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  • Dieter Raedel: Mein Freund Marcel Marceau ist tot

  • relamlznerP Dieter Raedel: Mein Freund Marcel Marceau ist tot
    Tränenverhangen erhielt ich die Nachricht, dass am Samstag der Welt größter Solist der Pantomime, Marcel Marceau, im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

    Viele Male gastierte dieser großartige Meister der Mime in Berlin, sowohl vor und nach der Wende. Egal ob in der Voksbühne, im Berliner Ensemble, in der Komischen Oper und anderen Spielstätten, stets verzauberte er sein Publikum, das ihm Beifallsovationen spendete.

    Fast 15 Jahre war ich mit ihm befreundet und bei mehreren Berliner Gastspielen durfte ich vor und nach den Vorstellungen an seiner Seite sein. Zu DDR-Zeiten bezahlte er sogar einen Reisebus von seiner Gage, um die Kinder des damaligen Kinder-Pantomime-Theaters Cottbus zu seiner Vorstellung in die Volksbühne einzuladen. Grand merci, Marcel Marceau ! Und ich werde auch nicht die Abende in den Hotels vergessen, wo ich an seiner Seite sitzen durfte. Pardon, aber Marceau war damals für mich wie ein Gott!

    Noch nie hat mich ein Theaterstück derart fasziniert, wie seine Etüde "Die Erschaffung der Welt", die er stets mit der Musik von Mozart ( Konzert für Klavier und Orchester. Adagio. KV 467 ) vortrug. Mit seinem "Bip" begeisterte er die Theater-Besucher in der gesamten Welt.

    Marceau sprach fließend unsere Sprache. Einmal sagte er zu mir: "Das schönste Wort der deutschen Sprache ist der HAUCH." Er war auch ein großartiger Philosoph und Poetiker. Marceau vermochte die Zuschauer zu Tränen zu rühren und andererseits zu Lachattacken zu animieren. Sein Ausdrucksspektrum war riesig.

    Mach`s gut, du Genie des wortlosen Theaters.

    Prenzlmaler
  • BFnaitsabeS
    Danke, das du s erwähnst. Ich habe ähnliche Ansichten zu Marceau, obwohl ich ihn nie live gesehen habe, geschweige denn zu seinen Bekannten zähle. Als Kind habe ich oft im Bip-Bilderbuch geblättert. Die Bilder leben weiter in meinem Kopf. In meinem Celebritäten-Olymp (zu dem eine ganze Reihe untalentierter Quälgeister keinen Zutritt haben) ist Marceau irgendwo in der Nähe von Charlie Chaplin zu finden. Einen einzigen Kritikpunkt: Er hätte seine Karriere in seinen letzten Lebensjahren nicht mehr fortführen sollen. Wenn einer lebenden Legende beim Prominenten-Interview die Speichelfäden aus dem Mundwinkel laufen, dann ist das, zumal beim Meister der Körperbeherrschung, ein unschöner Anblick.
  • trofgniR
    !

    :-(
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  • relamlznerP
    Komme grad aus ner Kneipe, obwohl ich sonst keinen Alk trinke. Es stimmt, Marceau konnte nicht aufhören ...
    Aber irgendwie spricht das auch für den Komödianten.
    Ich habe ihn, als er bereits über 80 war, auf der Bühne erlebt. Es war unglaublich, mit welch einer Körperbeherrschung und welch einer Sensibilität er seine Stücke über die Rampe brachte. Bei laufender Kamera, ohne auf der Bühne gestanden zu haben, kann jedoch etwas daneben gehn, da diese betagten Leute nicht stets die Kontrolle über ihre Körperfunktionen haben. So schließe ich mich dem Kommentar an, dass eine solche Theaterlegende den Zeitpunkt des Aufhörens nicht packte.

    lg przl
  • neuangel
    geht es ihnen gut?
  • relamlznerP
    Berlin. Theater-Schminkraum. Ein junger unbedeutender Jünger der Kunst Marceaus sitzt am rechten Fußende einer Liege. Auf der Liege Marcel Marceau im Kostüm mit weiß geschminktem Gesicht. Er entspannt sich zwischen der Nachmittag- und der Abendvorstellung. Die Dame von der Künstleragentur der DDR, Berlin, ließ mich rein. Mit dem rechten Arm stützt er sein Kinn und stellt interessiert Fragen. Marcel Marceau bekommt einen Imbiss, schließlich benötigt er für den nächsten Auftritt gewaltige Kraft. Auf dem Schminkhocker vor dem rechten Spiegel liegt der zerbeulte schwarze Hut mit der roten Nelke, den alle Welt kennt. Marceau nimmt seinen Teller mit Kartoffelsalat und einer Bockwurst, peilt die Mitte des Tellers an und zieht mit der Hand eine Furche durch den Salat. Danach bricht er die Bockwurst in zwei Hälften und reicht mir die eine Hälfte. Ich rutsche zu ihm hin und genieße seine Gastfreundschaft.
    Ich verstand die Welt nicht mehr !!!

    lg przl
  • relamlznerP
    Nein, momentan geht's mir nicht gut ...

    lg przl
  • neuangel
    Berlin. Theater-Schminkraum. Ein junger unbedeutender Jünger der Kunst Marceaus sitzt am rechten Fußende einer Liege. Auf der Liege Marcel Marceau im Kostüm mit weiß geschminktem Gesicht. Er entspannt sich zwischen der Nachmittag- und der Abendvorstellung. Die Dame von der Künstleragentur der DDR, Berlin, ließ mich rein. Mit dem rechten Arm stützt er sein Kinn und stellt interessiert Fragen. Marcel Marceau bekommt einen Imbiss, schließlich benötigt er für den nächsten Auftritt gewaltige Kraft. Auf dem Schminkhocker vor dem rechten Spiegel liegt der zerbeulte schwarze Hut mit der roten Nelke, den alle Welt kennt. Marceau nimmt seinen Teller mit Kartoffelsalat und einer Bockwurst, peilt die Mitte des Tellers an und zieht mit der Hand eine Furche durch den Salat. Danach bricht er die Bockwurst in zwei Hälften und reicht mir die eine Hälfte. Ich rutsche zu ihm hin und genieße seine Gastfreundschaft.
    Ich verstand die Welt nicht mehr !!!

    lg przl


    sorry, aber da fällt mir nichts mehr ein !!!
  • Ute Speiser
    Ute Speiser
    Es ist immer traurig einem guten Freund für immer zu verabschieden, besonder eine solche einmalige Persönlichkeit. Kann deine Traurigkeit sehr gut verstehen und nachempfinden. Habe erst vor kurzem meinen Vater verloren und est tut echt weh. Trotzdem hatte ich schöne Erlebnisse im Zeitraum der intensivsten Trauer, die ich nie im Leben vergessen werde und die mir über die schweren Tage hinweg halfen. Hoffe, das du in deinen Erinnerungen ähnliches erleben darfst... Wir alle vermissen dich hier im KN und es tut uns (mir) leid, dass es dir nicht gut geht ... schau, dass du wieder auf die Beine kommst und in deiner einmaligen und unersetzlichen Art dem KN das verdiehnte Niveau gibst. Wir freuen uns schon jetzt auf deine Rückkehr!
  • relamlznerP
    Besten Dank, Stradivarius.

    Heute hatte ich eine angenehme Begebenheit während meiner Open-Air-Ausstellung. Während der Abendstunden besuchte mich der Eigentümer dieses Forums an der Gethsemanekirche. Constantin, ich war begeistert und danke dir ganz herzlich.

    lg przl
  • 2arik
    Entschuldigt das ich hier schreibe.AberSebastian Fb hat geschrieben.
    Wenn einer lebenden Legende beim Prominenten-Interview die Speichelfäden aus dem Mundwinkel laufen, dann ist das, zumal beim Meister der Körperbeherrschung, ein unschöner Anblick...
    Da fehlen mir die Worte.
    Marcel Marceau, im Alter von 84 Jahren verstorben.
    Da fehlen mir die Worte.Wie weit sind wir gekommen,das wir das mit Verachtung sehen.
    Da sollte man ruhig sein und darüber nachdenken.
    Er war einer der besten der Pantomime der Welt.Sebastian tut mir Leid. Wir werden sehen wenn du so alt ist was dann noch ist von dir.
    Er war und ist einer der besten gewesen, mit und ohne Speichelfäden. Und das Herr Sebastian Fb mit und ohne Speichel...
    kira 2
  • BFnaitsabeS
    Es sollte möglich sein, auch einen alten Künstler rein nach Kunststandards zu beurteilen. Und auch: einen verstorbenen Künstler. Ich halte es eher für einen unschönen Dienst am Toten, wenn man ("de mortui nihil nisi bene") Alters- und Pietätsrabatt gibt. Immerhin ist Marceau bekannt georden, weil er ohne Abstriche überzeugend war, und nicht, weil jemand (parallele Argumentation) gesagt hätte: der ist noch jung, der wirds noch lernen... Sicherlich werde ich im Alter auch unter allerlei Gebrechen leiden (und diese standen für sich genommen in meinem Beitrag auch in keiner Weise in der Kritik, was Dieter auch sehr gut verstanden hat.) Also, wenn ich dann so als 84-jähriger noch zeichne und aquarelliere, dann funktioniert das vielleicht besser, als wenn mein Hobby das Mimenspiel wäre, manche Maler, Zeichner und Grafiker drehen ja im hohen Altern noch mal richtig auf (siehe beispielsweise http://www.lettl.de). Sänger und Schauspieler hams da schwerer. Neulich hörte ich einen schrecklich schlechten Tenor im Radio und dachte, wer kann das nur sein. Die Ansagerin löste das Rätsel: Pavarotti auf einer seiner letzten Tourneen. Und der Mann war einmal so wunderbar gewesen. Alter und Performance, ja oder nein, beziehungsweise: wie damit umgehen. Das Thema wäre mal einen ehrlichen Thread wert.
    Grüße
    Sebastian
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