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  • Applaus und Wutgeheul

  • Albert Metzler Applaus und Wutgeheul
    Der Dramatiker Axel von Ernst im Gespräch mit Albert Metzler
    Platinum-News.De über Lust und Leid eines Theaterdebütanten: Der junge Düsseldorfer Autor Axel von Ernst (Jahrgang 1971) erlebte mit der Uraufführung seines Schauspiels „Betrug“ am Stadttheater Bremerhaven sein öffentliches Debüt als Dramatiker. Warum Bremerhaven? Wie fühlt es sich an, das eigene Werk auf der Bühne zu erleben? Mit welchen Reaktionen und Situationen wurde der Autor konfrontiert? Im folgenden Gespräch berichtet Axel von Ernst über seine ersten Schritte in der Welt des Theaters.

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    Herr von Ernst, am 3. Dezember 2005 hatte ihr Stück „Betrug“ im Stadttheater Bremerhaven Premiere. Es war ihr „erstes Mal“. Wie fühlten Sie sich an diesem Tag?

    Es war sehr hektisch. Fast hätte ich mein Debüt verpasst, weil eine Vollsperrung der Autobahn in Osnabrück mich 2 Stunden zu lang aufgehalten hatte. Ich kam zehn Minuten vor Beginn im Theater an und saß plötzlich zwischen den anderen Zuschauern. Vorher hatte sich die Aufregung auf’s mögliche Zuspätkommen konzentriert, jetzt wurde mir mit einem Mal auf ganz andere Weise mulmig: Gleich könnte es so peinlich wie noch nie in meinem Leben werden. Allerdings war ich auch schon darauf vorbereitet, dass es keine Vollkatastrophe werden konnte, weil ich eine Woche vorher eine sehr gute Probe besucht hatte.

    Haben Sie sich das Stadttheater Bremerhaven als Ort für Ihr Debüt ausgesucht?

    Als Neuling unter den Dramatikern kann ich mir nicht aussuchen, wo ich gespielt werden möchte. Ich hatte Glück, dass die Bremerhavener Dramaturgin Ulrike Barnusch auf mein Stück aufmerksam wurde und sich an meinen Verlag (Hartmann & Stauffacher, d. Red.) gewendet hat.

    Sie hatten also keine Verbindung zu Bremerhaven?

    Keine. Nur die Vorstellung von irgendwas Tristem, Grauem mit reichlich 50er, 60er und 70er Jahre Beton. Dass die da ein Stadttheater haben, hat mich eher erstaunt. Aber ich kann gleich sagen, dass ich von Bremerhaven sehr überrascht worden bin. Der erste Eindruck schien erst mal zu bestätigen, was ich befürchtet hatte, aber schon auf den zweiten Blick war sehr viel zu entdecken: sehr interessante Museen, eine neu gestaltete Hafengegend usw. Ich bin auch nur auf freundliche, offene Menschen gestoßen und fühlte mich sehr gut empfangen. Bevor ich Bremerhaven aber zu Gesicht bekommen habe, war die erste positive Überraschung, dass es dort nicht nur ein Theater gibt, sondern dass dieses Theater auch noch mit junger Dramatik ein breites Publikum erreicht. Das war doppeltes Glück für mich: Hier bestand die Chance für einen jüngeren Autor, gesehen zu werden, und man setzte auf mein Stück „Betrug“. Wenn man noch nie gespielt wurde, ist es unglaublich, wenn plötzlich wirklich ein Theater sagt: Wir machen’s!

    Waren Sie dann in Bremerhaven, um an der Entstehung des Theaterabends teilzunehmen?

    Es kommt im Theater selten vor, dass ein Autor den Probenprozess begleitet. Im Grunde bietet der Autor das grundlegende Material und Regie, Dramaturgie und Schauspieler machen es lebendig. Meine Aufgabe war am Anfang noch, mit dem Regisseur Daniel Ris und der Dramaturgin Ulrike Barnusch die schlussendlich für die Probenarbeit relevante Textfassung zu erstellen. Da musste ich mein Stück im Detail verteidigen: Warum sagt der eine dieses an jener Stelle? Kann man hier kürzen? Was habe ich mit bestimmten Formulierungen gemeint? Es war durchaus ein harte Diskussion, die mir aber letztlich noch viel mehr Klarheit über mein Stück verschafft hat. Auch über seine Mängel übrigens.

    Was sind das für Mängel?

    Ach, je. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der eine Art Mephisto jemandem eine Utopie verkaufen will. Die ist inhaltlich okay, aber eindeutig zu lang. Sie ragt ungut aus den kürzeren Szenen heraus. Ich hoffe, das lässt man mir als Anfängerfehler durchgehen.

    Dann sind Sie aber doch einmal auf eine Probe gegangen, wie Sie sagen.

    Ja. Ich war in Bremerhaven, um mit der Presse Vorgespräche zu führen und um in der Stadtbibliothek, die mit dem Theater eng zusammenarbeitet, aus Kurzgeschichten zu lesen. Bei der Gelegenheit habe ich auch eine Probe angesehen – und war vollkommen erleichtert: Ich hatte einen hervorragenden Regisseur und glänzende Schauspieler für tatsächlich jeden der fünf Charaktere erwischt. Stellen Sie sich vor, wie viele Möglichkeiten es für Schwachpunkte gegeben hätte – und keine davon wurde Wirklichkeit. Gleichzeitig ist meine Lesung ganz gut gelaufen. Nur die Pressegespräche waren mir unangenehm.

    Wieso?

    Weil ich da wirklich der trottelige Anfänger war. Der sehr netten Dame von der Nordsee-Zeitung habe ich am längsten von meinen privaten Finanzsorgen erzählt und vor dem Mikrophon von Radio Bremen verloren sich meine wirren, ratlosen Wurmsätze im Nichts. Ich müsste also mal an einem Seminar „Pressegespräche leicht gemacht“ teilnehmen. Ganz seltsam war übrigens noch, dass der Radio Bremen-Mann plötzlich einen ganz investigativ-journalistischen Ton annahm und meine „dunkle Vergangenheit“ ansprach.

    Sie haben eine dunkle Vergangenheit?

    Na ja, so dunkel, wie Sie jetzt vermuten, nicht. Der Mann hatte es ja auch einfach nur aus dem Internet. Es ging bloß darum, dass ich in einer Situation, als ich, um Freiberufler bleiben zu können, ohne zu verhungern, sogar mit dem Teufel zusammengearbeitet hätte, als Lektor bei einer Schreibakademie gearbeitet habe. Diese Akademie hängt mit einem Unternehmen von Druckkostenzuschussverlagen zusammen, das in sehr schlechtem Ruf steht. Für 30 Euro im Monat habe ich dort „Schreiben“ unterrichtet. Und einer der Ratschläge, die ich meiner zufällig sehr talentierten einzigen „Studentin“ gegeben habe, war der, auszusteigen.

    Nach all dem saßen Sie dann also schließlich in der Premiere. Haben Sie mehr das Bühnengeschehen oder mehr die Zuschauer beobachtet?

    Ich habe jeden Wimpernschlag auf der Bühne registriert und jeden Fortschritt, der seit der guten Probe, die ich gesehen hatte, noch hinzugekommen ist. Nur einer der Darsteller hatte sich entgegen seines großen Könnens etwas zurückgenommen, blühte aber dann im Laufe des Abends wieder auf. Das Publikum brauchte ich nicht zu beobachten, denn die Reaktionen waren unüberhörbar: Es wurde gelacht, gekichert, es gab an einer Stelle Szenenapplaus. Ich saß da wie in einem Traum. Das, was da vorne mit so hochwertigen Mitteln auf der Bühne passieren durfte, habe ich einmal einsam am Küchentisch sitzend aufgeschrieben und jetzt saßen hier über hundert fremde Menschen und freuten sich ganz offenbar darüber.

    Es war also ein Erfolg?

    Unglaublicherweise, ja. Die Schauspieler bekamen einen verdienten tosenden Applaus und mussten oft wieder auf die Bühne zurück. Mich haben sie auch raufgeholt. Ich habe verklemmt in die Scheinwerfer gegrinst und geblinzelt und habe in fröhliche Gesichter von applaudierenden Fremden gesehen. Ich habe noch eine halbe Stunde danach gezittert. – Hinter der Bühne haben sich dann alle gegenseitig umarmt und beglückwünscht. Der für die Bühne zuständige Techniker gab mir dabei das dickste Lob des Abends: Das Ding würde gut laufen. Sogar er hätte gelacht. Und das käme selten vor.

    Sie sind also ein Glückspilz? Oder ein Genie?

    Zumindest das mit dem Glückspilz habe ich zunächst auch geglaubt. Aber da hatte ich vergessen, dass der Premierenabend nicht die letzte Station eines Theaterstücks ist. Die Kritiken in den Zeitungen sind die letzte Station. Ich kenne vier. Davon sind zwei nicht nur als schlecht zu bezeichnen, sondern regelrecht Forderungen nach meiner persönlichen Vernichtung. Eine dieser beiden hebt wenigstens die Leistung der Schauspieler und der Regie hervor, aber die andere geifert gegen alles und behauptet, ich hätte das Publikum betrogen, weil es sich ganz grauenvoll gelangweilt hätte. Lachen als Ausdruck von Langeweile zu nehmen, ist eine sehr ungeschickte Art zu lügen. Aber was soll’s. Irgendwie bin ich für diese beiden Herren über Fünfzig wohl so ein Symbol für die jungen Autoren, die alle nichts mehr zustande bringen. Oder irgendeine Lokalintrige steckt dahinter, die auf meinem Rücken ausgetragen wird. Keine Ahnung.

    Hätten Sie lieber wohlwollende Kritiker als ein begeistertes Publikum?

    So rum, wie es jetzt ist, ist es gut: Das Publikum freut sich, ein Teil der Kritik gibt ein seltsames Wutgeheul von sich. Aber nicht zu vergessen: Es gab auch positive Töne. Und grundsätzlich haben Kritiker eine durchaus wichtige Funktion im Theaterleben. Es gibt viele Kritiker, die ich bewundere und deren Kritiken für mich diskussionswürdig bleiben, auch wenn sie nicht meiner Meinung entsprechen. Beim nächsten Stück wünsche ich mir schlechte Kritiken von klugen Leuten, die mich elegant und scharfsinnig „verreißen“, das könnte mich künstlerisch sogar voranbringen. Mit Gebell von scharfen Hunden kann man leider so eigentümlich wenig anfangen.

    Wie ist Ihr Fazit, Herr von Ernst? Hat Ihnen Ihr Dramatiker-Debüt mehr Lust oder mehr Leid bereitet?

    Eindeutig Lust. Es war, die überwiegenden Glücksfälle und die wenigen Anstrengungen verschiedener Art zusammengerechnet, ein seltsam spannendes, aufregendes Abenteuer. Und ich hoffe auf ein nächstes!


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