KunstNet uses Cookies. Details.
  • Titel oder Ohne Titel?

  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg Titel oder Ohne Titel?
    Gerade bei den rein fraktal erstellten abstrakten Bildern (bei mir mit Programm APOPHYSIS) ist doch oft die Form der Inhalt.

    "Was will uns der Künstler mit diesem Bilde sagen?" Auf diese bildungsbürgerliche Frage nach dem Inhalt passt oft nur die Antwort: Sagen will er garnichts, denn sonst hätte er wohl einen Aufsatz geschrieben.

    Überlege also gerade, ob ich nicht viel öfter "ot" vergeben sollte, dann ist jeder frei, seinen Assoziationen und Interpretationen freien Lauf zu lassen (und den Inhalt in sich selbst entstehen zu lassen, gemäß der Ansicht von Picasso: dass das Kunstwerk im Auge des Betrachters entstehe); ich versuche dann nicht, den Betrachter zu zwingen, meiner Sicht zu folgen. Gilt für viele andere optisch erfahrbaren Werke wohl auch. Für etliche Werke, oder die meisten, die ein klares Thema haben, wohl nicht.

    Was meint Ihr dazu?
  • -emarap
    Gerade bei den rein fraktal erstellten abstrakten Bildern (bei mir mit Programm APOPHYSIS)


    Mich würde einaml interessieren, warum du denkst, dass es Fraktale sind, welche bei Apophysis die Bilder erstellen?
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Wenn ich mich recht entsinne, steht das in der theoretischen beschreibung. Aber auch sonst kannst Du das sehn, wenn Du mal nur mit Parametereinstellung "linear" arbeitest.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • -emarap
    Ach so. Und was machst du?
  • simulacra
    simulacra
    Hm, parame über Prametereinstellungen zu belehren erscheint mir überflüssig. Aber das ist bestimmt wie beim Hundekuchen: "Hunde essen keinen Kuchen"
    ...oder so.
    Signature
  • -emarap
    Mag ja sein, aber ich würde nur gerne wissen, wieviel bei Dautzenbergs Arbeiten computergesteuerte Zufallsproduktion ist und wieviel gezieltes künstlerisches Eingreifen.
    Erst wenn nicht das Programm der alleinige Künstler ist, ist die Frage nach einem Titel gerechtfertigt. ( Meine Meinung )

    Ich kenne Apophysis ein wenig. Man kann damit geradezu umwerfende Bilder generieren und braucht dazu nur ein paar Klicks.
  • simulacra
    simulacra
    Ah ok. War auch nur ein Augenzwinker-Einwand :)
    Signature
  • -emarap
    *g* inzwischen hab ichs begriffen:-) Wahrscheinlich ist es zu spät um noch groß zu diskutieren *gähn*
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Mag ja sein, aber ich würde nur gerne wissen, wieviel bei Dautzenbergs Arbeiten computergesteuerte Zufallsproduktion ist und wieviel gezieltes künstlerisches Eingreifen.
    Erst wenn nicht das Programm der alleinige Künstler ist, ist die Frage nach einem Titel gerechtfertigt. ( Meine Meinung )


    Apophysis macht zufallsgesteuerte (Parameter) Vorschläge. Aus denen kann man sich einen raussuchen, der einem entwicklungsfähig erscheint. Dann veränderst du solange verschiedene Parameter, oder führst neue ein, oder löschst andere, bis das Ergebnis Dir gut erscheint. Es ist also beides: zufallsgesteuert und
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Mag ja sein, aber ich würde nur gerne wissen, wieviel bei Dautzenbergs Arbeiten computergesteuerte Zufallsproduktion ist und wieviel gezieltes künstlerisches Eingreifen.
    Erst wenn nicht das Programm der alleinige Künstler ist, ist die Frage nach einem Titel gerechtfertigt. ( Meine Meinung )


    Kluger Beitrag, so habe ich das noch garnicht gesehen.
    Apophysis macht zufallsgesteuerte (Parameter-Kombinations-) Vorschläge (z.B. 100 verschiedene auf einen Schlag). Aus denen kann man sich einen heraussuchen, der einem entwicklungsfähig erscheint. Dann veränderst du solange verschiedene Parameter, oder führst neue ein, oder löschst andere, bis das Ergebnis Dir gut erscheint und Deiner Aussageintention/Formintention entspricht - wobei Letzteres sich parallel mit Deiner Bearbeitung entwickelt/entwickeln kann/nicht entwickelt. Es ist also beides: zufallsgesteuert und bewusst bearbeitet. Aber wie schon Aristoteles sinnierte: "Kunst liebt den Zufall, und der Zufall liebt die Kunst." Gruß, Dirk Dautzenberg
  • heinrich
    Aristoteles mag ich net...
    Signature
  • -emarap
    Hallo Dirk,

    danke für deine ausführliche Antwort. Es ist also so, dass du schon weißt worauf die ganze Sache ungefähr hinaus laufen soll, oder?
    Dennoch finde ich, gerade bei derlei Bildern sollte man den Titel weg lassen, um bei dem Betrachter die Fantasien zu lenken.
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Hallo Dirk,
    Dennoch finde ich, gerade bei derlei Bildern sollte man den Titel weg lassen, um bei dem Betrachter die Fantasien zu lenken.


    Danke für Deine Meinung! Denke wohl auch, dass ich in Zukunft oft den Titel weglassen werde, außer in den Fällen, wo ich dem Betrachter tatsächlich meine Sicht nahe bringen möchte.
  • Grauton
    Grauton
    Titel lassen wenig Interpretationsfreiheit!

    Deshalb: Weg damit!

    Nummern sind da schon besser.........
  • efwe
    efwe
    Titel lassen wenig Interpretationsfreiheit!

    ...


    nein
    Signature
  • iztaT
    Hallo,
    toll! Schließe mich an.
    Wer sich in seiner Interpretationsfreiheit vom Titel einschränken lässt, muss sich fragen, ob er dem visuell Erlebten den gleichwertigen Stellenwert gibt, wie dem Gelesenen oder sich textuell 'verführen' lässt.
    Wenn einem Bild ein Titel gegeben wurde, sollte er in die Rezeption schon einfließen, und wenn er das tut, schränkt er nicht die Interpretationsfreiheit ein, er ist Teil von ihr.
  • Dimitri Vojnov
    Dimitri Vojnov OHNE TITEL - Eine Geschichte aus meinem Buch Bunter Vogel
    OHNE TITEL - Eine Geschichte aus meinem Buch Bunter Vogel

    Die Schwierigkeiten, den richtigen Titel für ein Bild zu finden, ist eine heikle Sache. Das kostet mich viel Zeit, bereitet mir Kopfschmerzen und ich bin nie sicher, ob es der richtige ist.
    Auf einer Ausstellung habe ich ein Bild gezeigt, ein Mädchen mit Turban, mit verbundenen Augen und ich wusste nicht, welchen Titel ich geben soll. Kurz vor der Vernissage, habe ich ein Experiment gemacht. Ich habe ein weißes Blatt Papier links von dem Bild platziert und einen Kugelschreiber mit Schnur an die Wand genagelt.
    Es war kein Mensch im Ausstellungsraum und ich habe mit meinem gemalten Mädchen mit Turban geredet. „ Hör mal Mädchen, ich habe dich mit so viel Liebe gemalt, mach etwas schönes für mich. Ich habe keine Ahnung, was ich für einen Titel schreiben soll, schreib bitte, was die Leute sagen. Ich war nicht sicher, ob das funktioniert, dennoch hatte ich das Gefühl, dass wir uns verstanden haben.

    Am nächsten Tag, war ich als erster im Ausstellungsraum. Ungeduldig ging ich auf das Blatt Papier zu.
    Dort standen tatsächlich drei Worte: „Mädchen mit Turban“

    Am nächsten Tag, es war ein Freitag, war wieder ein neuer Titel auf dem Blatt Papier.: „ Unschuld“

    Sa. Verbotene Gedanken
    So. Träume
    Mo. Listige Braut
    Di. Schlechte Gewissen
    Mi. Erotische Gedanken
    Do. Blöde Kuh
    Fr. Bella donna
    Sa. Zartes Wesen
    So. Vorahnung
    Mo Sinnliche Gefühle
    Di. Junge Hure
    Mi. Meine Traumfrau

    Die Ausstellung dauerte zwei Wochen.

    Jetzt lese ich dieses Tagebuch und... ich weiß nicht, wer es geschrieben hat. War es mein gemaltes Mädchen, war es das Publikum ?

    Welchen Titel wähle ich jetzt? Ich weiß es nicht.

    In Zukunft werde ich immer schreiben: „ohne Titel“, damit ich beruhigt schlafen kann.

    Wünsche allen einen schönen Sonntag.

    Gruß Dimitri

    PS "Reif für Berlin" eine weitere Geschichte aus meinem
    Buch Bunter Vogel jetzt auf YouTube
    Reif für Berlin
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    Hallo,
    toll! Schließe mich an.
    Wer sich in seiner Interpretationsfreiheit vom Titel einschränken lässt, muss sich fragen, ob er dem visuell Erlebten den gleichwertigen Stellenwert gibt, wie dem Gelesenen oder sich textuell 'verführen' lässt.
    Wenn einem Bild ein Titel gegeben wurde, sollte er in die Rezeption schon einfließen, und wenn er das tut, schränkt er nicht die Interpretationsfreiheit ein, er ist Teil von ihr.


    Sehr differenziert gedacht! Danke! Bewege es in meinem Herzen.
  • Dirk Dautzenberg
    Dirk Dautzenberg
    OHNE TITEL - Eine Geschichte aus meinem Buch Bunter Vogel

    Die Schwierigkeiten, den richtigen Titel für ein Bild zu finden, ist eine heikle Sache. Das kostet mich viel Zeit, bereitet mir Kopfschmerzen und ich bin nie sicher, ob es der richtige ist......

    ....In Zukunft werde ich immer schreiben: „ohne Titel“, damit ich beruhigt schlafen kann.

    Wünsche allen einen schönen Sonntag.

    Gruß Dimitri

    PS "Reif für Berlin" eine weitere Geschichte aus meinem
    Buch Bunter Vogel jetzt auf YouTube
    Reif für Berlin


    Hallo Dimitri,
    das ist eine wunderschöne, anrührende, kleine Erzählung. Vielen lieben Dank!
    Es erinnert mich an Picasso, der meinte, dass das Kunstwerk im Auge des Betrachters entstehe. Gruß Dirk Dautzenberg jr.
  • iztaT
    Hallo,
    toll!
    Übrigens hatte Picasso nicht recht, das geht nämlich gar nicht. Als ich jüngst ein Kunstwerk im Auge einer Betrachterin entstehen lassen wollte und anfing mit dem Pinsel in ihrer Pupille herumzustochern, hat sie mir eine geknallt.
  • Page 1 of 2 [ 21 Posts ]

  • Sign in to respond or to ask a question.

Related topics and pictures