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  • Wenn der Perfektionist keiner mehr ist

  • Patrick
    Patrick Wenn der Perfektionist keiner mehr ist
    Hallo zusammen

    Mich beschäftigt etwas schon seit geraumer Zeit und ich wollte wissen, ob es euch bei diesem Thema ähnlich ergeht bzw. erging, oder ob ihr vergleichbare Erfahrungen gemacht resp. Probleme gelöst habt.

    Ich war bisher immer ein Perfektionist. Ein Bild war für mich nie fertig bevor nicht jedes kleinste Detail stimmte. Während meiner Ausbildung, die mittlerweile auch schon 7 Jahre her ist, konnte ich diese Eigenschaft bestens entfalten. Die Dozenten hatten unsere Bilder immer kritisch betrachtet und Fehler aufgezeigt (Proportionen, Licht, Form usw.), was mir sehr geholfen hat. Bis vor einem Jahr war der Aufbau meiner Bilder meistens so, dass ich zuerst die Formen perfekt vorzeichnete und mich dann erst an die Modellierung/Farbgebung usw. ranmachte. Ich bin meine Bilder also sehr rational angegangen.

    In letzter Zeit hat das ganze aber ziemlich abgenommen – ich male jetzt eher aus dem Gefühl heraus und fokussiere mich auf den Gesamteindruck des Bildes; Vorzeichnungen verkümmere ich oft oder lasse sie ganz weg, weil es mich ankackt ewig rum zu zeichnen, ehe ich endlich malen kann. Mein Stil hat sich dementsprechend auch verändert. Grundsätzlich gefällt es mir, dadurch wird alles lebendiger, authentischer, weil der Gesamteindruck stimmt. Betrachte ich aber die Bilder genauer, muss ich feststellen, dass es ein Haufen Fehler hat. Unmögliche Schattierungen, unrealistische Hell-dunkel-Kontraste usw. Dazu kommt noch, dass die Bilder nunmehr dem Zufall bzw. Glück unterlegen sind. Oft brauche ich 2-3 Anläufe, ehe das Ergebnis stimmt. Ich erreiche den (meinen) Perfektionismus nicht mehr und fürchte mich teilweise vor dem Zeichnen, genauer gesagt, dem Versagen, was darin resultiert, dass ich immer weniger male (heute hatte ich seit 3 Monaten wieder mal gemalt).

    Es ist so ein unentschlossenes Zwischendurch und ich bin echt ratlos, wie ich damit klar kommen soll. Ich habe mir schon überlegt hin und wieder naturalistische Studien zu machen, um in «Form» zu bleiben, weil irgendwie finde ich es auch schade, dass dieses Können langsam untergeht. Das funktioniert zumindest in der Theorie, aber ich kenne mich und in Realität würde es mich ziemlich ankacken nebenbei noch etwas zu erzwingen, zumal ich ohnehin schon fast keine Zeit mehr habe.
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  • b-nimajneb
    ich würde sagen, es kommt drauf an was man will. wenn ich gute ideen habe, die aber schlecht umgesetzt sind, wirds nicht zünden. wenn ich aber eher dekorativ male und das ist nicht immer negativ, dann sollte man eher rumspielen. aber bei richtigen ideen würde ich lieber ruhig einen tag lang skizzen machen und nie das erst beste nehmen. man muss sich richtig reinspinnen und so kritisch mit sich selbst sein, dass wenns im ansatz schon kacke ist nochmal anzufangen. das frustriert wie sau aber es kann passieren dass man andere tage wieder die erleuchtung hat. man hat aber soviel wo man klauen kann und sich daraus eigene geschichten zusammen setzten kann: film, musik, videospiele, geschichte etc. das ist sowas wie "Ästchendenken".
    Zum Beispiel das hier:http://picture.yatego.com/images/464d59cb64a307.7/Freitag-der-13.-T-Shirt-schwarz-kqh/freitag-der-13--jason-fun-t-shirt--freddy-horror.jpg

    sieht echt übel aus aber geile idee.
  • efwe
    efwe
    ...
    Es ist so ein unentschlossenes Zwischendurch und ich bin echt ratlos, wie ich damit klar kommen soll. Ich habe mir schon überlegt hin und wieder naturalistische Studien zu machen, um in «Form» zu bleiben, weil irgendwie finde ich es auch schade, dass dieses Können langsam untergeht. Das funktioniert zumindest in der Theorie, aber ich kenne mich und in Realität würde es mich ziemlich ankacken nebenbei noch etwas zu erzwingen, zumal ich ohnehin schon fast keine Zeit mehr habe.


    hallo-
    ich kenne dieses gefuehl zum perfektionismus ;)... habe mir vor laengerer zeit vorgenommen -unbekuemmerter draufloszulegen- sachen einfach zu uebermalen! huch! ... weg von glatter oberflaeche -mehr duktus mehr auftrag sprich: mehr emotion und wagnis- das ist arg schwer fuer mich - da nicht zu zoegern -viell weil ich auch sonst im taeglichen leben ins details versinke...?ich weiss ned- wenn es allerdings fluessig laeuft ist es sehr befreiend- allerdings habe ich ,so wie du, danach oft das gefuehl mein zwaengeln will mich wieder einholen! (da ist es gut an groesseren formaten zu arbeiten)

    studien sind doch grossartig- hab ein buch und zeichne beim caffe taeglich (fast) "iiirgend_was" rein- gut sich warm zu halten ...
    gruss und weiter frohes rocken :)
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  • efwe
    efwe
    nachtrag: war auf deiner website, weil ich wissen wollte was du ausser schuhen noch zeugst- und hab mich etwas umgesehn :) und hatte gehofft dort auch malerei zu sehn (auser d schuhen) ...aber gute portraits.
    gruss
    ps: menue/links/hellblau- kann ich ja kaum lesen!
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  • Patrick
    Patrick
    Halló, danke für eure Antworten!

    ich würde sagen, es kommt drauf an was man will. wenn ich gute ideen habe, die aber schlecht umgesetzt sind, wirds nicht zünden. wenn ich aber eher dekorativ male und das ist nicht immer negativ, dann sollte man eher rumspielen. aber bei richtigen ideen würde ich lieber ruhig einen tag lang skizzen machen und nie das erst beste nehmen.

    Da hast du bestimmt Recht! Ich kann das zurzeit nicht so richtig nachvollziehen, da ich im Grunde nur das abbilde, was ich sehe und eigentlich nicht wirklich eine Idee visualisiere.


    hallo-
    ich kenne dieses gefuehl zum perfektionismus ;)... habe mir vor laengerer zeit vorgenommen -unbekuemmerter draufloszulegen- sachen einfach zu uebermalen! huch! ... weg von glatter oberflaeche -mehr duktus mehr auftrag sprich: mehr emotion und wagnis- das ist arg schwer fuer mich - da nicht zu zoegern -viell weil ich auch sonst im taeglichen leben ins details versinke...?ich weiss ned- wenn es allerdings fluessig laeuft ist es sehr befreiend- allerdings habe ich ,so wie du, danach oft das gefuehl mein zwaengeln will mich wieder einholen! (da ist es gut an groesseren formaten zu arbeiten)

    Aus welchem Grund hast du dir vorgenommen freier zu malen? Sahst du darin ein Mittel zum Zweck, um deine Bilder authentischer wirken zu lassen – ich will nicht behaupten, dass das nötig wäre, schliesslich habe ich ja noch nie was von dir gesehen –, oder kam das tief aus deinem Innern heraus? Wie meinst du das, es wäre gut an grösseren Formaten zu arbeiten? Eignen sich diese besser um nachträglich Korrekturen anzubringen, als kleine? Änderungen fallen dann wohl gleich ins Gewicht.


    nachtrag: war auf deiner website, weil ich wissen wollte was du ausser schuhen noch zeugst- und hab mich etwas umgesehn :) und hatte gehofft dort auch malerei zu sehn (auser d schuhen) ...aber gute portraits.

    Hehe, danke! Meine Macke ists, dass ich mich nur auf das Sujet konzentriere – bei den Portraits war das nicht anders – und alles andere vernachlässige. Ich musste mir schon oft anhören, dass meine Bilder etwas karg seien. Nun, mein Selbstvertrauen ist inzwischen so gross, dass ich das als «eigener Stil» vertreten kann :)

    Zurzeit interessieren mich halt nur Schuhe. Vielleicht fange ich irgendwann auch mal an «eigene» bzw. meine inneren Bilder zu malen, lasse es dich dann gerne wissen :) Dann wird sicherlich auch die Methode von benjamin-b hilfreich sein.
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  • egaawressaW
    Hallo Patrick,

    freue mich über einen Faden wie diesen, in dem´s endlich mal wieder um´s Eingemachte geht.
    Habe mir nat. auch erstmal deine web-site angesehen. Viel findet sich dort ja leider nicht... doch i.G.u.G. genügt mir das, um deinen Zeichenstil einigermaßen erfassen zu können, was m.E. wichtig ist, um sich gedanklich auszutauschen.

    Meiner Erfahrung nach leidet die Kreativität und Schaffensfreude, sobald man beginnt, sich zuviele Gedanken über den eigenen Stil zu machen bzw während des Arbeitens einem ganz gewissen Anspruch gerecht zu werden.

    Das nur als kurzen Gedankenanriss zu diesem interessanten Thema.
    bis denne, Alia
  • eloduGeoJ Hm...
    Du hast vor 7 Jahren Deine Ausbildung zum „Künstler“ abgeschlossen? Schön, daß Du endlich vergißt was Du gelernt hast und endlich anfängst zu MALEN! Ich weiß, daß es am Anfang net einfach ist los zu lassen und sich vom Werk tragen zu lassen. Betrachte diese Phase als künstlerische Pubertät – die Beine sind zu lang, das Gesicht zu pickelig, der Arsch zu fett. Zwingen kannst Du nix. Alles wird sich zurechtwachsen.

    Was Du gelernt hast sitzt, ist verinnerlicht. Es ist Dein Werkzeug das Dir hilft Dich in diesem Medium zu verwirklichen. Es sollte keineswegs das Maß aller Dinge sein. Den Maßstab setzt DU, durch Deine Fähigkeiten und Inspiration.

    Eines von Heinrich Böll's bekanntesten Zitaten lautet: „Kunst kommt von Können, käm's von Wollen hieße es Wunst.“ Mit Wollen allein lassen sich in der Tat keine lebendigen Kunstwerke schaffen.

    Die meisten Fehler sind keine Katastrophen, sie machen lediglich Deine Werke lebendiger.

    Deinen diesbezüglicher Hang zum Perfektionismus halte ich nicht für kontraproduktiv, viel mehr sehe ich in übertriebener Zielorientiertheit und vorsätzlichem Schaffen eine selbst auferlegte Beschränkung Deiner künstlerischen Freiheit.

    Traue Dich Deine Freiheit zu genießen!

    Gönne Deinen Werken Pickel und Muttermale!

    Lasse Deine Werke wachsen wie Deine Kinder. Du mußt net wissen was aus ihnen wird um sie auf einen guten Weg zu bringen.

    Male mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf.

    Was Du tust, tue mit Liebe und Leidenschaft.

    Liebe Grüße, Joe
  • Patrick
    Patrick
    Hallo Patrick,

    freue mich über einen Faden wie diesen, in dem´s endlich mal wieder um´s Eingemachte geht.
    Habe mir nat. auch erstmal deine web-site angesehen. Viel findet sich dort ja leider nicht... doch i.G.u.G. genügt mir das, um deinen Zeichenstil einigermaßen erfassen zu können, was m.E. wichtig ist, um sich gedanklich auszutauschen.

    Meiner Erfahrung nach leidet die Kreativität und Schaffensfreude, sobald man beginnt, sich zuviele Gedanken über den eigenen Stil zu machen bzw während des Arbeitens einem ganz gewissen Anspruch gerecht zu werden.

    Das nur als kurzen Gedankenanriss zu diesem interessanten Thema.
    bis denne, Alia

    Hallo Alia

    Vielen Dank für deine Worte und dein Interesse an meinen Arbeiten. Es ist schön zu sehen, dass jemandem mein Beitrag gefällt und auch so feinfühlig darauf antwortet :) Meistens kreisen diese Gedanken nur in meinem Kopf herrum. Mich ernsthaft mit jemandem über solche Probleme austauschen, tue ich selten, da ich ehrlich gesagt nur eine Kunstschaffende kenne :(

    Du hast Recht. Wahrscheinlich bin ich zu sehr mit dem Kopf dabei und weniger mit dem Herzen. Ich kann diesen Stil einfach nicht loslassen, weil ich mich so an ihn gewöhnt habe und Stolz auf ihn bin, trotzdem rebelliert mein Inneres gegen das alte, eingeübte. Kann man das mit einer Beziehung vergleichen, der das Feuer schon längst ausgegangen ist, man aber dennoch an dieser festhalten möchte, weil alles so schön eingespielt ist? Hm. Dieses blockierende Denken auszuschalten stelle ich mir schwierig vor, aber ich muss es versuchen!



    Du hast vor 7 Jahren Deine Ausbildung zum „Künstler“ abgeschlossen? Schön, daß Du endlich vergißt was Du gelernt hast und endlich anfängst zu MALEN! Ich weiß, daß es am Anfang net einfach ist los zu lassen und sich vom Werk tragen zu lassen. Betrachte diese Phase als künstlerische Pubertät – die Beine sind zu lang, das Gesicht zu pickelig, der Arsch zu fett. Zwingen kannst Du nix. Alles wird sich zurechtwachsen.

    Was Du gelernt hast sitzt, ist verinnerlicht. Es ist Dein Werkzeug das Dir hilft Dich in diesem Medium zu verwirklichen. Es sollte keineswegs das Maß aller Dinge sein. Den Maßstab setzt DU, durch Deine Fähigkeiten und Inspiration.

    Eines von Heinrich Böll's bekanntesten Zitaten lautet: „Kunst kommt von Können, käm's von Wollen hieße es Wunst.“ Mit Wollen allein lassen sich in der Tat keine lebendigen Kunstwerke schaffen.

    Die meisten Fehler sind keine Katastrophen, sie machen lediglich Deine Werke lebendiger.

    Deinen diesbezüglicher Hang zum Perfektionismus halte ich nicht für kontraproduktiv, viel mehr sehe ich in übertriebener Zielorientiertheit und vorsätzlichem Schaffen eine selbst auferlegte Beschränkung Deiner künstlerischen Freiheit.

    Traue Dich Deine Freiheit zu genießen!

    Gönne Deinen Werken Pickel und Muttermale!

    Lasse Deine Werke wachsen wie Deine Kinder. Du mußt net wissen was aus ihnen wird um sie auf einen guten Weg zu bringen.

    Male mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf.

    Was Du tust, tue mit Liebe und Leidenschaft.

    Liebe Grüße, Joe

    Hallo Joe, vielen Dank für deine Antwort! Ein sehr schöner Beitrag! So habe ich das ganze noch nie betrachtet, doch der Vergleich zur Pubertät ist ziemlich einleuchtend *lach* Was ich gelernt habe sitzt, ja, dennoch habe ich Angst, dass ich das früher oder später verlernen werde, eben genau wegen diesen «Muttermalen», die die Bilder authentischer wirken lassen. Klingt ironisch.

    Das mit der übertriebenen Zielorientiertheit hat was. Interessant wie du das so rausgelesen hast. Meistens habe ich eine ziemlich klare Vorstellung im Kopf, wie etwas sein sollte und dann versuche ich das so zu erreichen, damit es meiner Vorstellung entspricht. Vielleicht sollte ich versuchen einfach loszulassen und beobachten, was passiert; die Werke wie die eigenen Kinder wachsen lassen, ohne zu wissen was aus ihnen wird, wie du sagst. Sehr treffend.

    Ich spüre schon, dass ich weiterziehen will, aber… schwierig auszudrücken. Ich habe das Gefühl als hätte ich mit meinem alten Stil noch nicht alles erledigt. Es ist zwar nicht zu früh für einen Wechsel, ich habe mit ihm einfach noch nicht alles ausgelotet. Ich habe halt wirklich zu wenig gearbeitet in letzter Zeit. Kennt ihr dieses Gefühl?
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  • Doktor Unbequem
    Patrick, Du erfährst deutliche Signale, neue Wege zu gehen!
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