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  • Kunstkritiken = Lachnummern?

  • abArt
    abArt Kunstkritiken = Lachnummern ?
    hallo zusammen ...

    mich würde mal eure sicht von kunstkritiken / kunstkritikern bzw. erfahrungen mit diesen interessieren. nicht nur in bezug darauf, was sich hier so alles ereignet, sondern auch draußen im richtigen leben.

    in gespannter erwartung
    abArt
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  • anolabA
    Wie soll man Menschen ernst nehmen, die sich in erster Linie produzieren wollen auf Kosten anderer? Es mag AUsnahmen geben aber ich kenne nur wenige.
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  • laerbus-tra
    na ja, ist so wie überall: manche sind zum gähnen, manche zum totlachen und in den seltensten fällen sind sie wirklich excellent!
  • abArt
    abArt
    art-subreal: was macht einen kunstkritiker - oder einen kritiker im allgemeinen - excellent?
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  • laerbus-tra
    art-subreal: was macht einen kunstkritiker - oder einen kritiker im allgemeinen - excellent?


    wenn er in der lage ist, das werk in den gesellschaftlichen hintergrund einzuordnen und dem zuschauer aspekte öffnen kann, die ihm das werk möglicherweise leichter zugänglich machen,
    wenn er ein gespür für das unverwechselbare hat,
    wenn er einen blick für den großen bogen hat und sich nicht in details verliert,
    wenn er nicht auf irgendwelchen "in"-wellen, sondern auch mal gegen den strom schwimmt,
    wenn er seine rolle nicht überbewertet und sich selbst nicht immer ganz so ernst nimmt,
    wenn er eine einfache sprache spricht und möglichst wenig modewörter benützt oder sich mit komplizierten fremdwörtern aus der affäre zieht,
    wenn er UNbestechlich ist,
    und wenn er sich auch mal zu sagen traut, dass der kaiser gar keine neuen kleider, sondern einfach gar nix anhat ... ...
  • abArt
    abArt
    das klingt wirklich gut und schließt schon mal ne menge schwätzer aus.

    aber selbst diese kleine schar, die du charakterisierst, setzt ja zwangsläufig hintergründe und aspekte voraus bzw. interpretiert sie in die werke. ich habe den eindruck - und auch die erfahrung gemacht -, dass dies bis auf seltene ausnahmen meist sehr wenig mit den intentionen des künstlers zu tun hat. nicht zuletzt deshalb, weil diese wohl gar nicht so selten überhaupt nicht vorhanden sind. so werden nicht selten reine zufallsprodukte und "unfälle" zu meisterwerken...

    glaub ich, mein ich, hab ich den eindruck...
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  • laerbus-tra
    ja, viele hören sich einfach gerne reden oder geilen sich an ihrem geschreibe auf, das man manchmal gar nicht verstehen kann, weil nix da ist, was zu verstehen wäre.

    genauso wie es künstler gibt, die sich an ihrer eigenen großartigkeit aufgeilen und tiefgang vortäuschen, der nicht vorhanden ist.

    und wenn dann beide zusammentreffen, kommt halt der übliche quark raus: worthülsen treffen bildhülsen oder klanghülsen oder objekthülsen ... ;-)))

    aber wenn sich ein kritiker ernsthaft mit einem werk ( das es das auch verdient und auch dafür hat er einen blick!) beschäftigt, ist er wie jeder andere kunstbetrachter auch, nur dass er gelernt hat, seine wahrnehmung (und seine worte) zu schulen und dass er natürlich viel mehr über sein spezialgebiet (kunstgeschichte, musik, literatur) und den dazugehörigen kunstmarkt weiß, als ein sogenannter normalo ...
  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Es ist
    wie im realen Leben
    nicht einfach, aber möglicherweise zwei- oder mehrfach,
    ein Kunstkritiker zu sein.

    Kunstkritik ist immer Schwatztum.
    (Habe ich da einen Neologismus erfündet? ;))
    Signature
  • abArt
    abArt
    art-subreal: ja, hülsenfrüchte... aber wer will festlegen, welches werk es verdient? was z.b. in einem kulturkreis als achtenswert gilt ist bei anderen niveaumäßig "malen nach zahlen" oder kindergekrakel ...

    irgendjemand hat mal von sich gegeben:
    kritiker sind wie eunuchen - sie können es nicht selbst, wissen aber genau wie es geht
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  • laerbus-tra
    ...

    Kunstkritik ist immer Schwatztum.
    ...


    ... nicht immer, aber fast immer!
    ;-)
  • laerbus-tra
    ... aber wer will festlegen, welches werk es verdient? ... was z.b. in einem kulturkreis als achtenswert gilt ist bei anderen niveaumäßig "malen nach zahlen" oder kindergekrakel ...
    ...



    das wird auch immer so bleiben und ich finde es auch gut so, sonst würde es z.b. nur noch akademische malerei geben und da wäre die kunstwelt total arm dran!
    es gibt "gekrakel", das ich enorm liebe und etwas in mir in schwingung bringt, und ausgefeilte technik ohne tiefgang, die mich kalt lässt.

    finde einen einzigen einflussreichen menschen, der sich für deine kunst begeistert, finde einen zweiten, der überzeugt ist, mit dir geld verdienen zu können - und alles ist gelaufen!

    in der kunstszene ist mittlerweile eine dermaßen beachtliche bandbreite von verschiedenen bildnerischen ausdrucksformen möglich, für jeden gibt es die passende nische und somit vergleichsmöglichkeiten, aber auch eben konkurrenz.

    kritiker irren sich - oft!
    wissenschaftler auch, künstler auch. :D
    aber sie mischen nun mal kräftig mit.

    warum sollte man kritiken überhaupt bekommen wollen?

    klar, um in den markt einzusteigen, braucht man in der regel positive beurteilungen von möglichst hochrangigen kulturmenschen.
    ja, und wenn man das will, muss man sich halt den marktregeln unterwerfen, und dazu gehört nun mal, sich den gerade agierenden und wichtigen kulturmenschen zu stellen ...
    entweder man ist wirklich genial und überzeugt mit seinen aussagen die maßgeblichen oder man hat genügend knete, und überzeugt die Kritiker so, dass sie von einem überzeugt sind ... ;-)

    und dann gibt es noch so infantile versuche, sonstwie auf sich aufmerksam zu machen, z.b. kirschbäume zu verbrennen ...
  • cobolt
    cobolt
    "überzeugt mit seinen aussagen"

    Da geht der Spass schon los. Denn es müssen erstmal Aussagen her. "Hund" "Baum" "Gesicht" "Tittis" sind nun mal Aussagen der plattesten Kategorie. Maximal "schön" und "gut gemacht". Minimal "langweilig" "öde" und "ausgelutscht".

    Kann man einem intelligenten Gemüt vorwerfen, hauptsächlich oder ausschließlich platte Botschaften als Kunst zu deklarieren? Vielleicht ist das verkaufstechnisch sogar sinnvoll, wenn auch komerziell geprägt.

    Kann man einer - provokant gesagt - einfach strukturierten Denke vorwerfen, einfache Inhalte zu visualisieren? Nöö, er/sie kann ja nur das wiedergeben, was ihn/sie ausmacht. In der Musik ist "I love U" ein Dauerbrenner. LaLaLa geht auch immer.

    Ist die Frage nach der berechtigten Kritik dann nicht auch eine Diskrepanz der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und ihres Bildungsstandards, Neigungen und Interessen? Es liegt wohl in der Natur der Indiviualität, dass jeder diese Frage für sich anders beantwortet. Was den einen überfordert, ist für den anderen schon zu platt. Das gilt ja auch für andere Bereiche, wie Film, Comic, Buch etc. Letzlich ist aber alles auch ein Spiegel der Gesellschaft und ein Dokument der Zeit, mit allen Vor- und Nachteilen.

    Die angedeutete Sehnsucht nach der großen Anerkennung steht vielleicht oft im Widerspruch zum eigenen Tellerrand. Das ist für viele eine unbequeme Wahrheit, die sich mit dem eigenen Ego oft nicht verträgt. Wenn ich nichts zu sagen habe, kann ich gewisse Leute nicht erreichen. Wenn ich zu kompliziert in Aussagen werde, wird man nicht verstanden. Ich kann mich aber jederzeit entscheiden, mich auf Kritik einzulassen, oder sie zu ignorieren. Je nach Veranlagung und Fähigkeiten bringt das unterschiedliche Ergebnisse, für die man dann auch selbst die Verantwortung trägt.

    Nach meiner Erfahrung ist eine gesunde Balance zwischen "open minded" und "wegstecken" für die eigene Entwicklung nicht verkehrt. Oder wie "Faith no more" in einem Song so schön sagen:
    You might surprise yourself

    DAS ist dann mehr wert, als jede Kritik.
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  • laerbus-tra
    aha, ich sehe, ich habe die frage nach dem stellenwert von kunstkritiken einseitig behandelt.
    ich habe sie in erster linie auf die offizielle kritik in den diversen kulturmedien oder dem kunstmarkt bezogen.
    ich dachte weniger an diejenige form des kommentierens, wie in internetforen oder an die kritik von ehrlichen kollegen (die ich persönlich NIE missen möchte!)
    die (Zitat cobold)...gesunde Balance zwischen "open minded" und "wegstecken" (zitat ende) ist sicher die idealhaltung zu jeder form von kritik,
    erfordert aber auch eine gewisse souveränität ;-)
  • Frank Koebsch
    Frank Koebsch
    Hallo,
    Kennt Ihr dieses Buch:

    Das kann ich auch! Gebrauchsanweisung für moderne Kunst
    von
    Christian Saehrendt
    Steen T. Kittl
    ISBN-Nr: 978-3-8321-7759-1

    Ich kann es nur immer wieder empfehlen. Auch hier gibt es ein Kapitel zu Aussagen von Kritikern ...
    Ich habe mich gekugelt ... Denn so komprimentiert und kommentiert habe ich es noch nicht geniesen dürfen. Schaut mal rein.

    Karin, gab es denn zu Deiner aktuellen Ausstellung offizielle Statements?

    Beste Grüße Frank
    Signature
  • laerbus-tra
    @frank: nein, es war leider auch niemand von der presse da, es wurden zwar zeitungen angeschrieben, mit entsprechender pressemappe, aber es ist keiner gekommen - kein wunder in berlin, wo es angeblich wöchentlich 600 - 700 vernissagen geben soll.
    ich selbst kenne keinen kunstkritiker oder kunsthistoriker, den ich persönlich ansprechen hätte können und für geld wollte ich auch keinen anheuern.
    man muss halt immer wieder versuchen, möglichst viele leute zu erreichen und vielleicht trifft man irgendwann mal auf einen, der was schreibt.
  • Frank Koebsch
    Frank Koebsch
    Hallo Karin,

    hm.. so geht es mir es mir auch...Das "Gewicht", die Bedeutung der Ausstellung ist für die Presse nicht ausreichend. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es zwei Möglichkeiten gibt:

    - Man sucht sich einen Partner oder Sponsor. Wir haben z.B. im Haus der Stadtwerke ausgestellt und dann die Pressemappe über die Stadtwerke versandt. Damit bekam es mehr Gewicht und es wurde in der Presse mit Artikeln berichtet. Oder man sucht sich einen "Prominenten". Bei der Ausstellung in Wismar kam zur Vernissage der Kultursenator und damit hatte es die Galerie geschafft, das Regionalfernsehen zu locken.

    - Eine weitere Möglichkeit ist, dass zu mindestens hier in der Region viele Artikel über "Freischaffende" erstellt werden. Wenn man dort einen Menschen kennt, schafft man es mit einem Artikel zu mindestens auf die Regionalseite oder Stadtbezirks ...

    Ich weis. dass dieses keine Stimmen von Kunstkritiker von "Gewicht" (???) sind, aber es hilft zu mindestens bei der Öffentlichkeitsarbeit, wenn man eine paar Veröffentlichungen für das nächste Mal vorlegen kann. Der Rest, mit den großen Kritikern ???, wie Ihr schon geschrieben habt, ist zu mindestens mit Vorsicht zu genießen.

    Beste Grüße Frank
    Signature
  • laerbus-tra
    hallo frank, bei meiner letzten vernissage kam die bezirksbürgermeisterin und es gab eine pressemitteilung der senatspressestelle (diesmal hat sie sich entschuldigt wegen einer anderen veranstaltung) - aber mehr ist erst einmal für no-names nicht drin.
    so isses halt ...
    ;-)
  • cobolt
    cobolt
    "ich habe sie in erster linie auf die offizielle kritik in den diversen kulturmedien oder dem kunstmarkt bezogen"

    Ich würde sie auf jede Art Kritik von aussen beziehen, gleichgültig ob Medienvertreter, Gallerist, Dozent, Kollege oder Umfeld. Das Interessante ist die Essenz.

    Auch bei Kritikern kann man den gesellschaftlichen Background herauslesen, wie beim Kreativen selbst, deshalb würde ich den Titel genauso wenig hofieren, wie den des Künstlers. Ein Titel besagt üblicherweise noch recht wenig, wie inhaltlich treffend und substanziell denn das Statement ist, (oder wie künstlerisch das Werk:o) Der Kreisblatt-Kritiker kann genauso in die Grütze greifen, wie der Pseudo-Künstler mit den brennenden Kirschbäumen. (Stimmt die Story? Hauweiha, was für 'n Hau.)

    Wenn sich z.B. auf Ausstellungen die offizielle Kulturpolitik zu Wort meldet, hat man nicht unbedingt den Eindruck, dass die Damen und Herren sehr viel mehr wissen, als über ihren persönlichen Geschmack hinausgeht. Manche Rede ist unfreiwillig komisch, da nützt dann auch der schönste Titel nichts. Preussisch korrekt, wie dann aber alle sind, wird sowas natürlich mit dem Sektglas weggelächelt. Wir sind hier schon ziemlich Titel-hörig und fast jeder Kritiker Dr. BlaBla bekommt sein Zuckerle. Ich hab schon einige Künstler gesehen, die dann etwas säuerlich ob der kundgegebenen Interpretation durch die Gegend schauten und nicht wirklich glücklich damit aussahen. Aber wer hat schon die Eier in der Hose sowas gerade zu rücken? Quelle Affront!

    Ich könnte nicht unbedingt behaupten, dass Kritiken zu meinen Arbeiten von höhergelegener Stelle treffender oder korrekter wären, als die von Ausstellungsbesuchern oder dem Typ von der Strasse. Ganz im Gegenteil. Was nützt die schönste Kritik, wenn der Beurteiler ganz offentsichtlich mit dem eigenen Leben und den eigenen Erfahrungen so überhaupt nichts am Hut hat und entsprechend auch nicht schnallt, worum es geht. Oder sich aufpumpt und ein Statement ablässt, woran man nur erkennt, dass er/sie die eigenen Geschichten nicht mal ansatzweise teilt? Das sagt einem dann mehr über den Kritiker, als über das eigene Werk. Es macht durchaus Spass, sich dann mit Gleichgesinnten auf die Schenkel zu hauen, sieht man doch, dass Kritiker genauso weltfremd sein können, wie Künstler.

    Souveränität ergibt sich vor allen Dingen durch das soziale Umfeld, wenn man weiß, WER einen versteht und wer nicht. Da kann man auch mal sagen "drauf geschissen". Und natürlich durch Teamarbeit. In einem Team bin ich jeden Tag Kritik und Korrekturwünschen ausgesetzt, das bringen viele Berufe mit sich. Wer also ein Problem mit Souveränität hat, dem fehlt möglicherweise die Fähigkeit der Gruppen-Kommunikation, der inhaltlichen Auseinandersetzung mit verschiedenen Meinungen. Das ist schade, denn das kann einen enorm weiterbringen. Ich hätte viele Arbeiten nie gemacht, wenn ich nicht versucht hätte, mich mit inhaltlichen Kritiken auseinanderzusetzen, sofern sie mir berechtigt erschienen. Kein Fortschritt ohne Experiment.

    Nichtsdestotrotz sind auch völlig falsche Interpretationen interessant, zeigen sie einem doch, wie andere gesellschaftliche Kreise auf Inhalte und Ausdrucksweisen reagieren. Aus meiner persönlichen Sicht des Grafikers ist natürlich die Bildsprache am besten, die eine Zielgruppe von 15 bis 75 Jahren versteht. Es ist eine gestalterische Herausforderung, sich dieser großen Zielgruppe zu stellen und sie alle unter einen Hut zu bringen. Dafür ist eigentlich jede Kritik nützlich.
    Signature
  • laerbus-tra
    ...

    Nichtsdestotrotz sind auch völlig falsche Interpretationen interessant, zeigen sie einem doch, wie andere gesellschaftliche Kreise auf Inhalte und Ausdrucksweisen reagieren...



    ... genau diese reaktionen liebe ich sogar sehr, weil es mir beweist, dass sich jemand mit dem bild auseinander setzt und seine phantasie in rollen gebracht wird.


    zu den peinlichen reden angesichts von vernissagen eine kleine geschichte:
    bei meiner werkschau 2006 habe ich einen schreibenden künstlerkollegen gebeten, eine "anti-laudatio" (sehr ironisch, gespickt mit blumigen nonsens-wendungen) zu verfassen, die dann ein befreundeter schauspieler quasi in der rolle eines kunstsachvertändigen vorgetragen hat - ein voller erfolg! das publikum hat sich total amüsiert und ich mich erst recht ...
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