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  • ...mal wieder auf Gottfried Helnwein gestoßen!

  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl ...mal wieder auf Gottfried Helnwein gestoßen!
    Hallo,
    auf Grund eines neuen Projektes bei dem es um seelische Abgründe geht bin ich auf den namhaften Helnwein gestoßen, sozusagen eine eigene Entdeckung. Habe schon öfter von ihm gehört aber nie so recht beachtet.

    Durch diese Auseinandersetzung mit dem Titel: "Babotschka - Abgründe to bridge" erscheinen die Arbeiten und das Wesen von Helnwein in einem neuen Licht.

    Der Titel für mein Projekt ist eine verfremdete Form von 'seelische Abgründe', Babotschka (russ.) Schmetterling - Psyche - Seele und to bridge (engl.) überbrücken "seelische Abgründe überbrücken"

    Es wird eine Fotoserie in s/w mit quadratischem 6x6 Format.

    Welche Position gibt es hier zu solchen Themen und wie wichtig ist es Dinge aufzugreifen die allgemein gern tabuisiert werden?

    gruß fluuu
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  • Pia
    In welchem neuen Licht erscheinen denn die Arbeiten Helnweins und "das Wesen" von Helnwein? Was ist denn sein Wesen?

    Außer seinem seltsamen Verhältnis zu Scientology wüßte ich nicht, was bei Helnwein tabuisiert würde.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Hallo,
    bei mir erscheint er in einem neuen Licht, kannte ihn schon länger aber nun erlebe ich ihn anders auf Grund der Auseinandersetzung mit dem Thema seelischen Abgründen oder siehe Titel oben.

    Habe gerade einen Rollfilm fertig belichtet mit Aufnahmen zu diesem Thema. Ist sehr anstrengend, kostet viel Energie, Konzentration und Hingabe aber wenn die Bilder etwas geworden sind, kann ich einen Beitrag leisten um den Mitmenschen nicht nur eine heile Harmonie vorzuführen, sondern auch die Ambivalenz.

    Genau das macht das Wesen Helnweins und das seiner Werke aus so wie ich es inzwischen verstehen kann, die Ambivalenz der Gefühle im Leben. Sowohl grausam als auch lieblich.
    Scientology spielt keine Rolle, kann man vergessen.

    gruß fluuu
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  • Mo Häusler
    Mo Häusler
    fluu, für mein Gefühl ist es eine Grundfrage:
    Male ich als Künstler, was ich habe - oder das, was mir fehlt... wie Licht und Schatten.
    Ich kenne viele, die der Malerei - als Betrachter genauso wie als Ausführende - nur dekorativen Charakter beimessen. Da ist eine Befassung mit den brüchigen Anteilen der Welt naturgemäß schwierig.
    Was hast du denn an Helnwein neu entdeckt?
    Ich habe auch seine Anfänge bereits als ziemlich kontroversiell erlebt...
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    hi Mo, das ist eine Interessante Frage, male ich was ich habe oder was mir fehlt.
    Für mich ist es eindeutig, dass man nur Bilder über etwas machen kann was man hat bzw. mit dem man sich auseinandersetzt und dabei erwirbt. Sozusagen die eigenen inneren Bilder die sich im Laufe des Lebens entwickelt haben nach außen umsetzen.

    Bilder Malen über etwas was einem fehlt wirkt ein wenig wie Weihnachtswunschzettel schreiben, wie soll man das authentisch füllen, ist reine Phantasievorstellung ohne jegliche Grundlage?

    Mag sein, dass es verschiedene Formen gibt und ich anecke bei den 'heile Welt Illustratoren' weil es das real nicht gibt und für mein Gefühl auch nicht erstrebenswert ist. Die Ambivalenz im Leben ist ja das spannende, der Bogen zwischen Leben und Tod, auch im kleinen Alltäglichen und das drückt unter anderem Helnwein wunderbar aus. Gibt auch Andere die sich damit auseinandersetzen auf andere Art z.B. Anselm Kiefer oder Daniel Richter aber Helnwein tut es auf die direkteste und provokanteste Weise. Das finde ich beeindruckend und sehr ehrlich.

    Sicher ist es erstrebenswert und ein Ziel Dinge die man nicht hat zu erwerben, jedoch würde ich sagen, zuerst diese Dinge im realen Leben aneignen, verarbeiten, eine eigene Position einnehmen und dann Malen und nicht umgekehrt.

    Meine Bilder sind mein Angebot an die Gemeinschaft, an das Publikum, an den Betrachter wie man die Welt sehen könnte und einen Umgang mit ihr finden und keine Bitte was man mir geben soll weil es mir fehlt, außer Kritik, Rückmeldung und Wahrnehmung.

    gruß fluuu
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  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    ... heute ist der bestellte Bildband von G. Helnwein angekommen. Ein sehr dickes und großes Buch in drei Sprachen.
    Mache es oft so wenn ich mich mit einem Projekt beschäftige, dass ich dann versuche Bücher zu diesem Thema zu finden. Entweder aus der Bücherei ausgeliehen oder wie in dem Fall auch für die Inspiration immer zur Verfügung. Es kam schon vor, dass ich Titel geliehener Bücher für die persönliche Verwendung bestellt habe.
    So ein Bildband im Raum, behaupte ich, hat positiven Einfluss auf die Atmosphäre, es ist wie eine große Kunstausstellung in einem Buch zusammengefasst.
    Das Studium dieses Buches von Helnwein wird viel Zeit in Anspruch nehmen aber das Thema 'seelische Abgründe' ist aufs Leben bezogen meiner Meinung nach sehr sinnvoll und produktiv...

    gruß fluuu
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  • zrehtsnuk
    ...

    Bilder Malen über etwas was einem fehlt wirkt ein wenig wie Weihnachtswunschzettel schreiben, wie soll man das authentisch füllen, ist reine Phantasievorstellung ohne jegliche Grundlage?
    ...
    gruß fluuu



    aber ist es nicht gerade das, was einen künstler ausmacht?
    dass er über das hinaus, was er bereits hat, visionen hat und sie umsetzt?
  • ebraf
    Wer seine Gefüle nicht malt, sollte es besser ganz lassen!
  • Mo Häusler
    Mo Häusler
    Fluu, "Weihnachtswunschzettel" *gg* das klingt sehr gut... ich verstehe dein Sprachbild und amüsier mich drüber, sehe aber, dass du mich da missverstanden hast.
    Ich meinte nicht, dass ich als Künstler mir die Welt fesch malen soll - also mir all die Dinge, die ich gerne hätte oder passend fände, "zu" male, aneigne. Das wäre eine wahrlich zu kurz gegriffene Definition dessen, was ich mit "Fehlen" meine.
    Ich denke, dass viele Künstler ein feines Gespür haben dafür, wo die blinden Flecken einer Gesellschaft - oder auch nur ihrer eigenen Gesellschaft - liegen. Sie haben manchmal auch Antennen für die Tabus und Morasthaufen, für die Leichen im Keller... zum anderen aber auch für die Goldenen Kalb-Ikonen, für die zu schlachtenden Heiligen Kühe, für den Kratzer im Autolack und für die verdammte Ewige Lebenslüge.

    Ich kann mir die beste alter möglichen Welten wünschen und doch in meiner Malerei dort ansetzen, wo es beginnt zu stinken. Vielleicht schöpfe ich gerade aus der Kraft meiner eigenen heilen Welt erst die Möglichkeit, dem Bösen ans Bein zu pinkeln.
    Und das heißt immer noch nicht, dass ich nicht auch Anteile dieser bösen Welt hätte. Nur: Bearbeite ich das, weil ich mir dessen bewußt bin (und hat die Arbeit an diesem Thema vielleicht sogar was Kathartisches)? Oder bin ich eher der dokumentarische Typ und werke abstrakter dahin, ohne mich dahingehend selber "abzuklopfen", was das denn nun für mich / über mich aussagt?

    Die Dekoschiene schlechthin, also nur etwas zu malen, weils gar so schön ist (oder jemand anderes es für so schön hält oder halten könnte), das möchte ich hier garnicht ansprechen, weil sich derlei eingekochtes Kunstverständnis eh nicht lange hält.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    hi Mo,
    Du hast prima Ansichten und einen sehr ehrlichen und direkten Ausdruck. Bei vielen eckt man damit an, ich mag es.
    Habe gerade in Deine Galerie geschaut, man so viele Bilder und sie sind teilweise großartig wie das menschliche Wesen dargestellt ist mit allen Schwächen, Verkorstheiten und Monströsem. Hat mich sogar zum Teil an Francis Bacon erinnert. Das Thema seelische Abgründe ist Dir nicht fremd.
    Bin nach wie vor der Meinung man kann nur das gut bildlich darstellen was man erlebt hat und was in einem steckt, all die Fragen, Zweifel, Grausamkeiten die man erfahren hat. Dinge Malen die einem Fehlen sind Wunschvorstellungen und kommen dicht an den Wunsch der heilen Welt wie bei Dekomalern heran. Wünsche Malen lenkt von der Realität ab und kann nur oberflächlich sein, außer es sind Träume mit surrealistischer Darstellung, dann aber ehrlich.

    Natürlich ist es wichtig darzustellen wo es beginnt zu stinken, da gehört der Fokus hin und nicht dahin wo alles bunt idyllisch und brav ist. Mann muss besonders da Hinschauen wo es Probleme gibt, das wird bei der Fotografie deutlich, dafür ist das Gespür und die Fähigkeit des Künstlers da.
    Helnwein tut das in meinen Augen und ich setze mich mit seiner Arbeit auseinander, bin noch nicht dazu gekommen in dem Bildband zu lesen...kommt noch.

    gruß fluuu
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  • sevorC-laH
    Man muss gar nichts, fluuu, überhaupt nichts. Man muss auch nicht alles erlebt haben was man malt. Man kann Bilder auch denken.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Man muss gar nichts, fluuu, überhaupt nichts. Man muss auch nicht alles erlebt haben was man malt. Man kann Bilder auch denken.


    Hallo,
    hier geht es nicht um eine ganz allgemeine Aussage der Malerei oder Kunst, sondern um die Art der Darstellung seelischer Abgründe wie bei Helnwein.
    Da bin ich überzeugt, Grausamkeiten, Abgründe und schmerzliches Darstellen macht nur Sinn wenn es authentisch ist, wenn man es selbst empfunden hat.

    Sonst sind es Märchen wie in Horrorfilmen aus Hollywood, platt, lächerlich und reiner Effekt.

    Wie gesagt, natürlich gehören Träume und Phantasien zum Erleben dazu, denn auch sie können von einem bodenständigen und authentischen Denken und Fühlen stammen.

    Die Gefahr beim Thema seelische Abgründe ist eben nur, dass um nicht an seine innersten Verwerflichkeiten zu gehen die dem Menschen so eigen sind, oberflächliche Horrorszenarien dargestellt werden ohne Tiefgang als schnelle Befriedigung. Da scheidet sich dann die Kunst von der Dienstleistung. Da sind gedachte Bilder eine technische Konstruktion aus dem Sachverstand und haben nichts mit seelischen Abgründen zu tun. Seelische oder Gemütsbilder des Menschen stammen aus dem authentischen innersten Wesen und Entwickeln sich aus der Lebensgeschichte.
    Meine Erfahrung ist, zuerst ist die empfundene Grausamkeit da und dann setzt das Denken ein um damit umzugehen, bildnerisch umzusetzen oder eine Lösung zu finden...

    gruß fluuu
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  • Pia
    Wie authentisch ist es denn, wenn diese Art des Malens zur Marke geworden ist, die auf dem Kunstmarkt auch als solche vermarktet wird?
    Von Helnwein wird diese Art von Bildern erwartet. Würde er plötzlich schöne Blumenbilder malen, könnte er vermutlich kein Stück davon verkaufen, weil es nicht zu seinem Label paßt. Man kann von seinen Bildern halten, was man will, aber "authentisch" ist das schon lange nicht mehr.
    Authentisch sind für mich (bestenfalls, auch nicht immer) Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten, die nicht gesetellt sind und auf denen nicht posiert wird.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Hallo Pia,

    will den Glauben an die Authentizität der Kunst nicht verlieren, Kunstmarkt hin oder her. Der Markt ist zwar in aller Munde und es ist immer der Fokus drauf gerichtet aber für die Kunst allgemein und für das menschliche Leben nur ein ganz kleiner Aspekt.
    Habe den Text im Bildband über Helnwein noch nicht gelesen um zu wessen ob seine Biografie ganz authentisch seine Bilder hervorbringt. So weit ich mich beschäftigt habe bin ich mir sicher, dass seine Bilder kein Konstrukt des Denkens sind um zu provozieren, sondern für ihn persönlich eine Notwendigkeit diesen Ausdruck hervorzubringen. Spüre bei seinen Bildern die in diesem Bildband gezeigt werden eine menschliche Kraft die nicht Oberfläche sein kann und auch kein Marketing-Trick.
    Ob viel Geld fließt oder nicht spielt dabei keine Rolle, was seine Bilder in einem hervorrufen sind andere Werte als materielle.
    So ist es auch beim Kunstmarkt gut wenn man unterscheiden kann ob das Werk eine tiefe Bedeutung hat oder ob es zur schnellen Vermarktung hergestellt wurde. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und leisten.
    Bei seelischen Abgründen, bei Bildern die provozieren und schockieren ist eine schnelle Vermarktung kaum vorstellbar, außer der Name des Schöpfers hat sich durchgesetzt...

    gruß fluuu
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  • sevorC-laH
    @ fluu

    alles was in den Gehirnen abläuft ist "authentisch", mitunter auch so furchtbar, dass es nicht mehr in Worte und Bilder zu fassen ist. Es gibt für das Erlebte keine "Reset"-taste und auch nicht für das Gedachte.

    Ab wann ist es authentisch, ab wann ist es das nicht?

    Wer will das sagen?

    lg

    Hal
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl

    Ab wann ist es authentisch, ab wann ist es das nicht?
    Wer will das sagen?
    lg
    Hal


    ...das ist eine Frage des Gespürs, dafür gibt es eben keine Gesetze, Formeln und Definitionen.
    Wenn mir jemand erzählt wie toll meine Bilder sind, kann sie in seiner Galerie aufhängen, pro Stück für 300 € dann ist seine geäußerte Wahrnehmung über die Bilder nicht authentisch sondern der Geschäftigkeit unterworfen. Oder wenn jemand sagt, schau meine Zeichnungen alle von mir und dann stellt sich raus abgezeichnet. Also kurz gesagt sind nur die Gedanken authentisch deren Schöpfer ich bin, alle anderen Gedanken die ich von außer erhalten habe und unverändert wieder gebe sind nicht authentisch. Der Sinn von Kreativität ist ja gerade die Eindrücke aus der Umwelt so auf zu nehmen, dass sie durch die eigene Persönlichkeit bearbeitet etwas in der Form Neues und Einmaliges darstellen. Das Sein eines jeden menschlichen Wesens ist authentisch aber nicht unbedingt seine Gedanken. Also sind Werke die das Sein vermittelt eher authentisch als Werke die den allgemeinen Zeitgeist z.B. verkörpern. usw.

    gruß fluuu
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