KunstNet uses Cookies. Details.
  • Danach

  • eid Danach
    Danach

    Einst begegnete ich einem Engel.
    Ich weiß, wenn Sie das jetzt lesen, Sie werden skeptisch sein.
    Pfff, einem Engel begegnet? werden Sie sich fragen.

    Im Schriftlichen ist es unermesslich schwierig, Ihr Vertrauen zu erlangen und Ihren Glauben; ach, wenn ich Sie einfach einen Blick in meine Augen werfen lassen könnte!

    Aber lassen Sie es mich trotzdem versuchen: ich begegnete einem Engel.

    Nun, eigentlich begegnete ich ihm nicht. Das klingt, als hätte ich ihn auf der Straße getroffen oder in der Bäckerei nebenan. Nein, vielmehr kam er über mich. Brach ein in mich. So mächtig und so alleinnehmend, dass nichts mehr von mir den angestammten Platz behaupten konnte.
    Einem Blitz gleich fuhr er in mich. Verdrängte alles und jedes.

    Für diesen Moment, ich erinnere mich verschwommen, irrte meine Seele umher wie ein verlorenes Kind; die Nacht ebenso dunkel wie gleißend hell das Licht in mir.

    Das Engel so etwas tun, hätte ich vorher nicht gedacht! Das war irgendwie doch sehr grob! Ich dachte bis dahin, sie seien sanfte Wesen, zart, die einem in einem Lichtschein schimmernd erscheinen.

    Nun, meiner tat das nicht. Der, der zu mir kam, brachte seine Erlösung mit
    brennenden Schwingen. Doch war selbst des Feuers Glanz von einem, die inneren Augen schmerzenden Weiß.

    Am Tag danach war alles anders. Mein bisheriges Leben, das Außen und dasjenige innen, gab es nicht mehr. Die Zweifel waren alle fortgerissen, die Dämme gesprengt, das Pulverfass explodiert; das Licht hatte sich in mir geöffnet, sich mir eröffnet, mich im Vollwaschgang rein gewaschen, geschleudert und war schließlich ebenso blitzartig wieder verschwunden.

    Wie sollte ich zur Arbeit gehen? Einfach so, als wäre nichts gewesen?

    Ich hatte um diese Dinge geahnt, doch nun plötzlich auf einen Schlag waren sie zu tiefem inneren Wissen geworden. Doch wie nun weiter?
    Wen würden Sie an meiner Stelle ansprechen, um das Erlebte zu teilen und zu besprechen?

    Jemanden finden!

    Bald wurde klar, da war niemand. Lange erhielt ich noch unbeschreibliche Wärme aus den Erleuchtungen, doch des Alltags kalte Sachlichkeit drängte sie mehr und mehr hinfort. Ich war zu schwach und wurde Opfer der Angst.

    Ich litt und erlitt Schwäche. Dafür schäme ich mich.

    Doch schäme ich mich nicht, dies zuzugeben. Ich wurde sehr schwach. Das helle Licht verblasste. Ich begann zu zweifeln, erneut. Alles, was ist, ist das, was man sieht – redete ich mir ein.

    ML
    2008
  • Page 1 of 1 [ 1 Post ]

  • Sign in to respond or to ask a question.

Related topics and pictures