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  • Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft

  • nilrebxerk Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft
    Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft. Die Positionierung des künstlerischen Schaffens "auf Auftrag", die bezahlte künstlerische Produktion etc.

    In dieser Diskussion, die sich selbst als ein no-budget-Kunstprodukt versteht, kann das z.B. beuyssche bzw. post-beuyssche Verständnis des man-as-an-artist thematisiert werden.

    Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft. Ist sogar das sog. alternative Kunstverständnis zu thematisieren, welches letzten Endes doch seine eigene Marktlücke bedient?

    In dieser Diskussion, die sich zuerst als Einladung versteht, soll der diskursive Charakter der wechselseitigen Argumentation nicht überredend wirken. Beiträge auf diese offen gestellte Aussage sollen offen diskutiert werden können, und damit selbst (auf Widerruf) künstlerisch verwertet werden.

    Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft! Sämtliche Beiträge werden gesammelt und zum 31. Dezember 2002 vollständig vernichtet.
  • Au fein!!
    Dann betrachte schon mal vorab diesen Beitrag als nie geschrieben!
    Weil ich natürlich über deine Intension noch hinausgehe und behaupte: Kunst darf gar nicht erst produziert werden, ansonsten wird sie gezeigt!
    In diesem Sinne möchte ich mein Statement als einziges unvernichtet zum 01.01.2003 in einem Folianten, im Kino, TV, Radio, I-Net, Telefon, Fesselballon, im Andreasgraben und auf der Spitze einer Nadel angebetet wissen. :D
  • Aziz
    Kunst muß sich als solches erstmal offenbaren.
    Denn an der Verständnis der Kunst mangelt es an unserer Gesellschaft. Ich habe das Gefühl, daß Kunst mehr "deklariert" (vermarktet) wird als "geschaffen".

    Demzufolge stelle ich mir immer wieder die Frage, was eigentlich Kunst ist. Oder liegt die Kunst in der Kunst, den Dummen zu finden?

    Kunst muß sich das Publikum ergreifen. Ansonsten ist sie wertlos.
    ;-)
    Aziz
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  • nilrebxerk
    Lieber Heinz Niski!

    Die (selbst-)ironische Radikalisierung "gar nicht erst zu produzieren" teile ich nicht:

    Kunst ist, soweit gehe ich aber doch, eine Kategorie wie Liebe, Philosophie etc., die nicht ökonomisch verwertbar ist. Wenigstens nicht sinnvoll. Dass aber etwas ökonomisch nicht verwertbar ist, ist noch lange kein Grund es nicht zu produzieren...

    Was die Beweihräucherung des Beitrags betrifft, darauf habe ich keinen Einfluss. Wie immer wird die Zeit entscheiden.

    Grüße,

    KREXBERLIN
  • Hallo Krexl,

    mit etwas gutem Willen hättest du schon Einfluss darauf, meinen Beitrag als einzigen nicht verfallen zu lassen.

    Aber wenn du nicht willst........ 8)

    Ansonsten erkenne ich eine gemeinsame Aussage von Asiz und mir: zur Kunst gehört unabdingbar die Fähigkeit, diese zu vermitteln - oder auch zu verkaufen - was eine Form der Vermittlung sein kann.

    Deshalb wird aus mir auch nie ein Künstler.

    Wir könnten mit dem ollen Marx über Produktivkräfte oder harte und weiche Standortfaktoren schwadronieren, ich nehm aber mal den ollen Goethe:

    Alles was besteht, ist wert dass es vergeht.

    In diesem hochphilosophischen Sinne habe ich die erste Hälfte deines Beitrages verstanden.
    Mit der zweiten Hälfte - ansonsten wird sie verkauft - kann ich weniger anfangen.

    Es sei denn, als eine riesige Kapitalverschwendungs- und Vernichtungsorgie, wie sie noch heute von manchen Nativen als antikapitalistische gemeinschafts-stabilisierende Praktik angewandt wird.

    Mit Erfolg übrigens, wie ich hörte.

    Vielleicht verstehe ich es aber auch nur nicht, weil ich kein Geld habe.

    Die Zeit und die demnächst hier erläuterten verschiedenen Blickwinkel werden mir aber bestimmt helfen!!  ;)
  • dlibhcsif
    @ klexberlin

    "Kunst ist, soweit gehe ich aber doch, eine Kategorie wie Liebe, Philosophie etc., die nicht ökonomisch verwertbar ist. Wenigstens nicht sinnvoll. Dass aber etwas ökonomisch nicht verwertbar ist, ist noch lange kein Grund es nicht zu produzieren..."

    BRAVO

    Kunst ist also etwas, das so gar nicht in eine Gesellschaft passt, in der alles nach seiner ökonomischen Verwertbarkeit bewertet wird. Schafft der Künstler ein Kunstwerk, das nicht in dieses System passt, so begeht er (meiner Meinung nach) einen Akt der Agression und Systemkritik, der von der Gesellschaft auch so empfunden wird. Die Gesellschaft versucht das Werk zu kaufen, um das Werk so in das ausschließlich ökonomische Konzept zurückzuholen.
    Dem wird sich die wahre Kunst, wahre Liebe und Philosophie etc. doch stets entziehen, indem sie in jenem Moment vergeht.
    "lasst uns Unsinn schaffen"
    http://www.fischbild.de
  • nilrebxerk
    Lieber Fischbild!

    Dein Beitrag hat mich konzeptuell weitergebracht, deine Hypothese ist sehr interessant!

    Ich frage mich aber, trotz meiner Zustimmung, ob es konstruktiv ist, den Strohmann "Gesellschaft" (1) so aufzubauen und (2) so zu verkürzen. Letzten Endes landen wir bei einer sehr abstrakten, demnach nicht fassbaren, Größe. Hier müssen wir weiter differenzieren...

    Kunst entzieht sich dem Käufer: Es ist nicht nur so, dass sie nur verfallen muss, um nicht verkauft zu werden. Sie verfällt durch das Verkaufen als solches (Mindesthaltbarkeitsdatum).

    Verkaufte Kunst prostituiert sich genauso wie sich verkaufte Liebe (Philosophie etc.) prostituiert. Übrig bleibt ein schaler Nachgeschmack auf der Zunge und in diesem Fall ein dekoratives Bild passend zur übrigen Wohnzimmer-Einrichtung.

    Der Versuch also, Kunst in die "ökonomische Realität zurückzuholen" gelingt gerade so gut, dass man es allerhöchstens wieder künstlerisch thematisieren kann.

    Gerade das machen wir gerade!

    KREXBERLIN, u.a. auf 🔗
  • Falsch euer Gnaden!

    Bleiben wir mal historisch, dann gibt es weniger verspielte fluchten.

    Goya hat durch seine Königs-Portraits nicht nur diese Menschen in ihrer „Hässlichkeit“ gezeigt, sondern zugleich auch ein Abbild der gesellschaftlichen Zustände, Kritik an Monarchie und Inquisition geschaffen.

    Und er hat das verkauft! An die Abgebildeten.

    Damit ist sein künstlerisches Werk weder verfallen noch die Aussagekraft oder Schärfe gebrochen.

    Ich würde mich interessieren, ob es bei den heutigen Künstlern ähnlich „tollkühnes, wagemutiges, weitsichtiges“ gibt.

    Wobei ich weder Kuh-Weitwürfe meine, noch Schleimsabbernde an Holzkreuzen.

    Die Frage ist doch nicht die der ökonomischen Verwertung, sondern die der Inhaltlichen, der gedanklichen Tiefe und Weitsicht.

    Außerdem ist mit dem Thema doch durch die Pop Art Artisten und Warhol genug gespielt worden.

    Noch mal historisch:

    Tillmann Riemenschneider hat seine Arbeiten verkauft, um zu überleben. Von mir aus hat er das als Handwerker getan und der Künstler in ihm hat zugeschaut.  

    Er hat aber auch neue, revolutionäre Ideen verkauft, ein neues Gesellschaftsbild, ein neues Menschenbild – und dies unter großen Gefahren für sein Leib und Leben.

    Und damit komm ich zum Knackpunkt: nicht die ökonomische Verwertung  (und damit von mir aus auch Prostitution) ist das Problem, sondern die künstlerische (Thematische, Inhaltliche, stilistische, Handwerkliche usw.. ) Aussage.

    Wo sind die Visionäre, wo die Erneuerer, wo die, die uns den Spiegel vorhalten?

    Im Hause Ur?????

    Um den Bogen zu schließen – ich kann mich sehr mit einigen Aussagen von pieta und herbie über Kunst und Kreativität identifizieren.

    Und dass läuft darauf hinaus, dass in der momentanen gesellschaftlichen realität die Rückbesinnung – von mir aus auch der Rückzug - auf die eigene Kreativität, Phantasie, der Bezug zu sich selbst, etwas von Widerstand und Revolution hat.

    Nichts neues – ich weiß. Andere nennen das Rückzug in die Innerlichkeit.

    Trotzdem brisant und mit reichlich Zündstoff versehen.

    Ach noch was--- man darf nicht nur Thesen aufstellen, man muß sie auch belegen!
  • nilrebxerk
    Lieber Heinz Niski, bleiben wir auf du und lassen die Gnade dem, dem sie zusteht! Und wissenschaftstheoretisch sind auch "unbegründete Hypothesen" legitim, solange sie nicht falsifiziert werden.

    Deine historische Analyse ist richtig, aber m.E. nicht konstruktiv für eine Diskussion, die die Gegenwart thematisert (bzw. sich in der Gegenwart verkürzt). Die Künstler die du angesprochen hast haben natürlich verkauft, zum Glück, sonst würde uns heute etwas fehlen.

    Aber die damaligen Umstände lassen sich mit den heutigen nicht vergleichen. Und ich möchte über Heute reden, d.h. auch über praktische Handlungsmöglichkeiten für die heutige Künstlerin. Wenn du in diesem Zusammenhang auf den (für mich hochachtungsvollen) Pop anspielst, hat dieser auch "... ansonsten wird sie verkauft" bearbeitet. Auf diesem Fundament baue ich auch meine Argumente auf, aber:

    Die Grundgedanke der Pop-Art beschränkt sich (leider selber) auf ein individualistisches Gesellschafts- (Kunst)verständnis. Diese Position hält einer kulturvergleichenden Perspektive überhaupt nicht stand! Auch aus diesem Grund wollte ich gar nicht diesen Standpunkt in die Diskussion einbringen.

    Aber zu deinem "Knackpunkt", das "Problem" (ich muss immer wieder "Gänsefüßchen" benutzen) wäre die fehlende künstlerische Aussage. In diesem Punkt treffen wir uns doch: Wenn ich die Hypothese aufstelle, kommerzielle Kunst (?) gehe am Kunstbegriff vorbei, weshalb sie eher verfallen sollte. Und du sagst: die künstlerische Aussage fehlt heute bei den (meisten) verkauften Werken.

    Ich würde gerne die von dir genannten "pieta" und "herbie" zu unserer Diskussion einladen, auch deswegen, weil ich selbst lange Zeit davon überzeugt war (z.T. immer noch bin), dass das "Nicht-Produzieren" und somit die absichtliche Verweigerung der Markt-Bedienung heute die einzig mögliche avantgardistische Position darstellt.

    (Bestehst du immer noch darauf deinen ersten Beitrag bis in alle Ewigkeit festzuhalten?)

    KREX lebt! (<- An Marco L.)

    Liebe Grüße von KREXBERLIN
  • Aziz
    Kunst verfällt schon - den Ihr Publikum verfällt bereits seit Jahrzehnten.
    Es sind die Werte der Gesellschaft, die sich ändern und somit verfallen.
    Demzufolge kann sich die Kunst einer stetigen Veränderung und einem Verfall
    nicht entziehen. Wir werden heutzutage mit sog. "Digitaler Kunst" (neue Medien)
    überschüttet. Unsere Augen gewöhnen sich daran zu schnell und verblinden demzufolge.
    Wir "sehen" nicht mehr "richtig". Wir sehen nur noch "oberflächlich" und zu
    "profitorientiert" oder "kommerziell". Denn wir stehen einem ständigen Leistungsdruck
    einer Gesellschaft. Die oberste Gesellschaftsform stellt der Staat dar - und der
    Leistungsdruck zu einem Individuum ist z.B.: die stetige Zunahme der Steuern und Abgaben.
    Auch der Druck "viel mehr zu konsumieren" ist stetig vorhanden. Denn unsere Wirtschaft
    hängt in erster Linie von unserem Konsumverhalten ab.

    Auch die Kunst steht einem Leistungsdruck mit dem Ziel viel "Profit" zu schlagen.
    Er geht sogar soweit, daß der Begriff "Kunst" mißbraucht wird, um mehr "Kapital" daraus zu
    schlagen. Deshalb kann ich krexberlin zustimmen, daß man solche
    Trends boykottieren sollte und das machen sollte, womit man sich eher identifiziert.
    Wenn der innere Frieden eines Künstlers mit dem gestillt wird,
    was er machen möchte - und nicht, was er zu tun hat, ist somit der Kunst die größte
    Befreiung und Erhalt getan.
    In einem anderen Kunstforum (oder wars hier?) habe ich auch von anderen Leuten gelesen, daß wahre Kunst für sie
    Freiheit bedeutet - dem ich auch in irgend einer Weise zustimmen kann.

    Die Menschheit entwickelt sich meiner Meinung nach viel zu schnell - auch Ihr Tod wird
    schnell über sie ereilen. Wir werden sozusagen uns Todentwickeln und Todwachsen.
    Gleiches Schicksal droht auch der Kunst, wenn wir nicht vernünftig werden.

    Aziz

    PS: Kunst verfällt wie der Mensch! Erhalten wir den Menschen, erhalten wir die Kunst.
  • Hallo Kraxl,

    allmählich kommt Sinn in deine These – im Sinne von: je mehr du sie mir erläuterst, desto besser verstehe ich sie.
    Andererseits verliere ich ein wenig die Orientierung, wenn du über kulturvergleichende Perspektiven redest oder über heutige Umstände.
    Welche Kultur wird mit welcher aus welcher Perspektive verglichen. Von wem, für wen, in wessen Auftrag.
    Redest du über die Kultur von einigen hundert Millionen Menschen oder über die von 5 Milliarden anderen?
    Was ist grundlegend anders seit Riemenschneider/ Goya?
    Welche Fragen des woher und wohin warten auf die künstlerische Beantwortung?
    Ab wann ist Kunst kommerziell?
    Reden wir nur über bildende Kunst? Was ist mit der darstellenden? Der schreibenden?
    Da Kunst nie Kommunikation sondern nur Monolog ist, wäre es konsequent sich dem „Markt“ und damit der öffentlichen Präsentation zu entziehen.
    Dagegen spricht aber der narzistische Darstellungszwang von Künstlern.

    Deshalb muss ich leider auch darauf bestehen, dass mein Beitrag als einziger bis in alle Ewigkeit (hi, hi) festgehalten wird.
    Schließlich möchte ich in meinem nächsten Leben einem Teil von mir begegnen. ;)
  • @ Azis
    ich kann dir einerseits zustimmen: Leistungsgesellschaft, Konsumgesellschaft, alles problematisch.
    Oder wie Sloterdijk – in anderem Zusammenhang - so schön sagte : Das Elend fing damit an, als sich der Mensch entschied, Energie aus Explosionsprozessen (Motoren etc) statt aus Verrottungsprozessen (Verdauung) zu gewinnen.
    Andererseits hab ich Probleme, wenn du glaubst dass das Publikum verfällt etc.
    Das war zu keiner Zeit anders als jetzt. Außerdem sind wir ein Teil des Publikums und Verfall von Werten... tja, da bin ich relativ hilflos --- weil so richtig glaube ich es nicht.
    Auch hier hat sich meiner Meinung am menschlichen Verhalten seit einigen hunderttausend Jahren nichts geändert. ::)
  • 1znurGam
    Todwachsen - tolles Wort, gefällt mir !
    Ob Kunst tatsächlich monologisch ist ?
    Vielleich ja, weil ein wahrer Künstler ein Besessener sein muss, der mitnichten die Rückmeldung anderer braucht ...
    Andererseits gibt es Beispiele kommunikativer Interaktion, gegenseitiger Steigerung, zukunftsweisender Diskussion, von These und Antithese, von ausufernder Diskursivität...
    Vor allem:
    Es gibt 0 Logik sich dem Markt zu entziehen - und das nicht nur wegen dem Darstellungszwang dem narzisstischen. Markt ist Realität. Wer Realität negiert wird vielleicht  zum Verdrängungskünstler, aber Scheuklappenkunst verfällt nicht erst bei Verkauf, sondern das Rennpferd kommt erst gar nicht aus der Box. Kunst - wenn es sich denn um ein event handelt, das mir was gibt - muss alle Kanäle nutzen, auch den Markt. Was nutzt es, wenn sie im Bordstein verrinnt. (Donnerwetter, habe ich heute wieder Metaphern drauf)
    Jede Kategorie, ob philosophischer, libidonöser oder platonischer Art kann missbraucht werden. Immer schon gab es üble Gesellschafter in geselligen Gesellschaften. Ist doch außerdem Klasse, wenn Systemkritik assimiliert und honoriert wird. Wir alle könnten doch außerdem in einer weniger pluralistischen Gesellschaft gar nicht mehr leben. Trends zu blockieren ist Blödsinn. Oder hat der Olympia-Boykott von Moskau etwas gebracht ? Trends muss man totreiten, um sie zu besiegen.
    Der "Boho"-Tanz (Eine Art Fruchtbarkeitstanz - der Reichtum der Mutter Erde wird angebetet - die der Bohemien, sprich Künstler vollführt, um seine Mätresse - oder heißt es Mäzen - zu beeindrucken) des avangardistischen Genies wie des Möchtegerns muss  sich äußerlich nicht unterscheiden. Nützlich, möglicherweise erforderlich (und wenn ich mich nicht täusche ist es genau das, worüber sich Martin krexberlin ärgert), ist das Tänzchen allemal.
    Die Zeit wird Spreu von Weizen trennen. Epochemachendes und Unnötiges aufzeigen. Doch bis dahin muss man gut leben, Spaß haben, Kunst mit Ironie und Humor oder besessen und humorlos beteiben. Der Prostitutionsunsinn nervt. Es bleibt dabei, im Kern kommt es auf den Gehalt an. Konsum und Missbrauch zu verhindern ist ein heres Ziel... Aber gerade Missverständnisse, Verzerrungen, vielfältige Fehlerhafte Rezeptionen bringen die Dinge voran. Sei es, weil sie richtig sind, oder sei es, weil sie zu weitergenden Ausdrucksformen animieren. Krex heißt: kritisch - expressiv ! Rückzug auf Innerlichkeit ja, aber nicht ohne Eindruck, Ausdruck, Kritik und Selbstkritik.
    "Sehen" taten wir noch nie richtig ! Und wir werden es auch nie hinkriegen. Oder bin ich Jesus oder bin ich bin Laden ? Es gibt eine Vielzahl gültiger Perspektiven - und noch viel mehr untragbare ... Komplexitäten, Abhängigkeiten, Globalisierungen, Abschottungen, Verkapselungen von denen ich nicht die Bohne ahne ...
    Ich will trotzdem keine Enthaltsamkeit. Schade wäre, wenn ich nun nur Dümmliches posaunte ...
    Was ist zu tun ?
    Halten wir also auseinander, was nicht zusammen gehört. Kunst und Konsum ...
    Dabei fällt mir aber ein, dass es durchaus Kunst geben könnte, für die das gekauft werden konstitutiv sein könnte ...
    - Jeder kauft ein Bäumchen, schenkt es dem Künstler, der es einpflanzend zu einer Sozialplastik fügt.
    - Man verkauft Aktien eines Kunstkonzeptes, dass je nach erreichter Einlagenhöhe abgewandelt und umgesetzt wird. Dabei sollten den Aktionären auch Mitspracherechte ( auf der Hauptversammlung) eingeräumt werden (Monolog wäre dann weniger einfach möglich). Durch den Verkauf von stimmrechtslosen Aktien (wobei es hier auf eine reine Finanzierung hinausliefe, wenn man meinem Gedanken böswillig gegenüber träte),wäre das wieder zu bereinigen ...
    - Jeder Sponsor kauft ein Werkmaterial, äußert einen inhaltlichen oder formalen Wunsch und legt ein Honorar bei ... Das Kunstwerk bestände in der Integration ... Eine geniale Herausforderung (mit heroischer Selbstüberforderungsgarantie ?).
    -
    Stark, hier wird es spannend. Wer hat weitere Ideen, wie Vermarktung Kunst hervorbringen kann ? Vielleicht können wir ja gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Und werden dabei reich... hahaha (lacht der Kasper, hohoho der Räuber Hotzenplotz, hihihi die Hexe - Wer ist nun wer ?).
    Um die Kunst wäre es sicher nicht schade.
    Da haben wir es wieder: Mammon als Antrieb zur Kunstproduktion!
  • 1znurGam
    War mein Beitrag zu anstrengend, oder liest niemand dieses Forum ?
  • Nutak
    Bei Beiträgen, die länger als 3 Sätze lang sind, springt meine Kindersicherung an, sorry...
  • Merkwürdig, merkwürdig, warum kann ich nicht glauben, dass MAHGRUNZ es ernst meint?
    Vielleicht, weil ich genug Karrieregeile und Cleverle kenne, die mir was von Marktmechanismen erzählen, wenn sie andere übervorteilt und reingelegt haben? Denen es egal ist, wie und womit sie Geld verdienen?
    Alles schon gehört und gesehen.
    Der Marsch durch die Institutionen, Verelendungstheorie, und besieg den bösen Drachen indem du selber ein böser Drache wirst.
    Nichts recht neues also – obwohl die Physik Mahgrunz recht gibt: bekämpfe Schallwellen mit Schallwellen.
    Ich will keinem Künstler, der von seiner Kunst leben muss, Vorwürfe machen, wenn er Trends ausnützt.
    Letztlich darf ich dann aber niemandem einen Vorwurf machen – nicht dem Wissenschaftler, dem mal wieder was geniales einfällt – Kernspaltung, Zellkernspaltung usw.
    Dieser Eiertanz zwischen Ethik Moral und der normativen Kraft des faktischen ist schon ein ganz spezieller.
    Auch wenn ich weder aufzeigen kann noch aufzeigen will, dass es jenseits der Marktmechanismen eine real existierende Welt geben muss, bleibt die Frage:
    War es das? Ist das die beste aller vorstellbaren Formen des menschlichen (gesellschaftlichen) Zusammenlebens? Markt und Mehrwert?
    Sollten nicht gerade Künstler Quer- und andersdenken?
    Na ja, alles neue an Entwicklungen und Einflüssen kommt ja eh nicht mehr von Künstlern.
    Was ist das malen von Sonnenblumen gegen die Erfindung des Uhrwerkes oder des Fernsehers.
    Ich habe nichts neues anzubieten, nur etwas ganz altes: mir scheint das dilletieren momentan die einzig neue (alte) Perspektive zu sein.
    ;)
  • 1znurGam
    Also noch einmal in kurz, damit es auch die weniger intelligenten Vertreter verstehen (Grunz):
    "Verkaufen" kann nicht nur Motor für Kunstproduktion sein, sondern sogar Initialzündung und integraler Bestandteil.
    Ich verkaufe beispielsweise Genussscheine, Aktien oder Gesellschaftsanteile und überlege mir dann alleine oder mit den entsprechenden neuen Gesellschaftern, entsprechend der entstandenen Einlagenhöhe und der eingebrachten Vorstellungen (Inhalt, Stil, Material) was gehen kann.
    Der ursprüngliche Konzeptentwurf (wenn es denn überhaupt einen gegeben hat) kann überarbeitet, nachgebessert, verworfen, ausgebaut, geschrumpft werden.
    Ein solches urtümliches Konzept könnte z.B. eine environmentale Gestaltung zu einem Zeitthema (Krieg im Irak - der morgen oder in 3 Monaten beginnt) sein, oder eine gemeinsam oder interaktiv gestaltete Großleinwand zum Thema Liebe. Wie auch immer.
    Beide Ideen (und auch nicht die guten Vorschläge, die ich eigentlich von euch, den Forums-Usern erwartet hätte) werden nicht ausgearbeitet, geschweige denn in die Tat umgesetzt, bis "Money" ins Spiel kommt. Ist doch genial, oder ?

    Immer noch zu kompliziert ?
  • dlibhcsif
    "...oder eine gemeinsam oder interaktiv gestaltete Großleinwand zum Thema Liebe. Wie auch immer"

    "wie auch immer"
    ich habe in meinem ersten beitragt von einem versuch der eingliederung von kunst in die kapitalgesellschaft gesprochen. hier haben wir ein schönes beispiel dafür gelesen. für den letzten interpreten, ist ein kunstwerk ein ding was mühe bereite und zeit braucht und einen bestimmten preis hat. (wie ein auto oder ein haus) diese fackten sind aber das einzige was er betrachten kann. aus seiner sicht müssten zwei verschiedene bilder, die den selben preis haben, eigendlich identisch sein.
    aus dieser sicht ist das kunstwerk selbst verschwunden. es ist für ihn, verfallen weil man dem werk einen preis gab. ein mensch der mit dingen handelt wird diese nur oberfächlich betrachten können, weil schon die vielzahl der dinge, eine andere ausenandersetzung damit unmöglich macht. so ist es ihm auch möglich auf kosten anderer oder mit einem krieg geschäfte zu machen.
    kunstwerke bestehen aber genau, um die wahrheit unter der oberfläche sichtbar zu machen. wenn mein vorredner zum beispiel einen angehörigen in einem krieg verloren hätte, so hätte er danach probleme mit der rein technischen ausenanderstzung mit dem krieg. er hätte einen emotionalen bezug zu der sache krieg gefunden. kunst versucht auch emotionale bezüge herzustellen und die gesellschaft versucht diese zu übersehen um fortfahren zu können. sie beschäftigt sich mit dem spiegel um nicht hineinsehen zu müssen.

    es darf dem künstler in seinem schaffen auch nicht darum gehen zu zeigen was richtig und falsch ist. dies darf er sich nicht anmaßen, den auch er ist nicht vor irrtümern gefeit. was er aber machen kann ist darauf hinzuweisen das man sich die dinge näher betrachten sollte, bevor man mit ihnen umgeht. wenn das gelingt so ist mehr gewonnen als zu erwarten war und die folge wird immer, das umdenken sein, denn es gibt nur eine wahrheit. ;)

    "es lebe der Kartoffeldruck"
    http://www.fischbild.de
  • 1znurGam
    Nein, Fischgesicht - Grunz,
    die "Fackten" sind das Einzige, was du nicht betrachten kannst ! Du hast mich falsch verstanden. Ließ den Text noch einmal. Es geht nicht um Handel um des Handelns, sondern der Kunst willen. Gleichmacherei ist nicht gefragt. Oberflächlichkeit auch nicht. Es geht um einen Anlass sich mit Muse auf Mitkünstler, Mitmeinungen, Gegenmeinungen, Kompromisse (i.S. der Synthese von These und Antithese) als Team ? auf ein mit den Mitteln der Kunst zu bearbeitendes Thema einzulassen. Einlassen meine ich in der ganzen Tragweite der Formulierung und nicht als Deckmäntelchen ... Ich finde es immer gut, wenn diejenigen, die sich mit Spiegeln beschäftigen ungewollt hineinschauen. Egal ob sie ihn anderen hinhalten oder man ihn ihnen zur Beschäftigung überlassen hat.
    Die künstlerische Freiheit kann - muss nicht - durch die Freiheit von Finanznot (vorgegebenes Büdget) profitieren. Ist Kunst am Bau lächerlich ? Ein festgelegter Etatposten ... Eigentlich ein grausames Faktum. Vieles, doch nicht alles ist von Übel ...
    Zum Zweiten: Warum nicht zeigen, was richtig oder falsch ist ? Dieses Sendungsbedürfnis gehört für mich zu den Antriebsfedern und als Krex quasi zu den Axiomen der Kunstproduktion. Es hat etwas mit Authentizität und Expressivität zu tun.
    Nicht anmaßen ? Die Stellungnahmen anderen  - der geballten Kompetenz der Macher ? - überlassen -. Ich bitte dich ! Bloß weil ich irren könnte ? So mancher versucht eine böswillige Beeinflussung, Volksverdummung, ... Muss ich da nicht geradezu meinen wahrhaftigen Senf ablassen ?
    Welche göttliche Wirkung erwartest du überdies von den genialen Kunstschöpfungen aus meiner  oder irgendeines Hand ?
    Es gibt nur eine Wahrheit -
    So.
    Der katholische, der protestantische, der islamische oder der jüdische Fundamentalismus ? Wo lebst du ? So ein geschlossenes Weltbild hätte ich mal gerne. Ich sollte vielleicht unter die Weltbild-Leser gehen.
  • nilrebxerk
    Magrunz´ Argumentation macht es sich leicht: Sie geht nicht aud das Thema ein, streift es nur kurz, um dann die eigene Konzeption (verbissen) als Lösung anzubieten.

    Aber zum Thema: Vergessen wir alle Resentiments, bleiben wor innerhalb des Systems und verstehen Kunst als die "fümfte Gewalt" (M. Tomasik) im Staat. Allein diese Tatsache der Notwendigkeit ihrer Unabhängigkeit/Freiheit scheint mir Grund genug, aus der Forderung kümstlerischer Freiheit auch Ernst zu machen und sich von den bestehenden Strukturen (so gut sie auch sein mögen) zu lösen.

    Nein, mein lieber Magrunz, der sozialistische Realismus z. B. ist KEINE Kunst, sondern verkaufte Auftragsarbeit, ähnlich der Arbeit meines Klempners oder meiner beruflichen Tätigkeit. Es ist Technik, sonst nichts.

    "Handel um der Kunst Willen" (Magrunz) ist wie Schlachten dem Tier zu Liebe. Lasst und lieber Handeln (!) für die Kunst.

    (Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie "Kunst muss verfallen, ansonsten wird sie verkauft" und kann völlig umsonst gelesen werden.)
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