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  • Die Entbindung

  • Mäderle
    Mäderle Die Entbindung
    Mein damaliger Mann und ich gingen schlafen, davor hatten wir noch beim Italiener um die Ecke Pizza gegessen.
    Noch am selben Tag war ich bei einer der Untersuchung vor dem Entbindungstermin. Es war der 11.August 1999.
    Sollte da nicht die Welt untergehen?
    Die Sonnenfinsternis an jenem Tage bekam ich so gar nicht mit, da lag ich nämlich auf dem Untersuchungsstuhl bei meiner Frauenärztin, die dann auch noch meinte, es könne sich noch etwas hinziehen. Der Entbindungstermin sollte der 11. August sein. Im Freundeskreis lachten wir noch, weil ich meinte: "Na, da bekomme ich ja eine Eintagsfliege"
    Mein Humor.
    Die Ärztin meinte, ich solle jeden zweiten Tag zu ihr in die Praxis kommen.
    In dieser Nacht schlief ich tief und fest. Wie ein Stein, so fest, wie schon lange nicht mehr.
    Plötzlich wurde ich wach. Was war das? Ein zwicken in der Magengengend?
    Die Pizza war bestimmt schlecht, dachte ich noch so bei mir und überlegte, ob ich nicht zum kotzen gehen sollte...halt! Nein...das Zwicken kam und ging in regelmäßigen Abständen...fünf Minuten...hm, noch Zeit...
    So langsam machten wir uns gegen sechs Uhr auf den Weg zur Klinik, nachdem ich noch ein Bad genommen hatte.
    Um sieben Uhr war ich im Kreissaal, angeschlossen an allen möglichen piepsenden Geräten. Die Herztöne des Kindes waren kräftig und regelmässig.
    Was aber keiner wissen konnte, nach fünf Stunden Wehen ging nichts mehr weiter, Geburtsstillstand.
    Die Ärzte brachten mich in den Operationssaal, ich bekam eine Vollnarkose und schlief ein. Davor sagte ich zu meiner Hebamme: "Ich wach aber schon wieder auf, ja?" Sie bejahte es und strich mir mit ihrer Hand liebevoll über meine verschwitzte Stirn.
    ...
    "Frau K., wachen sie auf, Frau K.!!"
    Ich träumte, ich sei an einem Strand, hörte das Meer rauschen und sah den Palmen zu, wie sie sich im Wind bogen.
    "Frau K."
    Wer ruft nach mir? Warum? Ich habe doch Urlaub?
    "Frau K., wachen sie auf!"
    Ich will nicht, ich will auf meiner Insel bleiben, hier scheint die Sonne!
    "Frau K., wachen sie auf, sie haben viel Blut verloren!"
    Wie? Ich hab Blut verloren? Arbeitsunfall??? Hä? Ich bin doch auf der Insel!
    "Frau K., sie haben viel Blut verloren, aber ihrem Kind geht es gut!"
    KIND??? Ich war ruhig...nach aussen...KIND? ICH?
    Pssst...blos nichts sagen, es wird sich aufklären.
    Langsam öffnete ich die Augen, sah der Ärztin, die rechts neben mir stand, ins Gesicht. Links von mir stand mein damaliger Mann, sah mich an und hielt mir das Polaroid von unserer Kleinen vor die Augen, mit den Worten: "Schau, das ist unsere Tochter, das ist unser Kind!"
    Kind...schon wieder...hm...
    Nun war ich wach, nahm das Bild mit zittrigen Händen und sah es mir genau an. Dann sah ich das Bettchen vor mir an, das leer war.
    "Wo ist sie jetzt?"
    Die Ärztin klärte auf: "Ihrer Tochter geht es gut, sie ist im Kinderzimmer, ruhen sie sich erst aus, sie haben bei der OP zweieinhalb Liter Blut verloren. Schlafen sie sich erst richtig aus."
    Meinen damaligen Mann bat sie dann, später noch ein mal zu kommen.
    Nun war ich alleine im Zimmer. Kind, Blut, Traum.
    Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass ich ihnen beinahe unter der Hand gestorben wäre.
    Ob da Gott seine Finger im Spiel hatte?
  • efwe
    efwe
    zu deiner abschliessenden ernuechternden frage: nein-
    die geschichte war aber interessant zu lesen---
    Signature
  • Mäderle
    Mäderle
    Dann war es Glück?
    Danke!
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  • sevorC-laH
    Ich fand die Geschichte nicht interessant zu lesen.

    Bei der Schilderung der Geburten ist es ganz offensichtlich so , dass Eine die Andere zu übertreffen sucht - meine Erfahrung jedenfalls - und obwohl es bekanntlich die schwierigsten Momente im Leben einer Frau sind, Deine Story hebt mich nicht vom Hocker. Die meisten Frauen sehene sich, sich und nochmals sich. Wie schwer es war usw. usf.

    Und das Kind - da fragst Du nicht zuerst?
  • Mäderle
    Mäderle
    Hmmm...was soll ich jetzt dazu sagen:
    Du fandest die Geschichte nicht interessant zu lesen...
    Allerdings hat sie dich doch zum nachdenken, wenn auch im negativen Sinne, angeregt.
    Erzählt habe ich sie, weil ich aufzeigen wollte, wie es war. Tatsachen. Erlebnis. Erzählung.
    Das war es ja, ich hatte nicht mehr gewußt, überhaupt schwanger gewesen zu sein, hättest du aufmerksam gelesen, wäre es dir aufgefallen.
    Das lag an der Narkose, denke ich. Wie gesagt, in meinem Traum war ich im Urlaub.
    Ich hatte nicht geschrieben, ich hätte eine schwere Entbindung erlebt, mit keinem Wort hatte ich so etwas erwähnt. Im Gegenteil, es war ein Spaziergang. Vom Blutverlust hatte ich nur so viel mitbekommen, als dass ich mich sehr müde fühlte.
    Die Ärzte hatten mir am Tag darauf eine Blutkonserve verpasst.
    Auch davon war ich nicht beeindruckt.
    Alles, worüber ich mir Gedanken gemacht hatte war:
    Falls ich gestorben wäre, hätte meine Tochter ohne ihre Mutter aufwachsen müssen. Nun lebe ich, bin Gott dankbar und erfreue mich jeden Tag aufs Neue an ihr.
    Deshalb ja auch meine Frage am Schluß der Erzählung: Hatte Gott seine Finger im Spiel, oder war es einfach nur Glück?
    Das kannst selbst du mir nicht sagen.
    Niemand kann das.
    Ich weiß nicht, wieviele Entbindungen du schon erlebt hast, dass du dir so eine Meinung bilden kannst.
    Es gibt Frauen, die schütten wie die Hasen...
    Ich gehörte nicht dazu...*g*.
    Müßig, dir das erklären zu wollen...
    Gruß!

    Edit: Namenwörter schreibt man groß...(Gedanken)
  • sevorC-laH
    Viell. habe ich Dir unrecht getan - ich mag einfach solche Geschichten nicht - ich habe es so nicht erlebt dafür ganz kritische Situationen mit Kindern und für mich war immer das am schlimmsten, dass mit den Kindern etwas passieren könnte.

    Aber es stimmt, Du hast nichts reißerisch dargestellt sondern nur erzählt.

    Es war eine kritische Situation für Dich und das Kind, sehr kritisch, da es ein Noteingriff war - nichts konnte vorbereitet werden und der Ausgang war offen. Die Ärzte halten sich da ja auch bedeckt.

    Du sagst, viell. war es Gott, andere nennen es Glück - wo soll ein Unterschied sein - es ist gleich, welchen Namen man dafür gibt.

    Ich wünsche Dir in jedem Falle Glück.
  • Mäderle
    Mäderle
    Liebe Hal,

    ich mag es, wenn Menschen nachdenken, so wie du!
    Ich mag es auch, wenn sie offen darüber sprechen.
    Allerdings sah ich Erklärungsnot...da du ansonsten die falschen Schlüsse ziehen könntest.
    So haben wir das alles geklärt und ich danke dir!
    Natürlich wünsche ich dir auch Glück.
    Kann man immer brauchen.
    Danke dir noch einmal.
    LG!!!
  • sandra_s
    Die Geschichte ist gut - allerdings erst ab dem Teil, der mit "Frau K!" anfängt. Alles andere würde ich löschen. Weg. Dieses diffuse Erwachen macht die Sache spannend. Der Leser findet sich mit der Hauptperson langsam zurecht - er in der Erzählung, die Hauptfigur in ihrer Situation. Und diesen Begriff vom "damaligen" Mann könntest Du auch umwandeln in einen männlichen Vornamen und fertig, ohne weitere Erklärungen.
    Was hältst Du davon?

    LG,
    Sandra
  • nodiorc
    hach, ich weiss wie du dich fühlst, bin schon dem rollstuhl entflohen, und dem tod von der schippe gesprungen...
    hab 5 kinder zur welt kommen sehen ...
    manche schaffens schneller ...
    nur was immerwieder bewegt, ist der satz :
    mein damaliger mann.
    hoffe es geht euch gut !
    c+
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