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Kunstverein, Wiesbaden, Fluxus, Pinnwand

KunstvereinWiesbadenFluxus

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    Uploaded by Nassauischer Kunstverein on 05/02/2014

    Lela Ahmadzai / Banda Bajofondo / Muu Blanco / Marina Camargo / Paula Delgado / Dias & Riedweg / Gianfranco Foschino / Sebastián Gordín / Simon Gush / Lukas Ligeti / Zhang Qing / Santiago Tavella / Michael Wesely
    Eröffnung: 23. Mai 2014, 18 bis 21 Uhr
    Ausstellungsdauer: 24. Mai bis 13. Juli 2014
    Am 12. Juni beginnt in Brasilien die Fußball-WM 2014. Für einen guten Monat wird der Fußball Raum und Zeit zumindest zeitweise außer Kraft setzen. Millionen Menschen weltweit werden ihren gewohnten Tagesablauf aussetzen und sich dem 90-Minuten-Rhythmus der Spiele hingeben. Die tatsächliche Uhrzeit spielt keine Rolle mehr, wenn Menschen aller Zeitzonen gleichzeitig eine Partie verfolgen, ob nun vor dem Morgengrauen, mittags oder spät am Abend. Das Wochenende ist vorübergehend nicht mehr frei, Nationalfeiertage können urplötzlich zu Trauertagen werden, je nachdem ob das eigene Land soeben ausgeschieden ist.
    Dem Fußball, der das Leben spiegelt, ist nichts Menschliches fremd. Ihm wird die Fähigkeit zur Völkerverbindung zugeschrieben, er gilt als Topos des Fair Play, des Sportsgeistes, sogar religiöse Anklänge lassen sich ausmachen. Wie bei allem im Leben ist auch der Fußball von Schattenseiten nicht frei. So finden sich neben Spielfreude und Ausgelassenheit im Umfeld des Sports auch Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung. Und obwohl von den Austragungsorten der Weltmeisterschaft die Bilder des „offiziellen“ Fußballs ihren Weg in jeden noch so entfernten Winkel des Planeten finden, bleibt dies doch für gewöhnlich eine einseitige Kommunikation. Was wissen wir von den Menschen an all diesen Orten, mit denen wir für die Zeit einer Spielübertragung eine Zeit, einen Rhythmus teilen?
    Die dreizehn für die Ausstellung eingeladenen künstlerischen Positionen richten den Blick genau in diese vernachlässigten Orte, auf die Geschichten an der Peripherie. Der Nassauische Kunstverein Wiesbaden richtet die Ausstellung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Rio de Janeiro aus. Künstler und Filmemacher aus Lateinamerika, Deutschland, Österreich und China haben sich zusammengefunden und präsentieren ihren ganz persönlichen Blick auf die Welt. Dabei bleibt der Fußball als Folie und verbindendes Element der Arbeiten stets präsent.
    Das Duo DIAS & RIEDWEG haben den ursprünglichen Fußball auf einem nächtlichen Bolzplatz einer Favela von Rio de Janeiro gefunden. Ihre „peladas noturnas“ bekommen in ihrer extremen Verlangsamung und durch die begleitende Musik eine Grazie und Anmut, die Assoziationen an das klassische Ballett hervorrufen. Dem echten Fußball spürt auch SEBASTIÁN GORDIN nach, wenn er sich auf einem Provinzbolzplatz als Torhüter versucht. MUU BLANCO aus Venezuela sucht die Gewalt, sowohl auf dem Feld als auch auf der Tribüne, und verwandelt brutale Szenen, die er im Internet gefunden hat, in abstrakte Bilder voller Schönheit, in denen der Sport nur noch bruchstückhaft erkennbar ist. In „603 football field“ bezieht ZHANG QING mit einem Augenzwinkern Stellung zum herrschenden Platzmangel in den rapide wachsenden chinesischen Großstädten. Sechs Deckenkameras filmen eine komplette Wohnung, in der zwei Mannschaften zu drei Spielern und ein Schiedsrichter ein Fußballmatch austragen. Dass der Fußball auch unter widrigsten Umständen und an den unwahrscheinlichsten Orten gedeiht, zeigt SIMON GUSH. Auf Gleisen eines Rangierbahnhofes nahe Gent tragen Immigranten ein Match aus. Die religiöse Überhöhung, die dem Spiel und mitunter auch einzelnen Spielern entgegengebracht wird, bestimmt die Fotografie von PAULA DELGADO. Einen ganz eigenen Weg zwischen konkreter Geschichte und Abstraktion beschreitet SANTIAGO TAVELLA in seinen Videoanimationen. Der Grundriss des ersten Weltmeisterschaftsstadions von 1930 in Montevideo dient als Folie für seine spielerische Verfremdung der Spielfeldlinien. Im Video „Centrojá“ der Band BAJOFONDO vermischen sich zeitliche und örtliche Ebenen: Der ursprüngliche Track mixt den traditionellen Tango der Vororte von Buenos Aires mit modernen Elektrosounds. MARINA CAMARGO verlässt das Feld der typischen Fußballkonnotationen und schafft in „Together“ mit zwei Jugendlichen, die sich an einem nebligen New Yorker Strand gegenseitig einen American Football zuwerfen, eine ruhige, gelassene Stimmung. In den Fotos der gebürtigen Afghanin LELA AHMADZAI bekommt der Fußball eine soziale und politische Bedeutung. Die Frauen der afghanischen Fußballnationalmannschaft trainieren unter militärischem Schutz, ihre Betätigung ist ein Akt der weiblichen Selbstbehauptung. Das gleiche Medium, die Fotografie, benutzt auch MICHAEL WESELY. In seinen Langzeitbelichtungen von Fankneipen, Stadien oder Public Screenings zeigt sich Fußball als verbindender Freizeitspaß. Bei GIANFRANCO FOSCHINO verliert der Ball schließlich vollständig die Rolle des Protagonisten. Halbnackte Kinder auf einem Hinterhof zeigen demonstratives Desinteresse an dem Sportgerät und zerhacken stattdessen lieber Brennholz mit einer gewaltigen Axt. Die vibrierende Geräuschkulisse aus einem Stadion fängt schließlich LUKAS LIGETI mit seiner Soundinstallation ein.
    Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalogeinleger auf Deutsch mit Texten von Alfons Hug, Thomas Brussig, Marcelo Backes, Martín Kohan und Julio Srur.
    Weitere Stationen sind das Auswärtiges Amt in Berlin und das Kunsthaus Nürnberg.
    Bild: Violencia abstracta, 2013, Video. © Muu Blanco
    Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
    Wilhelmstraße 15, 65185 Wiesbaden
    Tel +49 (0)611 301136
    Öffnungszeiten: Di, 14–20 Uhr, Mi–Fr, 14–18 Uhr, Sa+So, 11–18 Uhr
    __________________________________ Lela Ahmadzai / Banda Bajofondo / Muu Blanco / Marina Camargo / Paula Delgado / Dias & Riedweg / Gianfranco Foschino / Sebastián Gordín / Simon Gush / Lukas Ligeti / Zhang Qing / Santiago Tavella / Michael Wesely
    Opening: 23th May 2014, 6 pm to 9 pm
    Duration of exhibition: 24th May to 13th July 2014
    The World Cup 2014 in Brazil begins on June 12. For a good month football will override at least temporarily space and time. Millions of people worldwide will suspend their usual daily routine and indulge in the 90-minute rhythm of the games. Time plays no role any more, when people of all time zones keep track of a game at the same time, whether well before dawn, at noon, or late in the evening. The weekend is temporarily no longer free; holidays can suddenly become mourning days, depending on whether one’s own country has just been eliminated.
    To football that reflects life, nothing human is alien. It is attributed with the ability to unite people, it is regarded as a topos of fair play, of sports spirit and even religious echoes can be identified. Like anything else in life, football also has its dark sides. Not only enthusiasm and exuberance can be found in the field of sports but also violence, oppression, and exploitation. And although from the venues of the World Cup, the images of the “official” football will find their way into each so distant corner of the planet, this usually remains a one-sided communication. What do we know about the people in these places who share our time and rhythm for the time of the broadcasted match?
    The thirteen artistic positions invited for the exhibition focus exactly on these neglected places, on the stories on the periphery. The Nassauischer Kunstverein Wiesbaden hosts the exhibition in cooperation with the Goethe-Institute in Rio de Janeiro. Artists and film makers from Latin America, Germany, Austria and China have come together and present their very personal views of the world. However, football as a foil and unifying element of the work remains ever-present.
    The duo DIAS & RIEDWEG have found the primordially football on a nightly football field of a favela in Rio de Janeiro. With the extreme slow-motion and the accompanying music their “peladas noturnas” acquires grace and charm that evoke associations with classical ballet. Also SEBASTIÁN GORDIN retraces the real football when he has a try as a goalkeeper on a back country football field. MUU BLANCO of Venezuela seeks violence, both on the field and in the stands, and he turns brutal scenes, which he found on the Internet, into abstract images full of beauty, in which the sport appears only fragmentary. “603 football field”, with a wink ZHANG QING takes position to the prevailing lack of space in the rapidly growing Chinese cities. Six ceiling-cameras film a complete apartment, in which two teams of three players plus a referee play a football match. SIMON GUSH shows that soccer can thrive under the most adverse circumstances and in the most unlikely places. Immigrants play a match on the tracks a railway yard near Ghent. The religious glorification that the game and sometimes individual players meet with, determines the photography by PAULA DELGADO. In his video animations SANTIAGO TAVELLA pursues his own path between a specific story and abstraction. The floor plan of the first World Cup Stadium from 1930 in Montevideo serves as a foil for his playful alienation of the field lines. In the video “Centrojá” by the Band BAJOFONDO, time and spatial levels mix: the original track with the traditional Tango from the suburbs of Buenos Aires mixes with modern electro sounds. MARINA CAMARGO leaves the field of typical football connotations, creating in her film “Together” a calm and serene atmosphere of two youths, who are playing with an American football on a foggy New York beach. In the photos of the native Afghani LELA AHMADZAI, football has a social and political meaning. The women of the Afghan national team train under military protection; it is an act of female self-assertion. The same medium, photography, is used also by MICHAEL WESELY. In his long exposures of fan pubs, stadiums and public viewings, football appears as a linking entertainment. In GIANFRANCO FOSCHINO work the ball fully looses the role of the protagonist. Half-naked children in a backyard show a conspicuous lack of interest in the ball and are chopping firewood with a huge axe instead. The vibrating noise from a stadium is finally captured by LUKAS LIGETI in his sound installation.
    A catalog flyer in German will be published to accompany the exhibition with texts by Alfons Hug, Thomas Brussig, Marcelo Backes, Martín Kohan and Julio Srur.
    The Foreign Office in Berlin and the Kunsthaus Nuremberg are other stations of the exhibition.
    Image: Violencia abstracta, 2013, Video. © Muu Blanco
    Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
    Wilhelmstraße 15, 65185 Wiesbaden
    Tel +49 (0)611 301136
    Opening hours: Tue, 2–8 pm, Wed–Fri, 2–6 pm, Sat+Sun, 11 am–6 pm

Title FUTEBOL / O jogo só acaba quando termina
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