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Teich, Grünspiegelungen, Schwan, Fotografie, Grün

TeichgrünspiegelungenSchwan

TitleIm Grün
Year, Location2010 / Rügen
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  • MaraGabriela
    MaraGabriela
    Textauszug aus "Schwanenfrau" von Mara Krovecs


    Der Wald war in eine süße Stille getaucht, heute morgen sprang nicht einmal der Bach fröhlich über die Steine, sondern murmelte nur, die Vögel ließen vereinzelt feine trillernde Laute erklingen, so leise, dass es klang als ob ein Tautropfen im Fall die Blüten der Waldglockenblumen streifte.

    Die Schwanenfrau stieg nackt und bloß in den träumenden kleinen See, in den zwei Trauerweiden ihre Äste spielten. Ihr wunderschönes Federkleid hatte sie vor Jahrtausenden verloren, manchmal dachte sie noch daran und ein Schmerz, klein wie ein Schmetterling breitete sich in ihrem Herzen aus.
    Sie schwamm einige Züge und atmete tief die wie grün schmeckende Luft. Um ihre Beine im Wasser perlten kleine Luftbläschen, da spürte sie auch schon die rauen Schuppen des Hechtes, der sie jeden Morgen auf diese Weise begrüßte und gleich wieder in den Tiefen des Sees verschwand.
    Jeden Hauch kannte sie hier, jede Farbe, jeden Laut. Auch die Wellenstimmen, die immer wieder aus dem Himmel fielen waren ihr vertraut. Sie ließen sie an eine junge Frau denken, von der sie in diesem Wald einst besucht wurde, ihren Namen wusste sie nicht mehr, es war schon zu lange her.
    Sie begann ein Lied zu summen, erstaunt und erfreut, wie schön ihre Stimme hier in der Stille klang und griff mit den Händen in das Wasser, um es anschließend in den See tröpfeln zu lassen. Ihr Summen und das Tröpfeln hallte angenehm in ihrem Kopf nach.
    Die Wellenstimmen von oben wurden ein wenig lauter und die Frau bemühte sich zu verstehen, was diese Wellen gegen das Blau des Himmels schlugen, doch wie meistens bemühte sie sich vergebens.
    Nur einmal hatte sie etwas verstanden: “Mein armes Kind“.
    „Mein armes Kind“ sang sie an jenem Tag wie ein Lied, leise und voller Gefühl.
    „Mein armes Kind“ flüsterte sie wieder und wieder und dachte an jene Frau, die sie einst besucht hatte und die nie wieder gekommen war.

    Niemand war jemals vor dieser Frau bei ihr gewesen und niemand kam nach ihr.

    Sie war ganz allein.