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  • omrelap Kennen Sie...
    Kennen Sie den französischen Maler Henri de Toulouse - Lautrec?
    Richtig, der mit den kurzen, verkrüppelten Beinen.
    Wussten Sie eigentlich, dass er in Wirklichkeit eins fünfundneunzig groß war? Bestimmt nicht, oder?

    Man hat selten etwas Schlechteres an Malerei gesehen, als das, was dieser Kerl so zusammengepinselt hat.
    Aber ein Mythos war und ist er,- bis zum heutigen Tag.
    Warum?
    Na gerade wegen seiner "Behinderung".
    Ja glauben sie denn, irgendjemand fühlt mit einem gutaussehenden Künstler, der zudem noch überall beliebt ist und jede Hürde mit Leichtigkeit nimmt.
    Nein, dass versichere ich ihnen!
    Das Publikum will Leiden, Verzweiflung, Wahnsinn, nur dann zollt es Bewunderung. Das Werk eines Künstlers ist nebensächlich, glauben Sie mir, ich weiß es .
    Und Toulouse - Lautrec?
    Was es mit seinen kurzen Beinen auf sich hat, wollen Sie wissen? Aber das versuch ich ihnen doch zu erklären.
    Sie waren ja gar nicht kurz! Wenn er von vorn fotografiert wurde, kniete er sich auf seine großen Schuhe. Sah zum Brüllen komisch aus und alle die das Foto hinterher sahen, waren zu Tränen gerührt, denn seine Beine schienen wie abgebrochen.

    Oder nehmen Sie einmal Ludwig van Beethoven. Es gibt kaum einen lausigeren Komponisten, wirklich schlimm, was sich dieser Mann so alles verzapft hat.
    Ich kann seine Musik nicht länger als fünf Minuten ertragen, ohne Kopfschmerzen zu bekommen.
    Aber auch er wurde zum Mythos.
    Warum?
    Na weil er "taub" war.
    Wissen Sie, ich arbeite seit vielen Jahren mit Musikern und alle haben mir versichert, dass ein tauber Komponist nicht komponieren kann. Es ist schlichtweg nicht möglich.
    Und Sie haben das mit der Taubheit Beethovens wirklich geglaubt? Na ihnen kann man auch jeden Bären aufbinden.
    Jedenfalls war Beethoven ein sehr ehrgeiziger Komponist. Und als er begriff, dass sein musikalisches Talent nicht ausreichte, um zu Ruhm zu gelangen, da entschloss er sich eben "taub" zu werden, wenn Sie verstehen, was ich damit sagen will.
    An diesem Prinzip hat sich auch bis zum heutigen Tag nichts geändert. Wenn sich z.B. ein zeitgenössischer Tenor heutzutage nicht entschließen kann "blind" zu werden, dann muss er eben gut singen können.
    Von nichts kommt nichts. Damals wie heute. Die Branche ist hart.

    Mir waren solche Zusammenhänge übrigens auch schon als Kind klar.
    Meinen Teddybären hatte ich schließlich auch dann am liebsten, als er schon zerfleddert war.
    Und als Schüler zog ich mal ein paar Wochen mein rechtes Bein nach und wurde prompt zum Klassensprecher gewählt. Vorher hatten mich meine Mitschüler gar nicht beachtet. Für die war ich unsichtbar.

    Damals schwante mir denn auch schon schemenhaft mein beruflicher Weg.
    Sie ahnen sicherlich schon, wohin er mich führte.
    Es ist nämlich so: Seiner Stärken wegen wird man respektiert, aber geliebt wird man wegen seiner Schwächen.

    Habe ich mich ihnen überhaupt schon vorgestellt? Verzeihung, ich vergaß. Gestatten, von Schaum mein Name, Ferdinand von Schaum.
    Personalberatung ist meine Profession und ich bin Begründer der Schaum Akademie, unserer berühmten Stotterschule.
    Darf ich sie einmal etwas fragen? Wer würde es ihrer Meinung nach wagen, einen Stotterer zu unterbrechen?
    Niemand, oder. Da haben sie´s. - Versteht sich auch wohl von selbst, dass sich bei uns keiner das Stottern abgewöhnt , nicht wahr, hähä.
    Natürlich gibt es auch andere brauchbare Sprachfehler, aber gutes Stottern will gelernt sein, glauben Sie mir.
    Es kommt nämlich niemals darauf an, was einer sagt, sondern immer nur, wie er es sagt.
    Die Emotion, die der Redner transportiert, das menschliche Element, das machts. Das Verstandesmäßige kann man getrost vernachlässigen, es wirkt höchstens arrogant.
    Der Schlüssel zum Erfolg ist : Ganz offen Fehler zugeben. Große Männer haben das verstanden.

    Wir, dass heißt, meine Mitarbeiter und ich, katapultieren unsere Clienten ganz weit nach oben. Wir beschäftigen uns nicht mit Kleinigkeiten .
    Wenn Sie Schlagersänger sind und nur ein bisschen bekannter werden wollen, sind Sie bei uns falsch.
    Wollen Sie lediglich eine gehobenere Stellung in ihrer Firma ergattern, sind Sie ebenfalls falsch.
    Richtig wären Sie, wenn der Stadtteil in dem ihre Firma liegt, nach ihnen benannt werden soll.
    Alles klar?
    Wir waren die, die Otto Graf Lambsdorf das Hinken beibrachten, wir hatten die Idee, dass sich Ole von Beust, Guido Westerwelle und Klaus Wowereit als schwul outeten, wir drehten das Video, in dem Joschka Fischer einen Polizisten vertrimmte. Soll ich fortfahren?
    Nur Herr Lambsdorf vergaß leider immer, welches sein "krankes" Bein war.
    Gott sei Dank, hat´s nie einer gemerkt, wenn er sich links hinkend ans Rednerpult stellte und rechtsseitig wieder zurückhinkte.
    Und von Beust, Westerwelle und Wowereit? Schwul? Weiberhelden allesamt, durch und durch, glauben Sie´s nur.
    Der Fischer ist schwul, ich persönlich habe ihm das Rumtucken abgewöhnt und ihm ein härteres Image verpasst. Wenn Sie wüssten...
    Das mit den Turnschuhen bei seiner Vereidigung zum Minister war übrigens meine Idee, er selbst hat auf Strapse bestanden. Mich hat´s richtig Nerven gekostet, ihm das wieder auszureden.

    Wissen Sie, Prominente und besonders Politiker geben sich ja immer volksnah. Aber wie stellt man so etwas glaubwürdig an? Wie wirkt man glaubwürdig volksnah?
    Und genau hier kommen wir ins Spiel, das ist genau unser Stichwort : Die gute alte Glaubwürdigkeit.
    - Mit uns machen Sie sich glaubwürdig.
    - Wir haben die Strategien.

    Wenn ich das schon höre : George W. Bush war früher mal Alkoholiker, Clinton hat schon mal an einem Joint gezogen und der Seehofer hatte mal ´ne Freundin.
    Dass ich nicht lache.
    Alles ganz klägliche Versuche, sympathisch und menschlich rüber zu kommen.
    Das Werk blutiger, bemitleidenswerter Amateure!
    Darüber sind wir längst hinaus.
    Zur Zeit sind wir gerade dabei, einen Kandidaten für die Grünen aufzubauen.
    Stottert wie ein Weltmeister sag ich ihnen, der rührt alle zu Tränen, egal was er erzählt.
    Und von wegen, mal an einem Joint gezogen!
    Der Bursche hat schon wegen sexueller Belästigung gesessen, geht aber ganz selbstbewusst und spielerisch mit seiner Vergangenheit um. - Ist jetzt eben "geläutert", verstehen Sie, hähä.
    Und wie der immer strahlt.
    - Als hätte er ein paar Uran- Brennstäbe in der Jacke.
    Tja, eben ganz und gar unser Mann. Der wird besonders Wählerinnen bei der CDU/CSU abschöpfen, glauben wir.

    Und erst unsere Mitarbeiter. Da würden sie aber staunen. Unser Herr Hoggl ist der talentierteste von allen. Er ist unglaublich wandlungsfähig und imitert schon solang ich ihn kenne, perfekt einen buckligen, tuntigen Zwerg.
    Ich bin bis heute nicht dahinter gekommen, wie er das macht. Jedenfalls ein großartiger Kerl, geradezu ein Genie, der bringt es noch mal zu etwas, auf den können sie setzen, verlassen sie sich drauf.
    Einmal hat er in der hiesigen Fußgängerzone, nur um uns eine Kostprobe seines Könnens geben, Wachtürme der Zeugen Jehovas, das Stück zu 20 Euro verkauft. Eine inspirierende Wonne diesem Könner bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. Alle Exemplare wurden ihm förmlich aus den Händen gerissen. Und glauben Sie mir, an ihm ist niemand gleichgültig vorbeimarschiert, der wurde beachtet.
    Manchen ist es eben in die Wiege gelegt.

    Wir arbeiten übrigens auch für Stephen Hawking, Sie wissen schon, den britischen Physiker, der im Rollstuhl sitzend nur noch via Sprachcomputer kommuniziert.
    Also, ich will nicht indiskret sein, aber dieser Kerl hängt richtig an der Flasche.
    Der trinkt jeden unter den Tisch und sieht bisweilen richtig schlecht aus. Aber trinken sie mal zwei Liter Gin, dann möchte ich mal sehen, wie sie hinterher aussehen!
    Ich kann ihnen auch versichern, wenn er bewegungslos in seinem Rollstuhl sitzt und keinen Ton herausbekommt, ist nichts gespielt!

    Und nüchtern ein annehmbarer Tennisspieler, der Mann. Schwierig, gegen ihn zu gewinnen.
    Aber sobald dann diese Mengen Alkohol ins Spiel kommen, kann er nicht einmal mehr seinen Namen aussprechen.
    Hoggl war dann auch der, der den entscheidenden Einfall hatte, als Stephen mal wieder voll wie eine Haubitze war und ein Interview mit der Presse anstand.
    Nun sollte er den Presseleuten auch noch den Ursprung der Welt erklären. Das war schon etwas beunruhigend.
    Man muss nämlich wissen, dass Hawking auch nüchtern über Physik ungefähr so viel weiß, wie sie oder ich.
    Warum sonst glauben sie, hat ihn noch nie jemand öffentlich darüber reden hören?
    Und von wegen den Ursprung der Welt erklären!
    Der hätte doch noch nicht einmal erklären können, wie er abends zuvor ins Bett gekommen ist.
    Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn, die Idee des Sprachcomputers war somit geboren!
    Journalisten reichen mittlerweile ihre Fragen vor dem Interview schriftlich ein und wir sorgen dafür, dass der Sprachcomputer entsprechend gefüttert wird. Später "beantwortet" der Computer dann dem allseits verzückten Publikum die Fragen.
    Die Stimme auf Hawkings Sprachcomputer stammt übrigens von Hoggl. Der hat immer einen Heidenspaß, wenn er die Welt erkären kann.
    Wir achten natürlich peinlichst genau darauf, dass die Presse gebührenden Abstand hält, damit niemand Hawkings Fahne riecht.
    Und wir sind ständig auf der Suche nach seinen neuesten Verstecken für Gin. Übrigens auf diesem Gebiet ist er außerordentlich erfinderisch und intelligent.
    Was glauben sie wohl, was bei uns einmal los war, als der Sprachcomputer so merkwürdige Ausfälle hatte und es während einer Pressekonferenz aus diesem Kasten so seltsam tröpfelte.
    Der hält uns ganz schön auf Trab, das können Sie mir glauben.


    Neuerdings sind wir übrigens wieder an einer ganz großen Sache dran. Die FDP wandte sich vertrauensvoll an uns. Die sind mit ihrem jetzigen Vorsitzenden nicht mehr zufrieden und bräuchten einen richtigen Abräumer, wie sie sich ausdrückten und wir sollten mal einen geeigneten Vorschlag machen. Der jetzige Kandidat sei jedenfalls viel zu gewöhnlich.
    Sie bräuchten eine starke, vertrauenswürdige Identifikationsfigur für ihr Wählerclientel.
    Einen richtigen Macher, der die Menschen mitreißt. Er sollte bürgernah sein, nicht zu gut aussehend, dabei ein bisschen Exotik ausstrahlen und den typisch aristokratischen Appeal besitzen.
    - Ob wir nicht jemanden in petto hätten.

    Nun ja, so einen haben wir tatsächlich bei uns, ich denke da an unseren tuntigen, buckligen Zwerg...
  • siku Bügelfernsehn
    .
    Bügelfernsehn
    .
  • omrelap
    Sag mal siku, auf deiner Seite ist ja nichts mit Kunst und sonst scheinst du dich ja auch nicht dafür zu intressieren.
    Warum bist du nicht bei E- darling oder einer anderen Philosophenplattform?
    Da hättest du Gleichgesinnte.
    Würdest du dich bitte von mir und meinen Werken fernhalten? Hier immer über irgendwelche Pferdeäpfel zu stolpern, nervt ehrlich gesagt.

    ...von weitem sah er aus wie ein japanischer Samurai, aber er hatte in Wahrheit bloß Trisomie 21...
    Konfuzius
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  • kaui
    kaui
    also ganz echt...

    ich habs jetzt bis zur hälfte gelesen und finde es eher polemisch und populistisch als nachhaltig und wahrheitsgetreu... ich bin auch ohne humpeln klassensprecher geworden und wurde auch vorher geschätzt und be/geachtet..

    vielleicht bin ich auch ein "einzelkämpfer", weil ich stark dafür bin, dass dieses ganze elitäre heck meck um die kunst mal ein ende finden muss... sie ist ein adäquater beruf und mit viel arbeit verbunden, hat ihren sinn und auch ihren berechtigten unsinn, aber mich absichtlich oder wissentlich als etwas "besonderes" hinzustellen um damit meine verkäufe anzukurbeln, ist mir schon lang zu wider..

    meine vorlaute behauptung ist: wenn die kunstschaffenden mal ihren finger aus der knackigen rückseite ziehen würden und empathie nicht nur malen sondern anwenden würden, wäre für viel mehr menschen der zugang zur kunst geschaffen und ein "kunstmarkt" nicht länger eine quantifizierte wertung eines fiktiven renommee´s sondern ein vorzeigbares beispiel für verdienst durch kreativität und handwerk gemessen an der geleisteten arbeit!

    gute nacht ;)
    Signature
  • daednU
    ähm nicht gemerkt dass das eine SATIRE ist???
    der anfang ist ganz originell
    bei den politikern wirds dann recht platt
  • kaui
    kaui
    hatter, aber es war mir nicht interessant genug um es zuende zu lesen... möge man mich steinigen dafür ;)
    Signature
  • daednU
    ich habs jetzt bis zur hälfte gelesen und finde es eher polemisch und populistisch als nachhaltig und wahrheitsgetreu... ich bin auch ohne humpeln klassensprecher geworden und wurde auch vorher geschätzt und be/geachtet..


    klingt als hättest du da was für bare münze genommen,,,,
  • kaui
    kaui
    nur insoweit, als es menschen gibt, die es bis zu diesem punkt tatsächlich so praktizieren, was dann meine assoziierte reizschwelle überschritt und mich zu dem ersichtlichen post brachte..

    vielleicht hab ich auch die komplette weite des textes (nicht vielleicht, sondern sehr wahrscheinlich) noch nicht erfasst und somit selbst polemisch reagiert. seis drum, ich gelobe besserung und ggf. den text nach dem aufstehen zuende zu lesen ;) und meine antwort zu überdenken :D
    Signature
  • Roderich
    Roderich
    wenn es keine kriterien zur weiteren selektion gibt, ist anders wirklich alles anders. ;)
    Signature
  • ztinuaGottO Kennen Sie...
    Kennen Sie...
    ...erinnert mich etwas an Kishon.
  • omrelap
    hatter, aber es war mir nicht interessant genug um es zuende zu lesen... möge man mich steinigen dafür ;)



    Ja, du sagst es selbst. Ich empfehle Bauschutt, alles andere wäre Verschwendung.
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