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Ballon, Clown, Fahrrad, Fantasiewesen, Fliegen, Mond

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  • Uploaded by invisible

    (Wer den Absatz über den Planeten Loonaris bereits bei einem meiner anderen Bilder gelesen hat, kann gleich zur eigentlichen Geschichte übergehen...) Loonaris, das ist ein kleiner, zugiger Planet an einem ziemlich entlegenen Fleckchen unseres Universums, welcher von fünf Trabanten umkreist wird. Da Loonaris und seine nächste Sonne durch eine relativ große Distanz voneinander getrennt werden, herrscht dort etwas unterkühlte bis zwielichtige Atmosphäre. Es erscheint einem also nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, dass die Loonarier von ihrer Grundstimmung her alle etwas schwermütig sind. Einige von ihnen hegen sogar einen recht suizidalen Lebensstil, der durchaus Teil der loonarischen Kultur ist. Soweit zur Klärung der Verhältnisse. Einige meiner Zeichnungen, wie diese hier, sind bei einem Kurzbesuch auf Loonaris entstanden. Manchmal, wenn ein schöner voller Mond scheint, sind die Bewohner recht gesprächig, dann gibt es auch eine Geschichte zum Bild…


    Jetzt zum eigentlichen Bild: Diesmal habe ich glücklicherweise einen besonders Touristenfreundlichen Loonarier auftreiben können. Vielleicht lag es auch an der günstigen Sternenkonstellation, denn in dieser Nacht waren alle fünf Monde Loonaris zur selben Zeit am Himmel zu beobachten. (Ein besonders seltenes und faszinierendes Naturschauspiel.) Jedenfalls wurde ich auf einem Flugtandem sogar zu den „Schwindelerregenden Schluchten“ chauffiert und auch was das Szenario dort betraf, reichlich aufgeklärt. Zunächst wirkt es etwas seltsam, doch wenn man die Hintergründe kennt, ergibt das ganze einen gewissen Sinn:

    Die Bewohner Loonaris sind aufgrund der unterkühlten Atmosphäre und dem chronischen Lichtmangel nämlich im Besitz eines denkbar verkümmerten Humors. Allesamt sind sie wie bereits erwähnt ziemlich schwermütig und pflegen einen recht suizidalen Lebensstil. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen, hätten sie auch mal gerne etwas zu lachen. Eine besonders innovative Mondenseele (so bezeichnen die Loonarier sich selbst mit der nötigen Portion Melancholie) führte also kurzer Hand den Wanderzirkus auf Loonaris ein. Der sollte mit vielen lustigen Clowns durch ganz Loonaris ziehen und die Loonarier zum Lachen animieren. So gutmütig diese Idee ursprünglich auch gewesen sein mochte, so endete sie jedoch in einer schieren Katastrophe: Die Clowns, allesamt Laien, arbeitslose, schwer depressive Loonarier, waren tödlich. Und zwar buchstäblich. Sie waren so erbärmlich schlecht und so wenig witzig, dass sie statt die Menschen zu erheitern, sie Scharenweise in den Selbstmord trieben. Als die Clowns davon erfuhren, wurden sie noch trauriger und ihre grauenhafte Darbietung, übertraf sich selbst. Ergo: Noch mehr Tote. Es war ein Teufelskreis! Doch den Zirkus abzuschaffen, das hielten die übrig gebliebenen Loonarier für keine so gute Idee. Immerhin konnten die wilden Zirkustiere weiterhin durch Loonaris ziehen und die Leichenberge eliminieren. Dieser Anblick könnte die Bewohner unter Umständen sogar aufheitern. (So weit zum loonarischen Humor…) Man ließ den Wanderzirkus also bestehen und feuerte kurzer Hand alle Clowns. Und damit die sich nicht selbstständig machten, um wieder Menschen zum „Totlachen“ zu bewegen, steckte man sie in Meterhohe Türme über die sogenannten „Schwindelerregenden Schluchten“ ans andere Ende von Loonaris. Und weil die Loonarier ja keine Unmenschen sind, schickten sie jeden Tag einen vermummten Boten mit Luftballons zu den Clowns. Denn was hätte sie in solch einer Situation besser aufheitern können, als viele, bunte Ballons? Die Clowns jedoch waren auch nicht auf den Kopf gefallen. Sie benutzten die Ballons als Transportmittel, um wieder zurück in bewohnte Gefilde zu gelangen. Vielleicht kann man sich das kaum vorstellen, doch es ging nicht gut. Sie stürzten einer nach dem anderen, in die Schwindelerregenden Schluchten. Aufgrund des dichten Nebels bekamen die anderen Clowns das allerdings gar nicht mit. Derweil berichtete der Bote den anderen Loonariern von den Machenschaften der Clowns. Man beschloss ihnen eine Lüge aufzutischen: Der Bote erzählte den übrigen Clowns bei seiner Wiederkehr, wie viele von ihnen schon wieder mit ihren Luftballons wohlbehalten bei den anderen Loonariern angekommen waren. Zur Krönung flunkerte der Bote auch noch etwas von erfolgreicher Kabarettisten -Karriere. Auch die Clowns mit anfänglicher Skepsis, stürzten sich jetzt frohen Mutes mit ihren Ballons aus den Turmfenstern. Die Loonarier waren sehr erleichtert, die Sache mit den Clowns endgültig abzuhaken. Und außerdem hatten sie jetzt endlich etwas zu lachen…

Title"Zum Totlachen"
Material, Techniquecrayon
Dimension DIN A 3
Year, Location2010, Schreibtisch, bzw. Sofa, bzw. Park/Balkon
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Info2229 8 2 2 5 by 6 - 5 Votes
  • 8 Comments Sign in to leave a comment.
  • simulacra
    simulacra
    Lest mal die Story!
  • froT
    yes!
  • seiltaenzer
    seiltaenzer
    traumhaft!
    Danke für`s Schieben heinrich
  • invisible
    invisible
    Vielen Dank für Eure Kommentare!

    @synafae: Im Prinzip hast Du natürlich Recht. Ich glaube nur, dass zu Anfang etwas naturalistischeres geplant war, als letzen Endes dabei rumkam- nun scheint es mir aber immer mehr zu gefallen. Man könnte es schon einen eigenwilligen Stil nennen der sich da kristallisiert. Natürlich nur, wenn man so will

    @kurschiller: Hach ja- wie gern' denke ich an jene alten Tage zurück. Loonarische Nostalgie :-)
  • rellihcsruK
    War mir bisher irgendwie
    unsichtbar geblieben... gute Geschichte.
    Aus der Zeit, als es auf Loonaris noch
    Clowns und Schluchten gab. ;-))
  • simulacra
    simulacra
    Feines Bild und tolle Geschichte!!! Die Kritik von invisible sehe ich anders. Es handelt sich doch um ein surreales Bild, sehr viele Sachen können in der Wirklichkeit so nicht sein (angefangen von den Perspektiven über die Größenverhältnisse, die Figuren etc., also kann ich einen so scheinenden Mond auch voll einbeziehen. Um des Effektes Willen hätte ich den Schein dann sogar eher ganz weggelassen, aber das entscheide ich ja nicht :)
  • invisible
    invisible
    Lieben Dank für die positive sowie negative Kritik, Tanja!
    Ich muss gestehen, die Monde habe ich als letzes bearbeitet und da hat mich meine ohnehin nicht langlebige Geduld etwas verlassen...ich finde auch, dass es noch zu optimieren wäre :)
  • Forgotten Scrawl
    Forgotten Scrawl
    Juhuuu, endlich eine Geschichte! Und ein sagenhaftes Bild dazu..
    Ich muss gestehen, dass diese Zeichnung bisher diejenige ist, die mir von dir am allerbesten gefällt; ich finde es toll, wie du es jedes Mal schaffst, die von mir schon erwähnte düster-mystische, geschichtenerzählende Atmosphäre deinen Werken zu verleihen!
    Eine kleine Kritik hätte ich jedoch: Ich persönlich fände es schöner, wären die beiden Monde mit den "Strahlen" (der große und der etwas kleinere links daneben) mehr ausgearbeitet, sodass sie plastischer wirken und die unmittelbare Umgebung zu erhellen scheinen, anstatt ihren Schein nur wie aufgesetzt auf sich herumzutragen.
    Liebe Grüße,
    Tanja