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  • Hamburg

  • BFnaitsabeS Hamburg
    Die Wand vom Haus graffiti-überkringelt
    Im Glas der Bank zuckt es von Möwen blind
    Pfeilschnelle Schwalben umsäumen Wolkenkissen
    Geschickt wie Aalen im stillen Mittagswind

    Im See versinkt das Dunkel von Dezennien
    Ich träume mir ein dort ertrunknes Kind
    Die Amme schiebt verwelkt den Kinderwagen
    Im Rock, an dem verspielte Rüschen sind

    Den Glanz der Blätter hinterfangen Schatten
    Ein Rhododendron schwingt im Abend hin
    Zwei ältre Kinder spielen eifrig Haschen
    Am Becken, wo das Abendlicht verklingt

    17.04.2008
  • frumS
    edit
  • frumS
    SebastianFB: Dein Hamburg-Gedicht gefällt mir sehr.

    Mit lieben Grüßen
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  • BFnaitsabeS
    Freut mich. Inzwischen gibts eine zweite Version, die ich besser finde. Aber ich arbeite noch dran weiter.

    Viele Grüße!
  • kiluga
    kiluga
    mir gefällt dein text auch sehr, fließend und es sind schöne bilder die vernehme..
  • BFnaitsabeS
    Die neue Version:

    HAMBURG

    Die Wand vom Haus graffiti-überkringelt
    Im Glas der Bank zuckt es von Vögeln blind
    Pfeilschnelle Schwalben umsäumen Wolkenkissen
    Geschickt wie Ahlen im Webstuhl Mittagswind

    Im See versinkt das Dunkel von Dezennien
    Ich träume mir ein dort ertrunknes Kind
    Die Amme schiebt verwelkt den Kinderwagen
    Im Rock an dem verspielte Rüschen sind

    Den Glanz der Blätter hinterfangen Schatten
    Ein Rhododendron schwingt am Pfade hin
    Zwei ältre Kinder spielen eifrig Haschen
    Am Dämmerbecken wo die Bettler sind
  • Jelly
    Mir gefällt die erste Strophe nicht so gut wie die beiden letzten. Irgendwas klingt dran zu übertrieben, es holpert auch beim Lesen.
  • BFnaitsabeS
    HAMBURG

    Die Wand vom Haus graffiti-überkringelt
    Im Glas der Bank zuckt es von Möwen blind
    Pfeilschnelle Schwalben umsäumen Wolkenkissen
    Zwei Ahlen gleich im stillen Mittagswind

    Im See versinkt das Dunkel von Dezennien
    Ich träume mir ein dort ertrunknes Kind
    Die Amme schiebt verwelkt den Kinderwagen
    Im Rock an dem verspielte Rüschen sind

    Den Glanz der Blätter hinterfangen Schatten
    Ein Rhododendron schwingt am Pfade hin
    Zwei ältre Kinder spielen eifrig Haschen
    Am Dämmerbecken wo die Bettler sind

    *

    Danke, ohrmuz. Ich weiß, was du meinst. Gings dir so bei der ersten oder bei der zweiten Version der Strophe? Oder bei beiden?

    Um die Offenlegung des Gestaltungsprozesses vollständig zu machen, hab ich jetzt die dritte Version eingestellt. Sie hat die ursprüngliche erste Strophe.Den Holperer hab ich zu bereinigen versucht, aber damit vielleicht poetisches Potential verspielt.
  • kritiker
    Hallo Sebastian,
    das Gedicht hat einige Probleme im Rhythmus, ganz eklatant im 3. Vers und im 10.

    Das Bild mit dem "Glas" der Bank wirkt nicht wie intendiert, weil "Bank" zweideutig ist und "Glas" erst interpretiert werden muss.
    "Die Wand vom Haus" ist sehr platt.

    Daß sowohl 2. als auch 3. Strophe mit dem ganz schwachen "sind" enden, stört und macht das Ganze leiern. In der 2. Strophe ist das "sind" noch ganz gut, aber in der 3. unmöglich. Da war "verklingt" besser.

    Das Ganze erinnert mit seiner Reihung trist-vereinzelter Bildfragmente ein wenig an E.G. Winkler - du greifst sehr hoch - daher fallen Schwächen kraß ins Auge - es fehlt aber an einem alles einenden Rhythmus und damit an Spannungserzeugung, Spannungsbogen und Spannungsauflösung.

    Du merkst das und wühlst deshalb immer wieder in der 3. Strophe herum, die Schwächen sind aber bereits in den ersten beiden angelegt, wenn auch ohne die Fortsetzung kaum zu erkennen.

    Hoffe, weitergeholfen zu haben.
    k.
  • BFnaitsabeS
    Interessante Kritik, aus der ich mir das meine rauszufischen gedenke. Vielen Dank. Werd mir mal Winkler durchlesen, um zu verstehen, was du mit einendem Rhythmus meinst. Mit "sind" habe ich tatsächlich zweimal auf den gleichen Naivitäts-Effekt gesetzt, und eins davon ist eventuell zu viel, da hast du recht.

    Ich halte das Gedicht nicht für einen Volltreffer, und denke auch nicht, dass es durch Reparaturen einer werden kann. Es ging mehr darum, überhaupt mal zu versuchen, Handwerklichkeit ins Gedichteschreiben zu bringen.
  • BFnaitsabeS
    Mal zum Testen (Kritikpunkte integriert):

    HAMBURG

    Die Häuserwand graffiti-überkringelt
    Im Fensterglas zuckt es von Möwen blind
    Ein Schwalbenpaar säumt pfeilschnell Wolkenkissen
    Zwei Ahlen gleich im stillen Mittagswind

    Im See versinkt das Dunkel von Dezennien
    Ich träume mir ein dort ertrunknes Kind
    Die Amme schiebt verwelkt den Kinderwagen
    Im Rock an dem verspielte Rüschen sind

    Den Glanz der Blätter hinterfangen Schatten
    Ein Rhododendron schwingt am Pfade hin
    Zwei ältre Kinder spielen eifrig Haschen
    Am Becken, wo das Abendlicht verklingt
  • kritiker
    Ich würde mal versuchen, einige Verse noch ein paar Silben länger zu machen (z.B. 7?, 10?, 11? und/oder 12?), um Bewegung zu schaffen und indirekt dem Leiern vorzubeugen, das jetzt ganz stark durchdringt. 6 gleiche Reime in baugleichen Versen und noch dazu mit betonter Endsilbe sind eine hübsche handwerkliche Übung, aber sehr riskant. Du selbst hast das gemerkt, und dir ist deshalb das einzige Komma reingerutscht, um die ersehnte Pause zu markieren. (Was natürlich alleine nicht reicht... ;-)
    Was auch gemacht werden könnte, ist, die Ortsbestimmung im letzten Vers auszumerzen oder zumindest durch ein "ums Becken" zu ersetzen (weniger statisch).

    Nein, ein Volltreffer wird es wohl kaum noch werden.

    Den einenden Rhythmus findest du auch sehr schön in dem Gedicht von smurf, das heute im Forum gepostet wurde. Allerdings ist es von ganz anderer Art und ermöglicht größere Freiheiten mit dem Zeilensprung.

    k.
  • BFnaitsabeS
    Weiß nicht. Deine Beobachtungen sind sehr genau. Aber nun denke ich doch: das, was du beobachtest, sind Wesensmerkmale des Gedichts, und nicht dessen Fehler: Leiern, Fünfheber, gleichlautende Reime, fehlender Spannungsbogen, triste Bilder. Das entspricht wohl ganz gut meiner Gestaltungs-Intention. Wo s inhaltlich nichts zu einen gibt, macht einender Rhtythmus vermutlich nicht so viel Sinn. (Das Gedicht von Smurf allerdings hat mir keinen Spaß gemacht. Weshalb ich s auch nach halber Lektüre weggeklickt habe und nicht kommentiert. Lyrik fängt meist dort an, wo Bombast und Attitüde enden.)
  • frumS
    kritiker meint mein sturmgedicht und nicht das andere nehme ich an. Ist aber auch nicht so wild.

    Zu Deinem noch etwas. Mir gefile die 1. Version wie sie war.
  • kritiker
    Ja, ich meinte das Sturmgedicht. Da hätte die inhaltliche Tiefe vielleicht noch besser herausgearbeitet werden können (man kann aber auch leicht zu krittelig sein... nomen est omen ;-)), Rhythmus und Spannungsbogen sind aber sehr schön.

    Zu deiner Bemerkung, was ich Fehler nenne, sei genau deine Intention gewesen: das mag natürlich sein; ich kann nur sagen, wie es auf mich wirkt. Man kann Öde auch dadurch ausdrücken, daß man einfach dreimal "Öde" schreibt und Punkt. Aber ein Gedicht ist es erst, wenn es Musik ist. Denk mal an die bedrückende Stille in Goethes "Meeresstille". Schubert hat das ganz "einfach" vertont und die Spannung sehr schön ausgedrückt.
    Ich sage ja auch nicht, du solltest die Reime, Metrum, Bilder etc. ändern. "Bewegung" kann ja auch nur ein Kontrastmittel sein, um die Statik deiner Wahrnehmungen besser fühlbar zu machen.
    Ein gutes Beispiel ist "Die Stadt" von Storm: "Der Nebel drückt die Dächer schwer/und durch die Stille braust das Meer/eintönig um die Stadt\" (so ungefähr, aus dem Gedächtnis zitiert) Schöner und bewegter kann man Eintönigkeit kaum bewusst machen.

    Aber, wie gesagt, aus diesem Gedicht wird wohl kein Volltreffer mehr. Vielleicht das nächste Mal, wenn die Welt wieder zu singen anfängt... ;-)

    k.
  • Jelly
    HAMBURG

    Die Häuserwand graffiti-überkringelt (1)
    Im Glas der Bank zuckt es von Möwen blind (2)
    Ein Schwalbenpaar säumt pfeilschnell Wolkenkissen
    Zwei Ahlen gleich im stillen Mittagswind (3)

    Im See versinkt das Dunkel von Dezennien
    Ich träume mir ein dort ertrunknes Kind
    Die Amme schiebt verwelkt den Kinderwagen
    Im Rock an dem verspielte Rüschen sind

    Den Glanz der Blätter hinterfangen Schatten
    Ein Rhododendron schwingt im Abend hin (4)
    Zwei ältre Kinder spielen eifrig Haschen
    Am Dämmerbecken wo die Bettler sind (5)



    (1) Die Bindestrichbeschreibung liest sich nicht so elegant, sprachlich passt sie auch nicht zum Rest. (überkringelt)
    (2) Bank klingt überraschend, aber einen riesigen Würfel der den Himmel doppelt, finde ich als Bild imposanter als "Fensterglas". Das Zucken passt auch eher zu was Großem.
    (3) Die beiden Verse lesen sich zwar besser so, aber das "zwei" ist vielleicht entbehrlich wenn von "Paar" die Rede war. "Pfeilschnell" muss auch nicht sein, schließlich sind es Schwalben, aber ohne klingts auch wieder zu betulich..
    (4) Finde ich schöner, das antiquierte "Pfade" ist sprachlich irgendwie zuviel des Guten.
    (5) Ist doch ein schöner Bruch am Ende, verklingendes Abendlicht geht gar nicht, das ist viel zu kitschig für Hamburg und wurde auch schon oft geschrieben.

    An der ersten Strophe fallen vor allem die ersten zwei Zeilen auf.
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