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  • Künstler und ihre Nachlässe

  • siku Künstler und ihre Nachlässe
    Die Wertschätzung von „pensionierten“ oder bereits verstorbenen Künstlern aus dem Kunsthandel scheint ein Thema mit Diskussionsbedarf zu sein. Die Bewertung des künstlerischen und aktuellen Verkaufswertes steht oft in keinem angemessenen Verhältnis zur Wertschätzung und zum Verkaufswert der Arbeiten zu Lebzeiten dieser Künstler.

    Neben Thauer gab’s hier noch einige Anfragen nach dem Wert von Bildern obiger Künstler. Berufsmaler, die über Jahrzehnte ihre Arbeiten über den Kunsthandel zu durchaus ansehlichen Preisen verkauften, verschwinden nach ihrer aktiven Laufbahn sehr häufig in einem „schwarzen Loch“ des Kunstbetriebes.

    Warum ist das so:
    Zum einen sind Galeristen meist nur so lange an Künstlern interessiert, solange sich mit deren Arbeiten handelsübliche Verkaufsspannen erzielen lassen. Zum anderen haben die Künstler während ihrer aktiven Tätigkeit kaum Interesse daran, an ihren Nachlass zu denken. Zudem sehen sie häufig auch keinen Sinn darin, ihren eigenen Arbeiten einen dauerhaften Wert beizumessen. Die meisten dieser Maler sind entgegen der gängigen Meinung durchaus in der Lage >zeitgenössisch< zu arbeiten, nur sehen sie selbst wenig Sinn darin, sich gezielt um ihren Nachruhm zu bemühen (eine der Begründungen: es verschwinden auch zeitgenössisch arbeitende Künstler allzu häufig in der Versenkung). Von verkauften Arbeiten kann sich ein Künstler ein weitgehend unabhängiges Leben leisten, von evtl. späterem Ruhm dagegen kaum, auf den hoffen dann die Käufer der Gemälde.

    Erben stehen meist ratlos da, verwahren den Nachlass in der Hoffnung auf bessere Zeiten – die leider so gut wie nie eintreten.
    Kunstmaler wie Th.auer, Baum.gart, Hanft oder wie immer sie auch heißen (auch abstraktarbeitende Kunstmaler), werden nach ihrer aktiven Laufbahn deshalb nicht dem offiziellen Kunstbetrieb zugeordnet, weil in ihren Arbeiten bereits zu Lebzeiten die >Zeitgenossenschaft< fehlt. Der Wert dieser Bilder wird sich weder in absehbarer noch in fernerer Zukunft in Richtung des ursprünglichen Kaufpreises bewegen. Wenn dann noch „Gedrucktes“ fehlt, verschwindet der Künstler für immer in der Versenkung. Um dem entgegenzuwirken ist es „zwingend“ erforderlich, dass der Künstler für die Erhaltung seines Bekanntheitsgrades nach seinem Ableben sorgt, das mag komisch, lustig oder gar makaber klingen, ist aber leider notwendig. Anerkannte Künstler haben immer auf „ihre Presse“ geachtet. Auch wenn ein Künstler mit Gabriele Mün.ter zusammenarbeitete, bei Kokoschka studierte, dann aber >ausschließlich< sehr „konserative“ Arbeiten vorweist, nutzt die ganze Biografie nichts. Ein prägnantes Beispiel dafür, wie die Arbeiten in „Kunst“ und „Broterwerbsbilder“ getrennt werden, ist das Lebenswerk von Kurt Schw.itters. Der Künstler malte Zeit seines Lebens auch „Broterwerbsbilder, nach eigenen Aussagen nicht ungern, dieser Arbeiten kennen die wenigsten, sie werden im Wert auch nicht annähernd so hoch gehandelt, wie die Kollagen.

    An einem Gedankenaustausch mit betroffenen Künstlern oder Erben zu diesem Thema bin ich jederzeit interessiert, Kontaktaufnahme kann gern auch per PN erfolgen. Anregungen und Fragen zur rechtlichen Nachlassverwaltung leite ich gern an einen Juristen weiter.
  • tsaG
    Mal eine einleitende Frage: Wie definierst Du "zeitgenössisch"? Wenn es geht, ein bißchen umfassend, denn aus der Erklärung möchte ich ermitteln können, ob ich Deine Meinung teile oder nicht.
    lg, jerryhill
  • Ulf Spuhl
    Ulf Spuhl
    ... ein aktiver lebender Künstler hat kaum Interesse an solchen Themen, das sollen die Galeristen, Kunsthändler und Kunsthistoriker unter sich ausmachen. Auch mir als lebender Mensch kann es doch bei dem Thema 'wie arbeite ich damit ich ein erfülltes Leben habe' egal sein ob die Arbeiten nach dem Tod teuer gehandelt werden oder nicht, das beschäftigt einzig und allein die Erben aber einen Einfluss haben sie nicht darauf.

    gruß fluuu
    Signature
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  • imihsas
    also ich find das sehr interessant... und informativ, ... danke siku!

    man muss das einfach auch positiv sehen, das was man zu lebzeiten nicht geschafft hat, hat trotzdem chance was zu bewirken.. das leben an sich wird doch da überbewertet... oder man könnte auch die motivation dann in frage stellen.. gehts also doch nur um die kohle und den vermeindlichen ruhm zu lebzeiten? wie egoistisch!!! :0)

    oft wird der wert eines werkes ja erst generationen später erkannt, und dazu sollte wenigstens die möglichkeit bestehen. das passiert sicherlich nicht wenn die erben es auf den müll werfen.. sofern es überhaupt welche gibt...
  • siku
    Mal eine einleitende Frage: Wie definierst Du "zeitgenössisch"? Wenn es geht, ein bißchen umfassend, denn aus der Erklärung möchte ich ermitteln können, ob ich Deine Meinung teile oder nicht.
    lg, jerryhill


    Hallo jerryhill,

    na, dann will ich doch mal starten. Du beziehst dich mit deiner Frage doch wahrscheinlich auf folgenden Satz von mir:

    "Die meisten dieser Maler sind entgegen der gängigen Meinung durchaus in der Lage >zeitgenössisch< zu arbeiten, nur sehen sie selbst wenig Sinn darin, sich gezielt um ihren Nachruhm zu bemühen (eine der Begründungen: es verschwinden auch zeitgenössisch arbeitende Künstler allzu häufig in der Versenkung)."

    Unter "zeitgenössisch" verstehe ich Kunst, die nicht nur tradierten Formen und Inhalten aufnimmt, sondern darüber hinaus >innovative Aspekte< aufweist. Diese aktuelle Zeitbezogenheit, die sich im Kunstwerk widerspiegelt ist nicht national gebunden (heute im Zuge der Globalisierung und internationalen Vernetzung noch weniger als in vergangenen Zeiten).
    Zur Veranschaulichung einige Beispiele:

    Die Arbeiten C. D. Friedrichs und E. W. N.a.ys spiegeln Zeitbezüge ihrer Generation wider: heutige Maler können Technik und Motive dieser Maler ähnlich (nach-)malen, aber sie können sich nicht mehr auf gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Gegebenheiten berufen, die zur Arbeitszeit der genannten Künstler Aktualität besaßen: bei Friedrich war das die Entwicklung zum freien Bürgertum, bei N.a.y die Relativitätstheorie von Einstein, auf die sich Künstler der 50er Jahre gelegentlich beriefen, wenn sie ihre Motive vom Gegenstand und der dreidimensionalen Illusionsmalerei lösten. Theoretische Begründungen mit denen die angesprochenen Künstler argumentierten, sind heute nicht mehr >innovativ<. Aber auch die Botschaften in den Bildern von O. Dix haben einen zeitspezifischen Aspekt, den man nicht auf unsere Zeit übertragen kann, obwohl die soziale Thematik durchaus aktuell ist, aber eben in einem anderen Zeitkontext.

    Die Maler die sich auf Wanddekoration spezialisiert haben, haben eben nicht diesen Zeitbezug in ihren Motiven, die ebenso gut in Zeiten der „Goldenen Malerei“ in Holland, in der Romantik oder im Informel entstanden sein könnten. Hier handelt es sich um Motive, die auf eine bestimmte Bildtradition zurückgreifen und darin auch verharren. Das bedeutet ja nicht, das diese Arbeiten nicht auch ihre Berechtigung haben, technisch nicht brillant sein können usw., ihnen fehlt eben ein Teil davon, was Kunst ausmacht: eine geistige Auseinandersetzung des Malers mit seinem sozialen Umfeld. – und hierin liegt u.a. auch der Marktwert der Arbeiten begründet.

    Mir ist schon klar, dass man jetzt von eigentlich Thema abkommen kann und endlos lang über den Aspekt der Zeitgenossenschaft diskutieren könnte ;-).

    So, und nun bin ich mal gespannt, ob du "meine Meinung teilen kannst oder nicht".

    Gruß
    siku
  • siku

    oft wird der wert eines werkes ja erst generationen später erkannt, und dazu sollte wenigstens die möglichkeit bestehen. das passiert sicherlich nicht wenn die erben es auf den müll werfen.. sofern es überhaupt welche gibt...


    Um die Existenz eines Künstlers überhaupt noch für nachfolgende Generationen interessant zu halten, sind schon einige Aspekte wichtig, die zu Lebzeiten gegeben sein müssen:
    die Aussagefähigkeit der Arbeiten,
    zeitgenössische Dokumentationen,
    Aussagen der Künstlers zu seinen Arbeiten,
    Archivierung usw.
    Für ein Ouevre, das nicht mehr nachvollziehbar ist, kann sich auch kein "Markt" entwickeln. Nur die Existenz einiger Bilder steigern in späteren Generationen nicht die Wertschätzung für den Künstler allgemein - und auch nicht dessen künstlerischen "Marktwert".

    Es ist aber schade, dass nur die wenigen auserwählten "Museumskünstler" schon der nächsten Generation in Erinnerung gehalten werden und von den anderen, den zahlreichen Berufskünstlern, deren Arbeiten ja durchaus noch existent und sehenswert sein können, nichts mehr recherchierbar ist. Diese Tatsache haben, besonders im Zeitalter der digitalen Vernetzung , die Künstler selbst geschaffen, indem sie sich zu Lebzeiten um nix kümmern wollen, was ihren künstlerischen Nachlass betrifft.
  • siku
    ... ein aktiver lebender Künstler hat kaum Interesse an solchen Themen, das sollen die Galeristen, Kunsthändler und Kunsthistoriker unter sich ausmachen.
    gruß fluuu


    fluuu und was sagtst du als "Freischaffender Künstler" deinen Kunden? Leute, kauft bloß nix von meinen Arbeiten, ich verdiene ja meinen Lebensunterhalt durch kleine Nebenverdienste - und das Geld, das ihr für meine Arbeit ausgebt, ist futsch in dem Moment, wo ihr die Arbeit erworben habt, gefällt sie euch nicht mehr, werft sie einfach in die M.Tonne. - Kunst findet woanders statt, denn mit meinem Ableben sind auch meine Arbeiten nicht mehr existent?

    Damit deine obige Aussage überhaupt Sinn macht, müssen die Arbeiten, nicht nur in deinen Augen, sondern auch in den Augen deiner Zeitgenossen überhaupt eine "künstlerische Aussage" haben. Sonst lohnt sich eine Diskussion um deinen Nachlass gar nicht.
  • tsaG
    Nicht ganz. Es ist mir wieder zu eng in diesem Rahmen. Auch glaube ich, daran liegt es nicht, daß Künstler nach dem Tod vergessen werden. "Zeitgenössisch" ist auch bloß eine weitere Kette, an die man sich selbst legen kann und ein Stein in der Mauer, die einen von der Unsterblichkeit fernhält. Das engt ein und die Gefahr ist groß, daß das später nur noch "gelahrte" Schwätzer interessiert. Ich male nicht, um etwas optisch wahrgenommenes fotografisch wiederzugeben. Nicht, um damit Geld zu verdienen. Nicht, um zu gefallen. Nicht, um "unsterblich" zu werden.
    Manches beschäftigt mich so sehr, daß mich die Nacht verbrennt, daß ich es nicht mehr ganz loswerde, daß geistige Bilder entstehen, die im Kopf herumhängen. Die Ursachen sind nicht zeitlich oder gesellschaftlich etc. gebunden. Auftragsarbeiten kann ich nur umsetzen, wenn ich dazu eine solche Beziehung aufgebaut habe und das kann dauern oder mißlingen. Mitunter greife ich dabei auch auf stilistische Mittel zurück. "Guernica" und auch "Demoiselles d´Avignon" haben für mich etwas Chaotisches, viele Werke von Renoir oder Corinth sehr viel Leben und Bewegung usw..
    Das ist meiner Meinung nach zeitlos.
    Aber zum Thema: "Unsterblichkeit" macht sich nicht an der "Zeitgenossenschaft" fest. Sie wurde meist von Malern erreicht, die mit den zeitgenossenschaftlichen Konventionen brachen oder frühzeitig auf das Trittbrett eines solchen Bruches aufsprangen. Fälschlicherweise wurden ihre Arbeiten in späteren Zeiten oft als DIE zeitgenössischen definiert. In der betreffenden Zeit sah man das meist ganz anders. Aber es waren eben Maler, die sich nicht um die gängigen Gelehrtenmeinungen scherten.
    Es gibt kein gängiges Rezept für Nachruhm. Ein Stück Glück und Protektion, angestrebt oder zufällig, ist dabei. In der heutigen Zeit, da Kunstkäufer Werke vielfach als Kapitalanlage erwerben, ist das nichts als Börsenspekulation.
    Und ich glaube, wer da bewußt mitspielt ist eben kein Künstler, sondern auch nur ein Spekulant.
    Und wer sich krampfhaft um Zeitbezug bemüht, lediglich ein Propagandist.
    lg, jerryhill
  • Stab aus Basel
    Stab aus Basel
    Das Problem fängt schon damit an, dass viele Künstler, die "vor dem Internet" starben, einfach nicht mehr da sind. Es wird gegooglet bis der Arzt kommt und was Google sagt, stimmt! Wenn google nichts zu sagen hat, dann hat es den Künstler entweder nicht gegeben, oder er war derart erfolglos, dass es sich nicht lohnt, ihn im Internet zu verewigen.
    Die Menschen, die jetzt 20 Jahre alt sind, bedienen sich zu einem grossen Teil ausschliesslich übers Internet bei der Informationssuche. Künstlerlexikon ... was ist das denn? Zu Fuss zur Bibliothek... oh Gott.

    Ausserdem kommt es auch darauf an, ob die Hinterbliebenen sich für die digitale Aufbereitung engagieren.

    Ein Beispiel:

    Magister Ludo Schmidle / Wien

    Ein toller Maler. Sass im Rollstuhl seit seiner Jugend, verstarb 1999 ohne eine Familie zu hinterlassen. Ein guter Freund, selbst schon sehr betagt, wollte die Erinnerung an ihn retten und Gipsarbeiten von Schmidle noch in Bronce giessen lassen.
    Leider war dieser Freund schon damals über 60 und nach meinen letzten Informationen auch schwer krank. Fürs Internet hat er sich nicht mehr interessiert. Wer soll das Werk noch lebendig halten?

    Ein grübelnder Baslerstab wünscht einen schönen Tag
    Signature
  • tsaG
    Ja, sogar ich fange an, mich mit dem Internet zu befreunden, weil es eben www. ist.
    Wenn man in Hühnerglück in der Provinz nur auf Prolmeinungen trifft, in eine Stadt mit "avantgardistischer" Kunsthochschule zieht, aber dort ziemlich ausschließlich auf Gelahrtenmeinungen und Kommerzkunstdenken stößt, ist es erfrischend, sich überregional austauschen zu können.
    Haben wir ein Glück, daß wir nicht älter sind...
    jerryhill
  • nehcnneamrreH
    Nicht ganz. Es ist mir wieder zu eng in diesem Rahmen. Auch glaube ich, daran liegt es nicht, daß Künstler nach dem Tod vergessen werden. "Zeitgenössisch" ist auch bloß eine weitere Kette, an die man sich selbst legen kann und ein Stein in der Mauer, die einen von der Unsterblichkeit fernhält. Das engt ein und die Gefahr ist groß, daß das später nur noch "gelahrte" Schwätzer interessiert. Ich male nicht, um etwas optisch wahrgenommenes fotografisch wiederzugeben. Nicht, um damit Geld zu verdienen. Nicht, um zu gefallen. Nicht, um "unsterblich" zu werden.
    Manches beschäftigt mich so sehr, daß mich die Nacht verbrennt, daß ich es nicht mehr ganz loswerde, daß geistige Bilder entstehen, die im Kopf herumhängen. Die Ursachen sind nicht zeitlich oder gesellschaftlich etc. gebunden. Auftragsarbeiten kann ich nur umsetzen, wenn ich dazu eine solche Beziehung aufgebaut habe und das kann dauern oder mißlingen. Mitunter greife ich dabei auch auf stilistische Mittel zurück. "Guernica" und auch "Demoiselles d´Avignon" haben für mich etwas Chaotisches, viele Werke von Renoir oder Corinth sehr viel Leben und Bewegung usw..
    Das ist meiner Meinung nach zeitlos.
    Aber zum Thema: "Unsterblichkeit" macht sich nicht an der "Zeitgenossenschaft" fest. Sie wurde meist von Malern erreicht, die mit den zeitgenossenschaftlichen Konventionen brachen oder frühzeitig auf das Trittbrett eines solchen Bruches aufsprangen. Fälschlicherweise wurden ihre Arbeiten in späteren Zeiten oft als DIE zeitgenössischen definiert. In der betreffenden Zeit sah man das meist ganz anders. Aber es waren eben Maler, die sich nicht um die gängigen Gelehrtenmeinungen scherten.
    Es gibt kein gängiges Rezept für Nachruhm. Ein Stück Glück und Protektion, angestrebt oder zufällig, ist dabei. In der heutigen Zeit, da Kunstkäufer Werke vielfach als Kapitalanlage erwerben, ist das nichts als Börsenspekulation.
    Und ich glaube, wer da bewußt mitspielt ist eben kein Künstler, sondern auch nur ein Spekulant.
    Und wer sich krampfhaft um Zeitbezug bemüht, lediglich ein Propagandist.
    lg, jerryhill



    was für ein rührend-theatralisches feilen an einem selbstbild - toll wie son thema zur selbstbeweihräuerung genutzt werden kann. :))

    das grade DU meinst, alles alleinig aus dir selbst und deinen voll authentischen, tiefen tiefen, höllenheissen individualistengefühlchen rauszuhohlen - ohne einem böseböse einfluss von aussen - dich aber auf thearalisch-rührend selbstbezogene weisse einem genie-kitsch, pubertären individualisten-plattsinn verschreibst, der nur so von abgelutschtesten klischees übertropft ... das ist nicht nur ein höllenheisser widerspruch, das echt lustig :))))

    ps: leg mal beim selbstbild-basteln die van gogh biographie weg, die verwirrt dich nur :))

    äh ...

    Manches beschäftigt mich so sehr, daß mich die Nacht verbrennt ...
    äh ... du solltest eindeutig schlagersängerin werden, zottelchen. anders sind solche sätze nicht zu ertragen :))))
  • siku
    Das Problem fängt schon damit an, dass viele Künstler, die "vor dem Internet" starben, einfach nicht mehr da sind. Es wird gegooglet bis der Arzt kommt und was Google sagt, stimmt!


    :-))), ja, das wäre aber ein anderes Thema.


    Ausserdem kommt es auch darauf an, ob die Hinterbliebenen sich für die digitale Aufbereitung engagieren.

    Ein Beispiel:

    Magister Ludo Schmidle / Wien

    Ein toller Maler. Sass im Rollstuhl seit seiner Jugend, verstarb 1999 ohne eine Familie zu hinterlassen. Ein guter Freund, selbst schon sehr betagt, wollte die Erinnerung an ihn retten und Gipsarbeiten von Schmidle noch in Bronce giessen lassen.
    Leider war dieser Freund schon damals über 60 und nach meinen letzten Informationen auch schwer krank. Fürs Internet hat er sich nicht mehr interessiert. Wer soll das Werk noch lebendig halten?

    Ein grübelnder Baslerstab wünscht einen schönen Tag


    Genau um solche Künstler geht es hier!

    Digitale Aufarbeitung ist eine Möglichkeit, nur nutzt das auch wenig, wenn sich tausende von "Berufs-"Künstlern digital einmotten lassen. Die Biografie sollte schon so aufgearbeitet werden, dass bei Bedarf, also bei der Bewegung von Arbeiten im öffentlichen Raum, darauf zurückgegriffen werden kann. Die Präsens im Internet ist da schon eine Möglichkeit, nur nicht die definitive Lösung. Wieviel Aufmerksamkeit ein Künstler in der Öffentlichkeit hat, ist von seinem Vermarktungsgeschick und auch von dem seiner Erben abhängig.

    Häufig ist es ja auch so, dass der Nachlass (das können auch zeitgemäße Arbeiten sein) schon allein an Materialkosten der noch vorhandenen Arbeiten erheblich ist, zum Teil dafür auch noch Rechnungen offen sind usw. - und vorallem, dass der künstlerische Nachlass mit dem Ableben des Künstlers so gut wie keinen Verkaufswert mehr hat. Kunsthandlungen und Galeristen kaufen bei lebenden Malern ein!

    Würde mich über weitere Vorschläge, Anregungen Berichte auch von dem betreffenden Personenkrei freuen.

    Gruß
    siku
  • Stab aus Basel
    Stab aus Basel
    @ Herrmännchen
    Ich hatte zu Beginn dieses Threads auch überlegt, ob die Info zu privat ist, die ich da als Antwort gebe, da man ja nur aus seiner eigenen Sicht zu diesem Thema etwas beitragen kann.

    Wenn aber JerryHill keine guten, verstorbenen Künstler kennt, die sie als Beispiel benennen kann, muss sie von sich selbst ausgehen, dies ist er Mensch, der ihr zwangsläufig am nächsten steht.Sie wollte bestimmt nicht bewusst Eigenwerbung machen, da sie ja noch nicht wissen kann, wann sie ins Gras beisst.

    Da ich auch Sammler bin (auf kleinem Budgetniveau)
    kann ich noch andere Künstler benennen, die gut waren, aber ohne nennenswerte Spuren geblieben sind.

    Da kann man nur nach Gefallen kaufen und nicht auf Spekulationsebene. Ein Wiederverkaufswert ist fast nicht vorhanden.

    Z.B. Ernst Oberhoff, G. Bergmann, G. Hanebeck,
    A. Jenner(kann auch anders heissen, die Signatur ist schlecht zu lesen)
    Irgendwie alle im Oberbergischen zu finden

    Manchmal hat man Glück und findet wenigstens einen Ausstellungshinweis, aber mehr ist fast nicht zu erfahren.

    Wer denkt, er kann mit einer kostenlosen Homepage etwas für die Ewigkeit tun, wird bitter enttäuscht werden, wenn der Provider wegen Jahrelanger Nichtbenutzung die Page löscht.

    Gutes Gelingen bei der Planung des eigenen Nachlasses wünscht
    Der Stab aus Basel
    Signature
  • reklawpeels hm, oh ja \'n feiner thread von tante siku, muss ich ma ausgraben...
    die zeiten, wo ein künstler etwas neues, modernes etwas seiner zeit gar vorauseilendes schaffen musste, um in die kunstgeschichte einzugehen, sind längst vorbei. heute fehlt der kunst nicht nur die berühmte, bereits von hans sedlmayr in den 40gern beklagte mitte, sondern überhaupt irgendeine richtung in die alle, sich für progressiv haltende leute, marschieren könnten. weit und breit kein dominierender stil, keine ideologie, kein ismus. nichts woran sich ein zeitgenössischer künstler, wie ein besoffener am zaun, halten könnte. jeder macht was er will. furchtbar! in diesen düsteren zeiten sind galeristen, kuratoren, kunstreporter und kritiker und sonstige handelsvertreter in sachen kunst, ganz besonders gefragt, um aus der riesigen menge an kunstschaffenden die "richtigen" herauszufischen, sie aufzubauen und schließlich mit ihnen geld zu verdienen. um die kunst an sich geht es dabei gar nicht und schon gar nicht um die künstler. ein galerist wie larry gagosian könnte für jeden seiner künstler min. 800000$ verlangen, selbst wenn er ihn vorgestern erst aus irgendeiner new yorker gosse gezerrt hätte. nicht weil der künstler so toll ist, sondern weil larry gagosian ihn verkauft. und haben ein paar wichtige sammler erstmal soviel geld in den künstler investiert, dann bemühen sie sich natürlich diesen von ihnen selbst geschaffenen wert zu erhalten und zu steigern. und das wenn nötig auch über den tod des künstlers hinaus.
    dazu stehen ihnen sämtliche mechanismen des k-marktes zur verfügung, wie publikationen in büchern und zeitschriften, kunstmessen, wichtige ausstellungen und leihgaben an museen ect., man muss halt nur bereit sein, sein geld dafür auszugeben.

    für uns, die junge generation, die als die postmoderne ausgerufen wurde, vielleicht gerade die krabbelgruppe verlassen hatten, heißt es schlicht und einfach, wie otto dix das schon einmal sehr schlicht und ergreifend sagte: sich "auf den arsch setzen und malen!" oder fotografieren, oder zeichnen oder was sonst einer macht, ohne darauf zu achten, ob das nun jetzt jemandem passt oder nicht. denn wir leben in einer einzigartigen zeit, in der jeder als künstler das machen kann, was er will, ob man dann von larry gagosian entdeckt und zum wichtigen künstler gemacht wird, liegt eh nicht in unserer macht.
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