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    Theologie in A4 (Wahre Begebenheit)

    Ein Bekannter besuchte mich und fand mich inmitten meiner
    persönlichen Suche.
    Er überstieg die Bücherstapel in meinem Zimmer.
    Schlängelte sich durch die herumliegenden Notizzettel.

    Ich erzähle dir eine Geschichte, sagte er und versank im Sofa.

    Eines Tages fiel das Gebot Gottes vom Himmel.
    Es landete genau auf der Grenze.

    Ich sah ihn verständnislos an.

    Auf welche Grenze, fragst du?
    Na die zwischen Islam und Christentum.
    Auf die Grenze, die die beiden teilt.
    Genau in die Mitte.
    Sodass auf jeder Seite eine Hälfte des Gebotes landete.
    Es entbrannte Streit, wer das Papier erhalten solle und wessen Seite Recht habe.
    Denn jede Seite interpretierte ihre Hälfte des Gebotes auf eigene Weise.
    Aber weder Geziehe in die eine, noch Gezerre in die andere Richtung halfen.
    Man wurde sich nicht einig, fand keine Ruhe.
    Bis eines Tages ein Dritter kam.
    Der sagte, er könne helfen.

    Mein Freund schmunzelte.
    Du weißt ja, wie das mit Dritten ist.
    Hast du ein A4-Blatt für mich?

    Ich gab es ihm. Er nahm es.

    Da schau her, ich will es dir demonstrieren
    -er faltete das Blatt mehrmals und zerriss es.
    So machte es auch der Dritte.

    Die Schnipsel in seiner Hand sah er mich an.

    Er faltete die kleinen weißen Stückchen Papier auseinander.
    Es waren Buchstaben.

    Aus ihnen legte er auf dem Milchglas meines Tisches das Wort Allah.
    Zuerst die beiden L, das H, zuletzt dann die beiden A.
    Das ist für die Moslems.

    Nun hatte er noch zwei Stücke des Blattes in der Hand.
    Das Winzige, sagte er, das ist für mich, weil es gerecht sein muss, denn er ist ein gerechter Gott und hat für jeden etwas.

    Ich sah ihn an.
    Das Stück war nicht mal so groß wie mein kleiner Fingernagel.

    Dann reichte er mir das verbliebene Stück.
    Und das ist für die Christen.Als ich es auseinanderfaltete, hielt ich ein großes Kreuz in der Hand.

    Er schenkte sich Wein nach. Und wenige Worte später ging er.

    Ich blieb mit mir, meinen Bücherstapeln und der Frage allein,was
    jener winzige Schnipsel wohl gewesen war, den er für sich behalten
    hatte?

    Erst knapp ein Jahr später ging es mir auf.
    Ihnen auch?

    ml (2008)
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