu leisten, und stattdessen die verbale Attacke als Blitzableiter f√ľr angestaute Aggressionen nutzt. Der wahrhaft Intelligente h√§tte - sofern er das SELFPORTRAIT PROJECT 2007 aufgrund schneller Analyse als belanglos und durchschnittlich und seine Autoren als linkische Geldscheffler entlarvt h√§tte - den Forenbeitrag eilends verlassen und sich mit anderem besch√§ftigt. Allstar aber sah sich - aus welchen Gr√ľnden auch immer - gen√∂tigt einen K√ľbel Verbalm√ľll ins Forenthema zu kippen. Will er ein gef√§hrliches Projekt verhindern? Die Welt davor bewahren? Wenn das Projekt ein Nichts ist - warum k√ľmmert er sich dann? Dieser Widerspruch gibt mir zu denken.
    Gescheit genug, das Forenthema durch Abstinenz zu nivellieren, ist er jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Mit seinem nächsten Beitrag wird er dem Thema neue Aktualität und wahrscheinlich auch Popularität bescheren.

    Aber ganz im Ernst: Allstar, du solltest dir helfen lassen. Geh einfach mal auf den folgenden Link:

    ūüĒó

    Solltest du hier keine Hilfe finden, folge einfach dem nächsten Link:

    http://www.pausch.at/htm/bon/humor/xray/homer.jpg

    Gute Besserung!
  • girekleu
    Ja ja, nickten die weisen Großbärte
    und sagten: einmal so ernst tuen kön-
    nen... und dann sterben - vor Eigenlang-
    weile und Todernst.
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