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Trinker, Alkohol, Absinth, Wermutbranntwein, Zeichnung, Zeichnungen

TrinkerAlkoholAbsinthwermutbranntwein

  • Uploaded by apogaeum

    Darstellung der Apathia, die in der Scholastik als eine der sieben Todsünden gesehen wurde. In der Apathia expositioniert sich der Mensch als ein Subjekt, das unter der Unvollkommenheit der Schöpfung leidet so wie Gott. Dies erhebt ihn einerseits über sich hinaus, bringt ihn Gott in seinen ethischen, für einen Menschen nicht erfüllbaren Vorderungen an ein Himmelreich ganz nahe, und bringt ihn näher zu Gott als jeden anderen, der weniger an der Unvollkommenheit der Schöpfung leidet. Gleichzeitigt versündigt er sich mit seiner Auflehnung an einer Todsünde und bringt sich in eine Position, die ihn von Gott weiter entfernt als jeden anderen Menschen, weil er Gott selbstbezogen als Schöpfer dieser unvollkommenen Schöpfung anklagt, was ihm nicht zusteht. Die obenstehende bildnerische Darstellung versucht die beiden Pole, nämlich die leidende Verbitterung mit dem Aufbegehren des wollenden Subjekt einerseits, und den egozentrischen sich selbst behauptenden Eigenwillen des Anklagenden andererseits darzustellen. Beiden Polen ist die Willensanstrengung zu eigenen, die sich in vertieften Nasolabialfalten und verschmälerten, zusammen gepressten Lippen mitteilt. Bei der leidenden Auflehnung (linke Figur) ziehen sich zugleich aber die Mundwinkel nach unten, die Unterlippe wird gehoben.

    Dieser Beitrag ist eine Antwort auf .

TitleDie Todsünde der Apathia
Material, TechniqueOktavheftdeckblattrückseite (herlitz No 0416636), Faber-Castell Finepen 1511 grün, Textmarker STAEDLER Kiddi Elefant ´129 K-F1 CE
Dimension 14.7x10.3 cm
Year, LocationWürzburg, 2006
Price Purchase
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  • 15 Comments Sign in to leave a comment.
  • sinA
    Schubs...
  • nielK_H
    🔗
  • nielK_H
    kleine schmuse-stunde? wie schööööön … und hilfreich vor allem; darauf kommt es uns hier ja schließlich an. ich finde euch auch alle total lieb und gut und hilfreich und es ist so schön bei euch und, lieber apogäum: schau mal, wer bild des moments ist …
  • apogaeum
    apogaeum
    Danke! Du und Ihr alle anderen auch.
  • El-Meky
    El-Meky
    ja und so soll und wird es sein.
    danke du bist hilfreich und gut :o))
    MVG E
  • apogaeum
    apogaeum
    Och Heliopo
    Du hast da doch als Künstlerin ganz andere Möglichkeiten. Mir scheint, Kunst hat im Wesentlichen die Funktion, eben die Gedanken auszudrücken, derer wegen man meint, ausgelacht zu werden, und die auszudrücken, den Rahmen des Sag- und Schreibbaren sprengen würden. Als`den ...
    LG A
  • El-Meky
    El-Meky
    ""Dabei müsste man sie aber fragen, was sie konkret mit "die ganze Welt retten" und "schlecht fühlen" meint.""

    genaue Erklärungen sprengen hier den Rahmen lieber Apogaeum und ich mag sowieso für meine Gedanken heut mal nicht ausgelacht werden.
    lg
  • apogaeum
    apogaeum
    @atelierinkal und @heliopo:
    Ich glaube schon und meine es als passionierter U-Bahnfahrer häufiger beobachtet zu haben, dass viele Alkoholiker dazu neigen, über Probleme anderer zu reden, um vom eigenen abzulenken. Dies ist normalpsychologisch auch vollkommen nachvollziehbar. Bei schwer Alkoholkranken IM ALKOHOLISIERTEN ZUSTAND, also im Moment der akuten Intoxikation, jedoch produziert Alkohol eine Psychopathologie, welche nicht mehr nur normalpsychologisch einfühlbar ist. Dostojewskij beschrieb mit Raskolnikow in "Schuld und Sühne" die Gefühlswelt eines Alkoholikers. Seine größte Leistung dabei war, die affektive und kognitive Auseinandersetzung mit der vom Roman als tatsächlich geschehen vorgegebenen Schuld menschlich einfühlbar zu schildern und sie dann so zuzuspitzen, dass man wenigstens für kurze Zeit als Leser in Zweifel gerät, ob man das noch nachvollziehen kann. In solchen Momenten entsinnt man sich dann, dass Raskolnikow ja ein Alkoholproblem hat, und möglicherweise seine Gefühle und sein Denken durch die akute Einwirkung von Alkohol alteriert sind. Was ich in meinem obenstehenden Bild zur Darstellung bringen wollte, ist eine idiosynkratische Wirkung von Alkohol, bei welcher der Trinker eine exogene Psychose im Sinne eines "Bonnhöfers" bekommt und im Rahmen dieser psychotischen Entgleisung eine pathologisch vertiefte und wahnhafte Schuld empfindet. Der monströse Schuldwahn hat zum Inhalt, sich gegenüber der ganzen Welt versündigt zu haben. Im Extremfall kann sich das zu dem Wahgedanken steigern, dass der Weltuntergang bevor stehe. Interessant ist nun die Anmerkung von Heliopo. Dabei müsste man sie aber fragen, was sie konkret mit "die ganze Welt retten" und "schlecht fühlen" meint.

    Mit Gruß und Dank für Eure Kommentare
    A
  • El-Meky
    El-Meky
    danke dir für die Erlärung Apogaeum.
    trotzdem kann ich , was du da beschreibst auch gut ohne Alkohol nachempfinden .
    Die ganze Welt verbessern/schützen wollen
    und sich dann schuldig und schlecht fühlen,
    weil man zu schwach dafür ist.
  • tsinogyloP_ehT
    @ apogaeum,

    ich will mir gar nicht die verantwortung für das leid der ganzen welt aufbürgen wollen. Es würde schon vollkommen reichen wenn man die verantwortung für sein eigenes tun übernimmt. Deshalb weis ich auch nicht ob dieses vermeintlich ethische denken des alkoholikers nun unbedingt ein hinweis auf ein gottgeleitetes unbewußtes handeln ist.
    Für mich, der in seinen umfeld einige alkoholiker kennt und auch häufig mit ihnen zu tun hat ist es eher ein hinweis darauf gegenüber sich selbst und auch anderen von sich selbst und seinen problemen abzulenken.

    Dieser Beitrag ist eine Antwort auf .
  • apogaeum
    apogaeum
    Liebe Heliopo
    Dass der Text nicht lesbar ist, ist ein Problem meines Scanners. Der Text klärt die Nutzer des Oktavheftes, zumeist Kinder im Grundschulalter, über die Gefährdung des Regenwaldes durch Kahlschlag zugunsten schnellwachsender Bäume auf, die für die Zellstoff- und Papierherstellung verwendet werden. Es wird darin gefordert, auf die Zellstoffbleiche bei der Papierproduktion zu verzichten, und keine "Zellstoffe oder Papiere, die in Folge von Raubbau an tropischen Regenwäldern" gewonnen wurden, zu verwenden. Es wird der Kunde darauf hingewiesen, dass Herlitz diesen Vorderungen nachkommt. Der Text ist letztlich aber eine Werbung der Firma Herlitz, die das Oktavheft vertreibt.
    Alkoholiker zeigen manchmal unter Alkoholeinfluss ein vertieftes ethisches Denken, ein besonderes eigenes Schuldgefühl, die Welt und die Gesellschaft ausgenutzt zu haben. Zum Beispiel können sie denken, sie hätten Schuld an der Vernichtung des Regenwaldes durch den Menschen. Dies resultiert aus einer alkoholbedingten "hirnorganischen" Depression, die sehr qualvoll ist. Sie trinken dann noch mehr Alkohol, um mit der akuten Zufuhr diese quälenden depressiven Empfindungen wegzutrinken. Dadurch gelangen sie aber in eine Euphorie, in der sie empfinden, dass sie in der depressiven Verstimmung, mit der Zuschreibung der Schuld für das Leid der Welt an die eigene Adresse, Gedanken gedacht hätten, mit der sie die Welt erlösen könnten wie Jesus Christus es getan hat. Wenn alle so denken würden wie sie, wenn alle sich selbst die Verantwortung für das Leid der ganzen Welt geben würden wie sie es gerade getan haben, dann könnte die Welt erlöst sein. Wenn sie dann aber wieder in die Depression zurückfallen, empfinden sie, sie seien "scheinheilig" und unwahrhaftig gewesen.

    LG A
  • El-Meky
    El-Meky
    überlege grad , warum der Text nicht lesbar sein darf und was Tropen und Regenwälder mit Alk zu tun haben und suche eine Verbindung zum einen und zum anderen. und sei es nur die steife Schrift hinter dem losen Gekritzel.....
    jaja die liebgewonnene Suche nach einem Sinn :o)
  • El-Meky
    El-Meky
    also ich kenne diese extremen Wechselbäder der Stimmungen
    und habe mit Alkohol noch nie was am Hut gehabt.
    Ich mag solche Themen gern. der Mensch und seine Psyche und Physiognomie...
    :o)
  • apogaeum
    apogaeum
    Liebe Ambre
    Meine Beobachtung ist, dass der Alkohol den Menschen wechselweise in depressive und euphorische psychische Zustände bringt, in welchen er dem scholastischen Begriff der Apathia am nächsten kommt. Diese Zustände scheinen mir die Grundlage zu sein für die "Bierpredigt am Stammtisch", die gekennzeichnet ist durch ein Politisieren, durch einfache Lösungen für komplexe politische Probleme, und einem radikalen Denken, das einer depressiven Ethik folgt.
  • Brigitte Guhle
    Brigitte Guhle
    Ich hab's dreimal gelesen, bis ich es verstanden habe. Ich verneige mir vor Deiner Eloquenz. Mir scheint, es handelt sich hier um die Totsünde der Miesepetrigkeit. Und der Wein unten am Bildrand? Grund zur Hoffnung oder ewige Verdammnis?