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  • Im Gespräch: Peter Sloterdijk und Tino Sehgal

  • _em_ton_sti_ Im Gespräch: Peter Sloterdijk und Tino Sehgal
    Kunst im Futur II

    Der Künstler Tino Sehgal und der Philosoph Peter Sloterdijk – ein ZEIT-Gespräch zur Biennale in Vendig. Hier.

    [...]

    Sloterdijk: Ein amerikanischer Romancier hat jüngst eine Utopie geschrieben von einer Gesellschaft, in der die Bürger der Zukunft dafür zahlen, dass sie arbeiten gehen dürfen. Das ist in der Fluchtlinie ihrer Reflexion durchaus angelegt.

    Sehgal: Ja, das trifft tatsächlich einen Kern der tagespolitischen Auseinandersetzung.

    ZEIT: So, wie Sie reden, dürften sich viele Arbeitslose in Deutschland verhöhnt vorkommen, oder?

    Sloterdijk: Wir verhöhnen niemanden. Wir versuchen uns schlicht an einer anderen Perspektive. Die ganze Geschichte der Metaphysik ist ja geprägt von der Sehnsucht nach der Arbeitslosigkeit, oder nennen wir es vorsichtiger: der Arbeitsfreiheit. Erst in der Neuzeit haben wir ein riesiges Gegenexperiment probiert. Da begriff sich der Mensch als zur Arbeit verdammt, inszenierte sich aber zugleich als Könner seiner eigenen Verdammnis und erschien so als jemand, der will, was er muss. Aus dem Menschen, der zur Arbeit verflucht ist, entstand der Unternehmer. Und aus dem zünftig gefesselten Handwerker wurde der freie Künstler. Vergessen war jene uralte Anthropologie, die besagt, dass der Mensch erst dort beginnt, wo die Arbeit aufhört.

    Sehgal: Eine solche Anthropologie zu erinnern finde ich interessant. Allerdings wäre meine Frage, was denn eigentlich beginnt, wenn der Mensch beginnt. Wie lässt sich das Menschsein ausgestalten?

    Sloterdijk: Wenn die Leine der Notwendigkeit durchschnitten ist, dann setzen höhere Aktivitätsformen ein.

    [...]
  • artorange
    artorange
    Wenn die Leine der Notwendigkeit durchschnitten ist, dann setzen höhere Aktivitätsformen ein.

    klar! schwere depressionen, alkoholismus, brualität, selbstmord, vandalismus usw.

    und SINNLOSES GELABER:

    wenn der mensch dort beginnt, wo die arbeit aufhört, wo beginnt denn die arbeit? tiere arbeiten nicht. und in den gegenden, in denen bananen von selbst wachsen und arbeit nicht unbedingt notwendig ist sind keine hochkulturen entstanden. es sei denn man versteht unter "höheren aktivitätsformen" geisterbeschwörungen oder rituelle vergewaltigungen...
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  • aksorip
    artorange...hast Du den "Hier" - Link betätigt und 9 Seiten gelesen?
  • artorange
    artorange
    9 seiten sloterdijk - tue ich mir nicht an. ich lese lieber philosophen, die denken können.
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  • aksorip
    Ja, dann hast Du auch irgendwie die 9 Seiten Tino Sehgal verpasst...aber egal. Dir ist nicht beizukommen :o)
  • artorange
    artorange
    hat sloterdijk 9 seiten lang geschwiegen? dann muss ich diesen artikel unbedingt lesen :-)
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  • rep
    9 seiten sloterdijk - tue ich mir nicht an. ich lese lieber philosophen, die denken können.


    du lässt nichts aus, um dich hier zu entblöden.
  • artorange
    artorange
    ich höre immer nur: waw waw...
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  • aksorip
    Oh je! Dann hör schnell wieder mit den denkenden Philosophen auf! Das scheint bei Dir irgendwie merkwürdige Folgen zu haben.
  • artorange
    artorange
    denkende menschen, darunter auch philosophen, kläffen nicht andere teilnehmer in internetforen an. sie haben etwas besseres zu tun.

    und sie können sachlich argumentieren.
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  • _em_ton_sti_
    .... und sie können sachlich argumentieren.
    Das ist eine gute Idee. Allerdings wird das schwer, wenn man den Ausgangstext nicht lesen mag. Denn der ist das Thema des Threads. 9 Seiten klingt viel - in der Printversion der Zeit ist es aber nur eine einzige Seite.
  • Constantin
  • artorange
    artorange
    1. ob ich den ganzen text gelesen habe oder nicht, ändert nichts an meine argumentation.
    2. es war gelogen - ich habe mir den sloterdijk angetan.

    hast du den text hier reingestellt um darüber zu diskutieren, ob jemand ihn lesen will, oder über seinen INHALT?
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  • aksorip
    Gelogen...hm.

    Ich habe nie eine immaterielle Kunst von Tino Sehgal erlebt und vor diesem Thread auch noch nie von ihm gehört, mich aber etwas informiert. Was das Gespräch zwischen Peter Sloterdijk und Tino Sehgal angeht, fühle ich mich zugegebenermaßen etwas unbedarft, obgleich ich die Ausführungen über den anderen, als nur den technischen Fortschritt sehr anregend finde. Ich verstehe die Position des Künstlers als innovativ, wenn ich auch noch etwas weiter in die Immaterie eindringen muss, um selbst Position beziehen zu können... Mündliche Regieanweisungen, die mit bis zu 40.000 € gehandelt werden :o)...man sollte weiter darüber nachdenken. Ich finde Irritierendes, außer irritierend, auch immer sehr anregend und aufregend. Auch die Idee der "höheren Aktivitätsformen" ...nun, mir erscheint es einerseits utopisch, anderseits logisch... Was KÖNNTE geschehen, hätte der Mensch seine Zeit anders zu besinnen als mit Arbeit. Ich sehe die Tendenz durchaus, und billige mir da ein wenig Naivität zu.
    Natürlich auf der Basis, der Vision des, eines Tages nicht mehr von Arbeit bestimmten, abhängigen, sich über Arbeit definierenden Menschen. Kulturell - sozialer Prozess/ Fortschritt, dabei ökonomisch...klingt doch gut. Aber ich muss noch einmal sagen, dass ich das hier Geschriebene noch nicht als eigene Position zementieren möchte...ich habe laut gedacht und bin noch nicht fertig...ich finde das auch nicht sehr leicht gerade... :o)
  • artorange
    artorange
    die Idee der "höheren Aktivitätsformen" ...nun, mir erscheint es einerseits utopisch, anderseits logisch...


    es ist weder utopisch noch logisch.

    es gab nie eine postmoderne. es gab seit menschen gedenken überfluss in den oberen gesellschaftebenen. es gab auch genausolange menschen, die nicht auf arbeit angewiesen waren. sie haben sich mit duellieren, kriegen, drogen, jagt, orgien und anderem amüsiert.
    wenn wir unter "höheren aktivitätsformen" kunst im weitesten sinne verstehen, so muss man dazu sagen, dass praktisch alle grossen künstler ausgesprochene arbeitstiere waren. und viele in bitterer armut gelebt und gestorben sind - obwohl es parallel dazu schon immer genügend menschlisches material gab, welches nichts mit sich anzufangen wusste, gerade weil sie auf die arbeit nicht angewiesen waren.
    in den USA werden in manchen bereichen hochtechnologien abgeschafft, damit menschen nicht arbeitslos werden.

    autos kaufen keine autos

    das thema der hypereffektiven wirtschaft war vor ca. 20 jahren in. das die beiden alt-edel-hippies ausgerechnet in der heutigen wirtschaftlichen und politischen lage: harz4, agenda2100, angela 1. darüber diskutieren ist nicht nur lächerlich, sondern zynisch.

    die überproduktion führt nicht zu einer freizeitgesellschaft. ich könnte es auch begründen, aber vielleicht reichen die vielen arbeitslosen in deutschland und menschen, die zwei oder mehr jobs annehmen in den USA als anschaungsmaterial.

    denn ich bin müde und muss noch mit meinem hund gassi gehen.
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  • _em_ton_sti_

    Es gab seit menschen gedenken überfluss in den oberen gesellschaftebenen.

    Kann gut sein. Nur macht es eben einen Unterschied, ob der "Überfluss" sich auf einen kleinen Zirkel beschränkt oder ob eine Gesellschaft, wie die unsere - im Großen und Ganzen betrachtet - als reich gelten kann. Im Großen und Ganzen! Das heißt ja nicht das Probleme geleugnet werden sollen, im Gegenteil, sie sollen vor den Hintergrund gestellt werden, der ihre Lösung möglich macht.



    "höhere Aktivitätsform"

    Ich bin mir nicht ganz sicher, dass sich der Begriff "höhere Aktivitätsform" ausschließlich auf Kunst bezieht.

    Ich weiß auch nicht, ob jemand im Europa, sagen wir mal des 18. Jhds. den Begriff Freizeitgesellschaft hätte begreifen können :-) Es ist doch nur schwer zu leugnen, dass wir heute (in Europa) unter anderen Bedingungen leben als noch vor einzwei hundert Jahren, oder?



    Es gab nie eine Postmoderne.

    Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, inwieweit das für die Diskussion des Artikels wichtig ist, aber es steht definitiv fest, dass der Begriff Postmoderne für die Literatur (natürlich auch die Literaturkritik), für die Architektur und selbstverständlich für die Philosophie von recht großer Bedeutung ist. Inwiefern die Epoche Moderne beendet ist und durch eine Postmoderne abgelöst wurde, mag vielleicht hie und da bestritten werden (manche sagen die Postmoderne sei der Höhepunkt der Moderne...), aber in dieser apodiktischen Setzung: "Es gab nie eine Postmoderne." ist der Aussage etwas schwer zu begegnen, weil nicht recht klar wird, was du damit eigentlich meinst.

    Lieber artorange, wir kennen uns gar nicht. Vielleicht irre ich mich, aber mein Gefühl ist, dass dein Ton (mir gegenüber) recht scharf ist. Ich frage mich warum?
  • _em_ton_sti_

    Ich finde Irritierendes, außer irritierend, auch immer sehr anregend und aufregend.


    Zum Glück!
  • artorange
    artorange
    @_its_not_me_

    du irrst dich in der der tat - mein ton kann einem schon scharf vorkommen, nur bezieht es sich keinesfalls auf dich.

    recht hast du wenn du sagst, dass der begriff der postmoderne eine frage der definition ist.
    ich definiere postmoderne als nicht vorhanden. es ist vielmehr eine modeerscheinung, eine sich gut verkaufende idee, bei einem "epochenwechsel" live dabei zu sein. die verbraucher sind ungeduldig, sie wollen alles sofort haben, aber auch die kreativen glauben gerne daran, dass sie an etwas grossem teilzunehmen dürfen.
    epochenwechsel lassen sich mit abstand von 100 besser 200 jahren mehr oder weniger deutlich erkennen.
    nur solange können die verbraucher nicht auf den messias warten, ausserdem liesse sich das nicht vermarkten.

    Es ist doch nur schwer zu leugnen, dass wir heute (in Europa) unter anderen Bedingungen leben als noch vor einzwei hundert Jahren, oder?


    ist ballermann eine "höhere aktivitätsform"? sind das massenschlägereien bei den fussballspielen, grafitti-vandalismus, technodancing?

    es ist klar, dass die beiden herren es gerne sehen würden, dass ihre honorare aus einem imaginären "überschuss" bezahlt werden. aber das können sie einer aldi-kassierein, die ihre kinder ernähren muss und sich am monatsende sorgen macht, ob das geld für die miete noch reicht, wohl kaum vermitteln. aber vielleicht liegt es daran, dass sie noch keine peformance von sehgal gesehen hat oder mit sloterdijk's philosophie nicht vertraut ist...
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  • aksorip
    "wir versuchen uns schlicht in einer anderen Perspektive"...
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