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  • joseph beuys

  • Pierre Menard
    Pierre Menard joseph beuys
    in anbetracht meines pädagogischen sendungsbewußtsein und da meiner meinung nach der bedarf da ist, will ich mal ein paar worte zu joseph beuys schreiben.
    der name beuys fällt oft, wenn von moderner kunst die rede ist. meistens wird dabei der name "beuys" als
    synonym für eine unverständliche art der kunst gebraucht.

    joseph beuys wurde 1921 in krefeld geboren und und während des 2ten weltkrieges stürzte er mit einem stuka über der krim ab. dort wurde er, so will es die legende, unter zu hilfenahme von filz und fett von schamanischen tartaren gesund gepflegt, die ihn alsbald als einen der ihren erkannten. nach der rückkehr nach deutschland studierte beuys in düsseldorf kunst und wurde dann selbst bis zu seiner enthebung im jahre 1972 dort professor(weil er jeden zuließ und so den nummerus clausus unterlief). er starb 1986 in düsseldorf.

    zum grundverständnis von beuys sind die anthroposophie von rudolf steinerwichtig. in deren sinne sich beuys als mittler des verlorengangenen wissen vom sinn des lebens sah.
    diese spirituelle element teilt sich bei beuys unter anderem in einem wärme / kälte prinzip mit. in diesem zusammenhang spielt auch der begriff der transformation von den einen in den anderen zustand eine rolle, da alles in einem fluß, in verwandlung ist. so ist zum beispiel das fett erst flüssig und warm und wird dann zu einem klaten, kristallinen, festen energiespeicher.
    beuys selber wurde nicht müde fragen zu seiner kunst zu erklären er sah sich selber als lehrer, und das "lehrer sein" als wichtigste künstlerische aufgabe. er sah sich selber in einer permanenten konferenz und die rede, das wort als skulpturales und bildnerisches mittel. so stand er zum beispiel auf der documenta 100 tage rede und antwort und sprach über gott und die welt mit den besuchern. damit wären wir dann auch schon beim "erweiterten kunstbegriff" von beuys. im sinne der sozialen plastik, dem bildnerischen, gestalterischen mitwirken an der gesellschaft, sah beuys jeden menschen als künstler an. er leugnete nicht, im gegensatz zu landläufigen meinung, dass es unterschiedliche grade von talent in bildgebenden verfahren gibt.
    auf dem weg zur sozialen plastik gründete beuys allerlei organisationen, wie das "büro für direkte demokratie", die freie universität und kandierte bei den grünen für den bundestag, wer erinnert sich nicht noch an den den gnadenlosen ohrwurm: "sonne statt reagan".
    neben dieser rolle als lehrer und gesellschaftsverbesserer sah beuys sich auch in der rolle des heilers, der unsere wunden heilt. so enthält die installation "das rudel" allerlei ärtztliche untensilien und man denke an die roten kreuze auf seinem klavier. er forderte : "zeig deine wunde" und er versuchte in aktionen wie "america likes me and i like america" bei der er 3 tage einen raum mit einem coyoten teilte, diese wunden zwischen natur und mensch, zwischen vorkolonialem amerika und europa auszusöhnen. beuys der gute hirte, der auf seine herde achtgibt, wie es zum beispiel der "eurasienstab" nahelegt.

    zum material von beuys läßt sich sagen, das er oft schiefertafeln benutzte, neben dem hinlänglich bekannten fett und filz, die er in seiner rolle als unser lehrer beschrieb. und auch regale waren hoch im kurs bei ihm mit allerlei alltäglichen dingen bepackt, oft auch streng riechend, wie er überhaupt oft profane dinge verwendete, wie quasi um zu sagen: seht her, jeder kann tun, was ich tue. seine objekte sind oft relikte von geistigen handlungen, spruen von gesten symbolischer art.

    in diesem sinne. bis demnächst.
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  • Constantin
    Constantin
    Offtopic Beiträge landen bitte hier: joseph beuys (offtopic)
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  • 102
    102
    ich bin jetzt schlauer! danke, danke, danke, danke!
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  • Sigi
    Sigi
    Habe deinen Text mit viel Interesse gelesen und möchte gerne einige Ergänzungen hinzufügen, die das Verständnis eventuell erleichtern können.
    Beuys studierte zunächst Natururwissenschaften, ehe er sich auf die Kunst einließ. In diesem Sinne verwendete er auch das kunstfremde Material Fett: Fett ist ein lebensnotwendiger Energiespeicher, wie jeder Mensch leicht feststellen kann: ganz ohne geht es nicht, zuviel ist aber auch nicht gut, also sollte die aristotelische Mitte eingehalten werden. Energie bedeutet selbstverständlich auch kreative Energie.
    Allerdings ist Fett eine Substanz, das keine Form besitzt, es ist eine amorphe Masse. Dies entspricht dem Wärmepol oder auch dem Chaos, dem noch Ungestalteten. In diesem Zustand kann man es in eine Form bringen, es ist also ein plastisches Material.Erkaltet das Fett, kann es äußerlich eine kristalline Form annehmen, wie in der ,,Fettecke", in der inneren Struktur besteht diese allerdings nicht. Daher kann die gegebene Form wieder aufgelöst werden oder sich selbst auflösen, ist also immer in Bewegung, wie es auch die Gedanken sein sollten. Denn Stillstand ist der Tod - kristallin. Das sind recht stabile molekulare Verbindungen.
    Beuys sah zwischen diesen Polen des Amorphen und Kristallinen die Kreativität: man gibt Gestalt, auch wenn man nur einen Laut äußert.Damit konnte für ihn Kunst auch nicht mehr in einem fertigen Produkt bestehen.
    Für mein Empfinden hat er dies auf wunderschöne Art in seiner so oft geschmähten Badewanne versinnbildlicht. Man muß nur einfach an der Ursprung der verwendeten Worte und Dinge zurückgehen. Kinder werden nach der Geburt gebadet und der Nabel wird versorgt. Nach dem Bad werden sie eingecremt - das ist Fett. Nichts Anderes war in der Wanne. Das Kind muß gepflegt werden, damit es wachsen kann.
    Beuys hat schallend gelacht, als er erfuhr, dass sein Objekt während einer Ausstellung ,,gereinigt" und als Sektkühler benutzt wurde. Sein Kommentar: Etwas Besseres hätte mir doch nicht passieren können!
    Auch dies wurde häufig mißverstanden. Allerdings bedeutete es nichts anderes, als dass das Kind erwachsen geworden ist und selber denken kann. Gibt es denn ein schöneres Bild für Kreativität?

    Liebe Grüße, Sigi
  • stanko
    stanko
    Fein dargelegt und gut hingeführt... Dein Beitrag weist in die zeitgemäße Richtung. Denn Kunst=Denken=Kreativität=Mensch ist ein spannender Ansatz, über den es sich wirklich lohnt weiter nachzudenken...
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  • Pierre Menard
    Pierre Menard
    zum todestag:
    🔗

    rechts unten ist das ganze auch zum hören verlinkt, funktioniert nur leider gerade nicht. aber wird wohl gleich wieder gehen.
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  • stanko
    stanko
    ...es ist schon traurig, (Achtung Ironie) auf wieviel Resonanz die Beiträge in dieser Folge stoßen. Irgendwie auch bezeichnend - einerseits keine dummen Kommentare und dann auch wieder keine...Mist, der verschobene Thread von Constantin (danke dafür) bringt mich nun aus dem Konzept - egal - Verwirrung ist ja bekanntlich sehr tauglich für weiteres Schaffen :-)

    in diesem Sinne stanko
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  • elGiero
    Beuys wurde bekanntlich schon zu Lebzeiten ständig herausgefordert und angegriffen, aber das hat ihn eher amüsiert als verunsichert!
    Vielen ist auch unbekannt, dass er ein hervorragender Zeichner war, aber das nur am Rande!
    In diesem Sinne einer seiner originellen Aussprüche:
    "Ich denke sowie nur mit dem Knie!"
    Denk jern an uns Jüppken...
  • stanko
    stanko
    Stimmt, traurig meinte ich auch eher für die vielen hier im Forum, da wird so viel geblubbert und gelabbert, aber wahrhafte Auseinandersetzung mit den wichtigen künstlerischen und im beuyschen Sinne gesellschaftlichen Fragen passiert kaum.

    Und das ist wirklich beschämend für die ganze Kunstgilde.

    Nun denn, Grüße ans Knie - wahlweise auch Grütze :-)
    Signature
  • elGiero
    Hallo Stanko, erstmal finde ich deine Bilder "starke Klasse", denn ich bin Fan der Farbfeldmalerei, und die von dir gewählten Farben haben es einfach insich!
    Doch was Beuys anbetrifft, so denke ich, dass die meisten zu wenig informiert sind bzw. große Vorurteile haben. Das mag daran liegen, dass er in der Öffentlichkeit entweder als "geistig einfach strukturiert" oder als "sehr kompliziert" s.o. dargestellt wird. Vielleicht trägt das nachfolgende Zitat zur besseren Veranschaulichung des verspotteten Fett- u. Filzkünstlers bei "Warum soll ich meine Venus aus Bronze und nicht aus Fett erschaffen, denn schließlich ist alles vergänglich".
    Mit 'ne schöne Jroße aus D'dorf
    elG
  • camo
    camo

    Vielen ist auch unbekannt, dass er ein hervorragender Zeichner war, aber das nur am Rande!


    Ich höre ständig, daß er schon malen konnte und nur nicht wollte. Gibts irgendwo online ein paar seiner hervorragenden Bilder zu sehen?
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  • stanko
    stanko
    @elGiero
    Danke für Deine Erweiterung und auch für das Lob meiner Bilder.
    Im Prinzip hast Du Recht, allerdings schützt Unwissenheit ja nicht vpr einer Meinung oder Vorurteile - informieren kann man sich heutzutage dank Internet wirklich umfassend.
    Allerdings ist das ja auch eine Tugend, zuerst informiern, dann vielleicht nachdenken und dann reden (schreiben)

    @camo
    Wieso wollte er nicht? Wo soll das stehen? Er hat viel gezeichnet, viele Installationen und Aktionen gemacht. Beuys googeln, da wirst Du garantiert fündig.

    beste Grüße Stanko
    Signature
  • elGiero
    ach stanko, was sollen wir hier informieren, die sind bei duerer stehengeblieben!
  • camo
    camo


    @camo
    Wieso wollte er nicht? Wo soll das stehen? Er hat viel gezeichnet, viele Installationen und Aktionen gemacht. Beuys googeln, da wirst Du garantiert fündig.


    Genau das ist das Problem, ich hab mir schon die Finger bis zur Nagelbettentzündung wundgegoogelt und trotzdem keine "hervorragende" Zeichnung von ihm gefunden.

    @elGiero: Gähn.
    Signature
  • elGiero
    gähne auch, wenn ich mir deine bildkes angucke...
  • camo
  • elGiero
    Naja, vielleicht schaffst du ja auch mal ein anderes Niveau!
  • reniek
    hallo elGiero, jrüß mir den Jupp mit dem Hütkes,den beys mein isch. der hattet drauf jehätt, jar keen fraache.

    hallo camo, ich finde einige deiner tierzeichnungen und acrylbilder sehr gelungen.

    beys ist weit gegangen, um seine ideale durchzusetzen, das muß man ihm hoch anrechnen. er hat viel für die kunst getan.
  • camo
    camo
    Naja, vielleicht schaffst du ja auch mal ein anderes Niveau!


    Meinst du dieses Niveau?:

    🔗

    Ich hoffe nicht! :-)

    Ich hab übrigens immer noch keine hervorragende Zeichnung von Beuys gefunden, aber ich gebe die Suche nicht auf.
    Signature
  • siku
    schöne Unterhaltung, da versuche ich auch mal, dem Beuys zur Seite zu stehen :-).

    Seine Grafik (Zeichnungen, Collagen) offenbart schon Gestaltungsvermögen. Uber den Bildschirm lässt sich das wahrscheinlich nicht sonderlich gut erkennen. Die meist kleinformatigen Arbeiten wirken auf den ersten Blick auch eher unscheinbar, auch im Original - aber sie sind gekonnt gemacht.

    Ein anderer Punkt ist ja, dass Beuys gerade den Eindruck der Kunstlosigkeit! provozierenen wollte - und dieses Ziel hat er auch erreicht. Beuys hat den Bruch mit der Formensyntax, denn Kandinsky begründete weitergeführt. Eine Aussage von Jean Dubuffet kann das vielleicht besser veranschaulichen:
    "Ich strebe nach einer Kunst, die direkt mit unserem täglichen Leben verbunden ist und aus ihm hervorgeht, die unmittelbare Ausstrahlung unseres wirklich Lebens und unserer wahren Empfindungen ist."
    Für die aktuelle Kunstauffassung ist diese Auffassung selbstverständlich, aber wir haben hier mit dem erwähnten Künstlern die Wegbereiter vor uns(dada gehört natürlich auch dazu).

    Beuys hat seinen Grafiken ganz bewußt etwas Beiläufiges verliehen, hat sie auf allen möglichen unüblichen Zeichengründen und Blattformaten verewigt.
    Man muss ja nicht bekennender Beuys-Fan sein, aber wenn man genau hinschaut (möglichst auf die Originale), sieht man schon Beuys künstlerisches Talent.
    Ob das überzeugt?? :-)
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