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  • www.precore.net

  • BFnaitsabeS www.precore.net
    War grad, einem Link hier im Forum folgend, auf der Designstudentenseite precore.net und hab mir die erfolgreichen (!) Mappen einer ganzen Reihe von mittlerweile Design Studierenden angeguckt. Mein erster empfindsamer Eindruck (obwohl ich weiß, in Deutschland sollte man in Kreativitätsdingen nicht empfindsam sein): Schockierend. Brave Zeitgeistzyniker, von denen wir dann berechtigterweise hoffen dürfen, dass sie s kapitalistisch-ästhetische Reservoir auffüllen. Leute, die sich lieber selbst zerstören, als dass sie kaputt machen, was sie kaputt macht. Was für Professoren kriechen in Deutschland in den vermeintlich kreativen Positionen herum? Disain-Mänätscha? Kein Wunder, dass Deutsche nicht klar denken können und noch nicht mal einen Ubahnplan aufschlussreich gestaltet kriegen. Wenn ich nicht an der deutschen Sprache hinge, würde ich nach Tokio auswandern. (Worauf jetzt sicher gleich die erfolgreich durchdesignte Erwiderung eines erfolgreichen deutschen Designstudenten kommt: Dann machs doch. Schauder.
  • flow_thgin
    Auch für einen Dipl. Des. gilt: learning by doing. Und das kommt bekanntlich erst nach dem Studium.
    Ich hatte Professoren, die ich nur am Anfang und am Ende eines Semesters zu Gesicht bekam. Wie soll man da was Gescheites lernen??!! Zur Info: Studium am der FH Wiesbaden, Kommunikationsdesign. Diplom 1996 gemacht.

    Mich wundert es nicht, dass es Dir da das Grausen lehrt. Geht mir auch so. Na gut, die Leute stehen noch am Anfang, aber ihre Mappen sind recht willkürlich zusammengestoppelt.
    Es wimmelt vor Fotos, die andere nicht mal im Vollsuff machen würden. Alles wird durch die EBV genudelt, irgendein Filter wirds schon richten. Dazu noch ein paar Zeichnungen, die jeder Perspektive trotzen und zur Krönung alles schön eingebunden.
    Instant-Layout für Instant-Designer...

    Das Schlimme ist, dass solche Designer später Arbeiten abliefern, die sich nicht drucken lassen und dann kotze ich mal wieder im Quadrat, weil ich die Layouts auseinander- und wieder zusammenpopeln darf. Auf meine Frage an die entsprechende Agentur, warum man die Farben in 4c, Pantone UND HKS angelegt hat, antwortet man dann auch öfter arrogant: "Wieso? Am Monitor siehts doch gut aus!"

    Mein Hilfeschrei geht an die Professoren, die zu meiner Zeit 10.000 DM im Monat dafür bekamen, dass sie 2x im Semester anwesend waren:
    "Bringt Euren Studenten endlich mehr Praxis und weniger Flausen bei!"

    Nachtrag: Warum knipsen die alle so gerne Turnschuhe ab?! Haben die mal nen Dozenten damit herumschleichen sehen??!!
  • BFnaitsabeS
    Interessantes Feedback, danke!
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  • BFnaitsabeS
    Allerdings gings mir auch um das, was wahrscheinlich, fürcht ich, sogar was mit "Spiritualität" zu tun hat. Nicht nur ist alles unpraktisch und verquast gewesen in den Mappen der erfolgreichen (!) deutschen Designstudenten (das Einzige mit Gebrauchswert, was gelingt, sind belehrende Piktogramme und Multifernbedienungen für die Gestaltung des Lebensabends (!)), es werden auch keine Möglichkeitsräume eröffnet. Die Welt ist faktisch, die Welt ist da, die Welt ist fertig, lass uns Turnschuh kaufen gehn. Und genau so ist auch, um hier mal einen kühnen Schwung zu ziehen (Kreativität) die deutsche Regierungsmentalität. In Südkorea gabs jetzt ne Regierungsinitiative: Jeder soll überall jederzeit sein Labtop anschließen können. Jeder. Jederzeit. Überall. Schon diese Begriffe müssen in Dland sofort a la Bundesbahnticketpolitik konditioniert, eingeschränkt, nummeriert, beausnahmt werden. Das Londoner Ubahnsystem versteht man schon rein farbtechnisch sofort. In Peking auch. In Hamburg heißt das Stadtzentrum auf der Ubahnkarte "Großbereich", Hamburg mit Vorstadt zusammen aber "Gesamtbereich". Also der Deutsche ist nicht in der Lage, die drei Wörter "klein", "mittel" und "groß" zu nehmen und mit diesen Wörtern einen kleinen, mittleren und großen Ticketbereich visualisierend zu definieren. Wenn man die Ubahnkarte dann am Automat kauft, muss man aber "Ringe" zählen und muss den kleinen "Großbereich" und den großen "Gesamtbereich" sofort wieder vergessen, weil der Ubahnplaner vergessen hat, dem mittelgroßen Bereich, dem zwischen dem "Großen" und dem "Gesamten", äh, einen Namen zu geben. Aua. Im Goetheinstitut in Peking ist die Anordnung der Bücher in der Institutsbibliothek so kreativ, dass das Studium des Signatursystems wahrscheinlich Stunden dauert. (Ich hatte nicht so viel Zeit.) Deutsche Steuerliteratur ist bekanntlich die voluminöseste der Welt. Wenn ich in Hamburg ein Buch aus der Stadtbücherei ausleihen will, brauche ich einen anderen Ausweis als für die Staatsbibliothek in Hamburg (die übrigens Staatsbibliothek heißt, obwohl es derer bundesweit mehrere gibt, auf die Bundesländer verteilt). Die Staatsbibliothek wiederum hat so viele Kataloge und dann noch nur dem Bibliothekspersonal zugängliche Datenbanken, dass man ohne Hilfestellung nur hin und wieder etwas findet. Ob ein Buch in den einzelnen Institutsbibliotheken der Uni ausleihbar ist, muss man jeweils erst mit einer Email oder einem Telefonanruf in Erfahrung bringen, denn das liegt natürlich nicht mehr im Zuständigkeitsbereich der Staatsbibliothek, die vermutlich eine vom Bund finanzierte Bundeslandbibliothek ist. (Muss ich noch herausbekommen, interessiert mich irgendwie.) All dieses Wirrwarr und die durch Informations- und funktionalen Designmangel entstehenden Kosten trägt der Staat. Und der wundert sich immer noch, dass "die Kassen leer sind". (Immerhin waren die Deutschen in der Lage, das in Erfahrung zu bringen.) Ich bin seit vier Monaten zurück aus China und in Hamburg. Und ich verstehe die Deutschen ehrlich gesagt in dieser Hinsicht weniger als die Chinesen.
  • Jelly
    das is nur der kulturschock. in spätestens nem dreiviertel jahr fühlst du dich hier wieder wohl und dann stören uninspirierte designmappen im internet (für hauptsächlich mittelmäßige fhs!) auch nich mehr.. :)
  • flow_thgin
    @SebastianFB: Du erwartest von Leuten, die keine Linie in ihre Arbeiten und ihre Mappen bekommen, dass sie später in größeren Zusammenhängen denken können!!! Unterrichtet von Dozenten, die alle paar Jahre mal ein Praxissemester in ihren alten Berufen machen müssen und sich auf ihrer Professorenkohle ausruhen.

    Oh ja, so eine Art Kulturschock ereilte mich, als ich längere Zeit in Frankreich war. Da traf mich das deutsche Korinthenka**ertum besonders heftig.

    Hm, wenn Du schon das Wort "Spiritualität" ins Spiel bringst, fällt mir noch der Begriff "gesellschaftliche Verantwortung" ein. Es scheint an beidem zu mangeln.
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    Was soll man denn von Design erwarten, ein Lakai der Wirtschaft der sich streng an die Vorgaben der Produkthersteller halten muss.
    Auch ich muss mich als bildender Künstler wenn ich im Bereich Webdesign arbeite streng an die Wünsche und Vorgaben der Kunden halten. Design eine optische Aufwertung eines Konsumproduktes, mehr nicht.
    Heute ist zwar der Grafikdesigner in aller Munde, hauptsächlich für Computer und Internetbereiche aber letztendlich ist er nichts weiter als ein 'Schönmacher' für die Wirtschaft und Industrie damit sich überflüssige Produkte besser verkaufen. Einen Denkanstoß gibt ein Designer in seiner täglichen Arbeit nicht. Warum sollten dann die Mappen was anderes hergeben?

    gruß fluuu
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  • efwe
    efwe
    zit-- Auch ich muss mich als bildender Künstler wenn ich im Bereich Webdesign arbeite streng an die Wünsche und Vorgaben der Kunden halten.

    -hallo @flu -nicht in die falsche kehle kriegen...aber als webdesigner solltest du dich vor allem an den w3c-standard halten--->
    (wuerde ich als kunde verlangen)-
    tip--> http://validator.w3.org/

    nochwas -stimmt- design verpackt konsum- aber auch meine haustuer entspricht nen design-- was nun¿ gruss-
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