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Mann, Junge, Gewalt, Scherbe, Angst, Lust

MannJungenSexuelleGewalt

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    Uploaded by Bernd Wachtmeister in Bernd Wachtmeister - Farben Formen Figuren

    ...sind Scherben, Tränen und Wunden...


    Die Geschichte eines angesehenen belgischen Geschäftsmannes,
    der unter anderem in verschiedenen öffentlichen Schwimmbädern
    seines Landes immer wieder Jungen sexuell missbrauchte,
    hat mich zu dieser Darstellung animiert.

    Es ist nur eine von vielen solcher grausigen Geschichten -
    von denen die meisten nie weitererzählt werden.

    Ich bin sehr unsicher, ob ich als Aussenstehender und
    in dieser Thematik völlig Unberührter, berechtigt,
    geschweige denn befähigt bin, hier eine Bildaussage zu machen.

    Nun, jedenfalls war da plötzlich diese Figur und es war sofort klar, wo sie einzuordnen ist.
    Dann schloss sich der wiederholte Versuch der Vorstellung und des sich Einfühlens an.
    Hier gelingt es eine Situation, eine Szene zu sehen aber wie lassen sich die Gefühle
    der Beteiligten nachempfinden und in ein Bild integrieren?

    Unmöglich.

    Dennoch hat mich dieses Bild nicht mehr in Ruhe gelassen.
    Es schien mich geradezu anzuschreien. "Los, kümmere dich um mich!"

    Die Momente, in denen man als Künstler etwas logisch erklären kann,
    sind eher selten. Viele Dinge tut man ohne rational sagen zu können, warum.
    Andernfalls wäre die Kunst sicher auch eine Gattung der Wissenschaft.

    Das Bild ist nun öffentlich und ich bin gespannt ob es Stimmen dazu geben wird.
    Es ist auch nicht die erste Arbeit im kunstnet mit diesem Hintergrund.
    Sehr beeindruckt und motiviert hat mich in diesem Zusammenhang eine Speckstein-Plastik
    von Ella Meky:


    Der Täter , das Opfer und das Schweigen

TitleAm Ende des Regenbogens (2008)
Material, TechniqueDigitale Farbdruck auf hochwertigem Trägermaterial / Vektorgrafik
Dimension 59 x 84 cm
Year, Location2008 Leverkusen
Price Purchase
Tags
Info809 9 2
  • 9 Comments Sign in to leave a comment.
  • Bernd Wachtmeister
    Bernd Wachtmeister
    Ja, der Missbrauchende ist die Figur in der Mitte.
    Er hat im Vorfeld noch einen vertrauenswürdigen, freundlichen Eindruck auf die Kinder gemacht...und nutzt dann die entstandene Nähe erbarmungslos aus.

    Mir fällt dazu ein sehr bekannter, alter deutscher Spielfilm mit Gert Fröbe und Heinz Rühmann ein, der mich damals sehr berührt und gefesselt hat ("Es geschah am hellichten Tag").
    Der liebe, "kuschel-bären-hafte" Onkel, der die (in diesem Fall) kleinen blonden Mädchen anlockte.
    Nun dieses Tatschema ist wohl stets ähnlich wenn es sich bei den Triebtätern nicht um Menschen des engsten Umfeldes handelt.

    Es ist nicht das schwierigste, solche Situationen bis hin zur Tat (spannend) darzustellen. Aber wie stellt man Leere da und all die Gefühle und persönlichen Veränderungen der Opfer? Möglich, dass dies nur über ganz abstrakte, gegenstandslose Bilder funktionieren könnte. Vielleicht ist es aber auch einfach nicht möglich...

    Es wäre ganz bestimmt eine sehr lohnende künstlerische Herausforderung.
  • Pigeldi
    Pigeldi
    Ich finde dieses Bild unglaublich stark und treffend. Ich sehe allerdings kein "Neues Ich", sondern für mich ist der Missbrauchende in der Mitte, der sich die Körper und damit Seelen der Missbrauchten einverleibt und ihnen damit ein Eigenleben unmöglich macht. Als wären sie damit ewig ein Teil von ihm. Liebe und Hoffnung hat sie zu ihm geführt und eine Seelenspaltung war die Folge.
    Missbrauch von Jungen wird noch stärker tabuisiert als von Mädchen, daher ist es sehr wichtig, dies mit Kunst präsent zu machen. Und betroffen kann man auch dann sein, wenn man nicht selbst einverleibt wurde.
    LG,
    Pigeldi
  • Vera Boldt
    Vera Boldt
    es ist eine wunderbare Umsetzung des Themas und nicht nur Betroffene, ich finde jeder den dieses Thema aufwühlt,ist berechtigt und wenn er befähigt ist, vielleicht sogar verpflichtet Aussagen zu machen.
    Mag sein es hilft Betroffenen und Nicht - Betroffenen
    mlgv
  • Bernd Wachtmeister
    Bernd Wachtmeister
    KEINE FARBEN...das spricht für sich.
  • Annett
    "ich glaube , gefühlsmässig gibt es KEINE FARBEN.."

    Sondern nur absolute Leere
  • El-Meky
    El-Meky
    Hallo Bernd, schön , dass du dich mit dem Thema sexueller Missbrauch beschäftigst und besonders gut finde ich auch , dass du das Thema 'sex. Missbrauch von Jungen' ansprichst.

    Nun, ich als Betroffene tu mich sehr schwer , dieses Thema bildhaft umzusetzen.

    Die einzigste Arbeit zu diesem Thema war mein Speckstein.

    Ich glaube es gibt keine Farben , die die Vergangenheit oder das neue Leben als ehemaliges Opfer beschreiben können.
    ich glaube , gefühlsmässig gibt es KEINE FARBEN.

    liebe Grüsse Ella
  • Annett
    ja, Du hast Recht. Das neue "Ich" kann auch nur das Opfer beschreiben.
    Es ist aber geprägt von Angst, Wut und Hilflosikeit mit dem neuen ICH nicht mehr klarzukommen das gilt ebenso seinen Mitmenschen.
    Andererseits ist die kindliche Vergangenheit ebenso ein wichtiger Teil, an die er/sie sich erinnert, um nicht gänzlich ins Nichts zu fallen.
    Schwierig dafür die Farben zu wählen.
  • Bernd Wachtmeister
    Bernd Wachtmeister
    Vielen Dank für dein Statement!

    Hilflosigkeit...ist auch noch so ein Stichwort.
    Die habe auch ich empfunden...und werde sie hier wohl immer empfinden.

    Ja, die pastelligen, bunten Farben passen sicher nur zur unberührten, kindlichen Vergangenheit der Opfer. Dann bricht der Regenbogen ab und zerspringt in Scherben.

    Und das NEUE ICH - kann auch nur ein Opfer beschreiben.

    Ich denke, ich habe dieses Bild auch gemacht, um irgendwie in diese Materie hineinzukommen und etwas mehr zu erfahren – du hast mir mit deiner schnellen, offenen Stellungnahme schon sehr weitergeholfen!
    Ganz lieben Dank an dich!
  • Annett
    Ich habe mir das Bild lange angeschaut. Du hast das schwierigste Thema überhaupt ausgesucht und Dich ihm gestellt.
    Um nachempfinden zu können... jedenfalls ansatzweise, wie sich das/ein Opfer fühlt, müsste man ähnliche Erfahrungen gemacht haben und das wünscht man natürlich niemanden.

    Ich sage mal, wie ich das Bild empfinde:
    Die innerliche Zerrissenheit ist ganz klar zu sehen und der neue "Mensch" das neue "Ich", der daraus enspringt.
    Aber mit Deinen gewählten Farben komme ich nicht klar.
    Die Pastelltöne suggerieren zarte Lebensfreude und Hoffnung oder sollten sie eine Assoziieren herstellen? Hier wäre natürlich die Frage, ob Du Vergangenheit (die Tat), Gegenwart (die gegenwärtigen Gefühle des Opfers) oder die Zukunft (das neue ICH geprägt von Hoffnung auf ein normales Leben) darstellen möchtest. Die Pastelltöne gaukeln mir aber auch eine heile Welt vor. Die Zeit heilt aber keine Wunden! Nicht diese. In diesem Fall während laute Farben oder "Farben" die den kleinen Seelentod des Opfers zeigen, sinnvoller.
    Es ist unsagbar schwer, meine Hochachtung vor Deiner Courage.