KunstNet uses Cookies. Details.
  • Alle Kunst ist Intuition?

  • eppap
    Kunst ist etwas wie Sex: erst wenn
    es trieft und chaotisch und neue
    Wirklichkeiten schaffend dröhnt,
    beginnt es das zu sein, was es ge-
    nannt wird.

    (Gustav Kurschiller - aus seiner eigenen,
    unveröffentlichten Bibelübersetzung)
  • otto_incognito
    otto_incognito

    Intuition ist nichts anderes als unser Unterbewusstsein. Es steuert, wie die Wissenschaft behauptet, unser ganzes Tun. Es wurde festgestellt, dass Bruchteile von Sekunden bevor man den Gedanken zum Handeln fasst, die Signale an unsere Hände, Füße usw. bereits unterwegs sind.
    D.h. unser Unterbewusstsein handelt.
    Kunst entspringt diesem Urgrund. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass ohne Intuition keine Kunst entstehen kann.


    Davon habe ich auch mal gehört, vor vielen Jahren und fand das zuerst auch spannend und beunruhigend.
    Später las ich in einem Zeitungsartikel eine Diskussion zwischen Neurophysiologen, von denen einer(A) auch diese These vertrat, der andere aber (B) meinte, das wäre durchaus nicht dr Forschung und Weisheit letzter Schluß - vielmehr war er dr Ansicht, daß bei den Laborexperimenten der Grundtonus, die Muskelspannung, die im Vorfelde einer Bewegung immer gegeben ist, überinterpretiert und als Handlungsanlaß gewertet wurde.
    Mir fällt dazu auch was ein. Was wäre, wenn man anstelle des "Eigenbefehls" an die Muskeln, was ja als nachträgliche Zustimmung gedeutet werden kann (vorausgesetzt, die Muskeln hätten schon längst "entschieden"), einfach eine andere Art von "Befehl" nimmt. Z.B. der Arzt sagt - beugen Si edoch mal das Knie oder der Läufer im Startloch fängt auf den Signalschuß hin zu laufen - dann wird der Befehl von außen ja auch umgesetzt, und zum eigenen aber keiner kann mehr von einem nachträglichen, sich als Wille ausgebenden Eigenimpuls der Muskeln sprechen
    Langer Rede kurzer Sinn - ich glaube, daß Intuition nicht in dieser Weise so funktioniert wie in der These vom Neurophysiologen A.
    Signature
  • Kris
    Kris Intuition oder Imagination
    Ich kann hier nicht zustimmen. Ich denke dass in der Kunst zwar einiges intuitiv entschieden wird, aber genauso wird im Schaffensprozess sehr viel bewusst entschieden.
    Ich hatte mal ne nette Unterhaltung mit nem Polnischen Kuenstler, der meinte, das genau dort der Unterschied zwischen nem professionellen Kuenstler und dem Hobbykuenstler liegt.
    Der Hobbykuenstler neigt dazu, seine Emotionen oder Intuition aufs Bild zu "kotzen" (Zitat) waehrend der Profi nach Konzept arbeitet, Ausstellungen und Exponate plant, und nicht dem Zufall ueberlaesst. Ich fand das sehr einleuchtend.
    Und ich bin weitaus mehr interessiert in Imagination als in Intuition. Meine letzte Ausstellung hiess "mind the gap"/ oder find the gap. Ich denke dass eine (Wissens) Luecke eine grosse Quelle der Imagination ist. Daher sind alle Arten von Wissenschaft ueberaus interessant. Der Wissenschaftler erkennt die Wissensluecke und findet eine mehr oder weniger begruendete Erklaerung, die er dann natuerlich beweisen muss. Ein befreundeter Neurowissenschaftler meint, die Wissenschaft betoniert Traeume. Viele Wissensluecken haben wir schon aufgefuellt, und erkennen gar nicht mehr dass es ein imaginaerer Lueckenfueller ist, ein Glaube, und kein Fakt. Die meisten Leute glauben ganz lustige Dinge. Gott, Geister oder Ausserirdische sind sehr beliebte Lueckenfueller. Einmal las ich einen mittelalterlichen Artikel ueber Zahnwuermer. Da gabs auch ganz amuesante Zeichnungen dazu. Hier in China haben die Leute ganz lustige Erklaerungen fuer Gesundheit und Nahrungsmittel und so. Z.B.geht man geht rueckwaerts um Lebenszeit zu verlaengern. Das ist dann so, als wenn man den Km-Zaehler eines Autos beim Rueckwaertsfahren nach unten korrigiert. Diese Dinge sind imaginaer, bis sie von der Wissenschaft bewiesen werden. Und das finde ich persoenlich inspirierend. Womit ich meine, dass sie meine eigene Imagination und Phantasie anregen. Und das mag dann intuitiv sein, zugegeben. Dennoch denke ich dass man als Kuenstler sehr genau dosieren sollte, wieviel seiner gewuenwschten Aussage man der Intuition ueberlaesst.
  • Jetzt bei Amazon günstig Kunstbedarf kaufen.- Werbpartner -
  • adenatsac Intuition
    Als dreidimensionale Wesen werden wir immer auf imaginäre Lückenfüller angewiesen sein. Wir werden nie die ganze Wahrheit, die gesamte Realität erfassen können. Die Intuition und die Imagination lüftet jedoch des öfteren den Schleier ein wenig. Seit ich die Quantenphysik entdeckt habe halte ich alles für möglich. Auch dass alles nur ein kosmischer Pups ist:-)
    edit: Mir fällt grad ein, dass viele Wissenschaftler ihre Erkenntnisse im Schlaf erhielten, nachdem sie oft jahrelang mit dem Verstand an einer Lösung herum gedoktort hatten. Das Unterbewusstsein weiß also oft mehr als der Verstand.
  • siku


    edit: Mir fällt grad ein, dass viele Wissenschaftler ihre Erkenntnisse im Schlaf erhielten, nachdem sie oft jahrelang mit dem Verstand an einer Lösung herum gedoktort hatten. Das Unterbewusstsein weiß also oft mehr als der Verstand.


    wahrscheinlich erhielten die Wissenschaftler "ihre Erkenntnisse im Schlaf", weil sie jahrelang mit dem Verstand "an einer Lösung herumgedoktort" haben. Das ist auch eine Art von Prozessverarbeitung. Erkenntnisse kommen nicht "im Schlaf ", sie folgen einem Prozess geistiger Tätigkeit.

    Wenn Erkenntnisse "im Schlaf" kämen (Methapher: vom Himmel fallen würden), wäre der Erkenntnisträger nur ein Medium durch das hindurch etwas ans Licht käme, was ohne Medium im Dunkel bliebe. Das ist ja das beliebte Argument für (künstlerische) Schöpferkraft, die die Hand des Künstlers steuert. Nur gehört diese Hand einem Subjekt, daher kann die Schöpferkaft auch nicht objektiv sichtbar gemacht werden. Sichtbar wird die Tätigkeit des Subjekts und desssen Fähigkeiten der Umsetzung. Intuiton ist ein Impulsgeber, der Aktivität in Gang setzt, mehr nicht.
  • Doktor Unbequem
    Intuiton ist ein Impulsgeber, der Aktivität in Gang setzt, mehr nicht.
    Blödsinn!
    Es sollten wohl besser erst mal die Übereistimmungs- und Unterscheidungsmerkmale von "Intuition" und "Inspiration" geklärt werden, sonst wird das hier wieder nix...
    ^_^
    Signature
  • Doktor Unbequem

    Der Hobbykuenstler neigt dazu, seine Emotionen oder Intuition aufs Bild zu "kotzen" (Zitat) waehrend der Profi nach Konzept arbeitet, Ausstellungen und Exponate plant, und nicht dem Zufall ueberlaesst.

    Auch "falsch".
    Sicherlich mögen manche Maler versuchen, so zu arbeiten,
    und natürlich muss jeder erst mal "Rahmenbedingungen" schaffen,
    aber es gibt viele Leute, deren Werke sich erst im Schaffensprozess entwickeln.
    Es tauchen immer neue Ideen auf, alte, schwächere werden verworfen, übermalt...
    Dass der Begriff "Intuition" oft als Ausflucht für "ich weiss nicht" etc herhalten muss, ist eine andere Sache,

    Signature
  • Doktor Unbequem
    Z.B. der Arzt sagt - beugen Si edoch mal das Knie oder der Läufer im Startloch fängt auf den Signalschuß hin zu laufen - dann wird der Befehl von außen ja auch umgesetzt, und zum eigenen aber keiner kann mehr von einem nachträglichen, sich als Wille ausgebenden Eigenimpuls der Muskeln sprechen

    Und worin wäre dort der grundlegende, "alles verändernde" Unterschied zu den "Laborexperimenten" zu sehen?
    ^_^
    Signature
  • Xabu Iborian
    Xabu Iborian
    Uhh, also, ich sach dann ma Tschüss.

    An die Vorgaben, einen Rahmen, hält sich eh kaum einer und alsbald geht es wieder um Gott, Geist und den ganzen Rest.
    Vielleicht ist ja das System, die technische Strukturierung der Threads als Chat, ein Grund, wenn auch bestimmt kein Urgrund.

    Have fun :-)

    Signature
  • Hanne Neß
    Hanne Neß
    Oh, lähmt mich so eine Unterhaltung!
    Mir ist es "wurscht", ob ein Künstler nach einem Konzept vorgeht oder ob er frei arbeitet und ein Thema bearbeitet, was ihn zu beschäftigen scheint. Es ist doch eigentlich unglaublich, dass ich mich z.B. als Grundschulkind bereits mit Figuren bzw. mit den Menschen bei meiner Malerei beschäftigt habe. Die Menschen waren mein Hauptthema und sind es bis heute geblieben. Im Hintergrund schwingen andere Details mit, aber im Mittelpunkt meiner Arbeit ist und war immer der Mensch. Insofern bin ich meiner Intuition gefolgt. Ich bin weiterhin offen für andere Vorhaben. Bis jetzt passierte es aber nicht. Krampfhaft eine andere künstlerische Richtung zu verfolgen, halte ich für falsch. Wir sind alle einzigartig und individuell und damit auch in unserer Arbeit ganz unterschiedlich im Ausdruck. Ein Konzept, vielleicht nach einem sozialkritischen Ansatz suchen, liegt mir nicht. Eine Beurteilung meiner Arbeit liegt beim Betrachter! Das können Laien als auch Experten sein. Ich jedenfalls möchte wenig zu meiner Arbeit sagen. Ich führe aus, ich praktiziere, was mich bewegt. Einige Versuche, mich zu verbiegen sprich eine vielleicht andere abstrakte Richtung z.B. einzuschlagen, sind gescheitert und das war gut so!
    Signature
  • enoilemak
    mensch bin ich froh, jaska, muß nix mehr schreiben, sehe es fast genauso....
    kann wieder malen gehn!!!
  • Roderich
    Roderich

    Kunst ist etwas wie Sex: erst wenn
    es trieft und chaotisch und neue
    Wirklichkeiten schaffend dröhnt,
    beginnt es das zu sein, was es ge-
    nannt wird.

    (Gustav Kurschiller - aus seiner eigenen,
    unveröffentlichten Bibelübersetzung)


    die schreit danach publiziert zu werden!
    Signature
  • xiflamsungam Kunst kommt aus dem Gesamtkonstrukt Mensch
    Interessant alles zu lesen und danke an Xabu für seine Bemühungen, das Thema konkret zu halten. Es grenzt schon an Kunst über Intuition nachzudenken, aber sehr intessant. Der entscheidende Aspekt in dem Artikel ist für mich "...wie und warum mache ich (allgemein) etwas..." Gerade das macht Kunst für mich so interessant und verschieden, weil es eben eine Synthese aus Kenntnissen, Können, Vorlieben und individuellen Denkschemata, Zeitgeist, Inspiration und vielen anderen Dingen ist. Das Beispiel van Gogh wird unter der Fragestellung oben besonders interessant. Warum hat er das so gemacht? Ich denke es kam ganz tief aus ihm heraus. Na ja eventuell auch etwas aus dem Absinth.... :-) Es ist aus meiner Sicht nicht möglich, etwas unabhängig von der eigenen Individualität zu schaffen.
    Eine einzelne Zelle ist "dumm", sie reagiert auf externe Reize in der Art, die ihr genetisch vorgegeben ist. Von daher ist Intuition aus meiner Sicht nicht auf zellulärer Ebene zu suchen, sondern ergibt sich aus den komplexen Vorgängen im Gehirn. Das sollte jeden Künstler einzigartig werden lassen. Von daher ist der Ruf nach Neuartigkeit verständlich..... Entwicklungen sowie nachhaltige Veränderungen gehen allerdings nicht ohne einen gewissen Schmerz, im Sinne von Mühe vonstatten und ich denke hier liegt der Unterschied zwischen akademischer und Hobbykunst. Es braucht Zeit, denken, aggregieren, selektieren und so fort.....
    Reflexe im biologischen Sinn beruhen auf einer Umgehung des zentralen Nervensystems, haben aber mit einem bewussten Agieren nichts zu tun. Es ist lediglich ein Kurzschluss.
    Jeder Stimulus ist physiologisch sogleich mit mehreren hemmenden Prozessen assoziiert, Feinmotorik wäre ohne diese nicht denkbar. Also alles reichlich gesteuert.....
    Bezugnehmend auf die eingangs gestellte Frage nach dem Warum wird es aus meiner Sicht interessanter. Hinterblickt man die Motivationslage und damit das eigentliche Ziel des Kunstschaffenden wird ein Werk prophan, oder eben wegweisend, interessant, beachtenswert und das um so mehr, je grösser die Fähigkeiten, das Gefühl und die Liebe zu der Arbeit sind, mit denen es inszeniert wurde. Grüsse Magnus




  • otto_incognito
    otto_incognito So, jetzt bleib du auch mal beim Thema, Otto!
    Ja, gut, ich versuch´s!
    Also, ich verstehe Intuition so, daß man Möglichkeiten und die ihnen innewohnenden Potentiale erahnt.
    Darin ist sie "offener" als reines Tatsachendenken, bleibt aber für sich erstmal unbestimmt, Um aus einer
    Intuition heraus was zu schaffen, braucht es dann noch Gefühl für den möglichen Wert des Erahnten und
    einen gewissen Sachverstand in der Umsetzung.
    Besonders deutlich wird das bei Neu-findungen, Beispiel Max Ernst, der, wie er sagte, sein "visionäre Sehen" übte bei der intensiven Betrachtung von Holzmaserungen und dabei die Frottage erfand. Hier war sehr viel Intuition im Spiel, wobei jemand, der diese Technik dann nur übernimmt, weil es sie schon gibt und er gerne was durchpausen möchte, unter Umständen sehr wenig intuitiv ist

    Sag mal, oTTo,Warum bastelt sich der Text im Kommentarteil eigentlich Absätze, die beim Schreiben nicht so gesetzt wurden?`Mich stört das. Warst du das?
    Nein, OttO, war ich nicht, und jetzt gib Ruhe!
    Signature
  • Doktor Unbequem

    Und worin wäre dort der grundlegende, "alles verändernde" Unterschied zu den "Laborexperimenten" zu sehen?
    ^_^

    gibt wohl keinen... :))
    Signature
  • Page 6 of 6 [ 116 Posts ]

  • Sign in to respond or to ask a question.

Related topics and pictures