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  • Malfarben

  • leirA Malfarben
    Man hört immer wieder sachlich Falsches zum Thema Farben. Im Thread nebenan, stellte jemand neulich ein Reklamevideo ein und behauptet, dass seien objektive Informationen.

    Vorweg: Wenn jemand hobbymäßig „unterwegs ist“, dann kann er/sie sich am besten die Farben zulegen die er/sie schön findet, alles Weitere ist überflüssig.

    Wenn sich jemand Farben zulegen möchte, die dazu geeignet sein sollen, verkaufsfähige Bilder zu malen, dann gibt es verschiedene Dinge zu beachten:

    Man unterscheidet die Qualität einer Malfarbe nicht danach, ob sie nun leuchtstark, schön oder sonst wie reizvoll aussieht. Die Industrie bietet größtenteils genormte Pigmente an.
    Beispielsweise sind die Farbpigmente PB 15/Phtalocyanin oder PB 29 synth. Ultramarin immer leuchtend und schön, wie alle anderen Pigmente auch, völlig egal von welcher Firma sie hergestellt werden und in welchem Bindemittel sie verwendet werden ( also ob es sich um Aquarellfarbe, Öl, oder Acryl handelt). Ich behaupte, dass es kaum möglich ist, Pigmente, die nichts taugen, von solchen zu unterscheiden, die gut sind. Jedenfalls gilt das für Laien und für nahezu alle „Erfahrungsberichte“!
    Wenn jemand behauptet, Farben irgendeiner Marke leuchteten mehr , als die einer anderen Marke, so ist das eigentlich immer sachlich falsch. Es handelt sich dann um unterschiedliche Pigmente, die verglichen werden. Ein Hansagelb PY3 einer Billigfirma leuchtet genauso wie das der teuersten! Es mag Unterschiede in der Farbstärke geben, aber darauf kommt es nicht an.
    Die wichtigste Eigenschaft einer Malfarbe ist die Lichtbeständigkeit. Hier ergeben sich Unterschiede. Sehr teure Farben von „Edelfirmen“ taugen oft nichts und Billigprodukte sind oft sehr gut. Leider scheint das kaum jemand zu wissen, da alle der Werbung vertrauen.
    Lichtbeständigkeit bemisst sich nach der sog. Wollskala: Der Wert 0 bedeutet unbeständig, 8 heißt äußerst beständig.
    Die Farbindustrie vereinfacht diese Skala für ihre Produkte. Schmincke benutzt ein 5 Sterne-, andere Firmen ein 3 Sterne- System. 5 Sterne bei Schmincke bedeuten auf der Wollskala 7-8, 2 Sterne unter 4! Fachleute raten davon ab, Farben mit dem Wert unter 6 auf der Wollskala für Malerei zu benutzen, weil die ungeeignet sind. – Sie verblassen oder verändern sich!
    Firmen wie Talens/Van Gogh, Schoenfeld/Lukas und andere legen den Wert 6 bei 2 Sternen fest, 3 Sterne bedeuten 7-8 auf der Wollskala. Daraus folgt, dass auch hier 1-sternige Farben für Malerei ungeeignet sind, völlig egal wie teuer sie sind und ob sie von Hand durch viele Walzen gepresst werden. Der Rohstoff taugt schon nichts!
    Alle renommierten Firmen haben Farben in ihrem Repertoire, die sich für Kunst nicht eigenen. Umgekehrt führen Firmen auch Studioprodukte ( also Farben in geringerer, Nichtkünstlerqualität), die akzeptable Werte auf der Wollskala aufweisen.
    Talens stellt z.B. Aquarellfarben in Studioqualität her, die alle 3 Sterne besitzen und im Stück etwa 2 Euro kosten ( Tuben zu 10 ml, Farbklötze kosten weniger), egal welcher Ton.
    Dasselbe gilt für Acrylfarben von Liqitex ( Basics) oder Lefranc. Diese Sortimente beinhalten Verschnittfarben, also Mixturen, die sehr kostengünstig sind, aber sich für Malerei gut eignen.
    Wer also wenig Geld hat, kann sich gut ausrüsten, wenn er genau informiert ist und auswählt!
    Die teuren Künstlerprodukte braucht man nur ausnahmsweise, Anfänger brauchen sie nie.

    Wann ist ein Farbsortiment billig , wann teuer?
    Deckweiß, Titanweiß oder Schwarz sind kostengünstige Pigmente. Wenn die schon verhältnismäßig teuer sind, ist das Sortiment teuer!

    Welche Farben brauchen Anfänger?
    Anfänger müssen Malen lernen, also Mischen lernen. Daher nur die Grundfarben kaufen, da die Bilder dann automatisch besser aussehen.
    Grundfarben: Primärgelb ( Zitronton, z.B. PY3, ), Magenta ( Chinacridonrot, PR122, PV19) Primärblau ( Phtalocyaninblau, PB 15:3)., Deck-, oder Titanweiß, Schwarz.
    PR heißt Pigment red, Y yellow, B blue, V violett, usw.
    Man kann diese Grundfarben noch um Siena natur oder ein helles rot-orange erweitern, muss es aber nicht.
    Das gilt für alle Farben, also Öl-, Acryl, Aquarell usw. nur nicht für Pastell!

    Wie testet man selbst Lichtbeständigkeit?
    Man bemalt einen Papierschnipsel, zerteilt ihn, legt eine Hälfte in ein Buch, die andere klebt man an die Innenseite des nach Süden ausgerichteten Fensters. Nach einem Jahr vergleicht man. Unterscheiden sich die Hälften des Schnipsels nicht, hat man eine hoch lichtbeständige Farbe.
    Oft wird der Ton schon nach 2 Wochen verblassen!
    Ein unabhängiger Tester hat die Aquarellfarben renommierter Hersteller unter die „Lupe“ genommen und hier veröffentlicht:
    http://www.handprint.com/HP/WCL/waterfs.html
    Ganz links sind Pigment und Hersteller aufgeführt, rechts am äußeren Rand die Lichtbeständigkeit auf der Wollskala.

    Soweit mir bekannt ist , sind Herstellerangaben bezüglich der Lichtechtheit in Ordnung, da sie ja bei den eigenen Produkten regelmäßig auch schlecht ausfallen.

    Künstlerfarben, Spitzenprodukte. Warum haben Profis so viele Farben?
    Wer erfahren ist und genau weiß, was er wozu einsetzen möchte, braucht Farben, die sich nicht nur im Farbton unterscheiden. Genauer: Man benötigt transparente, halbdeckende und deckende Farben. Zudem die Töne, die sich aus den Grundfarben nicht ermischen lassen.
  • midwife
    midwife
    Hallo Ariel,
    danke für deine Ausführungen.
    Eines versteh ich allerdings nicht:
    Wieso sollte ein Anfänger erstmal das Mischen lernen? Dann braucht man ja wahrscheinlich Jahre, um ein Bild mit genau den gewünschten Farben zu erstellen.
    Warum schwierig, wenn es heutzutage auch einfacher geht, da es ja so viele Farbtöne auf dem Markt gibt?
    Die Lichtbeständigkeit ist ja auch für einen ambitionierten Anfänger wichtig. Man möchte ja nicht, daß die Bilder schon nach kurzer Zeit verblassen. ( Es sei denn, sie sind kompletter Müll..;-)..)
    LG Helena
    Signature
  • lraeP_ybaG
    Das ist ja mal ein schöner informativer Beitrag, danke.
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  • leirA
    Hallo midwife,
    wenn man fertig angemische Farben kauft, wirken die oft tot! Malt man z.B. einen Sandstrand und nimmt die naheliegende Farbe lichter Ocker, ist alles steril und homogen. Aus den Grundfarben sieht es dagegen toll aus.

    Mischen dauert nicht lange. Man kann das vereinfachen und den Farbkreis auf einem großen Porzellanteller z.B. mit 3 Klecksen Aquarellfarben "nachmischen". Jeweils einen Tupfer hellgelb, gegenüber Cyanblau und dazu gegenüber Magentarot. Wenn man daraus ein Grau mischt, hat man schon das Prinzip verstanden. Daraus kann man dann alle Schattenfarben z.B. in Gebäuden anmischen. Nimmt man ein solches Grau und gibt mehr gelb dazu, hat man die ideale Farbe eines Sandstrandes. Auch alle Gesteinsarten bestehen aus diesem Grau. Als Öl- oder Acrylfarbe muss man das dann noch mit Weiß ausmischen, bei Aquarell macht es die Verdünnung mit Wasser.

    Will man z.B. Fleischfarbe herstellen, nimmt man Rot- Gelb, mischt es mit weiß aus und nimmt einfach die eigene linke Hand zur Anschauung. Das qietschige rosa verschwindet und weicht einem natürlichen Fleischton indem man ganz vorsichtig Blau zusetzt. Dort wo der Schatten ganz stark ist benutzt man wieder das Grau aus Rot-Gelb-Blau. ´
    Der Neutralton aus den Grundfarben ist der Ausgangspunkt! Wenn man den "drauf hat" ist Mischen einfach.
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    Zu dem Thema möchte ich gerne auch mit meinen Erfahrungen beitragen.

    Ich habe mich selbst vor ca. 1 Jahr damit auseinander gesetzt, um für mich einen Acrylfarbenhersteller zu finden, der eine optimale Mischung aus Preis und Qualität bietet.

    Zu den, von Ariel genannten Kriterien war für mich auch wichtig, welche Konsistenz die Farbe hat und welche Namen die Pigmente hatten.
    Ich habe nach Farbene gesucht, die
    1. nicht zu flüssig sind
    Verdünnen kann ich selbst.
    2. Pigmente mit Namen verwenden, wie man sie auch in der Literatur findet.
    Ich möchte "Indisch Gelb" und nicht "Hellorange"

    Meine Wahl viel damals übrigens auf Winsor & Newton
    Signature
  • midwife
    midwife
    Hmmm,
    das hab ich schon bei einigen Bildern probiert, obwohl ich dazu eigentlich zu ungeduldig bin, wenn mich die Malsucht angesprungen hat und ich eine Idee im Kopf habe.
    Das größte Problem ist aber, den exakt gleichen Farbton wieder zu mischen, wenn die Farbe nicht reicht. Das hat nie wirklich geklappt.
    Aber wenn du sagst, daß die vorgemischten Farben tot wirken, im Vergleich, wäre das schon ein Anreiz..
    Müßte mir dann wohl genau aufschreiben, von welcher Farbe ich, wieviel genommen habe oder wie?
    Signature
  • iffulF
    Hi..........ds mscht jsch mischn kannst gelbs tsdann blau...schschgibts grün...nsweiter...prost
  • nighthawk
  • leirA
    Hmmm,
    das hab ich schon bei einigen Bildern probiert, obwohl ich dazu eigentlich zu ungeduldig bin, wenn mich die Malsucht angesprungen hat und ich eine Idee im Kopf habe.
    Das größte Problem ist aber, den exakt gleichen Farbton wieder zu mischen, wenn die Farbe nicht reicht. Das hat nie wirklich geklappt.
    Aber wenn du sagst, daß die vorgemischten Farben tot wirken, im Vergleich, wäre das schon ein Anreiz..
    Müßte mir dann wohl genau aufschreiben, von welcher Farbe ich, wieviel genommen habe oder wie?


    Bei Acrylfarben nachzumischen ist schlecht, weil die Farbe ja getrocknet anders aussieht. Öl ist besser, da sieht frische genauso wie getrocknete aus.
    Ich benutze bei Acryl immer verschraubbare Marmeladengläser und setze immer viel mehr Farbe an. Ölfarben bekommt man nachgemischt, wenn es nicht mehr als 3 Zutaten waren, bei Acryl geht's nicht.
  • nighthawk
  • leirA
    Hi Vincents Ohr,
    ich finde auch ganz entscheidend wie teuer eine Farbe ist! Gerade jüngere Leute haben wenig Kohle aber Lust zu malen. Da geht viel, wenn man gute Studiofarben kauft.
    Winsor/Newton haben bestimmt gute Farben, aber auf die Lichtbeständigkeitsangaben würde ich trotzdem achten, das gilt besonders für deren Studiofarben.
    Ich benutze hauptsächlich Farben von Talens und Schoenfeld.
    Daniel Smith soll außerordentlich gut sein, da werde ich wohl in nächster Zeit mal zuschlagen.
  • leirA
    Hallo nighthawk,
    Abtönfarben zu mischen ist tapfer. Die haben ja trocken kaum Ähnlichkeit mit ihrem nassen Zustand.
    Ich habe gesehen, dass Du Deine Sachen in Acryl machst. Da wird es ja auch problematisch Mischungen länger malfertig zu halten, oder?
  • nighthawk
  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    Meine Palette:
    Ein große, flache, verschließbare Tupperschale. Solch eine, wie sie zum aufbewahren von Blechkuchen verwendet wird. Darin mehrere Schichten Küchenkrepp, welche stark befeuchtet werden. Darüber eine Schicht Backpapier (vorzugsweise weiß).
    Die Farben bleiben so teilweise über eine Woche benutzbar. Sogar die dünnen Schichten aus den Mischungen. Spart ungemein an Farbe.
    ZuMal ich es selten schaffe, wirklich stundenlang am Stück zu malen.
    Signature
  • midwife
    midwife
    Hi,Hi,
    Abtönfarben mischen..das erinnert mich an ein großes Altbauzimmer (35qm), welches ich mal in einem schönen warmen hellgelb gestrichen habe.
    Wegen Faulheit hab ich jeweils nach 2 Wänden und der halben Decke aufgehört..Farbe war auch alle..
    Am nächsten Abend habe ich weitergemacht, immer wieder die Farbe neu angemischt.
    Am Schluß gabs bei Tageslicht ein Zimmer zu bestaunen, das in vier verschiedenen Gelbtönen gestrichen war - von apricot bis kaltem zitronengelb - war alles dabei, incl. 2 Hälften der Decke mit Stuck.
    Grauenvoll!
    Signature
  • lraeP_ybaG
    Ja, das geht halt nicht. Ich finde es auch bei Acrylfarbe grauslig, nachmischen geht nicht, die Farbe sieht getrocknet anders aus als nass und trocknet noch dazu viel zu schnell. Da wird Malen bei mir zum Stress. Gibt schon gute Gründe für Öl. Danke für den Tipp mit der verschließbaren Dose als Palette, ich hab oft genug Reste entsorgen müssen, weil keine Zeit mehr war zum weiter malen. Danke auch für die Tipps bezüg. Farbe, da steht man ja als Anfänger buchstäblich wie ein Ochs vorm Berg, wenn man was neues kaufen will. Ich hab mir erstmal ein Sortiment Lukas Studio gekauft, Grundfarben plus schwarz und weiß, plus Zinnober, das brauch ich einfach. Die halten erstmal eine Weile.
  • nighthawk
  • midwife
    midwife
    @nighthawk: hast du dir am Anfang aufgeschrieben welche Farben du zusammengemischt hast, für einen bestimmten Farbton?
    Signature
  • iffulF
    nachmschen msste hlt leeernen...sch geht alles....uuuuuaaaarg...sch muss klo
  • Nadelmaler
    Nadelmaler
    ich finde das exakte Nachmischen gar nicht so wichtig (außer beim Wändemalen natürlich). Einen Bildteil, der eine einheitliche Mischung erfordert, mache ich in einem Zug fertig. Wenn noch Details fehlen oder Lichter aufzusetzen sind- egal, das ist wieder eine neue Farbmischung und kann am folgenden Tag gemacht werden.
    Zumal -bei mir- der Entstehungsprozess einer Farbmischung auch zufallsabhängig ist: Ich betrachte als erstes die Vorlage und versuche, sie in meine Tubenfarben "aufzuspalten". Dazu muss ich nur die Grundmischungen kennen, und ein wenig auf warme und kalte Tonarten achten. Als nächstes baue ich den Farbton aus den Tupfen auf, die ich auf die Palette gegeben habe. Das Mischungsverhältnis ist abgeschätzt, und nicht exakt reproduzierbar. Wenn ich einen minimalen Zusatz benötige, wie im obigen Beispiel ein Tupfer blau in der Hautfarbe, dann genügt mir ein beliebiges Blau, das sich gerade auf der Palette befindet. Dafür mache ich nicht extra eine neue Tube auf. So kommt es, daß die Nachmischung an einem anderen Tag nicht wieder dasselbe Ergebnis bringen kann.
    Übrigens benutze ich nur eine geringe Vielfalt an Tubenfarben, aus denen alles andere ermischt wird:(für Öl)

    gelb: Primärgelb, Kadmiumgelb
    rot: Kadmiumrot hell, Krapplack dunkel
    blau: Coelinblau, Ultramarin
    erdfarben: Lichter Ocker, Umbra gebr., Terra die Siena
    Schwarz: Elfenbeinschwarz, Lampenschwarz
    weiß: Titanweiß
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