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  • Suche Bildanalyse zu "Großes Rasenstück" von Dürer

  • _em_ton_sti_
    Ein belangloses Stück Rasen. Gut! das wäre doch schon mal ein Punkt, wo du ansetzen könntest! Da hat es dieser Kerl doch tatsächlich über die Jahrhunderte hinweg geschafft, deine Vorstellung von Kunst zu unterlaufen, dass sie nämlich irgend etwas von Belang zu zeigen habe ;-)

    Womöglich war für Dürer der Rasen aber doch von Belang. Ich bin leider kein Kunsthistoriker ... aber vielleicht wollte Dürer den Blick (auch) aufs Diesseits richten, (etwas) weg vom "Jenseitigen". Die Hauptauftraggeber zu Dürers Zeiten waren ja wohl noch die Kirche (vermute ich, da müsste Siku aushelfen mit genauerem Wissen).

    Und überhaupt: So selbstverständlich ist das doch gar nicht, solche detailgetreuen Naturdarstellungen. Warum guckt jemand da so genau hin? Warum will er es so malen "wie es aussieht"? Wie kommt man darauf, dass man die Dinge erfasst, wie sie sind, wennman sie so darstellt, wie sie uns erscheinen? Warum diese Naturerforschung? Irgendwann um diese Zeit haben auch die Naturwissenschaften ihren Aufschwung genommen, oder? Naturerforschung, Naturbeoabchtung, Naturbeherrschung ... wer weiß - vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang :-)

    Wenn Natur das wird, was unseren Blicken und unseren Zugriffen ausgesetzt ist, dann ist sie was anderes als eine Natur als deren unauslöslichen Bestandteil man sich selbst versteht. Für den Renaissancemenschen war die Welt etwas, das man verstehen, begreifen konnte, wenn ich recht informiert bin. Kopernikus war ein Zeitgenosse von Dürer! (Ebenso wie Kolumbus) Kurz vorher wurde die Zentralperspektive erfunden! ... die Welt war etwas, wozu man einen klaren, wohldefinerten Standpunkt einnehmen konnte, kein Perspektivenpluralismus und Relativismus, wie es der postmoderne Mensch gar nicht mehr anders kennt ;-)

    Kurz danach, nur ein Jahrhundert später (bei Descartes) war die "Welt da draußen" wesenhaft etwas, nur noch das, was man messen und wiegen konnte, eine "res extensa" ...

    Naja. Usw. eben.

    Poste dochmal das, was du schon geschrieben hast.
  • Ingy
    schon mal vielen dank.. hab bis jetzt was über die renaissance geschrieben..das die maler da viel geforscht haben und alles wie eine studie untersucht haben.... dann noch das es für ihn aus diesen gründen nicht belanglos ist weil er eben die natur genauer kennen lernen wollte! dann hab ich noch den goldenen schnitt erwähnt und das sich in der zeit die perspektive und so entwickelt hat... also... nur das mit der kirche versteh ich nicht so ganz , was hat die denn mit dürer und der natur zu tun?
  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    die kirche hat in sofern was damit zutun, dass sie der hauptauftragggebr für bilder war. die meisten bilder wurden im mittelalter noch für die kirche gemalt zur erhöhung (sublimation)des messias(böse zungen würden jetzt sagen zur machtfestigung und propaganda). Als beispiel seien nur leonardos letztes abendmahl und die sixtinische kapelle gennant.das änderte sich erst allmälich, bis dann die säkularen fürsten die hauptauftraggeber wurden.
    neben all dem erhabenem, macht sich son banales rasenstück dann schon irgendiwe fast revolutionär.
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  • _em_ton_sti_
    Die Kirche hatte doch das Monopol der Weltdeutung. Die Welt, das war die Schöpfung Gottes, der göttliche Essenzenkosmos, wo alles seine Ordnung hat. Nun kommen diese Naturforscher, -betrachter, -eroberer und begucken die "Welt" wie es ihnen passt. Vermessen sie, kartografieren und taxieren sie. Gottes Schöpfung ist sozusagen in Zahlen zu packen, das ist ziemlich diesseitig gedacht, nicht wahr. Sicher waren das alles (wenigstens die meisten) noch gläubige Menschen, aber sie haben das mit auf den Weg gebracht, was man eine profane, naturwissenschaftliche Weltsicht nennen könnte.

    Wenn ich die Welt vermesse, wiege, in Zahlen packe, dann nehme ich ihr was weg. Was? Ihre Bedeutung! Das merkt man vielleicht selbst an dieser Stelle noch nicht, aber es ist so. Die Welt wird zum Bild. Etwas wovor man sich aufstellen kann, was einen Abstand zu einem selbst hat.

    Eine zwiespältige Position. Man schaut genau hin und liebt es sicher auch noch ... dann ganz langsam, ohne das man es selbst genau merkt, verdampft der Sinn des ganzen. Alles nur Materie ... Nirgendwo ein Platz für Sinn und Gott.

    Dürer hat sich selbst wie einen Jesus gemalt! Diese Zeit fing damit an, Subjekten, Individuen große Bedeutung beizumessen. Dürer malt sich als Jesus und wird damit quasi selbst zum Schöpfer! Das ist schon ziemlich heftig ... Vom Geschöpf zum Schöpfer.

    Wenn das so weiter geht (und es ging ja so weiter) könnte die diesseitige Erde selbst zum Schauplatz der Wahrheit werden, statt dem jenseitigen Himmel. Wenn man ganz genau hinguckt, wie Dürer, Kopernikus und Konsorten und unendlich oft "warum" fragt, landet man unweigerlich beim Urknall und findet dann nirgends mehr Platz für Gott.

    Das hat in dieser Art sicher keiner voraus gesehen oder gar intendiert ... Das war also wahrscheinlich nicht die "Absicht" :-) Aber irgendie gehört dieses Rasenstück in diesen Zusammenhang.
  • Ingy
    Ihr habt mich gerettet.. vielen dank für die tollen tips und ideen...
  • _em_ton_sti_
    Gerettet? Na dann :-) Endlich mal wieder eine gute Tat! Guten Tag ;-)
  • _em_ton_sti_
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    (Erdtelefon, Beuys)

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    (Kleines Rasenstück, Dürer)

    Wer den Beuys nicht versteht, versteht auch den Dürer nicht. Stimmt? Stimmt nicht?
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