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  • Wort zum Wochenende

  • Schmierfink
    Schmierfink Wort zum Wochenende
    Ich warte auf den Tag, da eine Aktivistin, die hunderttausende tweetende und mit digitalen Herzchen um sich werfende Follower ihr eigen Kapital nennt, daherkommt und sagt, man müsse den Satz des Pythagoras als Machwerk eines alten weißen Mannes neu durchdenken, ja ihn hinsichtlich seiner mutmaßlich sexistischen und rassistischen Grundmotive sprachlich dekonstruieren. Genauso wie ich auf den Tag warte, da jemand daherkommt und die Sixtinische Kapelle mit schwarzer Farbe übermalt. Denn das Motiv hinter der Darstellung eines religiösen Schöpfungsaktes durch die Abbildung von ausschließlich weißen Menschen ist so offensichtlich rassistisch, dass es nicht einmal mehr einer sprachlichen Dekonstruktion bedarf. Lieber Gott, bitte mach, dass ich diesen Tag noch erleben darf.
  • Bee
    Ich würde nicht gerade die sixtinische Kapelle mit schwarz übermalen. Aber es ist schon korrekt, dass die meisten religiösen Abbildungen nur weiße Menschen darstellen. Und Jesus gern mit blonden Haaren und blauen Augen. Das ist schon rassistisch. Da es allerdings Geschichte ist, sollte man deshalb jetzt kein Fass aufmachen. Es reicht ja, wenn man es in Zukunft besser macht.
  • Schmierfink
    Schmierfink
    @Bee Bitte nicht persönlich nehmen, Bee. Aber mir scheint, dass du in derlei Dingen ein wenig naiv bist. Nur Geschichte? Die Geschichtsschreibung mit der du, ich uns alle anderen auch aufgewachsen sind, ist die Geschichtsschreibung von alten weißen Männern. Es reicht beileibe nicht die Gender Sprache einzuführen. Auch alle Bilder, die unser Bewusstsein geprägt haben und nach wie vor prägen, und letztlich das Resultat eines systemimanenten Rassismus sind, müssen aus dem Gedankengut der Menschen ausgemerzt werden. Ich gebe zu bedenken, dass auch Picasso unterm Strich ein alter weißer Mann war und es nur die (Kunst-)Geschichtserzählung von alten weißen Männern ist, welche dich glauben lässt, dass Picasso ein Genie war und kein Rassist. Nur Geschichte? Was ist Geschichte wenn nicht ein Narrativ von alten weißen Männern? Wenn schon der Gedanke einmal für sich reflektiert hat, dass seine Voraussetzungen rassistisch und sexistisch sind, dann ist eben genau dieser Gedanke sexistisch und rassistisch, ansonsten hätten wir es nur mit einem nicht zielführenden Selbstbezug zu tun, was unterm Strich letztendlich das Niveau eines Kinderspieles hätte. Also: Ja, die Sixtinische Kapelle muss zwingen schwarz übermalt werden.
  • Schmierfink
    Schmierfink
    @Bee Ansonsten gebe ich dir noch zu bedenken, dass man eines dem Internet nun wahrlich nicht vorwerfen kann: Nämlich, dass es den Mythos der Bedeutungslosigkeit der meisten Menschen nicht als bedeutungslosen Mythos entlarvt hätte. Denn dieser Mythos war letztlich auch nur ein Mythos, der in der Tradition einer gewissen abendländischen Philosophie stand. Heute aber erkennen wir, und an dieser Stelle kann man dem Internet nicht zu genüge danken, dass jeder Mensch bedeutungsvoll ist.
  • Bee
    Schöner Vortrag 😊. Ich habe nur gesagt, dass es wenig Sinn macht, die komplette Geschichte zu rekonstruieren. Keine Ahnung ob Picasso ein Rassist war, aber das er nicht besonders nett war, wissen wir. Und jetzt? Da wo es nötig ist, soll man auch aufarbeiten, schon klar. Aber wir wissen von so vielen nicht, wie sie politisch getickt haben. Ob ich naiv bin, weisst du doch gar nicht. Hab ich Rassismus bestritten? Aber du hast die Gelegenheit für eine etwas wirre lange Predigt ergriffen, auch gut. 😋
  • efwe
    efwe
    @Schmierfink
    Ich warte auf den Tag, da eine Aktivistin, die hunderttausende tweetende und mit digitalen Herzchen um sich werfende Follower ihr eigen Kapital nennt, daherkommt und sagt, man müsse den Satz des Pythagoras als Machwerk eines alten weißen Mannes neu durchdenken, ja ihn hinsichtlich seiner mutmaßlich sexistischen und rassistischen Grundmotive sprachlich dekonstruieren....


    abgesehen dass diese influenzer die reine pest sind. leg doch mal dar, welche rassistischen und sexistischen Grundmotive das gewesen sein könnten. mutmassen kannst du natuerlich weiterhin :)
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  • Frank Enrechen
    Frank Enrechen
    Ist es nicht schon rassistisch nur einfarbig in seiner Haut zu sein?
    Auch der Begriff und seine Verwendung stigmatisieren und verurteilen schon.
    Man müsste stumm sein. Und das so laut, dass es alle hören können!
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  • synafae
    synafae
    @Frank Enrechen
    Ist es nicht schon rassistisch nur einfarbig in seiner Haut zu sein?

    Nein

    Es ist grundsätzlich so, dass Menschen, die sich in privilegierter Position befinden, keine dahin gehenden Benachteiligungen erfahren, sonst wären sie nicht Teil davon. Da nützt auch keine mögliche Aussage eines -beispielsweise- weißen Westeuropäers á la "Ich war schon mal alleine mehrere Monate beruflich in Thailand. Da habe ich gemerkt, wie es ist, in der Minderheit zu sein." Nein, dem ist nicht so, denn die aussagende Person ist sich jederzeit bewusst, dass sie sich aus dieser Lage einfach durch -z.B.- Rückreise entziehen kann.
    Diskriminierte (sei es rassistisch, religiös, geschlechtlich oder sonstwie) Minderheiten können sich dieser Situation innerhalb einer Gruppe Privillegierter nicht entziehen.

    Signature
  • Schmierfink
    Schmierfink
    @efwe Ich kann dir nicht weiterhelfen, liebe Efwe, da ich ein Sexist und Rassist bin. Darüber hinaus ein AFD Wähler. Wahrscheinlich bin ich sogar ein Pädophiler, aber egal. Auf jeden Fall bin ich ein Misanthrop, der moderne Gesellschaften für die Pest hält. Da gibt es aber einen wundervollen Satz, der beschreibt sehr gut, was auch ich empfinde. Ich zitiere aus dem Roman Serotonin von Michel Houellebecq: „Gegen Mitte Oktober begann ich den gleichwohl untadeligen kulinarischen Sendungen überdrüssig zu werden, und damit setzte mein wirklicher Niedergang ein. Ich versuchte mich für Gesellschaftsdebatten zu interessieren, aber diese Phase war enttäuschend und von kurzer Dauer: Der extreme Konformismus der Redner, die niederschmetternde Gleichförmigkeit ihrer Empörung und Begeisterung war so groß geworden, dass ich ihre Redebeiträge inzwischen nicht nur in groben Zügen, sondern selbst bis in die Einzelheiten hinein, tatsächlich fast wortgetreu voraussagen konnte; die Leitartikler und die wichtigen Zeitzeugen marschierten auf wie nutzlose europäische Marionetten, Idioten folgten auf Idioten, beglückwünschten sich zur Richtigkeit und Moralität ihrer Ansichten, ich hätte ihnen ihre Dialoge schreiben können, und schließlich schaltete ich den Fernseher ganz aus, all das hätte mich nur noch trauriger gemacht, hätte ich die Kraft gehabt, weiterzuschauen.“
  • Schmierfink
    Schmierfink
    @synafae Die übliche Argumentation. Die übliche Gegenargumentation: Wenn nur jemand mitdiskutieren kann, der bestimmte Gruppenmerkmale aufweist, wird es gefährlich. Da ich dich allerdings mag, Seline, fällt es mir schwer gegen dich zu polemisieren. Nun gut, ein bisschen Polemik sei mal erlaubt: "Sollte ich unwillentlich irgendeine Identität beleidigt haben, so ist das nicht meine Schuld, sondern läuft auf ein altbekanntes Problem aus der Gruppentheorie hinaus, insbesondere die Darstellungstheorie von Gruppen ist hiervon betroffen. Dieses mathematische Problem dürfte allerdings in naher Zukunft von sprachlinguistischen Aktivistinnen aus der queeren Identitätsszene mit den Instrumentarien des Gender Sprechs und der Selbstbespiegelung gelöst werden.."
  • efwe
    efwe
    @Schmierfink
    .... Ich zitiere aus dem Roman Serotonin von Michel Houellebecq: ...

    houellebecq, die dämliche skandalsüchtige tintensau? danke nein.
    Signature
  • Bee
    @synafae so sieht es aus. Wenn man nicht in der Haut steckt, wird man nie wissen, wie sich Rassismus wirklich anfühlt. Deshalb finde ich es gut, wenn sich jetzt ein paar Dinge ändern, auch wenn es erstmal manchmal übertrieben scheint für manche. Aber das muss sich alles einpendeln und vor allem in die Köpfe gelangen. Der Alte Weiße Mann ist halt ein Synonym für die ganzen Besserwisser und Ignoranten. Da gibt es ja genug davon.
  • Schmierfink
    Schmierfink
    @efwe Houllebecq ist nicht Kafka, schon klar. Obwohl dieser Vergleich sicher unfair ist, denn wer oder was kann sich schon mit Franz Kafka messen? Nur schade, dass auch Kafka unterm Strich nur ein weißer Mann war. Aber egal. By the way: Hast du etwas von Houllebecq gelesen? Falls nicht, empfehle ich als Einstieg Die Ausweitung der Kampfzone. Aber wie dem auch sei. Im Kontext einer weltweiten Vernetzung könnte jedenfalls eine Beobachtung interessant sein, die ich aus Wolfgang Kubickis neuem Buch entnommen habe. Dort zitiert er Jan Fleischhauer, der in seiner Kolumne über Künstler, denen man in der Theater- und Filmwelt begegnet, folgendes schreibt: „Sie sehen vielleicht unterschiedlich aus, sie mögen aus exotischen Gegenden kommen oder fremd klingende Namen tragen. Aber was die Überzeugung und Wertvorstellung angeht, könnten sie nicht homogener sein.“ In diesem Zusammenhang zitiert Kubicki auch Patsy l’Amour laLove, die für die Queer-Szene schon festgestellt haben soll, „dass bei vielen Kulturschaffenden die Vielfalt im Oberflächlichen auf eine erschreckende Einfalt in Weltanschauungsanfragen stößt.“ Das ist doch äußerst interessant, oder nicht? Auf der einen Seite ist von einer großen Vielfalt die Rede, auf der anderen Seite von einer erschreckenden Einfalt und Homogenität. Nachplappern, liebe Efwe, Heuchelei, liebe Efwe, moralische Entrüstungen, liebe Efwe, Selbstbespiegelung, liebe Efwe: Alles Eigenschaften, die in der vernetzten Welt Hochkonjunktur haben. Eine eigenständige Meinung, liebe Efwe, findest du in unseren Zeiten seltener als Fotos auf Facebook von irgendwelchen Influenzerinnen, die nackt in ihrem Garten einen Yoga-Kopfstand machen, während ihr Kleinkind am Boden hockend an einer der herunterhängenden Brüste nuckelt.
  • Schmierfink
    Schmierfink
    Auch ein Ereignis wie in Würzburg zeigt, dass Diversity dem Grunde nach eine komplexe Angelegenheit ist. Die Frage, was der Unterschied zwischen kultureller Vielfalt und Diversity ist, wird kaum diskutiert. Zur kulturellen Vielfalt gehört jedenfalls unabdingbar auch der Begriff der Abgeschlossenheit.
  • Bee
    @Schmierfink Definiere Abgeschlossenheit.
  • Schmierfink
    Schmierfink Kleine Rezension
    Buchtipp für diejenigen, die hinter all all den neuen englischen Begrifflichkeiten noch etwas anderes sehen, als die Früchte einer aufklärerische Debattenkultur. „Links blinken, rechts abbiegen“, von der promovierten Amerikanistin und Theodor Wolf Preisträgerin E.C. Schweitzer geschrieben, die in New York und Berlin lebt. Das Buch beschäftigt sich in weiten Zügen mit den verschränkten Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Es wirft insbesondere einen eingehenderen Blick auf die weltanschaulichen und identitätspolitischen Abhängigkeiten beider Länder. Was aktuell in Deutschland als Progressiv gilt, enttarnt die Autorin beispielsweise als eine weitere Adaption von meist weltanschaulichen Theorie-Konstrukten, wie es auf der materialisierten Ebene der amerikanischen Soft Power (beispielsweise in Gestalt von Fast Food Ketten, Einkaufszentren etc) schon lange augenfällig ist. Diesmal geht es jedoch nicht um das Wahlrecht zwischen Pepsi Cola und Coca Cola selbstbestimmt wählen zu dürfen, sondern um die Zwänge einer weniger als neu, und auch weniger als sachlich zu bezeichnenden Angelegenheit. Die Regeln des Spiels mögen sich leicht geändert haben, die Motive jedoch nicht. Der adaptionsfreudige deutsche Aktivistenspieler übersieht in seiner Spielfreude, und auch in seinem Streben gegenüber der anderen Seite nicht als schlechter Verlierer dazustehen, dass es sich nicht um ein symmetrisches Spielfeld handelt, auf dem sich die Argumente durch das Zuspielen des Balles von einer Seite auf die andere problemlos übertragen ließen. Der Geist, der über das Spielfeld weht, ließe sich neben der Methodik, die nicht selten einer zirkulären Kinderlogik folgt, von einer außerhalb des Spielfeldes gelegenen Warte betrachtet, wie folgt beschreiben: Der progressive Spieler-Aktivist auf der deutschen Seite erscheint im Spiegel desjenigen Kaisers, dessen Kleider nackt gewesen sein sollen, als einer von einer Tunika lose umhüllter Gelehrter. Eine Tunika, die mit lauter Stars and Stribes bestickt ist. Lesenswert auch für diejenigen, die hinter der Leidenschaft zum Überwachungsspiel seitens der wachsamen Aktivistenspieler einmal mehr den nachhallenden Ruf des neurotischen Ichs durch die zementierten Schluchtenlandschaften der städtischen Wildnis hören.
  • Schmierfink
    Schmierfink Spott against the Kultur machine
    Ein Fetischist der harten Wissenschaften könnte sagen:

    „Eine Identität ist eine Identität ist eine Identität ist eine Identität ist nichts als eine Identität, und somit zunächst einmal nicht sonderlich interessant.“

    Wenn du, der Leser, das als eine Trivialität ansiehst, dann kann ich dir nur gratulieren. Bist du aber einer von denen, die im Theater der neuen Intendantin begeistert zujubeln, weil sie das für ihre Zwecke adaptierte Shakespeare Stück ganz unter der Maxime des in unseren Tagen als progressiv Geltendem inszeniert, was nicht selten heißen mag, dass sie die männlichen Parts von Frauen spielen lässt, dann liegt deinem Verständnis für das Triviale womöglich eine Willkür zugrunde, die letztlich das Triviale als eine Erfindung von Menschen erscheinen lässt, die mit Leidenschaft für die Schaffung eines neuen Kulturuniversums plädieren, dessen zugrunde liegender Topos und Logos in erster Linie durch eine tiefsinnige Leere auffällt. Eine tiefsinnige Leere, deren augenfälligstes Charakteristikum es ist, sofern die Leere ein Charakteristikum haben kann, dem Adaptierten und Versatzstückhaften durch die Überstülpung einer altbekannten Konstanten zur neuen Bühnenreife zu verhelfen. Eine altvertraute Konstante im Gewusel des Gefühlskosmos von soziologischen Schöndenkern und eben solchen Rednern (bekannt auch als Ideologen), die sich vortrefflich wie folgt beschreiben lässt: „Piep! Und nun haben wir uns alle auf einmal furchtbar lieb!“ Wenn du meine persönliche Meinung hören willst, lieber Leser, so lass mich an dieser Stelle einmal wehleidig klagen: Ach, wie müsste es doch zauberhaft sein, wenn Kurt Tucholsky noch leben würde. Dieser Großmeister des Spotts, des Sarkasmus, des schonungslos Bissigen. Er hätte seinen Heidenspaß an der neuen Generation von wachsamen Intendantinnen, deren Mut zur expressiven Nacktheit auf der Bühne, ihr stilistisch prägendes Motiv also, wohl eher im Umfeld von Bespaßungskanälen wie etwa You Porn zu suchen ist, als in der Lektüre von feministischer Frauenliteratur. Ja, diese wachsamen Intendantinnen, diese woken Gralshüter des ewig Wahren aus den gentrifizierten Städten, die hinterrücks die alten Stoffe mit Computertools verzerren, um vordergründig auf der Bühne das Rad neu zu erfinden, an ihnen hätte Kurt Tucholsky seine wahre Freude haben müssen. In welch geistiger Tradition der wachsame Kulturaktivist steht, so höre ich Tucholsky aus seinem Grabe spotten, erkennst du nicht zuletzt daran, dass er den kulturellen Direktiven aus Amerika folgt wie einstmals der gemeine Soldat den Befehlen des Führers folgte. Nämlich bedingungslos.
  • Schmierfink
    Schmierfink Schwarmintelligenz oder Herdentrieb?
    Das metabolische Fabelwesen digitale Vernetzung hat weniger zugunsten eines im bildlich wagen gelegenen Sprachkonvoluts seine anthropomorphen Flügel ausgebreitet, als vielmehr für seinen Gegenspieler, dem auf einer sprachkonzeptionellen Wirkungssphäre antipodisch zu lokalisierenden Gegenbegriffs. Gemeint ist der Vorzug des Herdentriebs gegenüber einer wie auch immer gearteten Schwarmintelligenz, welchem die digitale Vernetzung Tür und Tor zu einer Himmelsgroteske mit fatalistischen Direktiv-Befugnissen öffnete, ihm unter der Geste einer Dienerschaft zum Heraustreten aus seinem bis dato im Halbschatten psycho-soziologischer Studien gelegenen Daseins durch Verheißung eines ikaräischen Vertikalfluges zur Sonne ermunterte. Stereotype Agitatoren, sanguinische Apologeten eines antiseptischen Zeitalters schreiten seither durch die Himmelspforte. Ihr moralisches Anecken an den Keilschriften der arkadischen Pforte erweist sich im Zuge ihres Gewaltmarsches immer mehr zu einem Anecken der reinen, körperlichen Existenz. Es kristallisiert sich ein Ungetüm aus selbstreferentiell gemünzten Programmaffen heraus, deren Dasein es mit der Homogenität des den Affen umgebenden Raumes jederzeit aufnehmen kann. Der aus dem romantischen Traumbild Herausgefallene stellt nach ungewollter Landung auf dem Boden des Faktischen ernüchternd fest, dass das Nachahmen von Fratzen einer ideokratischen Kognitionschimäre so ein unerträgliches Maß unter allen Akteuren erreicht hat, wie es im historischen Kontext gesehen wohl keiner freiheitlichen Gesellschaftsform jemals gelingen konnte. Das Nachreden von Meinungen wurde a posteriori in den Stand des Apodiktischen gehoben. Innerhalb der Ausübung besagter Chimäre erfährt es seine königliche Weihe durch die Infektion des Willens zur Übersteigerung eines Wettstreites um die beste aller als salonfähig angesehenen Künste eines habituellen Gestikulierens im öffentlichen Raume, dessen hervorragendstes Beispiel wohl der vorwurfsvolle Blick von Helikoptereltern sein dürfte. Ein Blick, der immer dann fällt, wenn es gilt mit einer an die Durchschlagskraft einer geschärften Axt erinnernden Ansprache die Meinung des Gegenübers wie einen morschen Baum zu fällen. Und dies geschieht unter der hehren Zielsetzung, die Interessen ihres posthum aus dem Inkubator heraus in den Adelsstand gesetzten Kindes gegen ein jegliches als falsch, gar verwerflich abgestempeltes Gegeninteresse durchzuboxen. Unter moralgeschwängerter Berufung auf das Humanistische, und dem einkalkulierten Applaus aller Gleichgesinnten, vollzieht sich die Demontage, indem man aus einer Haltung der Überlegenheit heraus die ideokratischen Wurzeln des dem eigenen Wertesystem Entgegengesinnten als postfaktisches Unkraut der Geschichte entlarvt, bzw. zu entlarven meint. Viel zu bereitwillig vergisst man darüber, dass Kinder nicht nur die Zukunft, sondern auch die Despoten kommender Tage sind, mindestens aber als Mitzerstörer der Umwelt angesehen werden müssen, verwiesen sei beispielhaft auf die Neigung junger Generationen zur überbordenden Vielfliegerei.

    Ein Misanthrop der alten Schule, der aufgrund seiner Veranlagung immer schon ein Problem mit dem Konzept einer unantastbaren Würde hatte, könnte, sofern er den Blick auf das aggressiv-moralisch gefärbte Tüdeldidü der Apologeten einer neuen Wachsamkeit richtet, sich zu folgender Äußerung durchringen: „Angesichts der Milliarden von Milliarden von Milliarden von zig und aberwitzig vielen Milliarden kakofonierender Ich, Ich, Ich Brüllaffen, kann der Klimawandel gar nicht schnell genug kommen. Die Erde als Ganzes gesehen, ist dann doch schon ein ausgeklügeltes Regelsystem.“
  • Schmierfink
    Schmierfink Die Symphonien der neuen Welt:
    If Klick = x then do: Let me entertain you!.... I just wane feel real love……! Ups, I did it again!....... I am to sexy for my love!..... In deinem Leben bist du Kameramann und Regisseur zugleich! In deinem Leben bist du der Star!……….

    Vor den Kameras der Info Welt und ihren unerbittlichen Kreuzzügen durch das frei Wählbare sah ich in meinem Traume überall nur noch Werbeikonen in eigener Sache, denen man ihr Alter kaum mehr ansehen konnte, geschweige denn mochte. Die jugendliche Stimmung war längst verpufft. Was übrig blieb, war eine Welt, deren Phantasien durch die Realität des Virtuellen zur gedanklichen Grausamkeit wurden
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