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  • Krank?

  • aksorip
    Nein. Nicht einmal, entspränge sie einem tatsächlich kranken Geist, wäre die KUNST "krank". Ab-artig, ent-artet, krank...das sind Worte, die niemals mit der Kunst einhergehen können. Selbst für vermeintlich "krankes" Gedankengut, welches sich im Inhalt der Kunst transportieren lässt, sind diese Begriffe meines Erachtens nach unzulässig,auch, sei es propagandistisches...

    "Krank" und "Kunst" geht für mich überhaupt nicht zusammen...

    "Krankes" bildnerisch festzuhalten ist etwas ganz anderes, als "kranke Kunst"...siehe Mo Häusler.

    Ach, mein armer Kopf...
  • offakip
    ja, so eine diskussion hat es schon unter karanas bild gegeben...
    die nationalsozialisten sahen in den dargestellten menschen in erster linie gebrechen und vergleichten diese mit den merkmalen geistig oder körperlich behinderter menschen. sie klammerten sich an einer sache im bild fest, die sie vielleicht anfangs belustigte und später wütend machte. der vergleich mit kranken menschen ist das logische resultat langen und verbitterten hasses, manchmal auch neids.
    heute gibt es immer noch menschen, die sich an einer haarfarbe, an blonden locken beispielsweise, an blauen augen oder was auch immer festkrallen, was sie mal bei einem anderen menschen gesehen haben, und sich in boshafter weise darüber hermachen. das geht soweit, daß sie hintervotzig bilder oder sprüche raussuchen, die sich immer auf dasselbe beziehen. sowas mag harmlos erscheinen, aber wenn es über einen längeren zeitraum praktiziert wird, und aus sarkasmus blanker hass wird, ist die ganze sache kein pipifatz mehr. es wird auch heute in scheinbar harmlosen scherzen über die herkunft eines menschen hergezogen. "der franzose" oder "der spanier" oder "der doitsche"... spätestens hier beginnt das nazistische denken, und jede beschwichtigung, es sei nur harmloses scherzen oder karikieren ist in meinen augen blanker hohn oder boshaftigkeit oder einfach nur dumme naivität. wenn ich diese bilder sehe, sehe ich dieselbe vergleichslogik wie in mancher streiterei hier im forum. auch unter karanas bild hatte sich das gezeigt. es gibt hier menschen, die in einem dargestellten menschen nicht nur die krankheit sehen, sondern auch nicht zögern, ihre angst - oder vielleicht auch ihre abscheu - öffentlich zu machen. dabei wird die abscheu gerne auf das kunstwerk projiziert und somit erst werden andere menschen angeregt, das bild selbst als "krank" zu empfinden. die absichten, die die nazis mit ihrer ausstellung hatten, die vorstellung also, menschen durch die gegenüberstellung von kunst und "krankheit" psychisch so zu beeinflussen, daß in ihnen das kunstwerk selbst ekel hervorrief, scheint auch heute noch zu wirken, bzw. zu stimmen. und es wird solange wirken, wie behinderte menschen bei ihren gesunden mitmenschen ekel hervorrufen. mich persönlich ekeln nur scheinheiligkeit und arroganz an. die findet man meist bei körperlich gesunden menschen.
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  • Mo Häusler
    Mo Häusler
    Yep.
    Das alte Spiel: Kunst hätte zu erquicken, der "gesunden Erbauung" zu dienen - als wärs ein Erfrischungstüchlein, oder ein Sonntagsspaziergang bei gutem Wetter.
    Und wehe wenn nicht...

    Doch was in der Kunstdiskussion so feinsinnig exerziert wird, hat ja Krakenarme, es funktioniert anderswo auf gleiche Weise.
    Feindbild.ung läuft wohl so: Querverweise als Denkwege dicker und breiter zu treten, sodass ein leicht gangbarer Pfad entsteht. Selber denken macht Mühe - also!
    Die Schnauze immer dicht am gesunden Volksempfinden, ganz, ganz nahe dran. Eine zarte Würze alter Weisheiten drüber (kaschiert die gerade erst zusammengestoppelte ungefüge Vielfalt, und weil früher alles besser war?)und serviert wird das ganze von einem, dem das Selbstvertrauen und das Sendungsbewusstsein aus jeder Pore tropft.
    Diese Beschreibung passt zu mancher Politik heute, da muss ich nicht bei den Nazis nachäugen...

    Piroska... wieso is dein Kopf arm?
    *smile*
    karana
  • offakip

    Die Schnauze immer dicht am gesunden Volksempfinden, ganz, ganz nahe dran. Eine zarte Würze alter Weisheiten drüber (kaschiert die gerade erst zusammengestoppelte ungefüge Vielfalt, und weil früher alles besser war?)und serviert wird das ganze von einem, dem das Selbstvertrauen und das Sendungsbewusstsein aus jeder Pore tropft.
    Diese Beschreibung passt zu mancher Politik heute, da muss ich nicht bei den Nazis nachäugen


    ich weiß nicht viel über das "gesunde volksempfinden", du mußt mich aufklären...
    und wessen politische schnauze schnuppert so gerne dran, meinst du jörg heyders???:-? ach egal... von politik möcht ich heut nichts wissen...
  • _em_ton_sti_
    Danke für eure Beiträge!

    Liegt es an mangelndem Geschichtsbewusstsein, dass es (sogar in einem Kunstforum) immer noch Menschen gibt, die Kunst und Künstler als krank bezeichnen? In diese Linie der „Tradition“ sollte man sich auf keinen Fall stellen bei aller Lust am Streit, am Polemisieren oder Zanken, finde ich.

    Gestern bin ich hier als Aasfresser bezeichnet worden. Tiervergleiche (wenn erinnert sich nicht noch an die Straußschen Schmeißfliegen?) gehen meiner Ansicht nach in eine vergleichbare Richtung. Ich finde damit wird eine Grenze überschritten ...
  • rep
    allzu empfindlich durfte mann/frau noch nie sein, wenn mann/frau sich in einem derartig "breiten" feld aufhält, wie hier.
    ich weiss zwar nicht, wer dich als aasfresser bezeichnet hat, aber das ist mir eh schnuppe.
    analog zu deiner thematisierung ist eine solche reaktion einzuplanen. oder nicht?
    diejenigen, die ihr gehirn sinn-voll gebrauchen können, hast du jedenfalls nicht gegen, sondern für dich. das sollte reichen.
    :)))
  • _em_ton_sti_
    Hallo Per,

    ich würde nicht unbedingt große Beträge darauf wetten, dass es bei einem solchen Thema nur um persönliche Empfindlichkeiten geht.

    Ich kann gut einstecken, denn ich kann auch gut austeilen.

    Ich glaube aber nicht unbedingt, dass das das Thema dieses Threads ist :-) Bei aller Lust am Streit, auch wenn er heftig wird, manches geht zu weit, finde ich. Tiervergleiche gehen über diese Grenze und "Krankheitszuweisungen" ebenso.
  • aksorip
    _its_not_me_, ich gebe Dir vollkommen recht. Das könnte die weit verbreitete Trend-Mentalität besonders "direkt", spontan sein/scheinen zu wollen, oft vermeintlicherweise verwechselt, mit besonders "ehrlich", sein. Ich bemerke immer wieder, dass ich selten derlei Äußerungen in meinem Umfeld höre...mag mit meinem Umgang zu tun haben... Es gibt viel zu lernen, besonders auf der Kommunikationsebene. Man sollte sehr darauf achten, dass man nicht in den, von den Medien vorgegebenen Sog des lapidaren Phrasendreschens, untermalt mit dumpfen Schlagwörtern, die manipulieren, hineingerät.Respekt und Offenheit gegenüber den Arbeiten und Werken anderer, der Wille zu verstehen, der Mut, hinter den Vorhang zu blicken, hinein in die Ursuppe menschlicher Tragö- und Komödien, die des Lebens, die Toleranz gegenüber Fremdem, Andersartigem, verbunden mit einer wissensdurstigen Neugier...könnten solchen Umgangston und solche Entgleisungen verhindern.
    Nur...erwarten kann man es nicht.

    @karana. Mein Kopf war gestern derart gefordert, weil ich hier jemanden entdeckt habe, der ganz viel denkt...zumindest sorgt _its_not_me_ hier dafür, dass ich Kopfschmerzen vom Denken kriege :o)...jetzt bin ich krank.
  • Annemarie Siber
    Annemarie Siber
    ".....Respekt und Offenheit gegenüber den Arbeiten und Werken anderer, der Wille zu verstehen, der Mut, hinter den Vorhang zu blicken...."
    Beinhaltet dies auch die Fähigkeit zur Selbstkritik? Falls ja - stimme ich Dir unumwunden zu. Andererseits soll Kunst ja auch kritisieren und diejenigen, die da in der "Zielposition" sind (oder sich sehen wollen) reagieren meisst ultra-empfindlich....
    Wie soll das dann funktionieren ?
    Kritisieren hat in jedem Fall etwas mit Ablehnung, oder zumindest "Aufmerksam machen" zu tun.
    Heisst dies nun die Kritik mit Respekt und Offenheit zu sehen, oder geht es um Kritik an der "Kritik" ?
    Signature
  • _em_ton_sti_
    Das Thema ist eigentlich ziemlich klar umrissen.

    Der Titel des Threads lautet: "Krank?".

    Das Bild, was ich zu Beginn gepostet habe, steht im Zusammenhang mit der Vorstellung von "entarteter Kunst", wie meine Vor-Poster bereits erläutert haben.
  • Annemarie Siber
    Annemarie Siber
    ... soweit - so klar und an diesen Beispielen gemessen muss Dir jeder Recht geben, dass diese weder "entartet" sind noch das "Verbot" selbiger nicht gut zu heissen ist (um es vorsichtig auszudrücken). Mich stören eher die Parallelen die danach gezogen wurden.... und darauf bezog ich mich unter zuhilfenahme des Zitates.
    Signature
  • _em_ton_sti_
    Parallelen ... Der Begriff "krank" wurde wiederholt verwendet in diesem Forum. Findest du das angemessen? Ja oder Nein? Ich sage, nein.
  • aksorip
    AnneMarie...dieses Zitat hast Du einem Text entnommen, in welchem mehr, als nur das steht. Da steht auch: Toleranz gegenüber Fremdem, Andersartigem, verbunden mit einer wissensdurstigen Neugier...wer damit ausgestattet an die Kunst herangeht, käme kaum auf den Gedanken, sie "krank" zu nennen. Sollte ich mich hier täuschen, hab' ich noch viel zu lernen. Ich denke "Kritik" kann durchaus differenzierter geschehen.
  • Annemarie Siber
    Annemarie Siber
    ... in diesem Forum wurde bereits von so vielen, so vieles verwendet, dass der Begriff "krank" noch mit einer der "harmloseren" Sorte ist.
    Nein Piroska - da brauchst Du weder umzudenken, noch in diese Richtung dazuzulernen (denke ich).
    Genau darin aber sehe ich die Problematik....
    - emotionale Begriffe mit generellen Geisteshaltungen gleichzuziehen....
    Damit sehe ich ebenfalls "Schubladen"! Jemand, der in einem bestimmten Kontext aufgrund einer Vorgeschichte eine Äusserung macht........ alles hängt sich an einem Wort auf....... und dann der Vergleich zum Nationalsozialismus..... ist das nicht ebenfalls propagandistisch.....
    Manchmal werden Begriffe einfach unglücklich gewählt, ohne das Wissen, welchen Kontext diese für einen "Dritten" haben können... muss man dann zwingend davon ausgehen, dass diese dann auch SO gemeint sind?
    Ich denke nein, oder zumindest nicht immer. Manchmal nur ein verbaler "Unglücksfall".
    Den dann zu erkennen hat auch etwas mit "Tolernanz" zun tun, oder nicht?
    Nationalsozialismus - Bücherverbrennung - verbannen von Kunst - das IST Inakzeptabel.
    Das kritisieren muss nach wie vor erlaubt sein - das geschieht ja jetzt auch hier gerade.
    Signature
  • aksorip
    "harmlos", "Unglücksfall"...hm? Ganz ehrlich...mir kann ein solch "harmloser" "Unglücksfall" nicht passieren, Anne Marie, nicht innerhalb der Kommunikation mit anderen Menschen, über andere Menschen und deren Leistungen oder Nicht-leistungen.
    "Emotional"-sein und Denken vor dem Schreiben lassen sich doch verbinden, nicht? Ob andere, oder vermeintlich schlimmere Worte gefallen sind, und das von vielen anderen, spielt doch in diesem Thread keine Rolle, oder? _its_not_me_ hat dieses Wort, und die "unglücklicherweise" damit hergestellte Verknüpfung zu Kunst thematisiert. Bist Du Dir der Tragweite, eines solch "harmlosen" Begriffes im Zusammenhang mit Kunst (und Geschichte)wirklich nicht bewusst? Meines Erachtens nach sind die Parallelen, die hier gezogen wurden absolut nachvollziehbar; mit deiner Verharmlosung untermauerst Du sie noch.
    Warum setzt Du Dich denn nicht klugerweise mit dem "Faux Pas" auseinander, indem Du verstehst, was hier die Bedeutung des Wortes "krank" unter einem Kunstwerk ausmacht? Es ist passiert und nun gilt es zu fragen, wie konnte das passieren, AnneMarie. Geh' doch mal von der Oberfläche der Streitereien hier weg, tiefer in das Geschehen hinein...Wie konnte es passieren?

    "Wer sich vor der Idee scheut, hat auch zuletzt den Begriff nicht mehr"...(J.W.Goethe)
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