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  • DER LICHTFÄCHER

  • Roderich
    Roderich DER LICHTFÄCHER
    eins:
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    Sternzeit 1-7-8-4: Edward Garben ein junger deutscher Maler reist durch die Niederlande.
    Auf seinen Ausflügen in die Provinz hat er die junge Magd Elehayym van de Krüüchten kennen-
    gelernt. Ihr Karottenrotes Haar und ihre ausladenden Hüften haben ihn sofort in ihren Bann
    gezogen. Gleich einer Hypnose. Nun lagen sie also da. Im Heu. Arm in Arm. Eng umschlungen.
    Die Sonne war noch nicht einmal untergegangen. Da Krächzt ein Rabe. Eine der letzten
    Sonnenstrahlen dieses Tages trifft sein Blau-Schwarzes Gefieder und entlockt ihm einen
    Schimmer der dem Flügel eines Engels auch gut zu Gesicht gestanden hätte.
    Die Beiden sehen nicht mal auf. Zu sehr sind sie aufeinander fixiert. Ein kühler Wind zieht
    auf. Bringt die beiden zum Frösteln. Feine Härchen, blaß und zart stellen sich auf ihrer
    Haut auf. Sie ist weiß, schon fast transparent. Wären da nicht die vielen Sommer-
    sproßen, könnte man denken man betrachtet eine Made, unterm Mikroskop. Unvergleichlich
    schön. Wenn man das Sein versteht und nicht gefangen ist in sinnlosen Gedanken.
    Er musste diesen Moment einfach festhalten. Zu schön war er. Er nahm seine Leinwand
    und all seine Pinsel und Farben und wie in einem Rausch Malte er sie. Als könnte er sie so
    für immer in seinen Armen halten. Wild und mit leuchtenden Farben nahm sie langsam
    Gestalt auf dem Stoff, so gespannt, an. So weich und unvergleichlich schön. malte er
    ihren Menschenleib. Er wusste nicht das dies das letzte mal sein würde wo dies möglich
    war. Er wusste nicht was kommen würde. Doch war es nah... aber noch war es nicht so weit.
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    Nur ein Zwinkern entfernt, getrennt von einem Atemzug, und wenig Zeit. Da saß er.
    Einfach nur So. Sternzeit 1-8-4-1. Er bewegte sich kaum und besinnt sich. In Gedanken
    schwebt er in einer anderen Zeit. Ist die lange vergangen oder wird sie erst noch kommen,
    in weiter Ferne. Die Erinnerung fällt ihm schwer. Ihm Uriil, den vierten von 12 Kindern, und
    dem einzigen Sohn die seine Mutter seinem Vater schenkte. Ist es ein Segen mit 11 Schwestern
    aufzuwachsen? Er kannte es ja nicht anders, deshalb stellte er sich die Frage auch nicht.
    Und nun konnte er sich kaum noch an sein eigenes Gesicht Erinnern. Und sein Nachname,
    wie war der noch? Simiehl...wenn er da nicht etwas durcheinander bringt...
    JA! Ich bin Uriil Simiehl!!! Schreit er in die Nacht hinaus. Inzwischen unsicher ob er sich
    richtig entsinnt oder nur einem Traum erliegt.. Ruhig beinahe schon apathisch legt er seinen
    Kopf in den Nacken... Ja ich bin es. Uriil Simiehl flüstert er nun in die Nacht hinaus...
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    Rowena ist ihr Name. Mehr muß man nicht wissen. Gerade einmal 18 Jahre alt, doch ihr
    Entschluss steht fest. Sie will Ordensschwester werden. Braut des Herrn. Sie hatte es sich
    gut überlegt. Viele verwunderte dies, sie war bildhübsch. Lange schwarze Haare, helle blaue
    Augen wie eine Bergquelle. Und der Sohn des Herzogs hatte ein Auge auf sie Geworfen. Was
    ihr den Neid vieler Mädchen einbrachte, und schon bald ihr Schicksal in eine andere, un-
    erwartete Richtung lenken sollte. Ja drei Schicksale vereinen, wo man nie gedacht hätte
    das sich ihre Wege kreuzen würden. Aber nun träumte sie erst einmal davon Nonne zu
    werden. Von ihrem Gewand das ihr die Stille bringen sollte, die sie so mag. Ihre Nägel
    waren auch schon wieder lang. Doch für Heute war sie zu Müde. Das mach ich Morgen.
    Gleich nach dem Aufstehen. Ich verspreche es. Sie zog sich die Decke bis zum Hals hoch,
    ja es war frisch geworden diesen Abend. Und die Sonne versank am Horizont...
    Sternzeit 1-8-6-9...
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    So ein grelles Licht, gefächert in tausenden von Farben. Sanft, friedlich und beunruhigend
    zugleich. Es entfacht ein Feuer, und ich glaube fast nur er, nur er alleine vermag es zu
    löschen. Doch möchte er das überhaupt. Man wird dieser Tage kaum mehr schlau aus ihm.
    Kümmern ihn die Menschen überhaupt noch? Haben sie es je getan? Na zumindest scheint
    es seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben...Aber wer weiß das schon mit
    Sicherheit?...Vielleicht sieht er auch hindurch... Seine Gedanken zu
    erraten, wer kann...
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  • Roderich
    Roderich
    zwei:
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    Maria schloß das buch, hastig.... Wut war in ihren Augen zu sehen. So ein dummes Buch,
    dachte sie sich. Hat nichts mit der Realität gemein. Zumindest war dies ihr Wunsch. Hier
    in Nürnberg, jetzt und Heute. Der Stadt der Götter und des Geistes. Der Schöheit und des
    Weines. Erzürnt warf sie das Buch fort, in die blutrote wogende Pegnitz. Eine wilde Herde
    Elefanten stampfte nur etwa 100 Meter an ihr vorbei. Gefährlich nahe. Das Buch versank
    in der Flut, und sie fragte sich, Was mag sie wohl hierher geführt haben? Mitten in die
    Stadt? Angst? Die haben wir wohl alle Heute, hier, im Jetzt. ...................
    Sie schlenderte, ja ganz gemütlich in Richtung ihres Hotels. Geldsorgen, die kannte
    sie nicht. Immer nur die feinsten Hotels. Und sie wechselte sie häufig. Doch immer
    in der selben Stadt. Nürnberg wollte sie nicht verlassen. Oder sie konnte es nicht.
    Aber was tut das schon für einen Unterschied?
    Es begann zu schneien. In diesen Zeiten bedeutete dies Gefahr, ganz alleine da
    drausen, und der Schnee. Angst machte ihr das jedoch nicht, sie liebte das Knarzen
    des Schnees bei jedem Schritt, sie genoß es und machte sich weiter keine Gedanken.
    Es war ja ohnehin nur noch ein Fußmarsch von wenigen Minuten. Gleich war sie
    zu Hause. In ihrem derzeitigen Zuhause.
    Schon war sie da, und natürlich war ihr nicht geschehen. Freudig wurde ihr Tür
    geöffnet. Guten Abend rief ihr ein strahlendes Gesicht entgegen. Ein Guten Abend
    Minerva, entgegnete sie dem Mädchen an der Tür. Und brachte ein schmales
    Lächeln auf ihr Gesicht. Sie schritt richtung Treppe. Einer freistehenden, mitten
    in der Halle. Wie die Arme einer Hure die sie in eine Falle locken wollte. Doch so
    weit kam sie gar nicht. Am Empfang rief ihr ein Kleiner Mann zu. Frau Reeminghton,
    Frau Reeminghton. Ich habe eine Nachricht für sie. Er hatte dabei einen komischen
    indischen Akzent. Ja, den hatte er immer wenn er Sprach. Sie ging auf ihn zu
    und konnte ihr lachen nur schwer verbergen.M: Ja Gneils, was ist es den? G:Hier ein
    Brief für sie. M:Ein Brief? G:Ja ein Mann hat ihn persönlich vorbeigebracht, sie haben
    ihn nur um wenige Minuten verpasst.
    Sie nahm dem Brief. M: Danke Gneils.
    Was für ein komischer Name für einen kleinen Mann mit diesem indischen Akzent.
    Das dachte sie immer, ich glaube jedes mal. Nun gut. Sie sah sich den Umschlag
    an. M: Die Schrift die kenne ich.
    Damit hatte sie natürlich recht. Sie kannte sie nur allzu gut. Wieder machte sich
    Zorn in ihrem Gesicht breit. Das stand ihr garnicht.
    Alucard kann warten dachte sie sich und steckte den Brief in ihre Manteltasche.
    Ungeöffnet. Gar nicht mal neugierig. Sie war nicht bereit ihren Traum jetzt schon
    aufzugeben. Zumindest noch nicht. Noch hatte sie Hoffnung. Träumen das
    gefiehl ihr, hatte es immer schon..........
    Sie ging hoch in ihr Zimmer. Ein duftendes Schaumbaad, ja das wäre jetzt schön.
    Sie läßt schon mal das Wasser ein. Die Öle aus Rosenblüten, Yasmin und vielen
    anderen fröhlichen Blumen kommt erst zum Schluß rein. Na nicht ganz. Zum
    Ende komme natürlich ich rein, dachte sie sich, aber ich löse mich ja nicht
    darin auf. Den Mantel hatte sie gleich als sie ihr Zimmer betrat abgelegt. Jetzt
    trug sie nur noch ein rotes, samtenesKostüm und weiße Seidenstrümpfe auf
    ihren makellosen Beinen. Sie waren fast so schön wie ihr Gesicht.
    Die Wanne war nun schon eingelassen. Sie machte sich frei...............
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    ......................So konnte der Tag enden. Mit einem wohlduftenden heißen
    Bad. So sollte jeder Tag enden. Das wäre schön.
    Noch ahnte sie nicht was es bedeutete den Brief einfach so, ungeöffnet.......
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  • Roderich
    Roderich
    drei:
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    Eine Gestalt. Von Hinten. Nicht nah, doch auch nicht in der Ferne.
    Lange graue Haare, sehr lang, beinahe bis zum Hintern. Ein altes Mütterchen könnte man
    meinen, Wären da nicht die viel zu breiten Schultern. Und natürlich war er auch viel zu
    groß, so etwa 1 Meter und neunzig. Alucard Raubritter von Streit, dies war sein Name, ist
    es auch immer noch. Trotz der Zeiten. Und von einem Ritter hatte er auch was, den Sinn
    für Gerechtigkeit und einen Willen der nicht zu brechen ist.
    Gerade kommt er aus einem Hotel. Er wollte eine alte Freundinn besuchen. Sie war
    jedoch nicht da. Er wollte sie wirklich sehen. Wiedersehen nach all der Zeit. Doch
    insgeheim hatte er auch gehofft sie nicht anzutreffen. Darum hatte er ja auch einen
    Brief für sie dabei. Das würde die Sache auch viel einfacher machen. Wenn er persönlich
    mit ihr sprechen würde, wäre alles nur noch Komplizierter, als es ohnehin schon ist.
    Es begann zu schneien, er hasste den Schnee und alle Erinnerungen die er in ihm
    weckte. Verdrängen, darin war er gut. Vergessen, das hat er noch nie gekonnt.
    Genauso wenig wie verzeihen. Er entschloß sich umzudrehen, ging zurück, Richtung
    Hotel. Der Schneefall nahm nun deutlich zu. In nur wenigen Minuten war der Schnee
    schon knöcheltief geworden. Aber er war ja auch schon angekommen. Am Hotel.
    Licht brannte in ihrem Zimmer. Sie war da. Er wusste welches ihr Zimmer ist, weil
    er sie schon seit Tagen beobachtete. Ja, seit dem ersten Tag wo er wieder in der Stadt
    war. Seit langem. Obwohl er nie wieder zurück kommen wollte. Doch nun war es nötig.
    Es dauerte auch viel zu lange, das es nötig war. Er wünschte sich seit langem einen
    Grund sie Wiederzusehen. Er hatte es gar nicht wahrgenommen.
    Gar nicht bemerkt. Doch war er schon an der Fasade hinauf gekletert und sah durch
    das Fenster. Wie sie in der Badewanne lag. Er stellte sich vor wie sie wohl duften
    würde. Und da waren sie wieder da. Alle auf einmal. Die ganzen Erinnerungen, Gedanken,
    Wünsche und Sehnsüchte. Die Guten wie auch die Schlechten. Vielleicht war er ja
    doch ein ganz normaler Mann, wie all die anderen. Zumindest in mancher Sicht.
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    Rot sind ihre Haare, Karmesinrot mit Strähnen von Magenta. Viele sagen sie färbt ihre Haare mit dem
    Blut ihrer Feinde. Doch das ist nur eine wilde Geschichte. Wie sie's macht ist ihr Geheimniss und wird
    es auch wohl bleiben. Sie krümt sich vor Pain und ihr Harnisch ist ganz voller Blut, das ist häufig so,
    doch Heute ist etwas anders. Es ist ihr Blut. Viel davon. Und eine Klinge steckt noch in ihrer Brust.
    Nicanora Krüger, vom Schicksal betrogen. Um ein ein Leben gebracht, wie es hätte sein können.
    So einfach, einfach so. Doch sie ist auserwählt IHN zu bekämpfen. Ihre Mutter war es auch schon.
    Und derer ihre zuvor auch. Ja sie bringen alle nur Mädchen zur Welt, mit nur einem Ziel, vielleicht
    auch zwei. IHN zur strecke zu bringen, oder eine Tochter zu gebähren. Ersteres ist ihr mißlungen.
    Für einen weiteren Versuch fehlt ihr auch die Kraft, und die Zeit. Nur wenige Minuten ist es hehr,
    da stellte sie sich dem Kampf. Es war ein ungleicher dazu. Sie kurz vor der Niederkunft und nicht
    Herr ihrer Kraft, und ER strahlend, glänzend und niemal mächtiger als jetzt.
    Doch noch war es nicht zu Spät, noch war die Kette des Schicksals nicht durchbrochen. Er hätte
    sie mit leichtigkeit entzweien können. Was hätte sie schon dagegen tun wollen? Doch ER war zu
    Neugierig, was die Zukunft wohl noch bringen möge. Vielleicht auch zu hochmütig. Aber so ist
    ER nun mal. Und das macht wohl auch seinen Charme aus.
    Ihr treuer Knappe Florian, zieht ihr die Klinge aus der Brust und entletigt sie ihrer Rüstüng. Sie
    hat kaum noch kraft zu Atmen. Doch sie wird es wohl noch schaffen. Das Schicksal steht auf
    ihrer Seite. Und nach einem kurzen Kampf ist es auch vollbracht. Florian hebt das kleine Wesen
    an den Beinen in die Höh und verpasst ihm einen Klapps auf dem Hintern, sie schreit. Das ist wohl
    das letzte was Nicanora hörte. Kraftlos falllen ihr die Augen zu, und schließen sich für immer.
    Sie konnte nicht mal einen Namen mehr für ihre Tochter wählen. Ihr Vater? Der weiß nichts
    davon. Er ist ein junger Maler, unstet im Geiste und längst weitergezogen. Kann sich vermutlich
    gar nicht mehr an die rothaarige junge Kriegerinn erinnern. Was bedeutet auch schon die
    Gegenwart, wenn sie bald nur noch als rasch verblassende Erinnerung existiert?
    Wie von diesem Tag, der sich nun auch seinem Ende neigt. Er läßt einen stolzen,
    wie auch traurigen und hoffnungsvollen Knappen zurück, der eine kleine Menschenfrau
    auf seinem Arm trägt, und auf ihr lastet noch viel mehr. Doch das muß sie noch nicht
    kümmern, nicht wo sie noch so klein ist. Sie lächelt nur, weis nicht wie ihr geschieht.
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  • Roderich
    Roderich
    vier:
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    Minerva machte gleich die Tür auf. Ein neuer Gast. Das kam nicht jeden Tag vor. Sogar recht selten.
    Die meisten wohnten schon seit Wochen hier. Und jetzt wo es immer kälter wurde wird auch kaum
    einer Abreisen. Er hatte ein lächeln wie sie noch keines zuvor gesehen hatte. Er musste ein guter
    Mensch sein, das sagten auch seine Augen. Sie versteckte ihre Hände gleich hinter ihrem Rücken
    um das Zittern zu verbergen. Sie wollte nicht das er es sieht. So kannte sie sich gar nicht. Sie
    schämte sich nun ein wenig. Aber nur Kurz.
    Er durchschaute sie gleich, und war geschmeichelt. Blickte ihr noch kurz in die Augen, Lächelte
    erneut und schritt nun Richtung Empfang.
    Ein kleiner Mann begrüste ihn freundlich und fragte ihn nach seinen Namen, mit einem leichten
    indischen Akzent. Oder auch deutlichem. Ist ja nichts schlimmes dabei.
    Jecht Yunalesca. Sagte er mit ruhiger Stimme. Eigentlich Jecht Zoru Yunalesca. Doch das
    läßt er meistens weg. Noch ein paar Zeilen ausgefüllt und schon hatte er ein Zimmer. Gleich
    gegenüber von Marias Zimmer, doch das war nur Zufall. Sie waren sich ja noch nie begegnet.
    Die Treppe hoch und schon stand er vor der Tür. Er war auch schon wirklich müde. Schlaf,
    das war es was er nun umbedingt wollte. Er war zwar hungrig, doch das war jetzt zweitrangig.
    Essen das hat Zeit. Er ging hinein und legte sich gleich aufs Bett, in voller Kleidung, und
    noch bevor er die Gelegenheit hatte seine Augen zu schließen, klopfte es auch schon an der
    Tür.
    Es war Minerva, sie entschuldigte sich auch gleich. Es gehörte eigentlich nicht zu ihren Auf-
    gaben und es hatte sie auch all ihren Mut gekostet hochzukommen. Sie fragt ihn ob er denn
    noch etwas brauche, vielleicht etwas Hunger habe. Er mußte schmunzeln, noch immer
    furchtbar müde, aber eben auch hungrig. Sie sagte, es sei zwar spät, aber es ist noch
    kalter Braten vom Mittagstisch übrig. Und Kartoffelsalat, die waren wirklich selten Heutzutage,
    die Kartoffeln. Da konnte er nicht nein sagen, schon ihr zages lächeln hatte ihn überzeugt.
    Schon da hätte er ja gesagt, auch zu trocken Brot und einen Becher Saft.
    Er sagte ja, Hunger habe er. Ihre Freude über diese Antwort ist nicht zu übersehen. Sie gibt
    sich auch keine mühe mehr dies zu verbergen. Ich bringe ihnen gleich etwas Herauf
    sagt sie. Und macht sich gleichsam auf den Weg.
    Keine fünf Minuten hat sie gebraucht, ist schon zurück mit einer Platte kalten Braten,
    ein wenig Kartoffelsalat, die letzte Portion die da war und einer Flasche roten Weins.
    Es war eigentlich ihr Kartoffelsalat, auf dem sie sich schon den ganzen Abend freute,
    doch das mußte er ja nicht wissen. Er lag noch da. Auf dem Bett. Die Augen jedoch
    fest geschlossen und entschlummert. Sie war enttäuscht. Stellte das Essen neben ihn
    auf das kleine Tischchen. Zog ihn noch die Schuhe aus und deckte ihn zu.
    Er zuckte im Schlaf und murmelte. "Dieses Licht......" mehr war nicht zu verstehen.
    Sie verlies sein Zimmer und ging wieder zur Eingangstür des Hotels. Noch hatte sie
    nicht Feierabend.
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    Signature
  • ztinuaGottO
    KÖSTLICH, diese Miniatur Romane.
    Wie kommt das eigentlich, daß
    die so spannend sind...
  • heinrich
    Schade, dass ich das nicht lesen kann...
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  • Roderich
    Roderich
    @heinrich
    was spricht dagegen?
    Signature
  • Roderich
    Roderich
    (der veralbert mich...und ich geh auch noch drauf ein...lol)
    Signature
  • heinrich
    Gar nichts...
    Nur..."Romane" lese ich nicht...
    Nur Anfang...dann geht's nicht...

    Kann nicht...

    Ich lese mehr Fachbücher...

    Und so ist meine Lesezeit ziemlich begrenzt...
    Signature
  • Roderich
    Roderich
    na dann,
    aber so lange wird es ohnehin nicht werden...................mal sehen..
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  • heinrich
    Schreib weiter...
    OK, ich lese...:-D
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  • artep -petra
  • Roderich
    Roderich
    fünf:
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    Wie ein Schwarm von Hummeln, oder wie eine kleine Spielzeugeisenbahn. So etwa hört sich das Knatern
    der Maschine an. Sie mag es. Vor Schmerzen hat sie keine Furcht. Das einzige wovor sie wirklich
    Angst hat ist die Liebe, aber das würde sie natürlich nicht zugeben. Falls sie es überhaupt weiß. Sie
    ist wirklich gut im Beobachten von Menschen und sie zu durchschauen. Doch bei ihr selbst klappt
    das leider nie. Ja Nicollet von Drachenberg, wußte nicht viel über sich selbst. Nur eines wusste sie,
    oder glaubte sie zu wissen, ihren Nachnamen hatte sie nicht verdient. Nicht mehr seit dem sie wusste,
    das ihre Mutter ihren Vater nie geliebt hatte. Aber sie hatte ihn dafür umsomehr geliebt. Auch wenn
    er ein wenig verschroben war. Er erzählte ihr häufig wirre Geschichten, die sie nicht verstand. Lauter
    Unfug, dachte sie zumindest. Damals. Das änderte aber nichts an ihren Gefühlen für ihn.
    Vielleicht war dies der Grund, warum sie gehen mußte, denn sie erkannte
    wie ähnlich sie ihrer Mutter war. Anna hatte es besser bei ihrem Vater,
    sagte sie sich, und ich komm ja zurück, irgendwann, ich verspreche es!
    Gleich war es soweit, fast komplett. Die beiden Kirschen auf ihrem Oberarm, verbunden durch die
    Stiele und ein kleines Blatt hing auch noch dran. Sie war wirklich zufrieden mit dem Tattoo. Sie
    hatte auch lange warten müssen, auf einen Termin bei ihm. Dem Künstler ihrer Wahl. Hatt sich aber
    gelohnt. Ein freudiges Blitzen liegt in ihren Augen. Sie liebt alles mit Kirschen, Saft, Kuchen,Cola...
    Sogar auf ihrer Unterwäsche sind Kirschen aufgdruckt, und das mit Mitte zwanzig.
    Sie giebt ihm ein paar Scheine, beide lächeln und schon verläßt sie seinen Laden.
    Beide voll zufrieden, so mag er es, so macht es ihm Spaß. Das Lächeln auf ihrem Gesicht ist ihm
    sogar wichtiger als sein Lohn.
    Ein wenig traurig war sie nur, das sie ein paar Tage keinen Sport treiben durfte. Wenn man das
    überhaupt so nennen mag. Laufen oder so, fand sie doof. Monoton und ohne Sinn.
    Aber sich Prügeln, das hätte sie den ganzen Tag gekonnt. Bei dem Gedanken daran musste sie
    gleich Lachen.
    Sie faste sich in die Tasche um die Kirschkerne zu spüren. Davon trug sie immer ein paar mit sich
    herum. Wartend auf die Gelegenheit, einen einzupflanzen, wenn sie sich ergab.
    Als kleines Mädchen wollte sie immer Gärtnerinn werden und das wo es kaum noch Pflanzen giebt.
    Aber das wusste sie nicht, der große Garten vor ihrem großen Haus, sie dachte so sieht es überall
    aus auf der Welt. Nicht nur hier in Tarnach, überall...
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    Alucard sah ihr immer noch beim Baden zu. Sonst war er nicht so geduldig, verlor schnell sein
    Interesse, aber Maria wollte er nie vergessen. Was denkt sie wohl wenn sie mich hier so sieht?
    Doch sie war eingeschlafen, entspannt vom heißen Wasser, entführt von Träumen in die Ferne,
    die auch nur sie kannte solange sie schlief.
    Er, draußen, war schon ganz durchgefroren. Hatte jetzt auch genug. Auf ein neues schritt er
    vom Hotel davon, doch diesmal kehrte er nicht um. Ein Gebäude, zum Teil schon eingestürzt,
    da hatte er sein Lager aufgeschlagen. Kein Licht, keine Fenster, auch kein Feuer, legte er
    sich zur Ruh, zu träumen, wohl ungleich bescheidener.
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    Signature
  • Roderich
    Roderich
    sechs:
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    Minerva machte ein leicht säuerliches Gesicht, enttäuscht von sich selbst, wie dumm sie war.
    Er hatte das Essen gar nicht angerürt, nur den Wein trank er ganz aus. Und den ganzen
    Tag war er schon außer Haus. Hatte sie kaum beachtet als er ging.
    Der Schnee tobte draußen auch schon wieder heftig. Hoffentlich verdeckt er bald
    die Spur, aus Blut auf der Straße die sie immer während vor sich sah. Ein Rudel Wölfe
    hatte heute nacht ein Zebra erlegt, so hatte es ihr der Nachtportier erzählt.
    Ja die Nachtschicht, da würde sie keine einzige überstehen, dachte sie sich
    und schüttelte den Gedanken daran ab.
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    40 Jahre war ich Ordensschwester. Als Schwester hab ich nie gezweifelt, nie bereut. Dann
    wollten sie mich verbrennen, leutern. Meine eigenen Schwestern, die ich so lange kannte.
    Doch ich Hab nichts unrechtes getan. Ich bin nicht böse. Wie kann man nur so viel unter-
    schiedliches in gemeinsamen sehen?
    Mehr als drei Jahrhunderte sind seither vergangen. Da war ich noch eine schmucke Frau.
    Heute bin ich nur noch ein hutzeliges altes Weib. Welkes Fleisch, auf morschen Knochen.
    Langsam, doch stetig getrocknet, im Ozean der Zeit. Ja, aber meine Robe trag ich immer
    noch. Trotz allem. Nichts hat meine Entschlossenheit entzweit. Ich bin rein. Ja, das bin ich.
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    Er ist bestimmt in meiner Nähe dachte sie sich. Das find ich schon raus. Flotten Schrittes
    verließ sie das Hotel. Wohin, in welche Richtug? Ist nicht wichtig. Jede Richtung ist die
    Richtige, für mein Ziel. Verlaufen, das ging da nicht.
    Der Schnee war schon ganz tief und zehrte an ihrer Kraft. Mit jedem Schritt ein
    Korn. Doch sie konnte es vertragen. Der Rand der Stadt war schon fast erreicht. Hier
    waren mal dutzende von Gewächshäusern. Hier bauten sie Gemüse an. Ein Dach, das
    hat wohl kein's der Häuser mehr, doch stehen noch viele der Seitenwände. Gerippe aus
    Glas und kaltem Metall.
    Hier wuchsen auch noch manche Pflanzen. Sträucher, Büsche und vereinzelt gar ein
    Baum. Ob man etwas Davon Essen kann wusste sie nicht, und langsam kamen Zweifel
    in ihr auf, ob er wirklich in ihrer Nähe war. Hatte sie ihn ausversehen abgehängt?
    Gar nicht weit entfernt sah sie eine Gestallt, war er das? Wer sonst sollte hier schon
    sein? Nein es waren zwei Gestallten, das machte keinen Sinn. Das wollte sie von nahem
    sehen und legte an Tempo zu.
    Nein das war kein Mann, kein echter jedenfalls. Geschichten sagen sie waren es mal,
    doch wissen können es nur sie. Ein Guuhl und eine junge Frau.
    Warum steht sie nur da? Fragte sie sich.
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    Signature
  • Roderich
    Roderich
    sieben:
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    Er lief nur daran vorbei, so sah es zumindest aus. Dann war der Guuhl auch nicht mehr.
    Nicht mehr furchteinflösend. Eben noch nacktes Fleisch, auf wunden Knochen.
    Bedrohlich wie ein wildes Tier, lag nun nur noch ein Häufchen rohes Hack, vor
    ihnen auf dem Boden.
    Ganz schüchtern steht sie da. Einen kleinen geflochtenen Korb hält sie vor sich, die Arme
    angewinckelt. Ein rosa Kleid, vom Busen bis fast zu den Knöcheln. Genau vorne in der Mitte
    eine Knopfleiste genauso lang. Von oben aus etwa die Hälfte zugeknöpft. Ein wirklich
    kurzes Jäckchen darüber, satt rot und die Schultern gepolstert. Mit Blick frei auf's
    Dekoltee'. Ein spitzes Kinn, lange brünette Haare. Riesige Grüne Augen sahen mich
    durch ihren geteilten in Locken herabfallenden Ponny an.
    Irgendwie kam sie mir bekannt vor, oder war es die viel zu große rosa Schleife, die
    ihren Pferdeschwanz im Zaune hielt. Man konnte sie von vorne sehen. Viel zu groß,
    wie auch ihre braunen Lederstiefel. Die wollten gar nicht recht zu der weiblichen
    Erscheinung passen. Mit denen könnte sie einen Berg erklimmen.
    Sie kam mir so gewohnt vor?
    Maria stand teilnamslos am Rande. Nicollet sah Maria in die Augen, griff ihn ihren
    Korb und reichte ihr einen Kirschkern. Der soll dir Glück bringen, und auch der Welt.
    Was hatten sie da für eine seltsame Bekanntschaft gemacht?
    Maria wußte nicht was sie sagen soll, steckte den Kern jedoch in ihre Tasche.
    Ja Alucard hatte die junge Frau wohl gerettet, doch schien sie gar keine Furcht vor dem
    Ding zu haben, nicht mehr als vor ihrem Retter.
    Ich bin Nicollet von Drachenberg, und wer seid ihr?
    Von Drachenberg? Ja da wußte Alucard es nun, er kannte nicht sie, ihren Vater kannte er
    und auch die Mutter. So sah sie aus, wie ihre Mutter. Das dürfte auch schon fast
    zwanzig Jahre her sein, wo er sie das letzte mal sah. In dem Alter ist sie Heute wie ihre
    Mutter da.
    Vor gut fünf Jahren zog es sie von zuhause Fort, gleich nach dem Tod des Vaters. Die
    Kirschen auf ihrem Arm, ein Talisman sollten sie sein. Und immer begleiten auf ihrem
    ungewissen weg in die Welt. Deshalb hatte sie sie damals machen lassen und damit
    die Gedanken nie an Farbe verlieren. Aber jetz ist sie in der Gegenwart.
    Die drei machten sich bekannt.
    Doch Alucard und Maria, wechselten kaum ein Wort, keines von Bedeutug. Nur
    höfliche leere frasen. Warum war es schon wieder so verworren? Beide hatten
    sich doch so gefreut den anderen wiederzusehe. Selbst Nicollet viel auf das da
    was war. Wirklich wissen, was, tat keiner der drei.
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    Langsam bewegten sich die Schwingen auf dem Rücken. Er war aber keine Taube, gar kein
    Vogel war er, nur ein weißer alter Mann. Die Neugier hatte ihn hergetrieben, er war nicht
    gut, auch war er nicht Böse. Keiner Seite stand er näher. Er wollte nur sehen was war.
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    Maria war schon auf dem Rückweg ins Hotel, sie hatte sich nicht getäuscht. Alucard weicht
    nicht von meiner Seite. Nur ein kleiner Spaziergang, ein dummer Guuhl und schon lock ich
    ihn herraus. Ahhh, und das verrückte Gör nicht zu vergessen. Was soll ich mit dem Kern?
    Ist sie wagemutig oder nur dumm? Zu durchschauen ist sie nur schwer.
    Und die Gelegenheit zum Reden, mit Alucard, wird uns die Zeit wohl noch schenken.
    Zum geizen ist sie viel zu hold, das wünsch ich mir von ihr.
    Kurz gegrüßt und schon im Warmen, ging sie schon die Treppe hoch. Sie strich sich den
    Schnee aus ihrem Haar, war schon beinahe bei ihrem Zimmer. Gegenüber öffnete sich die
    Tür, er ging und kam schon mehrmals heut. Jetzt kreuzten sich ihre Wege, das erste mal.
    Jecht tat was er immer tut, er sah ihr in die Augen. Ging nah an ihr vorbei.
    Sie berührten sich fast.
    Dieses Lächeln, was war das? Von ihren eigene Gedanken war sie erschrocken.
    Und was hatte er getan? Hatte sie sich das nur eingebildet, oder roch er an ihrem Haar?
    Ihr war wohl dabei und das missfiehl ihr.
    Die Müdigkeit, sie war schon wieder da, und lockte sie auf ihr Zimmer.
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    Signature
  • Roderich
    Roderich
    acht:
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    Sie war noch nicht einmal geboren, als sie die Kuppeln über ausgewählte, oder eher aus-
    erwählte Städte errichteten. Damals war da noch ein reger Tausch, mit anderen Städten.
    Doch mit den Jahren, als ob ein Nebel aufkam, immer dichter und undurchdringlicher, ließ
    dies nach. Als ob man langsam Blind würde. Das wenige was man noch sehen konnte, waren
    die Erzählungen ein paar mutiger Reisender. Sofern sie nicht logen, oder die Wahrheit zu sehr
    schmückten.
    Meine Heimatstadt kümmerte es auch nicht, was sonst noch so war. Sie ist eine Dirne, wie
    sie alle Dirnen sind, wenn man genau hinsieht. Sie gesteht es sich aber wenigstens ein.
    Ist sich nicht zu fein. So auch ich, Angela. Ich hab so viele von ihnen schon gewärmt.
    Doch heute Nacht gehört sie mir allein, die Stadt. Sie soll erwachen, wie auch ich er-
    wachet bin, mein Geist mein Wille und dann für immer sacht verstummen, in der Nacht.
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    Rauch war in der Ferne zu erkennen. Sehr viel Rauch. Was war da wohl geschehen?
    ...zurück! Ich schwimme, treibe bin in ihm, benetzt er meine Lippen. Salzig
    und ein wenig schal ist sein Geschmack!
    ...doch zurück! Viele Jahre, viele Zeit, tragen mich meine Schwingen dort hin!
    Nur ein paar Federn könnten mich verraten, doch tun sie das nicht. Wird es später
    dunkel, sind sie fort wie auch das Licht.
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    Die Leinwand war leer, wie auch sein Geist. Ausgebrannt. Das Weib, das dort lag, sie war ihm
    keine Muse. Sie zog ihn nicht in ihren Bann. Dann war sie sinnlos, dachte er. Wie Brot, das
    man nicht Essen konnte. Es macht nicht satt und schenkt auch keine Kraft. Er weckte sie
    auf und jagte sie auf die Straße. Nackt, warf ihr die Kleider hinterher. Sie sagte gar nichts,
    fragte sich, was geschehen war. Die Farben waren plötzlich alle gleich, kein Kontrast kein
    Gefühl, kein hell und kein dunkel. Seit dem er diese Kriegerin hatte, war einiges anders. Doch
    das musste er erst noch lernen zu Akzeptieren, erst sehen und verstehen.
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    Was war da eben nur geschehen, fragte sich Maria. Auf ihrem Zimmer, das Haar ganz
    feucht, lag sie in den federn und versank in ihnen. Kuschelig weich und warm wie ein
    Gänschen.
    Ein tropfen, rot und groß wie ein Leib Brot fiehl herab, zersprang in viele weitere.
    Ein Gesicht wie eine Wolke. Sie greift danach, wie Rauch fühlt es sich an und flüchtet
    auch so. Ihr wird heiß und das Gefühl kehrt in ihren tauben Gliedern zurück. Ihre Arme,
    die Beine, hinab bis zum Zeh.
    Die Nacht war bereits zuende? Hab ich mich nicht eben erst nieder gelegt? Draußen
    hatte die Sonne bereits die Böden gefegt, die Straßen durchflutet die Häuser geölt.
    Zeit aufzustehen, den Tag zu beginnen. Zeit dem Ritter ein paar Fragen zu stellen.
    Zeit der Göre ein paar Antworten zu entlocken. Doch erst mal Zeit etwas zu speisen.
    Marillenkonfitüre und ein Glas kalter Minztee, dafür nehm ich mir die Zeit.
    Blicke zum Fenster hinaus, versuch mich zu entsinnen, an diesen Traum.
    Doch er war nicht mehr da. War wohl nicht wichtig. War auf und davon.
    Nur das Gefühl blieb, jedoch ist es ihr fremd.
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    Signature
  • Roderich
    Roderich
    neun:
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    Der Rauch verzog sich, eben war die Siedlung nun. Es war nicht nötig, noch länger zu warten.
    Er war längst fort und wiederkommen wird Er nicht. So ging er auf sie zu.
    Wenige wohl gewählte Blicke und er ging nieder auf die Knie.
    Mit seinen Händen durchsuchte er die Glut.
    Nicht lange und er fand schon eine. Kühl wie eine träne aus Kristall war sie, die weiße Feder.
    Das war keine Überraschung, wer auch sonst häte das Feuer bringen sollen. Auf Schritt und
    Tritt folgt es ihm, wie ein junger Welpe, folgsam wie sein Schatten.
    Was hatte Er gesucht und hatt Er es gefunden?
    Weiterhin durchwühlten seine Finger die Glut. Dies tat Uriil nicht weh, falls doch, so hatte er es
    schon vergessen.
    Es gab nun andere Gründe sich Sorgen zu machen.
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    Ein Maisfeld, wie ein riesiger Tepich. Alles hüllte es in braune Töne. Ein herbstlicher Klang.
    Ordnung herrschte dort, wie das Werk eines Kamm's. Sie stand mitten darin. Ihre Robe
    ließ kaum Blicke auf ihr Gesicht zu. Doch ich weiß, sie ist wunderhübsch.
    Sie stand da, genoß den Augenblick. Ein wenig Ruhe war ihr lieb, die Stille einer ihrer
    liebsten Freunde, wenn sie sich nicht verwechselte, mit dem jungen Mädchen, das sie
    einmal war. Sie fand jedoch nicht, das sie sich verändert hat, seit jener Zeit.
    Gelernt vom Leben hatte sie nichts. Zumindest nichts von Wert, so sah sie das.
    Nur die Stille allein konnte sie lehren, wer sie war und was sie umgab. Eine Gabe,
    so wie sie das sah.
    Ein Rascheln am Boden, im Staub. Ein Laut zwischen den Früchten, den ausgereiften
    Kolben. Keine Vogelscheuche weit und breit. So auch kein Vogel der hier verweilt.
    Nun ging sie weiter, Schritt für Schritt durch die Zeit.
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    Alucard hatte die Nacht zusammen mit Nicollet verbracht. Nicht zusammen, versteht sich.
    Er hatte die Pflicht sich sorgsam um sie zu kümmern. So empfand er es jedenfalls.
    Sie war nicht abgeneigt, ein wenig Gesellschaft das erfreute sie. Nur das Nachtlager,
    welches er für sie gewählt hatte, missfiel ihr. Ein runtergekommens und altes Haus.
    Sie hatte gar Angst, die Decke fiele herunter, von derart vielen Rissen war sie gezeichnet.
    Komm, laß uns gehen! Sagte er zu ihr und nahm sie an der Hand.
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  • Roderich
    Roderich
    zehn:
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    Es war genau Heute, vor vielen Jahren.
    Er war es leid den Gören das Leben aus ihren Körpern zu schneiden. Hatte das nie ein Ende?
    Er konnte sie weder sehen noch riechen und er hatte sich nicht ausgesucht das es so ist.
    Bewust gewählt, das hatte er nicht, sie alle auch nicht, vermutlich keine von ihnen.
    Das Blumenmädchen stand nun da. Rotbraun ihr Haar, das rot war beinahe schon ganz ausgewaschen, ein schmaler Mund und zornige
    glänzende Augen. Eine Karaffe mit Wasser hielt sie fest, Carestina war ihr Name und nun
    lies sie loß.
    Ihre Atmung verstummte, er dachte an Morgen, er dachte an Heute.
    Ja an Heute, an genau Heute, in so vielen Jahren.
    Und eben war Gestern, Gestern eben. Die Zeit stotterte wieder.
    Er stand vor seinem Hotelzimmer, sie kam die Treppe hoch und ging zu ihrem Zimmer.
    Sie bérührten sich leicht, er roch an ihrem Haar. Sie war keine von ihnen.
    Schnee war aus dem Fenster zu sehen, ruhig und weise. Ein Tanz in der Luft.
    Ein Teppich am Grund.
    Durch ihre Augen würde er gerne sehen. Was war es, was sie sah?
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    Die Welt kippte zur Seite. Der Horizont lag jedoch immer noch da.
    Noch immer war sie geteilt, in viele Ebenen, in viele Felder.
    Tausende von Schachbrettern, vielleicht ja Millionen derer.
    Zu viele für nur einen Lenker. Zu viele um den Zufall auzuschalten, fernzuhalten.
    Bildeten sie eine Einheit? Sollte man sie vereinen?
    Sein Odem umschloß sie ohnehin, in einem Nebel wie eine Haut.
    Perlengleiche Schnüre hingen an ihren Enden herab, wie Senkel
    die geschnürt werden wollten.
    War es das Ende? War es so gut?
    Wenn nicht dann geht es wohl weiter, trägt Hoffnung, schenkt Mut.
    Incognito sah er hinüber, eine Brille vor den Augen, sein Haupt bedeckt
    von einem Hut.
    Er war auf der Suche, in Raum wie in Gedanken.
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    Die Decke war natürlich nicht heruntergefallen. Nicollet ließ sich führen und sie machten sich
    auf ihren Weg. Sie hatte gut geschlafen, was sie selbst verwunderte. Ob es wohl an ihm lag?
    Sie hatte Hunger. Jetzt sogar noch mehr, weil sie daran dachte. Spiegeleier, von beiden Seiten
    kräftig angebraten, das würde ihr jetzt schmecken und eine Tasse heißen Tee.
    Sie hatte sich auch nicht frischmachen können, wo sie doch gefallen an ihm fand.
    Nur für einen kurzen Moment, sagte sie sich.
    Er griff fesster zu, wie der Sattel sein Pferd bei einem langen Ritt. Zuviel Zeit verlieren wollte er nicht.
    Er lächelte und dachte an ihr, wie schon die ganze letze Nacht. Maria, Maria...Maria.
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  • Roderich
    Roderich
    elf:
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    Ich bin nicht was du siehst, dennoch bin ich wer du siehst.
    Er kämmte seinen Scheitel aus kaltem Feuer zurück.
    Fast traurig wirkte er, als er das sagte, traurig darüber das sie ihn nicht mehr hören konnte.
    Häufig wurde angenommen, er sei zwei, und sie ständen sich gegenüber, doch war er nur einer,
    das eine wie das andere.
    Eine seiner frühesten Erinnerungen ist jene, als er einen Stern spalltete, in zwei exakt
    gleich große Hälften, dann schälte er ihn wie eine Mandarine.
    Zu der Zeit war er noch jung, gar ein Welpe.
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    Ein Trog gefüllt mit Blut, ein weiterer mit Köpfen. Wer war wer
    und wer war ich?
    Um mich herum zerfällt die Welt und es regnet farbig.
    Da erwachte er aus diesem Traum und konnte sich auch schon nicht mehr an ihn erinnern,
    auch nicht an den vergangenen Tag.
    Maria stand vor ihm, sie war es, die ihn gerade aufgeweckt hatte. Wo ist Nicollete
    und warum seit ihr Gestern nicht gekommen? Unsere Verabredung zu versäumen,
    ich habe mir Sorgen gemacht!
    Alucard fragte sich wovon sie sprach. Wer war diese Nicollete?
    Wäre er nur ein wenig später geweckt worden, hätte er dann auch sich selbst vergessen?
    Er versuchte sich zu erinnern, doch konnte es nicht.
    War dies die Zeit der Unschuld?
    Es war die Zeit zu reden, das spürte er, das spürte sie.
    Nicollete suchen und finden, zu diesem schluß gelangten sie.
    Zeit zu handeln, sie brachen gleich auf!
    Immer dem Fluß entlang.
    Flüße gab es kaum noch, noch weniger als Städte.
    Flußaufwärts, nah am Ufer gingen sie los. Im Strom folgten ihnen Seekühe und ein wenig
    weiter entfernt hangelten sich Gorillas an alten Metallgerippen und Lianen, die in einer
    anderen Zeit einmalmal die Elektrizität trugen.
    Eine ganze Woche, dann erst war eine Stadt in Sicht.
    Teilweise überdacht? Davon hatten sie noch nie gehört.
    Alucard hatte Hunger, so sehr als hätte er seit Monaten nicht gegessen. Er wollte Fleisch,
    rotes Fleisch. Vielleicht gab es das dort.
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    Wo bin ich, fragte sie sich.
    Ein lautes Lachen durchdrang alles und es kam nicht von ihr.
    Ihr Blick durchstreifte die Ferne und nichts war ihm im Weg, keine
    Wand, keine Türe, nichts was nicht gewachsen war.
    Überall blühende Büsche. Ihr war warm, eine angenehme Wärme durchflutete sie.
    Ihr Haar, seidig und glänzend, so wie Nicollet es sich immer gewünscht hatte.
    All diese Last, verschwunden!
    Vor ihr stand ein riesiger Baum der alle Früchte trug, die sie je sah und noch
    viele andere mehr!
    In seiner Krone saß ein bunter Vogel und dachte ihren Namen.
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    Signature
  • Roderich
    Roderich
    zwölf:
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    Sie fragten in der Stadt herum, doch wenn sich die Leute nicht irrten,
    waren sie die einzigen beiden Fremden, die seit vielen Tagen angekommen waren.
    War der weite Weg umsonst, all die Mühe für die Katz'?
    Es war an der Zeit zur Ruhe zu kommen, für den Moment,
    zu Rasten, den Tag gehen lassen.
    Gegenüber, nur sie beide, er trank aus ihren Augen, er betrank sich in ihnen,
    bis er den Schwindel kaum ertragen konnte.
    In ihnen sah er ein einen glücklicheren Ort, einen besseren Tag.
    Ihre Augen stehen ein wenig enger beieinander, als bei den meisten Frauen. Sein Blick wanderte von der einen
    Wange, über die Nase, zur Anderen. Er folgte den Sommersprossen.
    Von den Oberarmen, über die Schultern, zum Dekoltee.
    Jede einzelne Sprosse wollte er küssen, er hatte einmal gehört, man dürfe sich für jede
    etwas wünschen, doch es waren einfach zu viele.
    Maria quiekte ganz leise, das hörte sich ein bisschen wie ein Ferkelchen an.
    Eng umschlungen lagen sie da, sie war bereits eingeschlafen. Auch er war müde, doch
    wollte er noch nicht schlafen. Wenn doch die Zeit stillstehen könnte und er sie für immer
    so im arm halten könnte, jetzt und immer zu.
    Der Gedanke gefiel ihm und machte seine Lider schwer, schubste ihn in seinen Traum.
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    Anderswo schwang der Dirigent seine Peitsche.
    Leise fügten sich einzelne Töne aneinander, wie kleine dribbelnde Füße. Ganz viele davon. Auf einem Weg, einer Melödie, einer Partitur, schlängelt sich der Pfad.
    Immer dominanter in ihrer Mächtigkeit, ohne dabei heißer zu werden.
    Farben, Formen, Klänge, alles war verbunden in tiefer Harmonie.
    Da erkannte sie, er war einer!
    Sind sie dann alle?
    Ja das sind wir!
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    Augen gemalt auf die Stirn, nie schlafend.
    So groß, und sie wirkten eine Zauber auf ihn, dem er nicht gewachsen war.
    So hatte er sie kennen gelernt, die feiste Frau, die ihn nun um einen gefallen bat.
    Sein Herz, am Stück, in den Flächen ihrer Hände.
    Nur ein kurzer Augenblick, dann war er in der Wirklichkeit zurück.
    Alles nur geträumt, oder sah er was da noch zu sehen sein wird?
    Die Zeit warf schon wieder Falten und betteten ihn darin,
    sorgsam umschlungen in einem seidigen Gewand,
    angegossen und nie lose in sich selbst unterwegs.
    Ein Leid, das noch mehr brachte und niemals seßhaft hier wohnen
    wollte. Es wollte ziehen, auch zu ihm.
    Er schnappte nach Luft, seine Augen blickten in die aufgehende Sonne.
    Maria lag noch neben ihm und er fühlte zart ihren weichen Atem.
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