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  • Salam Ramsi

  • iriJ Salam Ramsi
    Polternd, den Staub der Landstraße aufwirbelnd, bewegte sich der alte Toyota auf Jerusalem zu. Hassan fuhr diese Strecke mehrmals im Monat. Unangenehm sind die Grenzkontrollen, wenn man Gaza verlässt. Bei dem Gedanken durchfuhr ihn ein leichtes Schaudern. Die Israelis ließen nur Fahrzeuge mit mehreren Person hinüber und er war alleine unterwegs. Auf der Rückbank lagen zwei zusammengebundene Ziegen. Es war Markttag in Jerusalem und in Ramallah wartete seine Mutter. Als er sich heute Morgen verabschiedete, nahm er sie in den Arm und murmelte:" Allah wird euch beschützen wie er mich beschützt auf meinem Weg."
    Einen halben Kilometer vor der Grenze warten schon die Fußgänger und die Kinder, die in die Stadt wollten und sich anboten, als Beifahrer rüberzukommen.
    Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada, vor etwa vier Jahren, ist es immer schwieriger geworden, aus dem Westjordanland nach Israel zu kommen.
    Ramsi, ein zwölfjähriger Straßenjunge, sprang in den Wagen. Er grinste Hassan verschmitzt an und hielt ihm die linke Hand entgegen.
    Der Preis, um über die Sperre zu kommen. Sie kannten sich, einige dutzend Mal nahm er Ramsi schon mit.
    „Salam Ramsi, was macht deine Schwester Falia, arbeitet sie noch in Nablus bei Dr. Maschaal?“
    „Ja sie kommt am Wochenende immer heim und bringt was mit, für Mama“ erwiderte Ramsi.
    Sie näherten sich dem Grenzposten, ein schwerer achträdriger Panzerwagen stand im Hintergrund, die Sonne spiegelte sich in der Brille des Geschützpostens. Seitlich der Straße waren Sandsäcke aufgetürmt, dahinter saß ein Israelischer Offizier unter einem Sonnenschirm und beobachtete Wagenkolonnen. Neben ihm ein aufgebautes Maschinengewehr. Eine blonde Soldatin kam mit der Maschinenpistole im Anschlag auf Hassans Wagen zu und gab ein Zeichen, die Scheibe runterzukurbeln. Ihre geflochtenen Zöpfe fielen über ihre leichte Schutzweste, es war heiß und ihr Gesicht staubig. Drei Schritte hinter ihr stand ein junger Soldat stand drei Schritte hinter ihr. Er blickte leicht verunsichert.
    Angst? Weshalb sonst versteckten sie sich hinter ihren Panzern und Erdwällen? Die Angst vor der Hisbollah, Hamas und deren Selbstmordattentätern.
    Die mit ihren Bombengürteln möglichst viele mitreißen möchten in den Tod. Ihren Lohn suchend im Himmelreich und ihre Familie wohl versorgt wissend durch die Gelder der Saudis.
    Hassan dachte noch einmal an seine Eltern, sah seine Brüder vor sich, wie sie wohl in Ramallah sein Bild durch die Straßen tragen würden.
    Eine Gruppe von orthodoxen jüdischen Siedlern stoppte mit ihrem Kleinbus neben seinem Wagen. Die zwei Ziegen auf dem Rücksitz blökten unruhig.
    Er blickte direkt in das entsetzte Gesicht der schönen Soldatin und spürte die versteinerte Mine von Ramsi, als er „Allah u Akbar, Gott ist Groß“ rief.
  • iriJ
    Am 13.3.2004 habe ich ein Gedicht zu den Madrider Anschlägen geschrieben.
    Heute ist es mir mal wieder in die Hände gefallen.

    Wie sich die Bilder gleichen.

    Madrid:
    eine sekunde am morgen -- rush hour
    der kalte stahl zerbirst -- befleckt den tag
    zerreist meinen bruder, meine schwester
    am anfang der trauer -- steht die kraft
    der menschen die helfen im elend

    der vater, dessen kinder nicht wissen -- um ihn
    eine junge frau zwischen den gleisen
    gesichter der retter -- tränen im krieg
    wut und verzweiflung vor soviel gewalt
    gesichtslose gegner, verblendet voll hass

    eines ist klar, in diesen stunden
    eine garantie für das leben
    wird es niemals mehr geben
    der mensch ist angekommen im netzwerk des terrors
    nicht erst seit madrid

    doch nun .. eiskalte gewissheit
    als ob nicht genug, probleme erschüttern
    die völker der erde globalisierung
    das elend der hunger
    umweltgifte, kriege, terror, folter und not

    töten das könnt ihr -- wahllos mit hass
    einst wart ihr auch menschen geglaubt an .. ja was?
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