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  • Prenzl'Maler | GALERIEBESUCHER NUMMER DREI AM 19.12.2007. Glosse

  • relamlznerP Prenzl'Maler | GALERIEBESUCHER NUMMER DREI AM 19.12.2007. Glosse
    Markus in der Gemäldegalerie Ganz Neue Meister. Glosse.

    An der Galerietür klebt ein Zettel: „Bitte die Haustürklingel benutzen Unten links.“
    Die alte Ladentür hat einen riesigen Spalt, damit die kalte Luft ungehindert in die Räume kann. So muss nicht extra gelüftet werden. Das schien mir bisher sehr praktisch. Als sich die Minusgrade im vorderen Raum breitmachten, begann ich die Lage zu überdenken.
    Eine neue Ladung Tempo-Taschentücher, die ich zum weihnachtlichen Sonderpreis bei „Kaiser's“ mir eingeheimst hatte, obwohl es die bei „Netto“ viel preiswerter gibt, stopfte ich mit einem Schraubenzieher in den klaffenden Schlitz. Danach klebte ich in mehreren Schichten Kreppband drüber. Der untere Teil der Tür zum Boden wurde auch auf diese Weise versiegelt. Geschafft, die Winterluft bleibt draußen. Glücklich gehe ich in den Küchentrakt, steck' mir eine an und beginne über mich zu staunen. So schnell hatte ich noch nie ein Problem gelöst. Das war gestern.
    Allerdings erkannte ich auch die Schattenseite, aber nicht ganz so schnell: nun bleiben die Besucher auch draußen. Aber die können ja klingeln. Steht ja an der Scheibe in großen Lettern geschrieben. Service nennt man das. So könnten die Geschäfte Energie sparen, der Umwelt zuliebe: wer was kaufen möchte, der klingle einfach. Passt zur Kling-Glöckchen-Zeit !

    Heute klingelte es. Mein Gesicht verwandelte sich zum Strahlemann, weil's funktioniert. Ich renne noch schnell zum Spiegel, um mich davon zu überzeugen, ob's auch stimmt und nehme den Hörer von der Wechselsprechanlage.
    „Hallo ?!“
    „ Können Sie mich mal reinlassen ? Brief-Werbung !“
    Ich drücke den Knopf und es surrt so vor sich hin. Unerwartet klingelt es an meiner Wohnungstür.
    „Watten nu ?“, sage ich kopfschüttelnd, öffne und vor der Tür steht ein alter Bekannter.
    „Die Haustür war offen !“
    „Komm rein, Markus.“
    „Na, was treibt dich denn zu mir ?“
    „Ach, wollte nur mal gucken, wie es dir geht. Hast' dich schön eingerichtet. Die Wohnung ist größer als deine vorherige.“
    „Ja, die is ungefähr 15 Quadratmeter kleiner, weil der Flur im Hause existiert.“
    „Aber wirklich prima eingerichtet, sogar mit einer verglasten Garderobe.“
    „Das ist ne mobile Dusche ! Momentan hängt der Ledermantel drin und verdeckt alles.“
    „Als ich bei deinen Bildern an der Kirche war, stand ich ganz gewaltig unter Strom. Muss manchmal die Medikamente nehmen und da ging's nicht, weil mir das Quellwasser zum Runterspülen fehlte. Heute geht’s mir gut.“
    „Kann ich bestätigen, Markus, siehst wie ein blühender Gartenzweig im Frühling aus !“
    „Übertreib' nicht. Eine Bekannte von mir malt auch. Die is aber noch nicht sehr lange in der Psychiatrie. Die malt erst kurze Zeit. Aber die kann ihr Leben nicht so einrichten, dass sie wie du leben kann.“
    „Was malt sie denn ?“
    „Die malt mit Bleistift. Ich weiß nur, dass sie mal einen Jesus malte. Bevor sie ihn aufhing. begann er zu reden. Die haben sich mächtig gestritten. Es kann ja nur einen Jesus in der Wohnung geben. Diesen Streithammel wollte sie mir schenken, aber ich lehnte ab.“
    „War er nicht richtig gemalt ?“
    „Doch, glaub schon, obwohl ich nicht weiß, wie der wirklich aussieht. Die Maler malen den ja auch immer wieder anders. Jedenfalls als Fahndungsfoto könnte man die Dinger nicht benutzen !“
    „Stimmt, jeder malt ihn anders.“
    „Die in der Kirche müssen doch durch die Maler durcheinander kommen, weil jeder einen anderen Jesus im Kopf hat. Hahaha. Für mich trifft das nicht zu. Letztens habe ich mich mit einem Türpfosten gestritten. Die haben überall Wanzen versteckt, und weil ich das weiß, habe ich das lauter gemacht, damit die beim Abhören endlich mal die Nase voll kriegen. Es dauerte nicht lange, da standen einige Leute auf dem Balkon. Ich habe die Polizei gerufen, weil die mich anmachten. Die ham nicht lange gefackelt. Erst einmal alle rein in die Minna, sortiert wird später !“
    „Wo wohnst du eigentlich ?“
    „Stückchen weg von hier, in Neucölln.“
    „Deine Bilder gefallen mir. Die hast du alle alleine gemalt. Kann ich mal auf die Toilette ?“
    „Ja, na klar, aber die Brille ist kaputt. Da hatte ich mich letztens in einer dringenden Angelegenheit draufgeschwebt, die Plastikhalterungen platzten und ich landete samt Havanna-Brille neben der Toilette !“
    „Ha, so eilig hab' ich's nicht !“
    „Pass trotzdem auf ...“

    „Dieter, weißt du was, ich kauf dir ein Bild ab. Hab' grad 'nen Zwanni übrig !“
    „Stürz' dich mal nicht in Unkosten.“
    „Aber deine Bilder sind zu groß, die passen alle gar nicht in meine kleine Bude. Ich muss jetzt zu Kalle, der wartet schon auf mich. Mach's gut !“
    „Ja, tschüssi und danke für deinen Besuch !“


    Eine Glosse von Prenzlmaler.
  • Ute Speiser
    Ute Speiser
    Hallo Prenzl, Du steigerst Dich mit jeder Glosse. Kompliment - Herrliche Begebenheit. Was wurde eigentlich aus dem Gast an der vorderen Tür, der mit der Werbe-Post? Hat er sich über den Stapel Papiertaschentücher durchschlagen können oder ist er in der Zellulose versunken?
    lg, Stradi
  • dnikrelleklebeiwZ
    besser als jede klingel: undichte türen =D so kann sich kein einbrecher mehr zutritt zur wohnung verschaffen ohne das Herr Prenzl es mit bekommt ;)
    Du schreibst so herrlich frisch, echt großes Kino mein Gutster ^^
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  • dnikrelleklebeiwZ
    naja.. nicht erste aber zweite :3
  • relamlznerP
    Hallochen, Stradi !

    Was mit der Postwurf-Dame nach meinem Einlass geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Die wuchern bekanntlich ihr Zeug in die Briefkästen und suchen danach weitere Briefkastenopfer in anderen Gebäuden auf. Auf Zellulose kann man nicht stoßen, da das Zeug hinter dem Klebeband bis zum Frühling verschwunden ist. XD

    Nur denke daran, bei einer Glosse weiß man nie genau, wo die Wahrheit punktgenau sich rumtreibt. "_"


    glg prenzl
  • relamlznerP
    Hallochen, Zwiebelchen !

    Nee, die erste Reaktionärin warste nich. Stradi war halt nen Zahn schneller.

    Danke ! Freut mich, wenn's dir gefallen hat.
    Einbrecher machen bei mir kaum Halt, die wissen was es hier gibt. :o)))) Zudem sind alle Fenster im hinteren Bereich vergittert und vorn gibt's bekanntlich die einbruchhemmenden Jalusien, für Ein-und Zweibrecher, die vllt. dummerweise vermuten könnten, bei einem Pinselfritzen über drei Euro in bar rausfischen zu können. Q_Q


    glg prenzl
  • Ute Speiser
    Ute Speiser
    Hallochen, Stradi !

    Was mit der Postwurf-Dame nach meinem Einlass geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Die wuchern bekanntlich ihr Zeug in die Briefkästen und suchen danach weitere Briefkastenopfer in anderen Gebäuden auf. Auf Zellulose kann man nicht stoßen, da das Zeug hinter dem Klebeband bis zum Frühling verschwunden ist. XD

    Nur denke daran, bei einer Glosse weiß man nie genau, wo die Wahrheit punktgenau sich rumtreibt. "_"

    glg prenzl


    Schade Prenzl - Hatte mir eine Fortsetzungs-Glosse mit der in Tempo-Bergmassen versunkenen Postwurf-Dame erhofft, in feuchtem klebrigen Klebeband hoffnungslos verheddert, laut schreiend nach Hilfe rufend, während Du Dich zum Thema Klodeckel unterhältst... da ist meine Fantasie halt mal wieder mit mir durchgebrannt.
    Tut mir furchtbar leid! *grins*
    lg, Stradi
  • relamlznerP
    ... so etwas kann man auch schreiben *grins* , is aber nicht so recht mein Stil.

    Danke. Stradi.

    lg przl
  • Ute Speiser
    Ute Speiser
    Ja klar - bei mir ist nur die Fantasie mit mir durchgegangen ... zeigt jedoch, wie gut Deine Glosse ist.
    :-)))
    lg, Stradi
  • esorwolley
    Das sind Geschichten, wie das Leben sie eben so erzählt - herrlich, urkomisch und unbedingt weitererzählen - lg ute
  • flow_thgin
    Prenzlmaler, ich verschlinge Deine Geschichten!
    Das ist wieder krass aus dem Leben. Sehr schön erzählt. Du hast ne tolle, lockere Schreibe.

    Ich frag' mich nur: Warum kommen einen die Leute besuchen?! Es fängt immer an mit einem "Wie gehts?, War gerade in der Nähe!" und endet mit: "Mir gehts schei**e, wo's der Kühlschrank?!"

    Vor Kurzem ist mir in der Richtung auch wieder was passiert.
    Eine Bekannte düst mit ihrem Porsche vors Haus, steigt aus und glättet sich erst einmal ihren Pelzmantel.
    Ich mach' die Tür auf, sie flitzt an mir vorbei und meint: "Drei Dinge: Klo, Kaffee und ordentlich Kirschwasser rein!"
    Ich sage nur: "Kann ich die Reihenfolge auch ändern?!" Die Klospülung gurgelt und es schreit: "Sach ma, was haste Gästen eigentlich anzubieten?!"
    Ich: "Jedenfalls keine Alkoholvergiftung!"
    Mein Gast flitzt wieder aus der Tür hinaus, der Pelz weht hinterher. "Früher warste nicht so knauserig!"
    Ich: "Den Champagner gibts erst ab Sonnenuntergang!"
    Die Antwort geht unter, der Porsche springt an und Doris Day dröhnt aus den Boxen ins Freie.
    "Que sera, sera
    Whatever will be, will be
    The future's not ours to see
    Que sera, sera
    What will be, will be\"
    Ich stelle die Klingel wieder ab.
  • relamlznerP
    @night_wolf

    Herzlichen Dank für deine amüsante Geschichte. Habe mich vor Lachen gekringelt ! In dem Pelz muss ein schlanker Frauenkörper erhalten bleiben, weshalb Fruchgetränke, Kaffee und Klo wichtige Garanten sind, jedem Gramm Fett den Gar auszumachen. Deine Art zu schreiben, gefällt mir ebenso, das ist Unterhaltung pur.
    Manche Leute pendeln in der Gegend rum und wenn ihnen grad mal nichts weiter einfällt, kommen diese halt, scheinbar ohne jeden Grund, auf einen Sprung vorbei. Die üblichen Floskeln der Begrüßung sind schon vergessen, sobald der letzte Buchstabe eines Wortes über die Zunge schmettert. Sie wollen nicht wissen, wie es dir geht. Um Gottes Willen ! Sie suchen oft nur eine Möglichkeit, sich darzustellen, wie sie es von morgens bis abends gewöhnt sind. Sie leben und wollen wahrgenommen werden, auch wenn sie der Gesellschaft keine nennenswerten Dinge zu bieten haben. Habe jedoch noch keinen Menschen getroffen, der mich fragte, warum es mir noch geht. Kommt vllt. noch. Q_Q

    lg przl
  • relamlznerP
    @yellowrose

    Danke, Ute. Es macht mir Spaß, wenn Gleichgesinnten durch eine Story, egal ob total der Wahrheit entnommen oder erstunken und erlogen, ein Schmunzeln auf den Lippen sich zeigt. Habe soeben über die Nachtwolf-Story laut abgelacht. So bleibt die gute Laune erhalten.

    Netten Tag !

    lg prenzl
  • flow_thgin
    Das bizarre an meinen Stories ist, dass sie sich so ereignet haben. Manchmal bringt mich das wirklich zum Nachdenken.
    Aber wenn einige Zeit vergangen ist, kann ich auch jedes Mal laut darüber lachen.
    :-)
    Und es freut mich, wenn sich andere ebenfalls darüber amüsieren.

    Ich frage mich nur eines: warum lerne ich immer so schräge Vögel kennen?!
    *LACH*

    Ich hoffe, bald wieder eine Deiner Geschichten lesen zu können.

    Gruß
    Daniela
  • Klaus Kolbe
    Klaus Kolbe
    Prenzlmaler und auch night_wolf , schreibt bitte so weiter.
    Damit macht Ihr aus trüben Tagen das herrlichste Wetter.Mann hat so selten einen Grund herzhaft zu Lachen.
    Gruss Klaus
    Signature
  • relamlznerP
    Hallochen in den Ruhrpott !

    Dein Wunsch, lieber Bartmann, war mir Befehl. Der erste Teil einer weiteren Glosse macht bereits hier bei KN die Runde. Q_Q

    lg prenzl
  • Margit Gieszer
    Margit Gieszer
    Deine Geschichten erheitern mich sehr.
    Gerne erzähle ich was aus meiner langjährigen Praxis als Puppenmacherin und Kursleiterin, wenn es euch interessiert.

    Ich beginne mit "Frau Gina",

    Puppenkurs - 10 Personen, mitten unter den "Normalkundinnen" Frau Gina- eine alternde Schönheit mit künstlich gebügeltem Gesicht, riesiger Haarpracht und extra langen rot lackierten Fingernägeln. Ich weis nicht wo ich ihren riesigen Nerzmantel unterbringen soll, und stopfe ihn dann zwischen die Mäntel der anderen.
    Sie betont, dass sie nur das "Beste" möchte. Und dass sie dafür auch gut bezahlt. Ok, ist mir recht.
    Beim Kurs lehnt sie meine Anweisungen zur Bemalung der Puppe ab, denn sie "will selber kreativ sein". Sie schnauzt mich an, also lasse ich sie schließlich werken. Der Kunde ist König.
    Am Ende des Tages haben alle ihre Köpfe bemalt, mehr oder weniger richtig. Nicht so Frau Gina. Ganze drei Wimpern haben ihre Köpfe aufzuweisen. Na mir solls recht sein. Ich sammle die Köpfe ein und stelle sie in den Brennofen.
    Frau Gina will der Mittelpunkt sein. Sie erzählt von ihren superteuren Reitpferden und von ihrem Hund Scype, ein Bullterrier, der wieder mal einige Metallteile vom Tierarzt eingepflanzt bekommen hat, weil sie ihn schon zum x-ten Mal mit ihrem Auto niedergefahren hat- der Hund hat sich in die Autoreifen verbissen.
    Nächsten Tag kommen die Köpfe handwarm aus dem Ofen. Ich verteile sie. Die Köpfe von Frau Gina sind schauderhaft. Alle Teilnehmerinnen sind zufrieden- bis auf Frau Gina. Plötzlich schreit sie hysterisch auf, springt auf und herrscht mich an: Frau Gieszer, SIE sind schuld, dass meine Puppe sooooo hässlich geworden ist! Ich: "wieso, sie wollten sie ja nach ihren Vorstellungen bemalen. Ich hab ihnen doch gezeigt wie es geht."
    Sie: ICH habe für den Kurs soundso viel Geld hingelegt. Deshalb will ICH auch eine Puppe, die genauso ausschaut wie ihre! Und SIE haben das absichtlich verhindert, weil sie mir einen Kopf gegeben haben, der eine rosa Porzellanfarbe hat und nicht weiss ist so wie ihre Köpfe! Ganz rot im Gesicht, die falschen Wimpern verrutscht, faucht sie mich an, hält mir ihren Perchtenkopf hin als Beweis. "Ich möchte die BESTE Puppe, ICH bin es gewohnt, NUR immer das BESTE zu bekommen, denn ich zahle auch dafür, und nicht wenig!" setzt sie hinterher. Und SIE ALLEINE sind schuld, dass meine Puppe so hässlich geworden ist! In diesem Moment regen sich die Beschützerinstinkte aller anderen 9 Teilnehmerinnen, die im Chor jetzt über die aufmümpfige Filmdiva herfallen.
    Ein Schwall von Empörung schlägt über der Filmdiva zusammen und erstickt ihre Anforderungen im Keim. Schließlich hört sie auf sich zu wehren. Zum Schluss des Kurses aber kam sie zu mir, und bestellte für ihre beiden selbstgemachten Perchten jeweils eine handgeknüpfte europäische Echthaarperücke in blond, das teuerste an Perücken, das es gibt. Denn schließlich macht Geld den Unterschied. Und damit werden ihre Puppen schöner als alle anderen vom Kurs.
    Meint sie. Ich nehme gelassen ihre Bestellung entgegen.
    Nach 3 Wochen sind die Perücken fertig und ich rufe sie an. Sie tritt in Erscheinung, in schneeweissem riesigen echten Pelzmantel mit lauter Hermelinschweifchen um den Kragen mit den schwarzen Schwanzspitzen, wie ein König aus dem Märchenbuch. Hinter sich her zieht sie einen weissen Bullterrier mit einem schwarzen Augenfleck. Schließlich muss der Hund zum Mantel passen. Oder umgekehrt? Ich habs vergessen.
    Sie ist sehr aufgeregt und zerrt aus einer Tasche die Überreste von den beiden Puppen. Der Hund hatte sie am Tag nach dem Kurs Tag zerfetzt.
    Doch offenbar war sie das gewohnt. Sie wollte die teuren Perücken abholen und die Scherben werde ich schon flicken. Dazu bin ich ja da. Schließlich zahlt sie ja gut- und für Geld bekommt man alles. Ihr Wunsch ist mir Befehl.
    Ich repariere die Puppen in mühevoller Kleinarbeit. Das kostet. Doch Frau Gina zuckt nicht mit ihren falschen Wimpern, sondern blättert den von mir genannten Betrag hin.
    14 Tage später ihre kreischende Stimme am Telefon: "Frau Gieszer, stellen sie sich vor, mein Mann lässt sich scheiden. Er meint ich gebe zu viel Geld aus. Jetzt muss ich mich von meinem Edgar (ihr Pferd) trennen. Kennen sie vielleicht einen Restaurator, der mir den Kopf von Edgar präpariert? Ich möchte ihn in meine neue Kleinwohnung mitnehmen, damit ich ihn immer bei mir habe." Erst glaube ich an einen Scherz. Doch der Frau ist es bitter Ernst.
    "Für Geld sei doch das wohl möglich, meinte sie."
    Diesmal weis ich keinen Rat. Ich wünschte ihr alles Gute und war froh, den Hörer wieder auflegen zu können. Die kreischende herrische Stimme bereitete mir bereits Magenschmwerzen.
    Nach dem Verkauf meines Puppenstudios war ich froh, nunmehr diese Frau auch nicht mehr sehen zu müssen. Skurrile Menschen hatte ich da genug kennen gelernt. Mir reichte es.
    Ich ließ mich daraufhin in einen Ölmalkurs in der künstlerischen VHS einschreiben.
    Eines Tages stand ich entspannt an der Staffelei, als ich hinter mir eine bekannte schrille Stimme hörte: "Frau Gieszer??? Sieeeee hier???
    Und eine blonde Altdiva stürzte sich auf mich und umarmte mich und gab mir einen Kuss auf die Wange, als wäre es meine allerbeste Freundin, die mich ewig vermisst hatte. Ich drehte mich um und sah Frau Gina, diesmal zwar braungebrannt wie immer, aber ohne ihrer zweiten Wimpern.
    Sie war jetzt meine Kollegin - im selben Kurs.
    Manchmal schlägt das Schicksal schon hart zu- aber der Kursleiter hatte mit mir Verständnis. Er stellte mir den Nebenraum zur Verfügung.
    Es dauerte nicht lange, ging Frau Gina auf den Kursleiter los, denn ihre Bilder wurden nicht gut. Und sie hatte ja ihr gutes Geld bezahlt. Also musste doch wohl etwas an ihm nicht stimmen. "Der hat was gegen mich, der zeigt mir nicht wie ich es machen muss!". Doch auch hier blieb sie unbelehrbar.
    Schließlich verließ sie den Kurs, nach zwei Jahren. Für ihr gutes Geld hat sie sicher was Neues gefunden. Ich hoffe es.

    Dies Geschichte hat sich genau so ereignet, es wurde lediglich der Name der Person geändert.
    Liebe Grüße
    Margit
    Signature
  • relamlznerP
    @Ma_gie

    Für diese herrliche Geschichte erhältst du von mir ein Sonderlob mit Ehrenspange ! :o) Du hast die Story bestens hingekriegt und ich habe mich herzlich amüsiert. Es war einfach köstlich und ich werde diese Story sicher noch mehrfach lesen. Deine Art zu schreiben, ist eine perfekte Einladung.

    LG Dieter.

    Danke, SebastianFB ! Wie mir bekannt ist, hast du dieses seltsame Wort bereits mehrfach verbessert und das ist auch ganz wichtig. Habe sofort das Wort bei den Haaren genommen und in die richtige Richtung geschüttelt. Beim nächsten Tippfehler werden wir uns sicher wiedersehn. XD

    Und noch etwas: Du bist kein Kostverächter von Schreibfehlern, wovon man sich in deinen Kommentaren wunderbar überzeugen kann. Nur besteht bei mir kein akutes Interesse, dich aus reiner Lust korrigieren zu wollen. Dennoch mal ein Sätzchen gefällig ?
    "Wollte mal n paar von deinen Grafiken und Bilder der Öffentlichkeit wieder in Erinnerung rufen." Klasse gemacht ---> "Bilder" ---> herrliches Deutsch ! :o)) Auch der Satzbau ist dir bestens gelungen. *freu*
    Nicht sauer sein, aber in dieser Rubrik ist die Glosse beheimatet !
  • BFnaitsabeS
    @Prenzlmaler: "erhälst" > "erhältst". Wollt ich nur kurz bemerken.
  • Margit Gieszer
    Margit Gieszer
    Vielen Dank, Dieter, ich könnte endlos weiterschreiben...
    machst mir echt Lust! (ich mein weiterzuschreiben). Solche und ähnliche Geschichten aus 26 Jahren Puppenstudio...
    Liebe Grüße Margit
    Signature
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