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  • Georg Friedrich Kersting: "Die Stickerin" - Bildanalyse [Brauche Hilfe]

  • Simon Georg Friedrich Kersting: "Die Stickerin" - Bildanalyse [Brauche Hilfe]
    Hi,
    ich bin neu hier und hoffe das ich den richtigen Bereich erwischt habe.

    Also ich soll im unterricht ein bild analysieren.
    Es handelt sich hierbei um G.F. Kerstings Bild : "Die Stickerin"
    Hier der Link zum Bild:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Georg_Friedrich_Kersting_006.jpg

    Ich habe schon einiges analysiert, allerdings fehlt mir noch viel.
    Zum einen soll die Stickerin (die ja auch im zentrum sitzt) eine besondere bedeutung in der Kunst haben (sagt mein Kunstlehrer). ICh kann damit nur nix anfangen.
    Der Efeu der über dem Bild ihres Verlobten/Mann/Freund hängt symbolisiert die Liebe zu ihren Mann/Freund!!!
    Allerdings fehlt mir die Bedeutung der Pflanzen im Fenster.. ich weiß ja noch nichtmal welche es sind.
    Was hat die Gitarre auf denm Sofa für eine Bedeutung. Hat das Sofa auch eine Bedeutung?
    Diese offenen Fenster als einzige lichtquelle sind ja typisch für kersting, aber warum? Gibts da ne Bedeutung?

    Wär nett wenn mir jemand helfen könnte.

    MfG Cabal
  • siku


    Zum einen soll die Stickerin (die ja auch im zentrum sitzt) eine besondere bedeutung in der Kunst haben (sagt mein Kunstlehrer). ICh kann damit nur nix anfangen.
    Na gut, auf geht's:
    Die Stickerin sitzt nicht! im Bildzentrum, sondern sie befindet sich auf der rechten Bildhälfte. Das "Zentrum" ist der Mittelpunkt der Bildfläche, nicht der Blickfang des Bildes.

    Allerdings fehlt mir die Bedeutung der Pflanzen im Fenster.. ich weiß ja noch nichtmal welche es sind.
    Was hat die Gitarre auf denm Sofa für eine Bedeutung. Hat das Sofa auch eine Bedeutung?
    Hat das Sofa eine Bedeutung? - ja, man kann darauf sitzen. Es macht hier nicht so viel Sinn, jedem Gegenstand eine Bedeutung beizumessen.
    Halte dich als Einstieg an den Text, der im wiki unter dem Bild steht, suche daraufhin weitere Literatur. Kersting war hauptsächlich Genremaler, aber er hat auch eine Ausbildung (wie die Frühromantiker C.D. Friedrich und P. O. Runge) bei Abildgaard an der Kunstakademie Kopenhagen durchlaufen. Ihm waren die Gedanken der Frühromantiker gut bekannt, zudem war er mit Friedrich eng befreundet. Die Gitarre könnte auf den Zusammenhang der Künste: Musik, Malerei, Literatur (Gesamtkunstwerk) verweisen (ich weiß es aber nicht genau), das musst du dir aus der Literatur heraussuchen, ebenso die Bedeutung des offenen Fensters und der Rückenfigur (hier ist sie allerdings eher seitlich gegeben).

    Kesting malte die gemütlichen Stuben des Bildungsbürgertums, seine Malerei verweist auf das noch folgende Biedermeier (z. B. Moritz von Schwind), im Gegensatz zu den bedeutungsschweren Fensterbildern und Rückenfiguren Friedrichs, die Naturergriffenheit verbildlichen, einem Thema der Frühromantik.

    Diese offenen Fenster als einzige lichtquelle sind ja typisch für kersting, aber warum? Gibts da ne Bedeutung?
    Es fällt doch Tageslicht in die Stube, wo kommt denn in deiner Wohnung das Tageslicht her, wahrscheinlich auch aus nur einer Lichtquelle? Das Licht hat hier keine metaphysische Bedeutung.

    Besorg dir mal ein Buch! über Kersting, alles lässt sich nicht über das Internet recherchieren.
  • eirelagkrap
    Hi,
    ich darf zunächst bemerken, dass ich auf dem Gebiet absoluter Leie bin und nur munter drauflos rate.
    Auch ich würde keine symbolische Bedeutung im Lichteinfall suchen. Allerdings fällt auf, das Kersting versucht, das gesamte Bild möglichst schlicht, einfach und klar zu halten. Die Möbel kommen ohne Schnörkel, die Tapeten ohne Blümchen,
    die Frau ohne Spitzen und Rüschen aus. Auch koloristisch ist das Ganze eher mager dargebracht.
    Verhaltenes Grün und Brauntöne bestimmen das Bild.
    Ich denke, dass, wie im ganzen Bild durch Sachlichkeit und Schlichtheit, durch eine strenge, klare Lichtführung ein Stil geprägt werden soll, der bürgerliche Tugend, als Gegensatz zu höfischem Prunk, illustrieren soll.
    Schlichtheit, Ehrlichkeit, Fleiß, Bescheidenheit und Treue sollen das Bürgertum vom Adel unterscheiden.
    Es geht hier in gewisser Weise um die Erfindung des Bürgertums, das nach der französischen Revolution plötzlich eine gesellschaftliche Rolle zu spielen beginnt, als Gegenentwurf zum Verhalten des Adels.
    Auch die Gitarre auf dem Sofa ist eben kein Orchesterinstrument, auch kein Konzertflügel.
    Sie hat eher etwas Volkstümliches, leises,
    vieleicht in Richtung "reines, echtes Gefühl".

    1799, dreizehn Jahre vor diesem Bild hat Schiller sein Lied von der Glocke geschrieben, aus dem ich hier zitieren möchte:

    Und drinnen waltet
    Die züchtige Hausfrau,
    Die Mutter der Kinder,
    Und herrschet weise
    Im häuslichen Kreise,
    Und lehret die Mädchen
    Und wehret den Knaben,
    Und reget ohn' Ende
    Die fleißigen Hände,
    Und mehrt den Gewinn
    Mit ordnendem Sinn,
    Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
    Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
    Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
    Die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein,
    Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
    Und ruhet nimmer.

    Hier wird auch ein bürgerliches Frauen- und Familienbild gezimmert, das es vorher so überhaupt nicht gab. Die Frau, die stickend zuhause auf den geliebten Gatten wartet ist eine ganz neue Vorstellung, die in einem solchen Bild propagiert werden soll. Nie zuvor war die Frau nur Hausfrau und Mutter gewesen.

    Schreib doch mal, falls du in Büchern noch so "richtige", "ernstzunehmende" Interpretationen findest.

    Klaus
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  • efwe
    efwe
    eigentl- wurde das wesentl schon gesagt--
    allerdings verweisen offene fenster hinaus in die natur- ebenso ist die gitarre ein instrument fuer "draussen"-- tschuee
    Signature
  • siku
    Zur Ergänzung:

    "Des Knaben Wunderhorn"

    Eine Sammlung von "Volksliedern", zusammengetragen von Clemens Brentano und Achim von Armin 1805 - 1808 (bei wikipedia steht mehr). Goethe empfahl die Liedersammlung für jede Küche des einfachen Volkes und für jedes Klavier der Gelehrten.
    Kerstings Bild der Stickerin wurde durch die Vermittlung von Goethe an Carl August in Weimar verkauft. Das Gemälde befindet sich heute in der Staatl. Kunstsammlung Weimar.
  • Simon
    Naja..ich muss leider sagen das ich Leie auf dem Gebiet bin.
    Ich finde Kunst schon recht kompliziert, ansonsten hätte ich mich ja auch nicht hier gemeldet.

    PS: was ist ein Genremalerß
  • siku
    PS: was ist ein Genremalerß


    Zu blöd sollten die Fragen, die hier gestellt werden nicht sein. Schau mal in einem online-lexikon nach.
    Schade, das dir dieses leichte Thema schon zu schwierig zu sein scheint.
  • neuangel
    mir ist beim betrachten als erstes der spiegel und das spiegelbild aufgefallen. ich bin mir nicht sicher ob bei diesem blickwinkel überhaupt ein spiegelbild zu sehen wäre. und wenn ja - wieso blickt das spiegelbild geradeaus während die frau abgewandt arbeitet?
  • siku
    ich bin mir nicht sicher ob bei diesem blickwinkel überhaupt ein spiegelbild zu sehen wäre.
    Die Position stimmt, wenn du die Situation zu zweit nachstellst, erhältst du den Beweis. Die Frau befindet sich auf einer Achse zum Fenster , die auf einen 90° Winkel führt, der Maler (oder der Betrachter) steht leicht hinter der Frau auf einer gedachten Linie, die zu einem Winkel von ca. 45° führt (die den rechten Winkel halbiert).

    Die korrekte Perspektive dürfte für die Bildaussage aber nicht primär entscheidend sein (eine kleine Schummelei wäre malerisch für den Betrachter durchaus akzeptabel). Bedeutender ist da schon, dass der Maler im Spiegel das Portrait der mit ihm befreundeten Malerin Louise Seidler dargestellt hat. Darüber müsste sich allerdings Cabal, der eine Bildanalyse erstellen muss, Gedanken machen.
  • Egon Miklavcic
    Egon Miklavcic
    Also sei mir nicht böse
    Wenn Du im Unterricht eine Aufgabe bekommst - dann ist es sicher NICHT im Sinne des Erfinders wenn Du andere zum Thema befragst anstatt selber zu arbeiten , nachzudenken
    Frage mal Deinen Professor was er von einer Gemeinschftsarbeit des Kunstnet -Forums hält
  • siku
    Also sei mir nicht böse
    Wenn Du im Unterricht eine Aufgabe bekommst - dann ist es sicher NICHT im Sinne des Erfinders wenn Du andere zum Thema befragst anstatt selber zu arbeiten , nachzudenken
    Frage mal Deinen Professor was er von einer Gemeinschftsarbeit des Kunstnet -Forums hält
    @ EgonM

    sei mir bitte auch nicht böse, aber dein Beitrag war unnötig. Offensichtlich musstest du noch nie eine kunstgeschichtliche Hausarbeit schreiben, sonst hättest du einen besseren Überblick über die Breite des Themas, die man beim Lesen der unterschiedlichen
    Beiträge schon erkennen zumindest erahnen könnte.

    Nicht Professor, sondern Lehrer. Cabal ist offensichtlich Schüler, das geht aus seiner Fragestellung hervor - und kein Kunstgeschichtsstudent, dann sähe es für ihn allerdings gruselig aus.
    Etwas mehr Einsatz wünsche ich mir von den hier fragenden Schülern allerdings auch. Wenn die Hausarbeit für die schulische Laufbahn auf einem Gymnasium vorgesehen ist: leichter wird's nimmer.

    Andererseits ist es eine gute Gelegenheit, kunstgeschichtliche Themen hier im KN ("Kunst"-net) überhaupt zu behandeln - also die Fragen sind durchaus am richtigen Ort platziert.
    Wen das Thema Kunstgeschichte nicht interessiert, der muss ja nicht mitlesen.

    Beste Grüße
    siku
  • tnubetueh
    @siku: genremalerei wolltest du herrn/frau/fräulein fragensteller aber auch nicht erklären, was ich nicht für pädagogisch wertvoll halte. eine frage kann doch gar nicht so doof sein, daß sie durch die beantwortung nicht einen zuwachs an kenntnis bedeuten könnte. da macht antworten doch sinn - oder nicht? wie du selbst sagst - "fragen sind hier richtig platziert" ;-)
    @parkgalerie: wenn du zu dem thema "munter drauf los rätst, und absoluter laie bist", hat dich im rahmen deines studiums nie das thema genremalerei gestreift? hatte von jemandem deines kalibers profunde kenntnis erwartet... aber wahrscheinlich gehe ich wie üblich wieder von völlig falschen voraussetzungen aus ;-)
  • eirelagkrap

    @parkgalerie: wenn du zu dem thema "munter drauf los rätst, und absoluter laie bist", hat dich im rahmen deines studiums nie das thema genremalerei gestreift? hatte von jemandem deines kalibers profunde kenntnis erwartet... aber wahrscheinlich gehe ich wie üblich wieder von völlig falschen voraussetzungen aus ;-)
    Hallo heutebunt,

    Es liegt nicht so an der Genremalerei,
    mit Kersting habe ich mich tatsächlich noch nie beschäftigt.
    Man häuft während eines Studiums ja nicht vor allem Weltwissen an, sondern erlernt Methoden, Informationen zu finden und auszuwerten.

    Mein Eingangssatz sollte jedoch vor allem darauf hinweisen,
    dass ich nicht bereit war, meine zu Hause doch sehr eingeschränkte Bibliothek zu wälzen, mich statt dessen damit begnügte, ohne Hintergrundwissen,
    spontan zu erzählen, was mir zu dem Gesehenen so einfiel. Hätte ich allerdings auch nur Kindlers Malereilexikon zu Rate gezogen, hätte ich nicht nur einiges über Goethe und Seidler berichten können,
    ich hätte dort auch solche Schmankerl gefunden:
    ">>Nett und reinlich>> sitzen in Kerstings Bildern die Menschen in ihren schlichten Zimmen,...
    Seine Eigenart lag,..., darin >> in kleinem Format sehr saubere Portraits, ganze Figuren, und und in einer Umgebung, die ebenfalls Portrait war, zu malen<<"

    Sollte meine Interpretation ganz daneben gewesen sein, darfst du mich allerdings gerne darauf hinweisen.

    Darf ich zum Schluß noch meiner tiefen Abneigung gegenüber Kerstings Malerei Ausdruck verleihen?

    Ciao, Klaus
  • tnubetueh
    @parkgalerie: wenn ich solche wörter/formulierungen wie "nett und reinlich" und "saubere portraits in kleinem format" lese, erscheint mir deine abneigung nur allzu nachvollziehbar... die artigen menschen in ihren artigen umgebungen bei ihren artigen verrichtungen - derlei verniedlichungen empfinde ich eher zynisch, aber wie schon so oft - wem's gefällt, der soll sich's reinpfeifen...
  • siku
    @ heutebunt
    schade, das dir auch nix besseres zum Thema eingefallen ist, als uns zu kritisieren , siehe mein posting an EgonM. Ich wiederhole mich da nicht gern.

    @ parkgalerie
    ich fand deinen Beitrag durchaus inspirierend, daraufhin viel mir dann auch "Des Knaben Wunderhorn" ein. Ich habe zu dem Thema Romantik nun einmal eine innige Beziehung ;-). Auch die Nachfrage von legnauen singnalisierte Interesse an dem Bild. Wir sind ja schließlich nicht aufgerufen, für Schüler Literatur und Lexika zu wälzen.

    Blöd ist nur, dass man hier immer wieder auf nicht zum Thema gehörende Beiträge Rechtfertigungen, warum man diese oder jenes gepostet hat, abgeben muss.

    Beste Grüße
    siku
  • siku
    @parkgalerie: wenn ich solche wörter/formulierungen wie "nett und reinlich" und "saubere portraits in kleinem format" lese, erscheint mir deine abneigung nur allzu nachvollziehbar... die artigen menschen in ihren artigen umgebungen bei ihren artigen verrichtungen - derlei verniedlichungen empfinde ich eher zynisch, aber wie schon so oft - wem's gefällt, der soll sich's reinpfeifen...


    die "artigen menschen in ihrer artigen umgebung".
    Heutebunt, das waren keine "artigen" Menschen, sondern ein aufkommendes Bürgertum in Deutschland, das sich, inspiriert durch die französische Revolution, gegen den Adel auflehnte und eine eigene Kultur etablierte. Man muss eben auch die Zeit betrachten, die diese Vorstellungen hervorgebracht hat. 200 Jahre später sieht die Welt allerdings ganz anders aus.
    Gruß
    siku
  • tnubetueh
    @siku: ich rede ja auch nicht von menschen, sondern von darstellungen, hier der "stickerin", und ich denke natürlich mit einem bewußtsein von heute, aber ich verstehe auch nicht, worin man bei der stickerin "auflehnungstendenzen" erkennen soll. auf mich wirkt das tröge und "artig". bilder wie die stickerin zeigen die statik von eh und je, das brave weib, das wohlfeiles tut, und als niedlich-hübsches beiwerk ins gesamtarrangement gepinselt wird. wenn die alte auf der couch liegen würde, die beine hochgelagert und ein flottes gläschen im anschlag, das wäre revolution, und nicht artig nadeln für die durchgewetzte stinkesocke vom herrn gemahl. daß hier wohl ein stickbildchen entsteht, wofür die dame auch keiner für voll nimmt, spielt keine rolle. auflehnung gegen den adel - prima - in d e m bild lehnt sich gar nix auf... - ich krieg' den ausdruck des bildes und das damalige "neue" bewußtsein jedenfalls nicht zusammen, aber vielleicht fehlt mir altem neuzeitzyniker ja der richtige blick ...
  • siku
    @ heutebunt
    Mist nur, dass meine Beiträge mir selbst immer wieder neue Arbeit bescheren ;-)
    Die Frage ist, wie viel kunstgeschichtliches Verständnis muss man voraussetzen, um überhaupt eine halbwegs sinnvolle Kunstdiskussion zustande zu bringen? Kunstgeschichtliche Kenntnis war und ist für die Bildbetrachtung vorhergehender Epochen Voraussetzung, aber auch für die Bewertung heutiger Kunst (ich denke da an die künstlerische Wertschätzung von Penck).

    Deine Assoziation von einem revolutionären Bildmotiv „alte, couch, hochgelagerte beine und ein flottes gläschen im anschlag“ deuten weniger auf Revolution hin, sondern darauf, dass du zuviel Bilder in der KN-Galerie geschaut hast. Die sind aus heutiger Sicht auch nur noch mega langweilig, nach Fotovorlagen gezeichnet, gemalt oder gleich mit Paintprogrammen erstellt im Verhältnis zu der maltechnischen Qualität von Kersting meist auch noch grotten-schlecht. M. E. ich finde deinen Vergleich der Stickerin mit einer „flotten Biene“ von heute albern.

    Das Bildmotiv der Stickerin war nicht revolutionär, aber es war in Deutschland (anders als in den politisch freieren Niederlanden) erst nach der französischen Revolution Brauch, das Bürgertum in seiner häuslichen Umgebung darzustellen, bis zum beginnenden 19 Jh. arbeiteten die Künstler für die Kirche und den Adel. Erst mit der Säkularisierung und dem zeitweiligen Niedergang des Adels suchten die Maler andere Betätigungsbereiche.

    „artig nadeln für die durchgewetzte stinkesocke vom herrn gemahl“ ;-)?
    Louise Seidler war eine gebildete, von Goethe geförderte, selbständige Frau, die überhaupt nicht verheiratet war. Sie hat zwar zeitweilig ihrem betagten Vater den Haushalt geführt, aber das wird heute ja wohl wieder als ehrenhaft anerkannt. Klar, es gab damals noch nicht die Zeitschrift „Em.ma“ und Al.ice Schw.arzers emanzipatorische Bemühungen, die scheinbar dazu führten, dass sich Mann heute beim Anblick einer stickenden Frau die Haare sträuben, waren auch noch nicht vorhersehbar.
    Im 18. Jahrhundert galt die Fertigkeit des Stickens als Zeichen höherer Bildung, das änderte sich zwar im Biedermeier, doch diese Epoche begann erst 1815 mit dem Wiener Kongress, sie fällt in die politische Zeit der Restauration. >Kopfschüttel, worüber man hier schreibt<

    Die Malerei Kerstings muss man nicht mögen, aber eine sozial-verächtliche Haltung in Bezug auf das Motiv ist nicht angebracht.

    Ich will hier nicht Genremotive mit gegenstandslosen Farbkompositionen vergleichen, dennoch möchte ich die Frage in den Raum stellen: was ist an informeller Malerei geistig wertvoller als an den häuslichen Stillleben von Kersting? Kersting konnte nicht im Windschatten von Kunsttheoretikern segeln, die vom Gegenstand gelöste Malerei erst gesellschaftsfähig (verkaufstauglich) gemacht haben. Heutige Maler müssen weder Gegenstände richtig wiedergeben können (Fotovorlage) noch brauchen sie außer dem Hinweis auf ihre göttliche - innere künstlerische Umsetzungsfähigkeit irgendwelche Theorien liefern, das haben ihnen die Schreiberlinge doch schon abgenommen.

    Gruß
    siku
  • efwe
  • neuangel
    "Die Frage ist, wie viel kunstgeschichtliches Verständnis muss man voraussetzen, um überhaupt eine halbwegs sinnvolle Kunstdiskussion zustande zu bringen?"
    es geht immer daneben und läuft immer aus dem ruder, deshalb stellt man rückfragen dann auch lieber per pn. ich selbst traue mich ja kaum noch einen neuen thread zu eröffnen in bezug auf fachliche fragen, zu galerien, bildern o.ä., eben einfach um sich nur mal auszutauschen oder eine diskussion zur sache selbst zu führen.
    und es gibt sicher zahlreiche dinge, von denen man noch nicht gehört oder gelesen hat (zumindest muss ich das für mich eingestehen), die man durch foren wie diese eigentlich entdecken und so dazu lernen könnte. so erging es mir eben mit diesem bild - ich kannte das bild nicht, kersting nicht und habe erst durch diese frage ein wenig nachgelesen. ich dachte eigentlich das wäre der sinn der sache.
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