• Zensur nach Documenta-Eklat ?

  • mutabor
    Zensur nach Documenta-Eklat ?
    Hallo zusammen,

    ich hätte eine Frage, da ich nichts gefunden habe... ist hier im Forum eine Diskussion um die künftige "Kontrolle" der Richtung und der Exponate der Documenta erfolgt, oder hat das Thema gar keine Resonanz gefunden?

    Momentan sieht es ja so aus, als wären die Protagonisten etwas zurückgerudert, aber es scheint völlig offen, wer künftig da ein Wort mitspricht. Es wäre vielleicht gut, wenn man nicht wartet wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern proaktiver die Freiheit der Kunst unmissverständlich einfordert.
    Also ich meine nun nicht die künstlerische Freiheit von Form, Material und Farbe, sonders die Inhalte...

    Besten Dank für gelegentliche Erleuchtung!
  • Paco
    "proaktiver die Freiheit der Kunst unmissverständlich einfordert"?! - kann nach der letzten Antisemismus-Documenta m.E. ja nur bedeuten, dass du künftig diese Art von Kunstfreiheit einforderst, auch ungeniert antisemitische Werke verbreiten zu dürfen? Hmmm, schwierig ...
    Ich persönlich hoffe dagegen, dass künftig viel stärker als bisher bzw. überhaupt mal (Gruß an Claudi Roth und Nancy Faeser!) gegen Extremisten, Antisemiten, Islamisten vorgegangen wird. Ansonsten sehe ich meine Freiheiten fundamental eingeschränkt - z.B. würde ich gerne mal künstlerisch was gegen Islamismus machen, aber auf der anderen Seite hänge ich etwas an meinem Leben ...
    P.S.: Bei "proaktiv" in dem Zusammenhang muss ich direkt an Palästinenser-Schals denken. Ist es das? Oder Kalifat? ...
  • mutabor
    Natürlich nicht
    Ja, man könnte in die Richtung denken, - da ich mich kenne, weiß ich, dass ich persönlich nicht in diese Richtung denke ... Also vorab, ich tendiere zu keinen Verschwörungstheorien, Extremismus oder sonst was, ich bin komplett freiheitlich sozialisiert und möchte diese gesellschaftliche Qualität auch gesichert wissen, nicht zuletzt für meine Kinder...
    Ob ein Werk antisemitisch sei, oder in eine andere Kategorie gehört - trotz Provokation - , muss genauso untersucht werden, wie der generalisierte Antisemitismusvorwurf bei jedem Aspekt, der mit dem Staate Israel zu tun hat. Das ist für jeden Bereich, Land etc., so zu sehen, also ich sehe es so.

    Jeder googelt Begriffe anders, für mich hat Kritik an Papst und Krone primär erst mal nichts mit Blasphemie, oder Majestätsbeleidigung zu tun. Auf der anderen Seite verstehe ich Befürchtungen zu viel zuzulassen. Aber "Kunst" ist eben kein Stammtisch, an dem jeder seine Wahrheit herausposaunt, sondern ein in einem selbst definierten ethischen Raum bereitetes Angebot, sich kritisch mit einem Sachverhalt auseinander zu setzen und eine Meinung zu entwickeln.
    Das bedeutet, dass Kunst aus meiner Sicht keine Wahrheiten postuliert, sondern aufzeigt, wo man genauer hinsehen könnte.
    Eine Realitätswahrnehmung dieser asiatischen Gruppe war scheinbar eben diese und die Gelegenheit sich eine Meinung frei von irgendeinem Generalverdacht zu bilden ist vergeben.
    Abgesehen von der Kapitalismuskritik, fehlt mir ein Zugang zu den Darstellungen, ich denke, dass Vieles in der Realität dem Gezeigtem nicht stand hält, Das ist aber leider gar nicht mehr seriös zu hinterfragen, wie du mit deinen Vermutungen meiner Person gegenüber bestens aufzeigst.
    Sicher eine schwierige Thematik, der Missbrauch in der Kirche ist aber auch nicht weniger prekär. Lieber wegschauen?
    Ich finde das eher bedauerlich, und eben für die Zukunft einschränkend.
    Hätte man Leonardo für sein Abendmahl "steinigen" sollen, weil er in seiner Darstellung lieber den Verrat akzentuiert hat, als treu und selig dreinblickende Jünger auf die Wand zu bannen, die auf trockenem Brot rumkauen? Vielleicht Geschmackssache, für mich der Sahnehaufen auf bildender, darstellender Kunst. Besten Gruß!
  • Paco
    "Eine Realitätswahrnehmung dieser asiatischen Gruppe war scheinbar eben diese und die Gelegenheit sich eine Meinung frei von irgendeinem Generalverdacht zu bilden ist vergeben."
    Du argumentierst mir zu schwammig - wo stehst du?
    Diese "asiatische Gruppe" hat Juden mit Hakennasen wie aus dem Stürmer ausgestellt - ist das für dich von der Meinungs-/Kunstfreiheit gedeckt, weil es nun mal deren (antisemitische) "Realitätswahrnehmung" ist?
  • mutabor
    Ich stehe auf dem Boden des Grundgesetzes :)
    Dieses "Banner" ist sicher diskussionswürdig, um es vornehm auszudrücken, ich selber hätte es nicht gemalt, oder auch nur Teile davon.
    Auf der anderen Seite habe ich keine Information aus der Sicht der Autoren, ich würde jedoch gerne verstehen, was sie dazu veranlasst hat, so was zu visualisieren. Die Ikonographie ist zugegebenermaßen schwer verdaulich, um so mehr sollte der Grund hinterfragt werden. Den Diskurs hier einfach abzuwürgen halte ich für die zweitcleverste Methode, denn es könnte ja auch Positives aus der Diskussion hervorgehen. Es ist mein Grundverständnis für Kommunikation, den anderen anzuhören, zu verstehen und dann mit meinem Wertesystem abzugleichen, Konsens und Dissens zu finden.

    Das streift etwas die platonische Sicht auf einen Gedankenaustausch. Oder man tauscht eben "Äpfel" ;)

    Sei es drum, wenn du meinen Eingangspost in der intendierten Weise gelesen hättest, dann wäre auch klar, dass es nicht um die Rechtfertigung dieser speziellen Darstellung geht, sondern wie künftig mit Kunstfreiheit umgegangen werden soll.

    Wir hatten ja schon mal "entartete Kunst" oder "Staatskunst", wie müssten wir das künftig bezeichnen, wenn ein religiöser Experte für XYZ Kunst legitimiert oder eben zensiert. Dürfen Frauen ohne Kopftuch gemalt werden oder in Räumen hängen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind (ich überziehe jetzt wissentlich). Sind dann auch Vorgänge wie 2015 in Frankreich zu tolerieren, zumindest der Gedanke?

    Vor dem Hintergrund, dass die Freiheit der Kunst in Art. 5 Abs. 3 GG gesichert ist und nur bei Verletzungen von Rechten wie z.B. der körperlichen Unversehrtheit einzuschränken sind, ist die Frage nach dem "wie weiter" aus meiner Sicht durchaus berechtigt.

    Mein Post ging also in die Richtung, wie sich die Kunst in D künftig entwickeln darf und wie sich die Kunstwelt gedenkt diesbezüglich einzubringen.

    Besten Gruß!
  • Paco
    "Es ist mein Grundverständnis für Kommunikation, den anderen anzuhören, zu verstehen und dann mit meinem Wertesystem abzugleichen, Konsens und Dissens zu finden." Man kann sich mit Antisemiten oder Kalifatanhängern auch zu Tode diskutieren - Appeasement light. Kann man machen, kann aber böse enden, wie die Geschichte lehrt. Ich persönlich will mit sowas nichts zu tun haben, bin schließlich kein Sozialarbeiter ...
    Diese Ruangrupa-Gruppe hat, wie Wikipedia schreibt, im Zuge des Hamas-Überfalls auf Israel sogar ein "Instagram-Video geliked [...], in dem Berliner den Terror der Hamas gegen Israel bejubeln". Diskutier du mal mit denen ...
    Das war´s auch von mir - Meinungen hinreichend ausgetauscht ...
  • mutabor
    sehr schön... etwas Monty Python...
    "...Diskutier du mal mit denen ..."
    Wie schon geschrieben interessiere ich mich insbesondere für die Konsequenzen dieses ganzen Desasters und weniger für eine Diskussion mit Betroffenen. Zumal dieses Thema extrem emotional getrieben ist. 100 Punkte erreicht da keine Seite.

  • @
    "...Diskutier du mal mit denen ..."
    Wie schon geschrieben interessiere ich mich insbesondere für die Konsequenzen dieses ganzen Desasters und weniger für eine Diskussion mit Betroffenen. Zumal dieses Thema extrem emotional getrieben ist. 100 Punkte erreicht da keine Seite.

    Was konkret hast du auszusetzen? Deine Anfrage dürfte so offen enden wie sie gestellt ist.
    Darüber das in Deutschland "Kunstfreiheit" geachtet wird, bedarf es m. E. keiner Disskussion. Das beweist schon der massenhafte, vielfältige Output an kreativen Zeugs.
    Da stellt sich schon eher die Frage, ist das überhaupt überlebensfähige Kunst, über die hier diskutiert wird?
    Kunstfreiheit unterliegt m.E. der allgemeinen Freiheitsbegrenzung des Individuums, das sich in die bestehende kulturelle Gemeinschaft einfügen muss. Es gibt immer gesetzte Rahmen, diese nennt man Moral.
    Nicht jeder künstlerische Angriff auf eine Zielperson oder Ziegruppe lässt sich mit künstlerischer Freiheit begründen. Dort wo ethische Grenzen anderer Ethnien verletzt werden hört die individuelle Freiheit "im Namen der Kunst" auf.




  • mutabor
    Hallo Siku
    danke dass du dir Zeit nimmst, und... ich habe gar nichts auszusetzen, denn ich habe gar keine Information, wie sich ein künftiger Prozess darstellen könnte. Zumindest könnte ich in meinem "Informationsradius" nichts Konkretes wahrnehmen. Nur eben, dass Einiges überschießend diskutiert wurde, aber nun wohl keiner mehr irgendetwas Konkretes kommuniziert.

    Ich hatte einfach die Hoffnung, dass es hier Leute gibt, die mehr in diesem Thema stecken.

    Überlebensfähige Kunst finde ich aber ein interessantes Stichwort, Werke erschließen sich ja auch aus einem gesellschaftlichen Kontext (wie auch dieses besprochene Werk), von daher würde ich gerne nachfragen, was konkret du damit meinst?

    Beste Grüße!


  • @

    Überlebensfähige Kunst finde ich aber ein interessantes Stichwort, Werke erschließen sich ja auch aus einem gesellschaftlichen Kontext (wie auch dieses besprochene Werk), von daher würde ich gerne nachfragen, was konkret du damit meinst?


    kurz: ob ihre Aussagefähigkeit und Stilmittel für nachfolgende Generationen noch interessant sein werden, in die Kunstgeschichte eingehen. Wir handeln heute so, als würde jeder künstlerische Output Unsterblichkeit in sich tragen-.

  • mutabor
    Hmja, danke, ich bin mir nicht sicher, ob jeder Maler bei seinem Tun an irgendeine Unsterblichkeit denkt, es würde ja schon reichen, wenn er überhaupt denkt :D Kunstwerke, oder „Handwerke“ sind ja grundlegend irgendwie an ihre Zeit gebunden. Daraus ergibt sich oft ein interessanter Blickwinkel Schönen Sonntag aus Bullerbü
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