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  • Abstrakte Kunst ( von abstrahierend bis gegenstandslos) - Grenzen? Regeln? Zugang?

  • tmmaDreVCJ Abstrakte Kunst ( von abstrahierend bis gegenstandslos) - Grenzen? Regeln? Zugang?
    Ich mag nicht lange herumschweifen...mich interessiert, wie ihr euch abstrakter Kunst als Betrachter (oder gern auch als Schaffender) annähert. Wie verschafft ihr euch Zugang zu einem abstrakten Bild? Was geht in euch vor? Worauf achtet ihr? Gibt es Regeln und Grenzen, die ein Bild gut oder schlecht machen? Was passiert während des Wahrnehmens und Begreifens in euch?

    Ich wäre dankbar und erfreut hier einen Thread entstehen zu lassen, in dem so klar und auch ausführlich wie möglich Leute gewillt sind ihre Erfahrungen zu beschreiben und mit Anderen zu teilen!

    Um es vielleicht einfacher an einem Beispiel machen zu können, habe ich die liebe Unterstützung und Erlaubnis von Wasserwaage bekommen, dies an ihrer Zeichnung "Fraktur" wie eine Art Experiment durchzuführen.


    "Fraktur"
    08/2014 von Wasserwaage

    hier der link:
    Fraktur

    Ich bin sowas von gespannt!!!!!!!! :-)
  • tmmaDreVCJ
    Auch Beschreibungen zu anderen abstrakten Werken sind äußerst Willkommen, genauso wie Erläuterungen die keinen Zugang zu dieser Richtung aufweisen!!!!!!...
  • Vaga
    Vaga
    Als Betrachterin stelle ich immer wieder fest, dass mich abstrakte Arbeiten finden lassen, obwohl ich nicht suche, gegenständliche, präzise 'Abbildungen' aber, mir häufig aufdrängen, was ich nicht finden will. Mich fasziniert es, 'Ruhe zu bewahren' bzw. 'in Ruhe gelassen zu werden' während der Betrachtung abstrakter Kunst. Das gibt mir ein Gefühl der Freiheit des Sehens, der Freiheit, eigene Gedanken(-Bilder) entstehen zu lassen. Und - das hat Freiheit per se an sich - ich kann mich zu einem abstrakten Werk äußern, wie ich will. Denn alles, was ich darin sehe, ist 'wahr'. Damit meine ich die Art von Wahrheit, die des Beweises nicht bedarf. Ein spannender Aspekt während der Betrachtung abstrakter Kunst ist (für mich), zu reflektieren, warum ich sehe, was ich sehe. Was lässt mich Formen sozusagen erdenken/erseh(n)en, die vom Künstler/von der Künstlerin überhaupt nicht vorgegeben sind? Wird das Bild, das ich sehe, so (paradoxerweise) zu 'meinem' Bild?
    Als Kunstschaffende selbst mag ich die spontane Herangehensweise an die weißen Blätter/Leinwände, die die 'eigene Welt' bedeuten ;-). Wenn es geht, ohne vorher bereits ein 'Bild', ein Konzept, im Kopf zu haben. Eine völlige Unvoreingenommenheit bzw. völlige DesInspiration gibt es zwar möglicherweise gar nicht. Das Gefühl aber, etwas zu (er-)schaffen, was kein bloßes Abbild ist, kein Kopieren von etwas schon da Gewesenem, macht, so meine ich, einen von vielen (An-)Reizen abstrakt-kreativen Schaffens aus. Und begünstigt - wie auch beim Betrachten abstrakter Arbeiten anderer - die Gewissheit, dass, bei der Betrachtung des eigenen Bildes im 'Endzustand', in einem selbst Bilder zum Bild 'entstehen'.
    Der oder die Einsternegeber/in hier im Kunstnet be- bzw. entwertet abstrakte Bilder oft mit 'inhaltslos und fehlerhaft'. Irgendetwas 'fehlt' allerdings m. E. dem Betrachter-Blick auf abstrakte Kunstwerke, wenn dieser Blick Inhalt nicht zugänglich ist.
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  • Roderich
    Roderich
    na wassis werk ist zwar abstrahiert (wie jedes gemalte bild), aber weit entfernt von gegenstandslos.
    was lösen aber amorphe zufallsformen beim betrachten aus? man beginnt zu assozieren, man ordnet den farben und formen etwas zu (was so da eigentlich gar nicht ist - zumindest nicht mit vorsatz), gefühle, erinnerungen, personen....oder was auch immer - und das ist auch gleich die größte stärke und auch größte schwäche von abstrakter kunst.
    regeln gibt es natürlich schon, aber bewusst sind sie mir nicht..........und außerdem - jede regel lädt zum beugen oder brechen ein.
    Signature
  • tmmaDreVCJ
    vaga (und natürlich auch Roderich oder wer auch immer mag) könntest du versuchen "fraktur" zu beschreiben?also hier aufzuschreiben was in dir vorgeht während du es anschaust?
  • sthciN
    Das intensive "Sicheinlassen" auf ein abstraktes Werk kommt für mich pers. dem, was ich während des Entstehungsprozesses einer abstrakten Arbeit empfinde, doch sehr sehr nahe. Wobei ich mich auch oft frage, woran es liegen mag, dass mich eine bestimmte (abstrakte) Darstellung förmlich anspringt, während eine andere mich vollkommen kalt lässt ... Ich vermute, dass die Antwort darauf weniger mit pers. Geschmack als mit individuellem Vorstellungsvermögen zu tun hat (?), d.h., die Tür, die ich bzw sich mir dabei öffnet, um Zugang zu gewinnen, scheint die selbe zu sein ...

  • Brainpainter
    Brainpainter sorry
    ich möchte mich für diese sehr schlechte und nicht gut durchdachte und sprachlich nicht korrekte und in die Irre führende Definition entschuldigen.
    Vielleicht ist Deutsch einfach nicht die richtige Sprache für Kunst.
    Mache noch mal eine Berichtigung in Englisch, obwohl ich hier auch nicht sehr bewandert und treffsicher bin:
    the abstraction process is characterized by extracting specific characteristics rather the intention to recognize the consistent and essentials of various articles.
    Then what is nonobjectiveabstraction ? > a fixed thoughts-manifest ?

    Signature
  • siku
    Ich mag nicht lange herumschweifen...mich interessiert, wie ihr euch abstrakter Kunst als Betrachter (oder gern auch als Schaffender) annähert. [...]
    "Fraktur"
    08/2014 von Wasserwaage

    hier der link:
    Fraktur

    Ich bin sowas von gespannt!!!!!!!! :-)


    Wochenend-Gedanken zur Komposition "Fraktur"

    Brüche, wie sie uns ständig im Leben begegen.
    Die abstrahierte Komposition setzt Assoziationen des Betrachters an das Gegenständliche frei, wie wir sie aus der Gestaltpsychologie kennen: die Form bildet sich aus kognitiven Verarbeitungsprozessen heraus, aus visuellen Vorerfahrungen und Sehgewohnheiten des Betrachters.
    Zarte blau, grau und braun Töne, einer Grisaille ähnlich, bilden die Figur aus, teilweise begrenzt durch zarte Linien, teilweise frei in den Bildraum fließend. Dunkle und weiße, in sich abgestufte Töne setzen Kontraste und verstärken figurative Assoziationen, je nach Betrachter -Vorlieben: die menschliche Gestalt, ein vogelähnliches Wesen, Landschaft - vielleicht auch die Erschaffung Adams ;-).
    Die dominante in Weißtönen gestufte Fläche erinnert an „Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden““ Aus der Farbenlehre J.W. von Goe t he. Licht bringt Farbe zur Erscheinung, „Licht und Farbe sind es, die durch den Sinn des Auges die Natur offenbaren.“


  • sthciN
    ..." der Vorgang der Abstraktion ist gekennzeichnet durch das stufenweise Heraussondern bestimmter Merkmale in der Absicht, das Gleichbleibende und wesentliche veschiedener Gegenstände zu erkennen."...
    was ist dann gegenstandslose Abstraktion ? eine fixes Gedankenmanifest ?


    Brainpainter, Du hast hier aus einer Quelle (http://universal_lexikon.deacademic.com/27309/Abstraktion) teilzitiert, die sich auf Gedankenmodelle bezieht - m.A.n. ist diese Aussage auf Abstraktionsprozesse innerhalb der darstellenden Kunst jedoch kaum übertragbar, auch wenn diese sich vielleicht dazu anbietet, eine Art Gegendarstellung bzw. Vergleiche anzustellen. Zudem denke ich, dass es dem Threadersteller hier vor allem auf den direkten Austausch persönlicher Erfahrungen und Eindrücke ankommt.

  • tmmaDreVCJ
    Vielen Dank siku für deine Gedanken! in vielen punkten geht es mir ähnlich wenn ich das Bild "Fraktur" betrachte. Was löst es auf der emotionalen Ebene in euch aus?
    Die Haltung des sich mir andeutenden Wesens erweckt einen Eindruck von schwäche, gebrochen sein...ein Rumpf der sich schwer über einen angedeuteten arm aufrecht zu halten versucht, ein knöcherner Schädel sinkt nach unten...in mir kommt Schwermut auf aber dennoch wirken die Farben (braun- und blautöne) nicht schwer. vielleicht eine einst strahlende Figur...soviel erst einmal dazu...

    wie Wasserwaage schon richtig andeutet ist es mir interessanter persönliche bzw. eigene Erfahrungen zu äußern. Definitionen aus einem Lexikon finde ich hier unangebracht. Die "Wiedergabe" dieser schildern mir keine verinnerlichten Gedanken oder Wissen. Da ist es für mich wie mit dem Fahrradfahren: Man kann erklären wie es funktioniert...2 Räder, Pedal und mit dem Lenker etwas ausbalancieren. Das kann man verstehen aber es bedeutet nicht das man sofort dann auch fahren kann. Man muss es selbst erfahren und verinnerlichen um es zu können. Ich weiß nicht ob das irgendwie verdeutlicht was mich hier interessiert im Austausch?!?!?

  • tmmaDreVCJ
    und trotzdem darf natürlich jeder äußern was er will!!!!! meiner Meinung nach ist es nur interessanter und fruchtbarer eigene Erfahrungen zu schildern als trockene Definitionen die versuchen etwas zu verallgemeinern was manchmal schwer zu verallgemeinern ist...
  • siku
    Was löst es auf der emotionalen Ebene in euch aus?
    [...]
    wie Wasserwaage schon richtig andeutet ist es mir interessanter persönliche bzw. eigene Erfahrungen zu äußern. [...]Man muss es selbst erfahren und verinnerlichen um es zu können. Ich weiß nicht ob das irgendwie verdeutlicht was mich hier interessiert im Austausch?!?!?


    Eine Bildbetrachtung wirkt visuell und eine Beschreibung des Eindrucks sollte dennoch nicht in "Seelenstriptease" münden. Für mich hat eine Bildbeschreibung die Funktion den anderen Betrachter an meiner Wahrnehmung teilnehmen zu lassen, ihn vielleicht auf etwas aufmerksam machen, was er noch nicht gesehen hat, oder von ihm aufmerksam gemacht werden auf etwas, das ich noch nicht bewusst wahrgenommen habe.

  • Vaga
    Vaga
    Möchte meine Gedanken zum Bild "Fraktur" hier auch gern äußern:
    Der Titel beeinflusst mich auf meinem Sehweg, was nicht bedeutet, dass mich das hier stört. Im Gegenteil. Der Begriff "Fraktur" ist so vieldeutig, dass eine eindeutige Betrachtung bzw. Interpretation des Bildes auf den ersten Blick m. E. nicht aufkommen kann. Mein Blick konzentriert sich also nicht statisch auf die Gesamtheit dieses Motivs in einer Art 'allumfassenden Gemeinsicht', sondern wandert von Detail zu Detail.
    Ich sehe sehr viele 'Andeutungen' zur Deutung, was m. E. den sujetgemäßen 'Abstraktionscharakter' dieses Bildes stützt. Ich sehe unterbrochene Linien, gebrochene Licht-, Schatten- und Farbverläufe, sehe die Zerbrechlichkeit der Zeit in der, für den Bruchteil einer Sekunde festgehaltenen (und in dem Augenblick für mich 'Gestalt annehmenden') Pose. Was sich da aus Fragmenten zusammenfügt und sich figurativ in meine Sicht 'gebiert', ist m. E. die versinnbildlichte Verkörperung der Zerbrechlichkeit.
    Symbolisch aufzuschlüsseln z. B. durch ein, durch Linien und Farben modellierter, sich aufstützender Arm, ein 'schwer wiegender', nach unten gebeugter Kopf auf - so deutbar - gerade gebrochenem bzw. zerbrechendem Hals, ein 'Oberkörper', der wie ein leerer Rahmen völlig durchsichtig ist, sodass auch an ein 'gebrochenes', 'nicht mehr existierendes' Herz und/oder auch an Verlust des Atems, um es poetisch auszudrücken: 'fortgeflogene' Lungenflügel, gedacht werden kann usw.
    Das, auf den ersten Blick, nicht fassbare Gesamtbild, wird am Ende (für mich als Betrachterin), nicht zuletzt durch die vielfältigen, metaphorischen 'Einzelteile', zum nicht bis ins letzte Detail entschlüsselbaren, aber greifbar nahegehenden, unfassbaren 'Ereignis'.
  • Xabu Iborian
    Xabu Iborian
    [...]„Licht und Farbe sind es, die durch den Sinn des Auges die Natur offenbaren.“[...]

    Licht und Farbe sind es, die durch den Sinn des Auges, der Wahrnehmung im Gehirn einen abstrahierten Eindruck der Natur offenbaren.
    Signature
  • tmmaDreVCJ
    ich möchte zu xabu iborian 's Kommentar noch FORM hinzufügen!!!!
  • sthciN
    ich möchte zu xabu iborian 's Kommentar noch FORM hinzufügen!!!!


    Ich denke, das, was du als Form für wahr nimmst, bastelt dir dein Gehirn aus den Eindrücken der Licht- und Farbverhältnisse zusammen ... wie wären sonst z.B. sog. ´optische Täuschungen´ erklärbar, oder die Tatsache, dass zweidimensionale Bilder Räumlichkeit vermitteln können?

  • tmmaDreVCJ
    ok argument...da muss ich n bissl drüber nachdenken!...aber Farbe bastelt das Gehirn ja auch...das reflektierte licht wird dir ja über deine Rezeptoren aufgenommen und an dein Hirn weitergeleitet welches dir sagt "äääh rot!"
  • Xabu Iborian
    Xabu Iborian

    Na dann eben :D:

    Elektromagnetische Wellen sind es, die durch den Sinn des Auges, der Wahrnehmung im Gehirn einen abstrahierten Eindruck der Natur offenbaren.

    :D
    Signature
  • sthciN

    Na dann eben :D:

    Elektromagnetische Wellen sind es, die durch den Sinn des Auges, der Wahrnehmung im Gehirn einen abstrahierten Eindruck der Natur offenbaren.

    :D


    Wie unromantisch! :(
    (Dr.Google sagte mir das übrigens auch^^)
    btw: mich würde vielmehr Deine persönliche Sicht darauf interessieren ...

  • xylo
    xylo Abstrakte Kunst, meine Beobachtungen:
    Heute hatte ich Zeit, einige Ausstellungen zu besuchen.
    Die Art - Binningen wurde von mir besucht (sie ist nicht der absolute Brüller)
    ebenfalls das Sprutzhüüüls sowie eine Ausstellung in Birsfelden.
    Ich möchte die Kunst nicht werten, es gab aufregende und weniger aufregende Werke,
    aber eine Tatsache war nicht zu übersehen.
    Die Menschen gingen an der abstrakten und total ungegenständlichen Abbildung unglaublich schnell vorbei.
    Wir setzten uns hin und liessen die Menschen auf uns wirken.
    Bei den Skulpuren-----gegenständlich verweilten sie am längsten, bei abstrahierten Bildern oder Skulpturen diskutieren die Paare noch heftig und bei den völlig abstrakten Bildern blieb die Betrachtung bei unter 2 Sekunden.

    Gut oder nicht gut, darum gehts hier nicht. Scheinbar sucht der Mensch nach etwas, was er erkennen kann...
    Das Kunstnet ist eine Seite von Fachleuten für Fachleute ;-)
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