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  • Krise

  • Patrick
    Patrick Krise
    Hallo allerseits,

    ich habe zurzeit eine Krise, aber ich kenne leider niemanden mit dem ich darüber sprechen könnte. Auch möchte ich es hier loswerden, weil sich die meisten unter uns bestimmt schon mal mit ähnlichen Problemen auseinandersetzen mussten und mir vielleicht aus eigenen Erfahrungen berichten können.


    # Wahl des Motivs

    Am liebsten male ich Menschen und Stillleben, seit einiger Zeit auch Schuhe; in letzter Zeit meistens nur noch Schuhe (Beweggründe mal weggelassen, die sind relativ klar). Mein Problem ist, dass ich immer nur das abbilde, das mich gerade ergreift und da es zurzeit meistens Stöckelschuhe sind, scheue ich mich davor die Resultate anderen zu zeigen. Würde ich Einblick in meine Bilder gewähren, wäre das gleichzeitig auch ein «Outing» und ich müsste mich unangenehmen Fragen stellen. Und so kommt es, dass ich alle meine «Schuh»-Bilder in einer Mappe unter dem Bett verstecke und sie ab und zu anonym im Internet veröffentliche. Befriedigend ist das nicht. Was bringt es denn meine Technik und Bilder zu perfektionieren, wenn ich sie ohnehin niemandem zeigen kann? Manchmal habe ich das Gefühl ich müsse neben meinen Schuhen auch noch ein paar Portraits malen, damit ich das nicht verkümmere. Mit dem Wort «muss» blockiere ich mich dann aber selbst, denn ich erzwinge etwas. Gleichzeitig mache ich mir aber sorgen, dass ich mich mit den Schuhen möglicherweise in etwas vertiefe, das unter einem Deckmantel für etwas anderes steht und es somit einer Verschwendung gleicht.


    # Zwei Stile

    Ich bin von Natur aus ein sehr präziser Mensch und da ist nicht verwunderlich, dass ich meine Bilder so naturalistisch wie möglich malen will. Es macht mir auch Spass exakt und konzentriert zu arbeiten. Bei meiner letzten Experimentenreihe aber habe ich zur Abwechslung mal das Gegenteil versucht (hektisch und expressiv). Das Ergebnis hat mir sehr gefallen und seitdem verfolge ich diesen Stil weiter. Die Resultate wirken letztendlich immer noch sehr naturalistisch, haben aber eine grobe Struktur. Mein Problem ist jetzt, dass ich beide Stile mag (ersterem habe ich immerhin 7 Jahre gewidmet). Beide aber weiter zu verfolgen und als eigene Stile anzunehmen wäre für mich etwas widersprüchlich. Der persönliche Charakter eines Stils, der jeder Künstler in seinem Leben einmal findet, wäre bei mir dann gespalten. Einen der beiden jetzt gehen zu lassen, fände ich aber auchschlecht.


    # Aussage in Bildern

    Ist für mich schon lange ein Thema und wurde insbesondere durch Diskussionen hier im Forum aufgerüttelt. Da ich mich bislang eher weniger mit inhaltlichen Aussagen auseinander gesetzt habe, wollte ich mal einen Versuch starten. Das Resultat war eher dürftig und diese konzeptionelle Arbeitsweise, dem Bild eine inhaltliche Aussage zu verschaffen, reizt mich überhaupt nicht. Mit dem intellektuellen Teil geht für mich auch die Spontanität verloren. Vielleicht bin ich auch noch nicht soweit eine inhaltliche Aussage in meine Bilder zu integrieren. Wenn ich mich aber mit der Frage nach Aussagen in Bildern auseinandersetze, drängt sich immer wieder die Sinnfrage meines Schaffens auf und ich beginne mich zu fragen: was mache ich denn überhaupt? Und wenn ich dann Beiträge wie «ich würde die Grenze da ziehen, wo ein werk ohne inhaltliche überlegung entstanden ist. dann wäre es halt eher handwerk und nicht kunst» hier lese, kratzt das schon ein wenig an meinem Selbstbewusstsein. Denn es bedeutet, dass die meisten meiner passionierten Malereien nur «Dekomalerei» (auch so ein abwertendes Wort) wären und keine Kunst.


    Diese drei Punkte beschäftigen mich sehr und ich würde nun gerne eure Meinungen dazu hören. Ich befinde mich zurzeit wirklich in einer Krise, denn die Sinnfrage steht bei mir im direkten Konflikt mit meiner Motivation.
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  • Franziska Kolbe
    Franziska Kolbe
    Patrick,
    zum ersten Punkt: stehe zu deinen Vorlieben, wenn es Schuhe sind - dann sind es halt Schuhe. Zeig sie und verstecke sie nicht deine Arbeiten. Hör auf dich anzupassen "dann male ich halt noch ein paar Portraits". Mach das worauf du Lust hast.

    Punkt 2: Ich habe das Gefühl das Künstler manchmal viel zu schnell ihren Stil finden und in diesem dann verharren, der Stillstand ist vorprogrammiert. Tobe dich aus und lass beides zu. Ein Mensch hat viele Gesichter und warum sollen deine Bilder diese nicht wiederspiegeln.

    Punkt 3: Lass dich nicht beirren. Mach deins.

    Liebe Grüße Franziska
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  • Vincents_Ohr
    Vincents_Ohr
    Zunächst: Schön, dass du dich so offen und ehrlich gibst.

    Aufgrund der Uhrzeit und meinem Alkoholpegel kann ich nicht auf alles ausführlich antworten.

    Ich gehe für jetzt mal nur auf das Problem mit den Stilen ein. Das war für mich auch eine Weile ein Problem.
    Es gibt aber einen Mittelweg. Schau dir mal die Bilder von Cecily Brown an.

    Ich werde in Zukunft versuchen, beide Wege miteinander zu verbinden. Zum Teil ist es mir schon gelungen.

    Dass Du deinen Fetisch in deinen Bilder thematisierst finde ich nur konsequent. Jeder hat eine Passion oder meinetwege auch Macke. Da kannst Du locker zu stehen und auch kokettieren. Brülls raus! :)
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  • ybaG-lraeP
    Das mit dem Fetisch sehe ich ähnlichwie Vincents_Ohr, locker dazu stehen, offen damit umgehen, nix mit Mappe unterm Bett ;-) ... und gut ist.

    Mit dem intellektuellen Teil geht für mich auch die Spontanität verloren. Vielleicht bin ich auch noch nicht soweit eine inhaltliche Aussage in meine Bilder zu integrieren. Wenn ich mich aber mit der Frage nach Aussagen in Bildern auseinandersetze, drängt sich immer wieder die Sinnfrage meines Schaffens auf und ich beginne mich zu fragen: was mache ich denn überhaupt? Und wenn ich dann Beiträge wie «ich würde die Grenze da ziehen, wo ein werk ohne inhaltliche überlegung entstanden ist. dann wäre es halt eher handwerk und nicht kunst» hier lese, kratzt das schon ein wenig an meinem Selbstbewusstsein.


    Das halte ich für Unsinn. Solche Sätze mag derjenige "befolgen", der sie als Prämisse in den Raum stellt.

    Wieso
    muss
    Kunst intellektuell sein, eine solche - intellektuelle - Aussage haben? Nein, Kunst kann auch einfach schön sein.
    Intellekt schadet, wenn man ihn im vorhinein einschaltet, m. Erachtens der Ausführung. Damit meine ich Intellekt, der konstruiert, wie ein Ingenieur eine Brücke am Reißbrett plant. Das ist keine Kunst, das ist Handwerk. Hab selbst die Erfahrung gemacht, dass die Entstehung eines neuen Werkes aus dem Bauch raus (bei Beherrschung der Technik, natürlich) viel besser "flutscht".
  • Revi Oliver
    Revi Oliver
    Du bist die coolste Sau der Welt:-), wenn Du nur! Schuhe malst. Du willst ja auch nichts anderes zur Zeit. Geradlinigkeit par excellence und die Nische gehört Dir. Gerne in verschiedenen Stilen. Es gibt garantiert genug LiebhaberInnen. Natürlich kannst Du es verwässern, in dem Du noch ein paar Portraits daneben hängst. Dann nehme ich Dein Anliegen aber weniger ernst.
  • Bernd Saller
    Bernd Saller
    Patrick,
    zum ersten Punkt: stehe zu deinen Vorlieben, wenn es Schuhe sind - dann sind es halt Schuhe. Zeig sie und verstecke sie nicht deine Arbeiten. Hör auf dich anzupassen "dann male ich halt noch ein paar Portraits". Mach das worauf du Lust hast.

    Punkt 2: Ich habe das Gefühl das Künstler manchmal viel zu schnell ihren Stil finden und in diesem dann verharren, der Stillstand ist vorprogrammiert. Tobe dich aus und lass beides zu. Ein Mensch hat viele Gesichter und warum sollen deine Bilder diese nicht wiederspiegeln.

    Punkt 3: Lass dich nicht beirren. Mach deins.

    Liebe Grüße Franziska



    genau!
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  • Frank Czieczor
    Frank Czieczor
    maler ohne stil ist keiner...lach ich mich schon lange schlapp drüber.
    motive,maler malt was ihn bewegt,wenn nicht warum dann malen?
    wer sich öffnet zeigt auch seine schwächen,ist eine Angriffsfläche für Leute die deinen stärken nicht gewachsen sind.Verunsichert sind von deinen Schwächen.
    zieh die Stiefel an ,lass deine Seele 20m raushängen und geh mit festen schritten einher,die Leute machen dir Platz und du bist unverwundbar.
    Du wirst da zuhause sein wo menschen dich verstehen wollen.
    das ist gesunder egoismus...keiner lebt Dein Leben für Dich..!
  • heinrich
    Irgendwo...da oben... sind wir alle verbunden...
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  • Patrick
    Patrick
    Hallo allerseits

    Herzlichen Dank für die vielen schönen Antworten! Mit solch aufmunternden Worten habe ich gar nicht gerechnet. Ehrlich gesagt dachte ich, die Beiträge würden viel schärfer ausfallen, insbesondere zum dritten Punkt. Ich finde die Vorliebe für Damenschuhe ein sehr heikles Thema, das vor allem deswegen, weil ich selber noch nicht genau damit umzugehen weiss. Viele Leute die meine Bilder im Internet gesehen haben fragten mich, worin denn der Sinn liege Schuhe zu malen und zogen das ganze auch noch ins Lächerliche. Ich denke das hat mich schon sehr beeinflusst und ich kann mir vorstellen, dass viele Leute so denken würden. Der Unterschied zum Internet ist nur, ich müsste mit meinem Gesicht dazu stehen. Und da meine Selbstsicherheit auch sonst nicht so stark ausgeprägt ist, würde dies eine Angriffsfläche für mich erzeugen; einer, der ich noch nicht gewachsen bin. Auf jeden Fall habt ihr alle recht. Es bringt nichts seine Bilder zu verstecken. Ich denke es nur eine Frage der Zeit bis ich mich traue, meine Bilder auch anderen zu zeigen. Es bringt auch nichts zwangsweise eine Aussage in Bilder zu packen oder sich mit 22 schon für einen einzigen Stil zu entscheiden! Dieser Satz von Franziska fand ich diesbezüglich sehr schön:
    […] Ein Mensch hat viele Gesichter und warum sollen deine Bilder diese nicht wiederspiegeln. […]
    , denn er trifft genau zu. Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken – ich kann doch machen was ich will!

    Ich möchte euch nochmals herzlich für eure Worte danken! Heute konnte ich mich seit langem wieder einmal frei von allen Zweifeln meine Schuhe malen :)
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  • laGnoraA
    Hallo Patrick,
    ich finde, wenn Du gern Damenschuhe zeichnest oder malst, sollte man das zunächst einmal völlig losgekoppelt vom künstlerischen Aspekt betrachten.
    Wenn Du Schuhe darstellst, ist das thematisch weder gut noch schlecht. Versteckst Du Bilder und/oder Schuhe, sehe ich das genauso. Als ich Deine ersten Sätze las, dachte ich spontan an Van Gogh und an "seine Arbeitsschuhe".
    Zu Deinen Arbeiten: Deine Zeichnungen( die schwarzen Stiefel) fand ich ansprechend.
    Ausgesprochen gut gefallen haben mir die roten Schuhe ( das war ein Gemälde, wenn jetzt keine Tomaten auf den Augen hatte).
    Bei diesem Bild ist der Hang zum Stillleben ausgeprägter als bei den anderen Sachen.
    Zu den Inhalten: Wenn Du denkst Stillleben sind bloße Dekoration, hast Du m.E. ganz falsch gedacht. Man kann solche Arbeiten lediglich zum Zwecke der Dekoration anfertigen, man kann sie allerdings auch so machen, dass anspruchsvolle Kunst dabei herauskommt.
    Der entscheidende Punkt ist: Malst Du Schuhe oder malst Du ein Bild, also in Deinem Falle ein Stillleben? An dieser Stelle teilt sich das ganze zwei Richtungen.
    Auf der einen Seite die Obsession des bloßen Motivs, also die ergötzliche Darstellung und der motivische Reiz und auf der anderen Seite der künstlerische Schwerpunkt. Dieser betrifft die Auseinandersetzung mit der Umsetzung des Motivs, die Organisation auf der Fläche, die Wahl des Kolorits und tausend andere Dinge mehr.
    Der große Meister des Stilllebens ist Georgio Morandi, vielleicht solltest Du Dir einmal Gemälde von ihm ansehen. Er hat fast ausschließlich Geschirr gemalt, gilt aber selbstverständlich nicht als dekorativer Maler, sondern als exzentrischer und durchaus hochkarätiger Künstler. Was ich Dir damit sagen möchte: Es ist theoretisch denkbar, nur Schuhe zu malen und dies auf sehr hohem künstlerischen Niveau zu tun. Mit Niveau ist in diesem Zusammenhang nicht lediglich die handwerkliche Darstellung, also Genauigkeit gemeint, sondern die künstlerische Umsetzung und Gestaltung, sprich der Anspruch den das ganze hat.
    Grüße von hier.
  • Patrick
    Patrick
    Ich möchte mich nochmals ganz herzlich für eure Antworten bedanken. Ihr habt mir damals eine menge Mut gemacht und in diesem Jahr habe ich das Selbstvertrauen, zu meinen Bildern resp. zu meiner Vorliebe zu stehen, ein gutes Stück ausgearbeitet. Auch ausserhalb des Internets konnte ich mich mit anderen über meine Bilder austauschen und habe eigentlich nur positive Resonanz erhalten.

    Gerne würde ich jetzt noch ein paar Meinungen einholen, zu dem was mich zurzeit beschäftigt. Neben kunstnet.de und meinem Blog habe ich auch noch ein offizielles Online-Portfolio, auf dem ich meine beruflichen und privaten Arbeiten zur Schau stelle. Schubilder sind noch keine darauf. Ich dachte wenn ich die Bilder dort zur Schau stellen würde, fliesse dieses Thema langsam rüber, bis es mal selbstverständlich wird, dass ich solche Schuhe male. Allerdings würde dann der «Überraschungs-Effekt», den ich bei meinen Bekannten beobachtet habe, und die Geradlinigkeit der Auseinandersetzung mit Schuhen etwas verschwinden (gut, ich weiss ja nicht wie lange mich das noch beschäftigt). Oder sollte ich eine separate Rubrik unter «Kunst» erstellen?

    Ich frage nur so spezifisch, weil ich an eine Ausstellung im kleineren Rahmen denke und mit dem «Handling» noch nicht so klar komme.

    Entschuldigung, dass ich hier so selbstbezogen schreibe, aber ich dachte es wäre ideal dieses Thema gleich an das vergangene anzuhängen.



    Würde mich über ein paar Anregungen sehr freuen
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