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  • Verständnisfrage zu Stürzende Linien und Fluchtpunkt

  • schlumpfine Verständnisfrage zu Stürzende Linien und Fluchtpunkt
    Hallo liebes Forum,

    Während meiner Diplomarbeit (Informatik) bin ich auf ein Problem gestoßen. Details aus meiner Arbeit zu beschreiben wäre zu kompliziert und tut wahrscheinlich auch gar nicht so zur Sache. Also abstrahier ich mal aufs wesentliche:

    Bei der Recherche, um mein Problem zu lösen, bin ich auf das Thema "Stürzende Linien" gestoßen. Ich habe mich ein wenig darüber gelesen, und verstehe das "Phänomen" der stürzenden Linien noch nicht so recht. Ich hoffe jemand kann es mir genauer erklären. Soweit ich verstanden habe, entstehen stürzende Linien, wenn ich z.B. ein Gebäude aufnehmen will und dafür die Kamera nach oben schwenke. In der Realität parallele Kanten laufen dann im Bild zusammen. Das Ganze kann man dann scheinbar mit Bildbearbeitungs-Tools korrigieren, indem das Bild entsprechend verzerrt wird, so dass die Kanten wieder parallel zueinander sind. Richtig?
    Aber was ich mich frage ist,... wenn ich mich jetzt vor einen Turm stelle (ohne Kamera) und nach oben gucke,... dann laufen doch die Kanten auch zusammen, oder nicht? Ich dachte das wäre dann der Fluchtpunkt.
    Was genau ist also der Unterschied zwischen stürzende Linien und Fluchtpunkt oder ist das gar das selbe? Und wenn es das selbe ist, warum muss ich es dann korrigieren??

    Es wäre toll wenn mir jemand antworten könnte. Es eilt leider auch :(
  • malsupilahmi
    malsupilahmi
    ich würde meinen, dass die stürzenden Linien eben dieses besondere Phänomen der Fluchtpunkte beschreiben. Ich hätte aber auch kein Problem, wenn man das als 3-Punktperspektive benennt.
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  • simulacra
    simulacra
    ich würde meinen, dass die stürzenden Linien eben dieses besondere Phänomen der Fluchtpunkte beschreiben. Ich hätte aber auch kein Problem, wenn man das als 3-Punktperspektive benennt.

    Sehe ich auch so. Und zu den Korrekturwerkzeugen bei der Bildbearbeitungssoftware: Die sind nicht dazu gedacht, z.B. Wolkenkratzer, die du von unten aufnimmst und die eine so große Höhe haben, dass die Fluchtpunkte sich scheinbar schon treffen, wieder auseinander zu schrauben, sondern eher um kleine Korrekturen in der Flucht vorzunehmen. Beispiel:
    Aufnahme des Innenraums einer Kathedrale. Zu sehen ist der Fußboden, eine gegnüberliegende Wand mit großem rechteckigen Schrein und die Seitenwände der Kirche. Natürlich alles mit Fluchtpunkt ;)
    Da man aber selten mit der Kamera genau in Höhe der jeweiligen festzuhaltenden Kunstwerke steht, ergibt sich erneut eine kleine Schräge (weil du leicht von unten knipst): Der Schrein wäre auf der Kameraaufnahme oben schmaler als unten, wie bei den Wolkenkratzern, nur etwas subtiler. Dann kann man dieses Werkzeug benutzen, um den Schrein wieder "ins Rechte(-ckige) zu rücken".

    Oder der umgekehrte Fall, dass man eine Flucht erweoitern will. So kann man in Photoshop beispielsweise aus einem normalen Hochhaus einen Wolkenkratzer bauen, indem man oben den Auschnitt des gleichen Hauses, angepasst an die jeweilige Flucht des Originals, einen verkleinerten Teil anhängt.
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  • heinrich
    Es gibt noch einen Blickpunkt, Bildebene und Erdebene.


    Und der Blickpunkt verändert sich dabei,

    wenn du deinen Kopf nach oben im Nacken wirfst.

    Oder wenn dein Kopf sich nicht bewegt und du nur deine Augen "schärfst".

    In einem Fall stehst du auf der Erdebene
    und bewegst deinen Blickpunkt der Bildebene entlang von unten nach oben
    (stürzende Linien). "Der Schleier" von Leon Baptista Alberti.

    In anderem Fall stehst du auf der Erdebene
    und bewegst deinen Blickpunkt in die Tiefe von vorne nach hinten (Fluchtpunkt). "Das Fenster" von Leonardo da Vinci.

    Auge und Kamera funktionieren identisch,
    aber auch nicht ganz gleich.

    Vielleicht hat es damit zu tun...
  • reniek
    ...
  • tostnoufk
    stürzende Linien = Perspektive
    Es gibt auch Objektive, mit denen man das korrigieren kann, wenn man das braucht...
    Du hast nicht geschrieben, worum es Dir geht, aber im Bereich der Informatik befasst Du Dich vielleicht mit der Architekturvisualisierung. Und z.B. in dem Bereich gibt es einen Anwendungsbereich: Wenn Du eine Fassade in ein 3D-Modell integrieren musst und diese hat die Form eines Rechtecks, dann braucht man idealerweise fürs Texture-Mapping ebenfalls ein Rechteck, aber ein normales Photo liefert Dir je nach Aufnahmeposition irgend ein beliebiges Viereck - und das nur ungefähr. Mit so einer Software oder so einem Objektiv (ist natürlich besser) schaffst Du verarbeitbares Bildmaterial.
  • efwe
    efwe
    fluchtpunkt ist auf der z-achse stuerzende linien entl der y-achse zu finden:o
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  • egroB
    wenn du deinen Kopf nach oben im Nacken wirfst...


    - wenn du deinen kopf nach oben im nacken wirfst, musst du erst deinen kopf abreißen, dann den rumpf zerreißen, den kopf in den nacken stecken und dann das ganze paket in die lüfte kicken...wow...was es so alles gibt...
  • siku


    Aber was ich mich frage ist,... wenn ich mich jetzt vor einen Turm stelle (ohne Kamera) und nach oben gucke,... dann laufen doch die Kanten auch zusammen, oder nicht? Ich dachte das wäre dann der Fluchtpunkt.
    Was genau ist also der Unterschied zwischen stürzende Linien und Fluchtpunkt oder ist das gar das selbe? Und wenn es das selbe ist, warum muss ich es dann korrigieren??


    ja das ist der Fluchtpunkt und die Linien, die auf diesen Punkt zulaufen, sind die Fluchtlinien - dieses Sicht nennt man Untersicht oder Froschperspektive, d.h. der Gegenstand liegt über dem Betrachterstandpunkt (Augenhöhe), im Gegensatz zur Draufsicht oder Vogelperspektive, dann liegt der Fluchtpunkt (Gegenstand) tiefer als die Augenhöhe.

    "Parallele Linien im Motiv werden daher nur dann im Bild ebenfalls parallel verlaufen, wenn sie im Motiv in einer Ebene liegen, die parallel zur Filmebene liegt. Wird also die Kamera z. B. vor einem Haus nach oben verschwenkt [Froschperspektive], entstehen stürzende Linien, das Haus scheint nach hinten zu kippen." weiters bei wiki, stützende Linien
  • Robert Wolter
    Robert Wolter
    Aber was ich mich frage ist,... wenn ich mich jetzt vor einen Turm stelle (ohne Kamera) und nach oben gucke,... dann laufen doch die Kanten auch zusammen, oder nicht? Ich dachte das wäre dann der Fluchtpunkt.
    Was genau ist also der Unterschied zwischen stürzende Linien und Fluchtpunkt oder ist das gar das selbe? Und wenn es das selbe ist, warum muss ich es dann korrigieren??


    Stürzende Linien entstehen dadurch, dass du nicht exakt senkrecht auf ein Objekt mit geraden Begrenzungslinien (z.B. Quader) blickst, sondern entweder nach oben oder nach unten (oder auch zur Seite) abweichst, vollkommen gleichgültig, ob mit oder ohne Kamera. Durch diese Abweichung entsteht automatisch eine Nicht-Parallelität der eigentlich parallelen Begrenzungslinien (dadurch läuft z.B. ein gerader Turm scheinbar spitz nach oben zu), verbunden mit Fluchtpunkt/en, der/die sich oft außerhalb des Bildes befindet/n.

    Die "Abhilfe" der Bildbearbeitungs-Programme besteht darin, diese Linien wieder zu Parallelen zu deformieren (wodurch der Fluchtpunkt automatisch im Unendlichen liegt), was im Falle von Nicht-Weitwinkelaufnahmen durch eine einfache Scherung zu erreichen ist. Ein Bsp. findest du hier: http://eye.de/tip-stuerzende-linien.shtml

    Du musst dieses nur dann korrigieren, wenn du auf dem Bild parallele Linien zu sehen wünschst. Oftmals ist aber gerade der "Aufblick"- oder "Herabblick"-Effekt gewünscht, so dass eine Korrektur dieser Linien geradezu unsinnig wäre ;)
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  • schlumpfine
    Hallo,

    vielen vielen lieben Dank fuer eure zahlreichen Antworten. Ich hatte gar nicht damit gerechnet :)

    Ich denke ich hab's jetzt verstanden. Richtig interessant das Thema :)
  • Anja Schartl
    Anja Schartl
    Es gibt in der Fotografie perspektivbedingt fluchtende (im Fluchpunkt zusammenlaufende) und objektivbedingt gebeugte Linien (Verzeichnungen).

    Fluchtende Linien entstehen, wenn man die Aufnahmeebene neigt (vergleichbar mit der Kopfneigung) und damit den Horizont aus der Mitte nach oben oder unten verschiebt. Das passiert bereits, wenn man eine Fläche (z.B. Gebäude) nicht exakt planparallel fotografiert. Mit einer subtilen, also nicht deutlich beabsichtigten Verschiebung kommen wir bei längerer Betrachtung aufgrund des Gleichgewichtssinns nur schlecht zurecht und empfinden es als unangenehm. Das drängt uns zu einer "Korrektur" der geneigten Linien. Oft meint man auch, man würde die Kamera gerade halten, und stellt erst nach der Aufnahme fest, dass sie aus dem Lot geraten ist. Die Folge sind leicht geneigte und/oder gekippte Bilder.

    Bei Objektiven ergeben sich durch die verwendeten Linsen und deren Konstruktion mehr oder weniger stark ausgeprägte Verzeichnungen, bei Teleobjektiven kissenförmige, bei Weitwinkel - wie sie meist für Architekturaufnahmen eingesetzt werden - tonnenförmige.
    Besonders gut bei Fisheye-Objektiven zu erkennen.
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Keplers_House_Rectfish.jpg&filetimestamp=20091003091803

    Fluchtende und gebeugte Linien machen sich je nach Aufnahmesituation als störende stürzende Linien bemerkbar, vor allem dann, wenn wir Bezugswerte haben wie normalerweise parallel oder rechtwinklig verlaufende Kanten oder die geraden Begrenzungen des Fotos/Bildes.

    http://www.dffe.at/pano-horizont.html

    Außerdem gibt es in der Architektur nicht immer gerade Linien, auch wenn sie uns zunächst so erscheinen. Die Kurvatur beim Pantheon ist ein Beispiel dafür. Hinzu kommen optische Täuschungen. Das bringt die Muster in unserem Gehirn, die bedient werden wollen, dann vollends aus dem Konzept - gerade wird krumm und krumm wird gerade und was nicht passt, wird passend gemacht. ;)
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